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Was Frauen wollen sollen

Sich in jemanden zu verlieben ist keine Frage des Willens. Ist Mr. Right also nur eine Frage des Zufalls? Mitnichten.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Das sagen nicht wir, das sagt der «Attraction Doctor» von Psychology Today (das Pseudonym klingt unseriös, Jeremy Nicholson hat aber tatsächlich ein Doktor in Psychologie). Seine Theorie besagt, Frauen können den Richtigen nicht aus dem Bauch heraus finden, weil das, was sie wollen und das, was sie empfinden in zwei verschiedenen Paar Schuhen stecken.

Es gibt nämlich drei Arten der Liebe, wie er aus einem Buch von Helen Fisher zitiert «Why We Love»:

–   Lust (sexuelles Begehren)

–   Anziehung (Reiz, Faszination und Motivation für die Wahl des Partners)

–   Bindung (Bedürfnis, mit diesem Menschen eine Beziehung zu haben, ein Haus zu teilen, Kinder in die Welt zu setzen, Sicherheit)

Diese drei Arten der Liebe haben verschiedene Herkünfte und wiegen je nach Person unterschiedlich. Die eine begehrt ihren Mann, ist von ihm fasziniert und will mit ihm Kinder. Der Idealfall also. Eine andere hat für die drei Arten drei verschiedene Männer: Den einen findet sie sexuell begehrenswert, einen zweiten faszinierend und mit dem Dritten fühlt sie sich sicher. Da wird es schon komplizierter.

Lust und Anziehung sind, so Nicholson, «primitive» Gefühle, die wir nur schlecht kontrollieren und bei denen wir keine Entscheidungsbefugnis haben. Wir können nicht begehren wollen, das passiert einfach.

Das Bindungselement hingegen folgt einem bewussten Entscheid und aus einer Überlegung hinaus: «Kann ich mir diesen Mann als Partner, Vater und Freund vorstellen?» Wieviele Frauen erstellen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens eine mentale Wunschliste mit den Eigenschaften, die sie gerne bei einem Partner sehen würden? Ziemlich viele.

Das moderne Dilemma

Dieses ist nicht nur in den diversen Arten der Liebe gegeben, auch die gesellschaftlichen Veränderungen tragen einiges dazu bei, dass Frau nicht mehr weiss, wo ihr in Sachen Liebe und Partnerschaft der Kopf steht. Männer, die wir attraktiv finden, sind eben nicht immer die, mit denen wir Tisch und Bett teilen möchten (also, Bett schon, aber eben…).

Heute sollen Frauen «Super Woman» und «Super Mom» sein. Ein toller Job, ein sauberes Haus, die perfekten Kinder und dabei immer wie aus dem Ei gepellt aussehen, das ist doch wohl das Mindeste. Um das alles zu schaffen müssen wir natürlich intelligent, motiviert, stark sein und die Übersicht behalten.

Unter diesen Umständen sollten wir wohl besser einen Mann finden, der in unser Leben passt, der sich vielleicht sogar ein Stück weit unterordnen muss. Und da liegt der Haken: Einen solchen Mann werden viele Frauen früher oder später langweilig und zu angepasst finden. Männer, die ein eigenes Leben führen und sich nicht unterordnen, haben zwar als Partner so gesehen weniger Chancen, sie werden dennoch die sein, die für Frauen allgemeinhin als attraktiver, also begehrenswerter gelten. Der liebe Vater, der sich um die Kinder kümmert, während Super Mom ihrem tollen Job nachgeht, macht diese offenbar genauso an, wie die schmutzigen Socken, die er für sie wäscht.

Das alles ist nicht neu, wir kennen das Dilemma aus dem eigenen Leben, obwohl viele von Ihnen behaupten werden, die eigenen Bedürfnisse seien allesamt abgedeckt . Schön für Sie, dass Sie zu den Glücklichen gehören dürfen, die den perfekten Mann gefunden haben. Für alle anderen hat der «Attraction Doctor» jedoch nun ein 4-Punkte-Rezept entwickelt, um Frauen vor einem Fehlentscheid zu bewahren. Und das ist nun wirklich bemerkenswert (ob Sie das ironisch verstehen wollen oder nicht, ist ihnen überlassen).

Das Rezept dagegen

Um sich also nicht unglücklich zu verlieben, schlägt der Doktor folgendes vor:

1.  Lernen Sie, es zu lieben, die Führung zu übernehmen. Schliesslich ist es doch sehr attraktiv, zu kriegen, was man haben wollte, nicht? Domineren Sie den «Nice Guy» und haben sie Spass dabei (zugegeben, hier verweist er auf die Problematik des Dominierens hin, zu der ein Kollege schon etwas zu sagen hatte).

2.  Krebsen Sie zurück. Sie sollten es sich sehr gut überlegen und vielleicht doch einen Mann suchen, dessen Stärke und Männlichkeit anziehend auf Sie wirkt und dafür Ihre eigenen Bedürfnisse (nach Unabhängigkeit etc.) runterschrauben. (Das ist ja mal ganz was Neues!)

3.  Picken Sie sich das Beste heraus. Polyamory, offene Zweierbeziehung oder einen Liebhaber: Schon im letzten Jahrhundert wusste man, dass frau manchmal nicht alles im selben Mann finden kann. Also mischt sie ihn sich selber.

4.  Verhandeln, teilen und ausgleichen. Dr. Jeremy Nicholson schliesst sein Rezept mit dem Hinweis, dass einige Frauen die Partnerschaft als Teamwork sehen sollten, bei dem sie die einen Bereiche und der Partner die anderen dominiert. Frauen und Männer gleichgestellt? Eine Revolution!

Ja, Beziehungen sind kompliziert, manchmal unmöglich. Doch brauchen wir wirklich einen Doktor, um zu wissen, was Frauen in der Liebe wollen sollen?

Übrigens hätte der «Attraction Doctor» auch noch Tipps für frustrierte Männern, doch die ersparen wir Ihnen wohl lieber.

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