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Wer sagt zuerst «Ich liebe Dich»?

Frauen sind emotional, Männer Kühlschränke, so eines der populärsten Geschlechterklischees. Dass es komplett falsch ist, zeigt sich am dramatischen Schlüsselsatz aller Beziehungen.

Von Marie Dové

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Es sind drei kurze Wörter, aber sie können Dramatisches auslösen: Menschen ein Leben lang binden – oder allenfalls für immer in die Flucht schlagen. Deshalb sagt man diese drei Wörter besser mit Bedacht und nicht unbedingt gleich jedem – auch wenn «Ich liebe Dich», «I love you» zweifellos die meistgeträllertste Phrase in der Geschichte der Popmusik ist.

Dichtung und Wahrheit

Bloss, wer sagt den Liebessatz zuerst? Die Frau? Der Mann? Wer gesteht eher, «Ich liebe Dich»? Klar doch, werden die meisten sagen, das romantische Geschlecht, die Frau. Sie haucht schmachtend den Liebesschwur ihrem Geliebten ins Ohr, so wie wir das aus dem Kino kennen und in Büchern immer schon gelesen haben. Gemäss Umfragen – eine aktuelle Übersicht bietet der Artikel der US-Psychologin Suzanne Phillips – ist für Männer und Frauen klar:

  • dass es in der heutigen Gesellschaft für Frauen einfacher ist als für Männer, sich zu einer Beziehung und zu Treue zu bekennen.
  • dass es Frauen leichter fällt als Männern, einem Gegenüber ihre Liebe zu offenbaren und den Satz «Ich liebe Dich» über die Lippen zu bringen.

Die Frau, die über ihre Emotionen sprechen kann, der Mann, der schweigt – soweit die Stereotypen, soweit unsere Alltagsvorstellungen vom Gefühlsleben der Geschlechter. (Lesen Sie dazu auch: «Freundschaft ist besser als Sex. Oder?»)

Zuvor ist nicht danach

Das Psychologenteam interviewte 205 Frauen und Männer über die Geschichte und den Verlauf ihrer Beziehung – und fand dabei heraus:

  • dass es in der Regel die Männer sind, die in einer Beziehung ihrer Partnerin gestehen «Ich liebe Dich», bevor es zum Geschlechtsverkehr kommt (nämlich in 70 Prozent der untersuchten Fälle).
  • dass beide Geschlechter, Frauen und Männer, es lieben, wenn der Partner oder die Partnerin ihnen Gefühle gesteht, bevor es zu sexueller Aktivität kommt. (Lesen Sie auch: «Wer sich schnell mal abschleppen lässt»)

Aber halten diese Annahmen wirklich einer seriösen, einer wissenschaftlichen Überprüfung stand? Die drei Forscher Joshua Ackerman, Vladas Griskevicius und Norman P. Li wollten es genau wissen – und förderten in ihrer Untersuchung «Let’s Get Serious: Communicating Commitment in Romantic Relationships» unlängst Überraschendes zutage. Es besteht nämlich ganz offenbar ein grosser Unterschied zwischen dem, was Männer und Frauen glauben und dem, was sie tatsächlich tun.

Männer sind also mitnichten die grossen Schweiger, keine gefühlsmässigen Kühlschränke. Und umgekehrt ist die Behauptung, Liebesgeständnisse gingen immer von der Frau aus, also ebenfalls bloss Klischee. Noch spannender wird die Sache dann bei der Frage, zu welchem Zeitpunkt Frauen und Männer den «Ich liebe Dich»-Satz am liebsten zu hören bekommen:

  • die Frauen lieber nach dem Sexualverkehr,
  • die Männer lieber zuvor.

Die Differenz erklärt sich Ackerman mit der Evolution: Womöglich sagten Männer die Wörter früher als Frauen, weil sie sich dadurch eine bessere Chance auf Geschlechtsverkehr erhofften – eine Strategie, die ja durchaus auch heute noch funktionieren könnte. Frauen hingegen zögerten mit dem Geständnis, weil sie dem Mann gegenüber vorsichtig seien, um nicht enttäuscht zu werden. (Lesen Sie auch: «Männer müssen fremdgehen»)

Was lernen wir: Männer sprechen durchaus von der Liebe, meistens sogar früher als das weibliche Geschlecht. Aber, dieser Verdacht drängt sich auf, sie verstehen das etwas anders als die Frau. Körperlicher irgendwie. (Lesen Sie auch: «Die 5 Dating-Fehler der Frauen»)

 

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Beziehung Psychologie Sexualität


Kommentare

  • Remo Roth

    Warum eigentlich nicht mal darauf hinweisen, dass das “I love you” überhaupt nicht dem “Ich liebe dich” (oder noch ehrlicher “I ha di gäärn”) entspricht? So unglaublich intensiv ist mir das aufgefallen, als einer aus dem 9/11 Twin Tower sprang und seiner Frau das “I love you” per Handy mitteilte. Die letzten Worte, die er sprach! Und das klang (für mein Gefühl) so falsch !!! Eine subjektive Meinung—aber ich höre heute noch dieses double bind in seiner Stimme.  Aber diesebezüglich bin ich wahrscheinlich ein primitiver Kuhschweizer, der in den Worten die er sagt auch noch Gefühle und Emotionen ausdrücken möchte.

  • Remo Roth

    …ich meine: ehrliche Gefühle und Emotionen, und nicht dieses Aufgesetzte, Falsche …

  • Reto B.

    Also ich wollte zuerst Sex in der Beziehung, ich habe lange vor ihr gesagt, dass ich sie liebe (und danach erklärt, dass ich nicht meine, ich hätte mich in sie verschossen. Nein, echte tiefe Gefühle!). Ich bin ein Bungeejumper in Beziehungen, Volle Kanne rein, in der Hoffnung, dass die Bande hält. Sie hatte zuviele schlechte Erfahrungen gemacht, brauchte wohl ein knappes halbes Jahr, bis sie mir wirklich glaubte, dass ich es ernst mit ihr meine. Das ganze ist jetzt 4,5 Jahre her. Ich liebe sie immer noch, und ja ich war mir damals sicher, dass ich sie liebe. Nein sex hatten wir damals keinen, sie hat mir ziemlich klar gemacht, dass sie erst abwarten will, bis das Vertrauen da ist (An dieser Stelle ein herzliches F*** you an die beziehungsunfähigen Rüpel, welche es den anderen Kerls wie mir so schwer machten, eine nette Frau anzumachen/abzukriegen).

  • Chnobli Brot

    Wenn ein Mann sagt:“I liäb Di”, dann will er “schnackseln”, Wenn eine Frau sagt:“I liäb Di”, so weiss man(n) nicht genau, was Frau meint ……. grin

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