Clack

Schönheit muss leiden

Ein albtraumhaftes Abenteuer steckt hinter jedem Gang ins Fitnessstudio. Gangsta-Rapper, zu intime Einblicke und «Soiniggel» lauern bei Geräten und in der Garderobe – trotzdem geht unsere neue Autorin Alexandra immer wieder hin.

Von Alexandra Neidhart

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Ich bin in diesem Sommer ein bitzeli zum Fitness-Girlie mutiert. Hätte ich von mir niemals gedacht. Aber irgendwann habe ich mich so unwohl gefühlt, dass ich radikal fast alles auf den Kopf gestellt habe. Mittlerweile gehört es zum Alltag oder auch – neumodisch – es ist ein Lifestyle geworden. Naja, also manchmal ist es schon ein zünftiger «Chrampf». Aber was tut man nicht alles im Kampf gegen die Cellulitis.

Nun gut, ich bin jetzt also schon seit geraumer Zeit im Fitnesscenter, trainiere da vier bis sechs Mal pro Woche und dusche immer zu Hause. Ich fange mal bei den doch eher merkwürdigen Geschehnissen im Fitnessraum an. Es gibt ja immer Dutzende von Ausdauergeräten – vor allem die Damen stehen da stundenlang drauf und strampeln sich mit roten Köpfen ab. Die Armen. Ich steuere meist direkt den Freihantel-Bereich an. Und da sind sie: Die Gangster-Rapper mit ihren Hoodies. Kapuze tief ins Gesicht gezogen und einen Mundschutz in der Fresse. Ich konnte gar nicht anders, als da hinschauen. Am liebsten hätte ich gefragt: Warum trägt man im Fitnesscenter Mundschutz und Kapuze über dem Kopf? Kriegt er beim durch die Hanteln erzeugten Windstösschen eine Mittelohrenentzündung? Oder hat er Angst, jemand haut ihm die Zähne raus? Und natürlich müssen die dann auch immer ihre Hanteln auf den Boden knallen lassen.

Da stehe ich, ein verhältnismässig zierliches Weiblein, mit meiner megariesen Langhantel und einer gefühlten Tonne auf meinen Schultern. Mach mit Ach und Krach meine Squats fürs knackige «Ärschli» und neben mir stöhnt der Kapuzen-Fressenschutz-Mann vor sich hin. Er nimmt so viel Gewicht, dass ich jedes Mal eine geplatzte Ader befürchte. Mit hochrotem Kopf knallt er dann die Hanteln auf den Boden. Oder lässt das Seil einfach los. Ich erleide jeweils fast einen Hörsturz und meine Konzentration ist auch dahin.

Klar, ich könnte Kopfhöhrer in die Ohren stöpseln. Das ist nämlich das nächste, eher fragwürdige Phänomen. Echt Leute, diese riesen pamirähnlichen Hörer sehen doch schon auf der Strasse dämlich aus. Aber auf dem Laufband oder an den Hanteln? Das geht doch gar nicht. Der Schweiss trieft an den Schalen herunter. Iiiiiek… Meistens sind die dann auch noch neongelb oder so. Nein, ohne mich!

So, am Ende jeder Push- und Pull-Einheit stehe ich 15 Minuten auf das Laufband. 30 Sekunden Sprint, 60 Sekunden moderates Laufen. Und das mache ich zehn Mal. Zack. Das wars auch schon mit der Ausdauer.  Und dann gehts in die Garderobe. Tasche holen. Tüchlein in Tasche packen. Eiweisshake schütteln. Gehen. Ganz wichtig. Schnell da weggehen.

«Warum duschisch du nie im Fitness?» – Umshimmelsgottswillen! Wisst ihr denn nicht, wie grausig es in so einer Garderobe ist? Ich weiss wirklich nicht, ob die Männer auch solche «Soiniggel» sind. Aber die Frauen, die geben alles! Da ist alles drin: Von konkurrierenden Blicken, wie: «Die hätt die grössere Brüscht!» oder «Lug die Tusse mal a, die hett sich sicher Fett absuge lah!», bis hin zu sehr selbstbewussten Damen, die ALLES von sich zeigen.

Sitze ich da auf meinem Bänkli, ziehe meine Schuhe an, schaue hoch und sehe wirklich mehr, als mir lieb ist. Der Gynäkologe hätte eben die jährliche Untersung durchführen können. Eine Dame, die auf Körperbehaarung steht. Körperbehaarung überall, wo halt so die Haare vor sich hin wuchern. Ein Bein auf dem Bänkli, das andere auf dem Boden, cremt sie sich frisch-fröhlich ein. Und hopp, alle haben freie Aussicht auf ihre Intimzone. «Pfui wääk…nei ich will das nöd gseh.» Zu guter Letzt steckt sie sich noch einen neuen OB in sich rein. «Da häts mi denn kehrt.»

