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Wie männerfeindlich ist der Frauenlauf?

Eine Berner SVP-Politikerin fühlt sich dazu berufen, sich als Schutzpatronin für die armen Opfer der Emanzipation einzusetzen, die vom Frauenlauf ausgegrenzt sind: die Männer. Clack-Co-Chefredaktorin Daniela Dambach über Hirngespinste, Herd-Heimchen und Hopfen&Malz, die offenbar verloren sind.

Von Daniela Dambach

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Es kling wie ein Aprilscherz für mich, aber die Sommersonne, die mir ins Gesicht blendet, holt mich zurück in die Realität und ich reisse meine zusammengekniffenen Augen weit auf: Die Berner Stadträtin Nathalie D’Addezio tut in ihrem Vorstoss «Ladies Run auf dem Prüfstand der Gleichstellung» ihre Sorgen kund; Die Benachteiligung der Männer, namentlich beim Berner Frauenlauf, die schleichende Verweiblichung des Zusammenlebens und Frauen, welche die Macht übernehmen wollen – auf Kosten der Männer. Ein Brouillon aus PR, Aufmerksamkeitsdrang und Einfallslosigkeit – gebraut im Cüpli-Glas.

Was ist denn ein verweiblichter Mann? Einer, der einfühlsam ist? Einer, der darauf achtet, dass sein Hemd zur Hose passt? Einer, dem bei einer honigzähen Hollywood-Szene ein bisschen Wasser aus den Augen spritzt? Einer, der ein modernes Familienmodell lebt und «Hausmann» nicht als Schimpfwort empfindet?  Einer, der das Seiden-«Blüsli» seiner Frau von Hand wäscht, weil sie wegen Geschäftsterminen keine Zeit hat? Das ist, was ich unter einem waschechten Mann verstehe!

Jene in diesem Postulat einge- und verklemmten Ideologien sind es, die Männer in Rollen pressen – und Frauen gleichermassen. Aber gewisse SVP-Exponentinnen stören sich nicht an der Reduzierung auf weibliche Reize, wie der Wahlslogan «Vier Brüste für ein Halleluja» selbsterklärend proklamiert: Wenn frau nicht mit Hirn heraussticht, müssen halt die Hupen herhalten.  

Frauen dürfen nur solange Karriere machen, wie sie keine Kinder hätten, lese ich weiter. Frauen sollen für ihre Familie die Arbeitswelt ganz verlassen? Wer das verlangt, zieht den jahrzehntellange Kampf unserer Mütter und Grossmütter in den Dreck. Wenn eine Frau sich dafür entscheidet, sich voll und ganz ihrer Mutterrolle zu widmen, ist das ebenso ihr gutes Recht, wie wenn sie sich dafür entscheidet, Kind und Karriere unter einen riesigen Hut à la Pharell Williams zu bringen. Aber letzterer mit Babywagen und Bibel in der Hand, den Catwalk zur Chefetage zu versperren, ist konservative Kacke.

Eine Frau nutzt ihre politische Macht, um sich gegen die Macht von Frauen auszusprechen. Das erinnert an die Frauen, die sich gegen das Frauenstimmrecht einsetzten: Sie politisierten, um nicht politisieren zu müssen. Gelebte Inkonsequenz. Die logische Konsequenz wäre doch, dass die «Männerrechtlerin»  ihren Sitz im Stadtrat räumt, zugunsten eines unterdrückten Mannes, der so dringend eine Stimme in der Gesellschaft braucht, oder?

Zurück zum Frauenlauf, dem Event des Enervierens. Ein Anlass nur für Frauen diskriminiert die Männer? Fies eigentlich, dass die Kerle nicht auf die Damentoilette dürfen, bei der «Ladies Night» nicht gratis reinkommen und gar vom Mädels-Abend ausgeschlossen sind. Müsste es zum Ausgleich mehr Anlässe nur für Männer geben? Zum Beispiel einen «Strongmanrun», einen Bierkastenlauf oder eine Art Sumoringen im Sägemehl? Moment, ha, das gibt es ja schon! Dann halt eine Holzhackwettkampf, eine Rülps-Rally, einen Armdrück- und Penislängen-Kontest – oder eine Hau-die-Nathalie-Meisterschaft.

