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So ruinieren Frauen ihre Karriere

Eine kleine Liste enthüllt, was Grossunternehmen sich von ihren Mitarbeiterinnen wünschen.

Von Ralph Pöhner

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In nächster Zeit überraschen wir Sie unter anderem mit einer Auswahl der besten Autorenstücke, die auf Clack.ch publiziert worden sind. Wir wünschen Ihnen mit diesen journalistischen Leckerbissen viel Spass. Schöne Sommertage wünscht Ihnen: Ihr Clack-Team.

Es geschah vor einigen Tagen in New York. Da bewarb sich ein junger Mann für eine Stelle bei der Citibank – bekanntlich einer der grössten Finanzkonzerne der Welt –, und beim Vorstellungsgespräch stiess er in der Human-Resources-Abteilung auf ein kleines, gerahmtes Täfelchen: «Citi: What NOT to do», stand da. Der Untertitel verkündete: «Was Frauen tun, um ihre Karriere zu sabotieren».

Er liess das Täfelchen mitlaufen. Er zeigte es im Freundeskreis herum, der Text landete auf einem Blog, und seither zieht die 10-Punkte-Liste ihre Kreise. Aha, erfahren nun immer mehr Leute: So also muss Frau sein, wenn sie in der Finanzwelt Karriere machen will. Und die Frage lautet nun, was das ist: Diskriminierung? Oder ein berechtigter Hinweis auf ein paar Dinge, die sich die Karrierefrau schon zu Herzen nehmen könnte?

Für die erste These spricht, dass die Finanzwelt bekannt ist als Haifischbecken, beherrscht von einer Machokultur (kleiner Zwischentipp: kombinieren Sie mal in der Google-Bildsuche «Women» und «Wall Street»). Der Frauenanteil an der Spitze ist dünner als in vielen anderen Branchen (ein Beispiel: heute haben die beiden Schweizer Grossbanken zusammengerechnet 26 Männer und 1 Frau in der Konzernleitung).

Andererseits muss man sagen, dass die Regeln, welche die Citigroup herumstehen hat, einige heikle Punkte ansprechen: Wer sie nicht als Vorwurf versteht, sondern als Alltagstipps, mag sich sogar damit anfreunden.

Aber urteilen Sie selbst. Hier eine Übersetzung der Liste, die (wie das Wallstreet-Portal «Dealbreaker» inzwischen meldet) bei jeder weiblichen Citi-Angestellten auf dem Pult steht.

Was Frauen tun, um ihre Karriere zu ruinieren

1. Frauen reden leise: Sie werden nicht gehört.

2. Frauen machen sich öffentlich schön: Das betont die Weiblichkeit und lenkt von den Fähigkeiten ab.

3. Frauen sitzen zurückhaltend: In der Machtposition hat man die Vorderarme auf dem Tisch und lehnt sich vor.

4. Frauen reden in Meetings als letzte: Wer sich zuerst meldet, wird als selbstbewusster und informierter betrachtet.

5. Frauen fragen um Erlaubnis: Kindern lehrt man, um Erlaubnis zu bitten. Männer bitten nicht um Erlaubnis – sie informieren.

6. Frauen entschuldigen sich: Wenn man sich stets für den kleinsten Fehler entschuldigt, erodiert das Selbstvertrauen. Männer wechseln bei Fehlern in den Problemlösungs-Modus.

7. Frauen neigen dazu, unangebracht zu lächeln: Deshalb nimmt man sie nicht ernst.

8. Frauen sind naiver: Eine Frau geht davon aus, dass Regeln eingehalten werden müssen. Ein Mann sucht Wege, um die Grenzen der Regeln zu testen, ohne dafür bestraft zu werden.

9. Frauen bleiben unsichtbar: Sie arbeiten hinter den Kulissen, und am Ende bekommt ihr Konkurrent das Lob.

10. Frauen schütteln die Hand zu schwach: Eine gute, feste Begrüssung, verbunden mit festem Augenkontakt, hilft weiter.

So oder so könnte man diese Tipps auch in einem Satz zusammenfassen: Wenn Frau ihre Karriere nicht sabotieren will, sollte sie sich die männlichen Kollegen gefälligst zum Vorbild nehmen.

Doch auf der britischen Site «Here is the City» – einem Portal für die Finanzprofis in der Londoner City — spielte eine Bankerin den Ball zurück: Sie veröffentlichte eine Liste mit den 10 Fehlern, durch die Männer ihre Karriere ruinieren:

1. Männer glauben immer noch, die Welt zu regieren: Sie sollten sich von der Idee lösen, die Arbeitswelt sei ihre Welt.

2. Männer tragen Anzüge, die schlecht sitzen: Wer seine Kleidung nicht im Griff hat, wird kaum andernorts erfolgreich sein.

3. Männer tun, als ob sie Eier hätten: Wer krampfhaft in irgendwelchen «Power-Positionen» herumsitzt, beweist nur, wie unsicher er ist.

4. Männer reden in Sitzungen, damit geredet ist: Wer nichts zu sagen hat, soll den Mund halten.

5. Männer lernen nicht, Fragen zu stellen: Es ist  keine Schande, wenn man zuerst klärt, worum es geht.

6. Männer entschuldigen sich nicht: Es ist schon okay, wenn man in den Problemlösungs-Modus wechselt, sobald etwas passiert. Aber wenn man selber schuld daran ist, sollte man zuerst mal «sorry» sagen.

7. Männer laufen mit einer miesen Visage herum: Höchste Zeit, dass sie mehr lächeln.

8. Männer gehen davon aus, dass im System nur Männer arbeiten: Nur Naive (oder Männer) vergessen, dass auch Frauen da sind.

9. Männer haben zu viel Profil: Es ist okay, manchmal unsichtbar zu sein. Und manchmal ist es auch besser, den Chef gut aussehen zu lassen.

10. Männer glauben, ein fester Händedruck sei wichtig: Wer so denkt, steckt immer noch in der Vergangenheit.

Worauf man natürlich auch entgegnen könnte: Im Grunde sollten die Männer im Geschäft endlich ein bisschen weiblicher werden…

Nur: Wo liegt jetzt der Ball? Was wäre wichtiger?