Da werden Schminktäschli in der Grösse einer Wickeltasche ausgepackt. Pinselchen, Make-up-Töpfchen, zehn verschiedenen Lidschatten (konnte sich nicht für die Farbe entscheiden), Mascara-Fläschchen, Deo, Parfum, Wattestäbchen, Watterondellen usw. Es nimmt kein Ende. Mit dem Duschen nehmen es viele nicht so genau. Wenn sie denn überhaupt duschen, dann sehr kurz. Also ist die chemische Reinigung umso wichtiger. Klar reicht das Frotteetüchlein, damit kann man Schweissüberreste abrubbeln. Dann eine Tonne Deo unter die Achseln kleistern. Je nachdem hängen die Haare dann im Deo-Roller. Als nächstes das halbe «Parfumgütterli» über den Körper kippen. Damit man fürs Date nachher auch super fein riecht…

Oft hinterlassen sie dann Make-up-Reste, verfärbte Wattenstäbchen und büschelweise Haare im Lavabo, auf dem Boden oder neben dem Lavabo liegen. «D Putzgurre macht das denn scho suber!» Es sieht in der Dusche so aus. Es sieht bei den Haartrocknern so aus. Und es sieht auf den WCs so aus. Auf den WCs findet man zusätzlich noch Tampons und Binden. Auch immer wieder sehr sympathisch. Tja und genau deshalb bin ich nie länger als fünf Minuten in der Garderobe. Was ich in dieser Zeit alles sehe, reicht mir dann wieder für die kommenden 24 Stunden.

Und trotzdem geh ich wieder hin. Nicht nur Schönheit muss leiden, auch Fitness hats nicht leicht.

Alexandra Neidhart ist Assistentin vom Chef. Sie mag die Oper, Bücher, vergöttert ihre drei Gottenkinder und wäre eigentlich ein Junkfood-Junkie.

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Gesundheit


Kommentare

  • The Hooonkster

    Ich befremde mich da aber eher ab den Leuten mit den Handys. Da wird nach jedem Gerät erstmal 5 -Minuten was am Handy rumgedrückt, am besten mit dem Tuch noch auf dem Gerät und es so blockiert.

    Da es bei uns keine Duschen gibt, gehts eh immer direkt nach hause. Pulli über die Schultern werfen reicht, da der Körper eh am glühen ist. Finde ich aber voll ok, da ich das Duschen dann zuhause geniessen kann. Und da ich mit dem Auto gehe, gibts da auch keine Geruchsbelastung für andere.

  • daniela p.

    ich war in den letzten dutzend jahren mindestens 100mal im hallenbad und da läuft man doch auch barfuss rum, da hätten wir doch mal warzen bekommen müssen. am ekligsten finde ich da das wasser im pool (würg spoiz)

  • Tomas

    Ich frage mich, in welches Fitness sie da gehen grin Da wo ich hingehe sind keine Männer mit Kapuzen, geschweige den mit Mundschutz (sic!). Schon eher ein Paar so Milchbubis mit Gelfrisur, die dann die meiste Zeit zu dritt ein Gerät plappernd blockieren, aber wer möchte es ihnen verübeln grin Ansonsten die ganze Palette, von den richtig hochgezüchteten Profis, über die Normalos wie mich bis zu den Schwulen in schicken Anzüglis, immer wohl parfümiert. Das mit dem knallen würde mich auch nerven – bei uns kommt es manchmal vor, aber glücklicherweise nur vereinzelt. Sie können das in der Regel der Aufsicht mitteilen, denn es ist nicht nur lästig, sondern auch gefährlich und in der Regel verboten.

    Ihre Schilderung der Damengarderobe kann ich leider nicht verifizieren, obwohl sie sich eher seltsam anhört grin Nichts für Ungut, aber ich kann mir nicht vorstellen, warum es mich in einer Damengarderobe als Frau stören sollte dass dort Frauen in verschiedenen Stadien des Anziehens zu sehen sind. Was ist schon dabei, dass ich da eine nackte Person sehe? Seid ihr Frauen so heikel? Bei uns Männern kam mir jedenfalls der Gedanke nie, dass es mich stören sollte – ausser vielleicht dass es wohl ein Naturgesetz ist, dass wenn ich zu meinem Spind zurückkehre, sind immer mindestens drei nackte nasse Kerle ebenfalss davor weil sie die Nachbarsspinde brauchen – das passiert auch dann, wenn der Raum sonst leer ist.