Breitgrinsen beiseite:  Ich würde einem Mann, der es wirklich versteht, Gender-Fragen differenziert zu betrachten, gerne den Vortritt vor Schaumschlägern lassen, die im Rathaus Reality-Soaps realisieren. Sogar einem femininen Typen, der ein Glitzerkleid trägt. Es gibt tatsächlich Themen, bei denen Männer (weibliche) Unterstützung brauchen, zum Beispiel Wehrpflichtdienst, Sorgerecht oder Vaterschaftstests (siehe http://dev-clackch.pantheon.io/ressort/artikel/Clack/5635/vaterschaftstest_fuer_alle_zum_kuckuck_nochmal). Aber ganz bestimmt nicht in Sachen Sportanlässe, High-Heels für Herren oder Shirts mit der Aufschrift «Emanze», welche die Männer vor allzu eigenwilligen Frauen warnen.

Journalistin und Frauenrechtlerin Iris von Roten war mit ihrem Buch «Frauen im Laufgitter», das 1958 erschienen ist – 13 Jahre vor der Einführung des Frauenstimmrechts – ihrer Zeit voraus. 2014 hinken manche Meinungsmacher hinterher und sind intellektuell dem Laufgitter noch nicht entwachsen. 

Seien wir dankbar, dass wir Frauen auch eine Stimme haben – die wir noch öfter benutzen sollten, gerade wenn es darum geht, Parteien und deren Programme an der Urne zu begraben. Den Grabstein und die Blumen sparen wir uns besser, damit der Verwaltungsapparat das Geld für vernünftige Massnahmen für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt – und nicht zur Beantwortung absurder Postulate. Die Emanzipation ist längst nicht abgeschlossen, aber damit meine ich nicht das Durchbrechen von Achselhaaren aus dem Sommerkleidchen. Sondern das Durchbrechen von Verhaltensmustern.

Zum Schluss ein Geschenktipp für Rechtskonservative, die sich um die Rechte der Männer sorgen: Ein Flugticket an den Hindukusch – One-Way versteht sich. Dort könnten sie sich voll und ganz der typisch weiblichen Aufgabe widmen, «Männer nicht zu vernachlässigen.» Alternative: Eine Nachhilfe-Lektion bei Conchita Wurst.

Daniela Dambach ist freie Autorin und Chefredaktorin der Zeitschrift «Mis Magazin». Als Clack-Co-Chefredaktorin wird sie für Sie die schönen und die unschönen Dinge des Alltags mit spitzer Feder und rothaarigem Temperament beschreiben.

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Kommentare

  • Fabian

    Hier im Clack-Text Daniela, die sich lustig macht über jene, die Männerdiskriminierung bei Frauenanlässen feststellen.
    Dann im anderen Clack-Text Réda, der sich über Frauendiskriminierung bei der Männerfussball-WM beklagt.
    http://dev-clackch.pantheon.io/ressort/artikel/Clack/5628/frauen_die_fussball_wm

    Ich kann nicht anders als Schmunzeln über diese unbeabsichtigten wie wohl sehr feinen Fingerzeig der Clack-Redaktion auf die Ideologie, die ihrem Denkmuster unterliegt: Frauen sind immer Opfer von Diskriminierung, Männer die sich darüber beklagen, aber nur lächerlich.

  • Bernhard

    “Frauen sind immer Opfer von Diskriminierung, Männer die sich darüber beklagen, aber nur lächerlich.” Typische Denkweise im Bereich der Gleichstellung, in den Medien tausend mal gesehen.

  • marie

    frau d’addezio soll endlich kinder kriegen, als gute svp frau wird sie dann ganz brav zu hause kinder erziehen. so können wir uns dann um die wirklich wichtigen themen zuwenden. aber bevor sie geht, soll sie doch einen männerlauf organisieren und die herren fuchs und hess teilnehmen lassen – sport ist ja bekanntlich gesund. knowhow kann sie sich dann bei markus ryffel holen, der den frauenlauf organisiert.
    …wer frau d’addezio ernst nimmt, ist selber schuld und tut mir nicht leid.

  • Hans

    Autsch. Gut beobachtet.

  • Reda El Arbi

    Ja, ungemein genau beobachtet. Und ich würde Ihnen natürlich vollauf Recht geben.

    Wenn da nur nicht der historische Hintergrund der Gleichstellungsfrage wär. Und natürlich die Geldfrage. Könnte man mit dem Frauenlauf Millionen bzw. Milliarden verdienen, wie bei der WM, würden wahrscheinlich sehr wenige Frauen mitlaufen. So wie in unserer Wirtschaft.

    Der andere Tei der Diskriminierung: Da sind keine Männer in knackigen Shorts, um den Frauenlauf an de Konsumenten zu verkaufen. Da sind keine Sexfilmchen wie auf Sport-TV, mit Männern, die sich lasziv ausziehen, um die Pausen im Frauenlauf zu füllen.

    Kurz: Ihr Denkanstoss und Ihre Beobachtung sind eigentlich nichts anderes als das übliche Gejammere von Antifeministen.

