Clack

Wenn die Gockel zicken

Die Parteipräsidenten Christian Levrat und Fulvio Pelli liegen sich in den Haaren, beschimpfen sich vor laufender Kamera und reagieren beleidigt. Wie war das nochmal mit dem Zickenkrieg?

Von Nicole Althaus

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Manchmal bekommt man schneller recht, als einem lieb sein darf: Vor genau einer Woche prophezeite «Clack» anlässlich der Bundesratswahlen: «Dank der Frauenmehrheit bekommen wir das Wort Zickenkrieg von den Medien noch öfter zu hören als bisher.» Und prompt titelte der «Blick» gestern, verlässlich wie er ist: «Leuthard eröffnet am 1. Tag den Zicken-Krieg!», und wollte von seinen Leserinnen und Leser wissen, ob sie ebenfalls enttäuscht seien, dass es im neu zusammengesetzten Bundesrat noch immer «Machtspiele wie unter Männern» gebe.

Das Unwort «Zickenkrieg» verbreitete sich wie ein Lauffeuer, die Aargauer Zeitung fragte sich  am Montag: «Departementsverteilung: Ist der Zickenkrieg schuld?» und Karikaturist Schaad zog gestern zeichnerisch im «Tages-Anzeiger» genüsslich über das «Feng-Shui im Bundesrat dank Frauenmehrheit» her. Das Urteil war gefällt: Die neuen Bundesrätinnen können miteinander nicht, weil sie Frauen sind.

Was ist passiert? Doris Leuthard hat als Bundespräsidentin die Verteilungssitzung geleitet und für sich ein neues Departement beansprucht, was ihr gutes Recht ist. Eveline Widmer-Schlumpf bestand auch auf einem Wechsel, was ebenfalls ihr gutes Recht ist, selbst wenn sich der Wechsel politisch auch als Bumerang herausstellen könnte. Und Simonetta Sommaruga wurde schlussendlich per Abstimmung ins Justizdepartement abgeschoben, was ihr selbstverständlich nicht recht war – eine Tatsache, die sie nicht versteckte.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, das war schon alles. Weder sind die Damen in der Sitzung aufeinander losgegangen, noch sind verbale Entgleisungen zu vermerken oder unüberlegte Reaktionen. Zumindest nicht unter den Frauen. Diese nämlich  haben bloss das parteipolitische Spiel zum besten gegeben, das immer und immer wieder gespielt wird: Sie haben  die Departemente auf Grund kühlen parteipolitischen Kalküls verteilt.

Der Zickenkrieg ist also nichts als warme Luft. Oder besser gesagt: das mit geradezu schweizerischer Zuverlässigkeit zitierte Schlagwort, wenn Frauen an der Macht das tun, was Männer an der Macht seit Jahrhunderten tun: nämlich Macht ausüben.

Dass von Leuthard und Sommaruga, nur weil sie gelegentlich Röcke und Perlen tragen und sich die Fingernägel lackieren, verlangt wird, nun händchenhaltend und mit einem Mädchenlächeln im Gesicht der vielzitierten Kollegialität zu frönen,  ist so unvernünftig wie absurd – es sei denn, man krallt sich an längst überholten Geschlechterstereotypen fest.

Genau so absurd übrigens wie der Glaube, dass Männer Auseinandersetzungen mit Ihresgleichen stets ruhig, besonnen und argumentativ kühl angehen. Wer derzeit zickt, das sind die Parteiböcke: Christian Levrat schäumte nach der Departements-Scharade vor Wut und beschimpft seinen Parteikollegen Fulvio Pelli vor laufender Kamera einen «knallharten Lügner». Dieser wiederum reagiert wie eine beleidigte Leberwurst und will den SP-Präsidenten wegen Verleumdung vor Gericht stellen lassen. Was die beiden Herren auf dem politischen Parkett derzeit zum Besten geben, ist nichts weiter als der Beweis dafür, dass die Bundesrätinnen die Departemente aufgrund kühlen parteipolitischen Kalküls verteilt haben.

Treten Sie mal einen Schritt zurück und überlegen Sie sich, welches Wort Ihnen in den Sinn käme, wenn es sich bei den Herren Levrat und Pelli um Damen der Schöpfung gehandelt hätte? Hysterisch – oder nicht?

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