Clack

Wenn das Shirt spricht …

Message-Mode textet uns diese Saison zu – von «Pussy Power» bis «I am Batman». Clack-Autorin Daniela Dambach über Botschaften auf der Brust und warum T-Shirts manchmal besser schweigen sollten.

Von Daniela Dambach

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«BURN» steht in pechschwarzen Lettern auf der stolzgeschwellten Brust der eigentlich harmlos wirkenden Schülerin. Wer ist gemeint? Ich? Oder der Typ neben mir, der mit aufgedrehter Lautstärke Angry Birds auf seinem Smartphone gamet? Gleich um die Ecke die nächste lebende Litfasssäule. Ihre Mission: «Fashion and Love». Stimmt, wer sich so im T-Shirt vergreift, den verschont die Modepolizei nur aus barmherziger Nächstenliebe. Blabla auf Baumwolle ist seit Jahren ein modischer Dauerbrenner, dessen Flamme jetzt besonders hoch aufpeitscht. Die Slogans machen aus dem stinknormalen Klassiker ein Unikat. Aber Achtung! Die Sprüche offenbaren den Charakter: Zeig mir dein Motto-Shirt und ich sag dir, wer du bist!

Wenn der italienische Opa ein Kurzarmshirt mit der Aufschrift «Girl Gone Wild» trägt, dann ist das irgendwie herzig – weil Nonno kein Wort Englisch versteht. Das ist denn auch das einzige Szenario, in dem solche Sätze spassig sind. Die Botschaft sollte leidlich mit der eigenen Gesinnung korrespondieren. Schliesslich wirken Texte auf dem Thorax wie eine Visitenkarte – oder eine Warnung an die Mitmenschen. Was will uns das Girlie mit dem «Bitches. Always. Do»-Shirt verklickern? Wundert sich die Trägerin des Shirts «Own it», wenn ein Kerl sie in ein Auto mit verdunkelten Scheiben zerrt oder eine Wildfremde ihr die Kleider vom Leib reisst? Was denkt der Polizist, wenn er den Typ mit dem «Don’t stop me now»-Schriftzug zwecks Kontrolle anhält? Ist die Frau im weissen Top mit der pinken Aufschrift «You’re so fake, you make Barbie look real» eine Zicke, die einen Katzenkampf provoziert? Wie ist der Satz «Just want to have fun» beim Bewerbungsgespräch zu verstehen?

Wer generell keinen Bock zum Quatschen hat, kann das mit dem Aufdruck «No Comment» lautlos kundtun. Das Modelabel Moschino verkündet auf den 200 Euro teuren Fetzen schwarz auf weiss «Luxury is relative» – Intelligenz wohl auch. Praktisch für Wankelmütige ist das mausgraue Oberteil mit dem Titel «FUCK» und drei Ankreuz-Kästchen:  YOU  ME  OFF. Nach dem 60-Grad-Waschgang kann man es sich also nochmal anders überlegen. Nebst den zweifelhaften Zeilen, halten sich Oberteile mit Binsenweisheiten, die etwa so tiefgründig sind wie ein austrocknender Tümpel. Für 55 Franken kann man die frohe Botschaft «I am who I am» in die Welt hinaustragen. Gratulation. Für den doppelten Batzen auch «This is absolutely not a T-Shirt». Ach so, dann eben nicht.

Wer ein x-beliebiges Statement zur Schau trägt, könnte bemitleidende Blicke auf sich ziehen: Armes Modeopfer! Die wahren Modeopfer sind die Arbeiter der Drittwelt-Textilindustrie. «No more Fashion Victims», sagte sich Katharine Hamnett. Die englische Designerin setzt mit ihrem Label ein Zeichen für faire Mode aus ökologischem Anbau, hergestellt unter ethisch vertretbaren Bedingungen. Sie war es, die in den 80er-Jahren das Statement-Shirt gebar. Im Gegensatz zu den aktuellen Klamauk-Klamotten verfolgt Hamnett damals wie heute ernsthafte Absichten. Sie nutzt die Kleidung für ihren politischen Protest, zum Beispiel gegen Atomraketen. Ihre Kreationen wie «Save the Future» oder «Choose Life» erreichen Kultstatus. Wenn schon Slogan-Shirt, dann bitte für solche Denkanstösse! Mit einem Hauch Weltveränderer-Anmut! Wie wäre es also mit einem Shirt «Nein zu den Kampfjet-Milliarden» statt «Save A Horse, Ride A Cowboy»?