    Und ehrlich, Antifeministen sind einfach keine echten Männer. Antifeministen scheissen sich vor Angst vor starken Frauen in die Hose. Und damits nicht so lächerlich wirkt, schreien sie und drohen mit den Fäusten. Jänu.

  • M.B.

    …sie sollten sich Frau D’Addezios Beleidigungen und Häme ggü Andersdenkenden einmal zu Gemüte führen. Die sind m.e. schlimmer.

  • Keine Profanität

    Das macht die journalistische Qualität von Fr. Dambach nicht besser.

  • Sportpapi

    Wo finde ich diese Beleidigungen und Häme? Würde ich gerne nachlesen.
    Andererseits hat das nichts damit zu tun, wie Journalistinnen auf eine sie störende Meinung reagieren und welche Sprache sie dabei verwenden.

  • Sportpapi

    Und was war schon wieder der Anreger für diesen Aufreger? Gibt jeder Furz irgendeines Politikers (ode rhier einer Politikerin) bereits Grund für eine heftige Stellungnahme?
    Ausserdem finde ich diesen Frauenlauf auch eine komische Sache. Aber bitte, wenn die Frauen das brauchen.

  • Sportpapi

    Antifeministen? Schublade auf und zu! Ich wundere mich ja nur wie aus einem Schmunzeln plötzlich ein Gejammere wird…

  • Jorge

    @ElArbi: Reflexe sind was mühsames… einem Selbst fallen sie meist gar nicht mehr auf und abtrainieren ist mit Arbeit verbunden.

    ob in der Bäckerei:
    “Entschuldigen Sie, wir haben keine Gipfeli mehr”
    “Sie Antifeminist!”

    in der S-Bahn:
    “Keine Sitze frei?”
    “Antifeminismus pur!”

    oder an der Ampel:
    “Wie jetzt, rot? Antifeministen – überall!”

    Langsam aber sicher bekomme ich den Eindruck, dass manche Leute nur Antifeministen sind, weil Sie von sich behaupten, ein Feminist zu sein.

     

  • Keine Profanität

    Clack-Co-Chefredaktorin…. schreibt in einer vulgären Sprache wie etwa konservative Kacke, mit verbalattacken wie “Ein Brouillon aus PR, Aufmerksamkeitsdrang und Einfallslosigkeit” usw. Sehr überzeugend und zum lesen einladend. Auch wenn Ihnen das konservative Weltbild der Politikerin nicht passt, ist das kein Anlass, statt mit Argumenten mit Beschimpfungen der primitiven profanen Art zu glänzen.

  • M.B.

    Das hat sich Fr. D’Addezio durchaus selbst zu verdanken. Schon nur ihre grenzwertig rassistischen Äusserungen, nur weil sie sich offenbar ggü Migranten aufwerten und abgrenzen muss als Seconda (meine Frau ist selbst eine).
    Dazu noch einmal: sie fällt nicht auf, weil sie exorbitant intelligent ist und Benehmen hat sie ebenso wenig. Und ihr Auftreten ist sehr arrogant. Ich vermute, dass sie von solchen gewählt wird, die sich auch daran stossen, dass es keinen popeligen Männerlauf gibt – sie kann ja einer organisieren, aber ohne Vorstoss, Bern hat nämlich definitiv andere Probleme; dieser Vorstoss ist für die Katz’ und beansprucht nur Zeit, Aufwand und Bürokratie (die ja hauptsächlich immer von der SVP bekämpft wird). Und mir ist so, dass der Frauenlauf auch keinen politischen Vorstoss brauchte.
    Lassen Sie sich nur nicht blenden von ihrer konservativen Familienpolitik (gg die ich nichts habe), der Rest an ihr ist Reaktionär.

  • Sportpapi

    @MB: Sie können also keinen Link, keinen Text, kein Interview angeben, wo nachgelesen werden könnte, was Sie hier ausführen?
    Zum Thema: Wenn ich daran denke, welche Empörung jedes Jahr bei uns in Zürich herrscht, wenn die Frauen am Sechseläuten wieder nicht mitlaufen dürfen… So ganz abwegig ist der Vorstoss nicht. Obwohl ich persönlich das Thema jetzt auch nicht so sehe. Aber auch nicht, weshalb man aus diesem Vorstoss eine solche Geschichte machen muss.

  • M.B.

    …ich kenne sie persönlich und hab ab und zu Podiumsgespräche besucht, wo sie “referierte”. So etwas ist schlicht nicht wählbar. Und was den Vorstoss betrifft, hab’s versucht Ihnen zu erklären, scheint nicht angekommen zu sein. Tant pis!
    Ihr letzter fragwürdiger Auftritt war die Arena – sie können selbst googeln. So muss arbeiten.