    Was ich aber interessant finde, ist ihre Schilderung der Beziehung der Frauen zu Hygiene. Nun ja, ich habe schon mehrfach gehört, dass öffentliche Damentoiletten etwas nur für hartgesottene Gemüter sind, da die Damen sich beim benutzen weigern hinzusetzen und anatomisch bedingt nicht imstande sind, genauer zu zielen. Dass jemand aber anstatt zu duschen nach dem Sport einfach nur Deo reinschmiert und geht, finde ich recht eklig – bei den Männern habe ich sowas noch nie festgestellt. Die lange Dusche danach, das ist doch der Höhepunkt, die Belohnung. Dass es sich jemand entgehen lässt verstehe ich nicht grin

  • Reto B.

    Meine Meinung zur Umkleideraumdiskussion:

    Männer sind es sich wohl eher gewohnt, dass sie gemeinsam Duschen und sich nackt sehen. Vom Sportverein, vom Militär, was weiss ich. Was ich von meinen Kolleginnen höre finde ich immer lustig – hei, get over it.

    Im Durchschnitt habe ich das Gefühl, dass Männer-Bathrooms weniger sauber sind als Frauen-Bathrooms. Aber das Spektrum ist bei den Damen schon recht bedenklich. Die schlimmsten Auswüchse die mir unterkamen, waren immer von einer Frau. Allerdings ist es klar so, dass ein Mann im Schnitt viel weniger Zeit/Aufwand hat in der Umkleidekabine. Duschen (viele haben bloss ein Duschgel für alles, kein Shampoo), Abtrocknen, Anziehen, Föhnen (bei gewissen kein Kamm nötig, bei einigen gar nicht nötig, v.a. im Sommer). Das einzige, was mich etwas mulmig macht, ist der Gedanke, was für Sporen, Bakterien und Keime sich wohl in der Pfütze vor der Dusche tummeln.

    Ach ja, wegen dem nicht hinsetzen aufm Klo. Ich würde mir mehr Sorgen um den Türgriff machen, den sie ja mit den Händen anlangen, als die Klobrille, die gerade mal ihre Beine berührt.

  • bibi

    Tomas, wer gleich nebenan wohnt, kann locker im Trainingsoutfit nach hause und dort duschen. Was soll daran eklig sein? (Ausser das mit dem Deo, das macht jemand normales nach dem Duschen)

  • Tomas

    Für die Dusche/ Garderobe gibt es Adiletten Reto, da laufe ich auch nicht barfuss.

  • Tomas

    bibi: naja, ich urteile wohl nach mir – wenn ich mit dem Workout fertig bin, will ich ungeduscht meine Nähe niemandem zumuten grin Und so verschwitzt wieder in die Strassenklamotten zu schlüpfen, wääh, das ist wirklich unangenehm nur wenn ich daran denke.

  • Carolina

    Mein Fitness hat zwar keine Kapuzenheinis, aber die Szenen in der Umkleide kommen mir – minus literarischer Ueberspitztheit – sehr bekannt vor. Und ja, ich gehöre auch zu den Frauen, die es hasst, wenn Frauen ihre gesamte Intimpflege in der Umkleide erledigen (ist wahrscheinlich Charaktersache; wir haben im Freundeskreis auch immer die Diskussion, ob man vor dem Partner aufs Klo geht…. für mich ist das ein absolutes no-no). Ich steige nach erledigtem Workout immer in den Trainingsanzug und fahre heim, wo ich dann ausgiebigst meinen Hygienebedürfnissen nachgehe. Was soll daran schweinigelig sein? Vor allem, weil der Zustand der Umkleide, Duschen und Toiletten oft einfach unglaublich ist – ich schäme mich manchmal meiner Geschlechtsgenossinnen.

  • daniela p.

    im ernst, macht ihr euch sorgen, dass eure fusssohlen mit keimen, sporen und baktieren in kontakt kommen könnten?
    genau, griffe von türen oder haltestangen im bus, vorallem tastaturen (ticketautomaten), das ist ekelhaft. aber das sieht man ja nicht. und auch das übersteht unser immunsystem.
    ich persönlich finde indoor-extrem-gruppenschwitzen sowieso eklig, aber jedem das seine

  • Tomas

    Daniela, ohne Badelatschen ist es nicht die Frage ob, sondern wann du dir Warzen holst, das ist einfach eine Tatsache. Unter anderem deshalb, weil eben Menschen mit Warzen selber ohne Badelatschen duschen gehen.
    Meine Kinder, die die Adiletten halt nicht immer konsequent tragen, haben dank dem Schwimmkurs immer wieder Warzen die man dann mühsam loswerden muss.
    Dass es nicht dumm ist sich hin und wieder Hände zu waschen stimmt natürlich auch, bei uns in Fitness werden aber alle Geräte nach dem benutzen von dem Benutzer selbst desinfiziert, jeder sollte eigenes oder gemietetes Handtuch als Unterlage verwenden etc. Toiletten werden halbstündlich kontrolliert bzw geputzt, und alles macht einen guten Eindruck, kein Grund nervös zu werden.

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