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Kommentare

  • Irene

    smile gut…..

  • James

    Ich empfinde Text auf T-Shirts bei Frauen als sexuelle Belästigung, weil ich durchs Lesen genötigt werde, der Frau auf die Brüste zu starren.

  • akade

    @james: dazu hätt’ ich dann den passenden t-shirt slogan, speziell für diese art von problem –

    ‘if thine eye offend thee, pluck it out’

  • Tomas

    Ich würde auf ihrer Stelle die politischen Themen (wie zum Beispiel ob ein bündnisfreies Staat eine Armee benötigt, beziehungsweise ob diese ohne Luftwaffe überhaupt einen Sinn macht) in ihrem Blog meiden, nur so ein Ratschag.

    Ansonsten, ich finde die Slogans auf den Tshirts eine eher harmlose Angelegenheit. Von all den “gopfertamijetztwerdeichaberprovozierenimfall” Motiven hat bei mir kaum eins einen bleibenden Eindruck hinterlassen, egal ob ernstgemeint oder möchtegern lustig – mit einer Ausnahme: ein Schulkollege hatte, als es gerade aktuell, war ein Tshirt mit der Wahlkampagne von Sarah Palin getragen, nota Bene an unserem Klassentreffen. Das Motiv war grafisch professionell in Form von drei Piktogrammen perfekt, sauber und klar dargestellt: vote for God, Weapons and Life. Nun, man muss noch sagen, dass es sich um ein Klassentreffen von einer Schule für Hochbegabte handelte, mein Kollege ragte schon immer mit seiner Intelligenz sogar in solcher Umgebung heraus und er ist weder ein Fan von der besagten Politikerin noch von ihrem Kontrahenten. Er vertritt aber so wie ich auch die Haltung, dass keine Meinung darf per se aus einer Diskussion ausgeschlossen sein. Und, natürlich, wenn schon provozieren, dann richtig grin

  • Katharina

    Ich sage Dir, was Du zu denken hast?

    Mich erstaunt nur, dass jemand mehr als 10 Dollar für ein simples Baumwoll T-Shirt mit einem Textaufdruck ausgibt.

  • James

    im ernst grin
    manchmal frage ich mich dann, ob frau das extra macht, damit wieder mal jemand hinguckt.

  • Jorge

    That’s Bullshit Darling!

    Soweit ich das abschätzen kann, hat das auch nichts mit Ihnen zu tun – aber Sie tragen es trotzdem.

    Oder bezieht sich das auf den Leser? Oder doch auf Sie? Sie sehen, man kann’s nie genau wissen!

    Denke deshalb, dass jeder der so ein T-Shirt trägt, sich schon seine Gedanken darüber macht. Bekannterweise müssen das aber nicht unbedingt schlaue Gedanken sein… if u know what i mean.

     

     

  • Ylene

    ‘Own it!’ heisst auf deutsch ‘Steh dazu!’ und nicht etwa ‘Schnapp es dir!’. grin To own something bedeutet für etwas Verantwortung übernehmen. Gibt schon ein paar lustige Shirts wie ‘Jesus loves you’ und klein darunter ‘everyone else thinks you’re an asshole’ oder dann das Shirt, auf dem viele Filmenden verraten werden wie ‘299 die’, ‘soylent green is people’ oder ‘the kid’s therapist is a ghost’. Auch beliebt bei Informatiker ‘there are 10 kind of people – those who understand binary and those who don’t’ oder so ähnlich. Mein persönliches T-Shirt-High-Light: die etwas gebrechliche, sehr ältere Dame mit dem knallroten ‘(Sternsymbol) FCKR’-Shirt (Star Fucker).

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