  • Keine Profanität

    ‘M.B.’: “ich kenne sie persönlich und hab ab und zu Podiumsgespräche besucht”. Dann ist dies hier eine persönliche und private Vendetta.

    Ich habe ihren Namen gegoogelt und einige Videoclips aus dem Suchresultat angeschaut. Darin fand ich nirgends so etwas wie “grenzwertig rassistische Äusserungen”, “Benehmen hat sie ebenso wenig”, keine “gute Umgangsformen”, “arrogantes Auftreten”. Im Gegenteil, Frau Dambachs Umgangsformen in diesem Artikel und auch in anderen ist ein grosser (im negativen Sinn) Kontrast zum Auftritt von Frau D’Addezio. Das genaue Gegenteil dessen, was Sie hier, M.B. in Ihrer dahergeredeten Schmierenkomödie übler Nachrede kommentieren.

    Im übrigen sind sehr oft gerade Secondas und Secondos dem free for all der derzeitigen Immigrationspolitik gegenüber kritisch eingestellt. Das hat nichts mit grenzwertig rassistisch zu tun.

    Und wenn Sie die Sendung Arena erwähnen, dann können Sie ruhig sagen, dass alle an jenen Streitgesprächen auf dem Niveau eines Jerry Springer Teilnehmenden eine ausgesprochen schlechte Falle machen. Liegt am bescheuerten Format der Sendung, der nicht existenten Moderation und der die grundsätzlichsten Formen von Höflichkeit missachtenden Gesprächskultur.

    und wer oder was wählbar ist, entscheiden die Bürger immer noch selber. Privat und anonym im Kabäuschen, wo die Stimmzettel ausgefüllt werden. DAS, was Sie dazu äussern, ist wahrlich arrogant.

    Vielleicht Zeit, solche Machenschaften wie hier dem Ombud der Presse vorzulegen? Die werden wohl angesichts der geringen Leserzahlen lachen.

  • Mikael

    Reda, alle die anderer Meinung sind als du, seien Antifeministen? Meinst so Zeugs echt ernst?

  • M.B.

    Ich weiss nicht, ob sie aus Bern sind. Aber in Bern sind sich sehr viele einig: Frau D’Addezio fällt nicht gerade aufgrund ihrer überragenden Intelligenz und gute Umgangsformen auf. Frau Dambachs Beitrag passt sich dem Ton Frau D’Addezios nur an, ein anderer resp. höflicher Umgang und Anstand versteht Nathalie nicht.
    Mich stören übrigens PolitikerInnen mit mangeldem Umgang weitaus mehr.

  • Sportpapi

    @M.B.: Ich bin nicht aus Bern. Aber ich habe den Vorstoss gelesen, und die verschiedenen empörten Reaktionen darauf in verschiedenen Medien. Nirgends habe ich aber Beleidigungen und Häme von Frau D’Addezio gelesen. Wie über sie geschrieben wird, ist hingegen zeitweise durchaus grenzwertig. Und, nebenbei: Immerhin ist sie gewählte Politikerin.

  • Sportpapi

    Sie wissen doch, es gibt für einen Mann nichts Wichtigeres als eine zufriedene, glückliche Frau. grin

  • Mariam

    Die Frau kann den Mann auch in die Wüste schicken und das Kind alleine aufziehen. Der Möglichkeiten sind viele.

  • mira

    @Sportpapi
    Dann gäbe es mehr glückliche Frauen…

  • Sportpapi

    @mira: Ich kenne viele glückliche, oder zumindest zufriedene Frauen. Und auch wenn es lustig tönt – ich habe das durchaus auch ernst gemeint.

  • mira

    “Wenn eine Frau sich dafür entscheidet, sich voll und ganz ihrer Mutterrolle zu widmen, ist das ebenso ihr gutes Recht, wie wenn sie sich dafür entscheidet, Kind und Karriere unter einen riesigen Hut à la Pharell Williams zu bringen.”

    Aha, und ich dachte immer noch, dass ein Paar GEMEINSAM entscheidet, wer welche Rolle(n) einnimmt… Oder muss der Mann automatisch immer mit der Entscheidung der Frau einverstanden sein?

  • mira

    @Sportpapi
    Ich kenne auch viele glückliche oder zufriedene Frauen. Die machen aber ihr Glück nicht von den Männern abhängig…
    Wer welche Rolle einnimmt, sollte meiner Meinung nach immer von beiden Partnern entschieden werden. Denn es müssen anschliessend auch beide jahrelang mit dieser Festlegung leben.

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