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Das Geld macht der Papa

Jetzt ist sie wieder da: Die jährliche «Forbes»-Liste der reichsten Menschen der Welt. Den Frauen müsste diese Liste ernsthaft zu denken geben.

Von Ralph Pöhner

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In nächster Zeit überraschen wir Sie unter anderem mit einer Auswahl der besten Autorenstücke, die auf Clack.ch publiziert worden sind. Wir wünschen Ihnen mit diesen journalistischen Leckerbissen viel Spass. Schöne Sommertage wünscht Ihnen: Ihr Clack-Team.

Gewiss, ganz präzise ist die berühmte «Forbes»-Liste der reichsten Menschen dieser Welt nicht. Und natürlich kann man heftig darüber lästern, was solche Aufreihungen von Dollar-Milliardären überhaupt bezwecken.

Dennoch: Viele Menschen stöbern gern durch solche Galerien der Reichtums, und ehrlich gesagt: Man kann doch allerhand daraus lernen. Wer wurde warum und wie reich? Wie ticken solche Leute?

Also haben auch wir die neuste «Forbes»-Liste – an diesem Donnerstag erschienen – zur Hand genommen. Und unterteilt man diese Galerie der Vermögenden nach Männlein und Weiblein, so kommt man doch erheblich ins Grübeln. Und zwar nicht nur, weil die Weiblein hier so selten sind. Sondern weil diese Daten auch sonst allerhand Fatales andeuten über die wirtschaftliche Rolle der Frau. Zum Beispiel:

1. Grossen Reichtum schaffen Frauen niemals selber. Oder genauer: fast nie. Unter den 300 reichsten Menschen der Welt ist bloss eine einzige Frau, die ihr Vermögen selber erarbeitet hat: Wu Yajun, 47 Jahre alt, eine ehemalige Journalistin, die mit Immobilien-Spekulationen in Südchina steinreich wurde. Sie besitzt rund 5,5 Milliarden Dollar und steht auf Rang 186 der reichsten Menschen der Welt.

Bei den Männern ist das anders – entschieden anders. Dies beweisen zum Beispiel Carlos Slim, Bill Gates, Warren Buffett, Bernard Arnault und Larry Ellison. Die 5 reichsten Männer der Erde haben ihr Geld allesamt von Grund auf erarbeitet.

2. Aus einer Scheidung holt man selten richtig viel heraus. Natürlich gibt es viele lustige Geschiedene auf dieser Welt. Aber unter den wirklich Schwerreichen sind die Scheidungs-Optimiererinnen extrem selten. Es gibt eine einzige Multimilliardärin, die ihr Geld aus der Ehe herausziehen konnte. Sie heisst Rosalia Mera, ist 67 Jahre alt und war verheiratet mit Amancio Ortega – also dem Mann, dem unter anderem die Modeketten Zara und Massimo Dutti gehören. Die Spanierin soll 4,2 Milliarden Dollar schwer sein.

3. Frauen übernehmen kaum je das Unternehmen. Über 95 Prozent der wirklich reichen Frauen sind Erbinnen – sei dies als Nachfolgerinnen ihrer Eltern, sei dies als Witwen (dieser Fall ist übrigens weitaus seltener). Aber fast keine spielt dann, nach dem Erbgang, eine wichtige Rolle im Familienunternehmen, beispielsweise als Konzernchefin oder Verwaltungsratspräsidentin.

Genauer: Unter den 300 Reichsten der Welt finden sich nur zwei Frauen, die sich ans Steuer des Familienkonzerns wagten. Die eine ist Abigail Johnson, Erbin des amerikanischen Fondskonzerns Fidelity; die andere ist zugleich die jüngste Milliardärin: Yang Huiyan, 29 Jahre alt, die Tochter eines Immobilienmagnaten in der chinesischen Provinz Guangdong (hier ein Porträt von ihr in der «South China Morning Post»).

4. Schwerreiche Frauen sind eher älter. Kaum je findet sich eine Vertreterin der Generationen unter 55 in der Gilde der wirklich reichen Frauen. Hier die zehn reichsten Frauen der Welt:

  • Christy Walton, WalMart-Erbin, 56 — 26,5 Milliarden Dollar, 10.reichster Mensch der Welt.
  • Liliane Bettencourt, L’Oreal-Erbin, 88 — 23,5 Milliarden Dollar, Rang 15
  • Alice Walton, WalMart-Erbin, 61 — 21,1 Milliarden Dollar, Rang 21
  • Iris Fontbona, chilenische Minenerbin, ca. 65 — 19.2 Milliarden Dollar, Rang 27
  • Susanne Klatten, BMW-Erbin, 48 — 14,6 Milliarden Dollar, Rang 44.
  • Birgit Rausing, schwedische Verpackungsindustrie-Erbin, 87 — 14 Milliarden Dollar, Rang 49
  • Anne Cox Chambers, amerikanische Medien-Erbin, 91— 13,4 Milliarden Dollar, Rang 53
  • Savita Jindal, indische Stahl-Erbin, 60 — 13,2 Milliarden Dollar, Rang 56
  • Abigail Johnson, amerikanische Personalfirmen-Erbin, 49 — 11,3 Milliarden Dollar, Rang 67,
  • Jacqueline Mars, Süsswaren-Erbin, 71 — 10 Milliarden Dollar, Rang 82.

Natürlich kann man daraus folgern, dass Reichtum ein langes Leben fördert (und dass diese Frauen halt auch erst in höherem Alter erben könnten). Und doch sei erwähnt: Unter den wirklich reichen Männern sind junge Kerle keine Seltenheit – man denke nur an Mark Zuckerberg, Larry Page, Sergej Brin, Roman Abramovich… Womit wir beim nächsten Punkt sind.

5. Auch in den Zukunftsindustrien dominiert das alte Bild: Männer machen Kohle, Frauen machen sich rar. Junge Zukunftsbranchen sorgen regelmässig für Milliardärs-Nachwuchs, die «Forbes»-Liste ist voll von IT-, Internet- und Biotech-Vertretern. Aber es gibt nur ein weibliches Gegenstück zu all den Zuckerbergs, Ellisons, Jobs und Brins – Meg Whitman, die Ebay-Mitgründerin. Doch auch in diesem Fall muss man inzwischen bemerken, dass Whitman ihre Karriere bereits in den 1990er-Jahren gemacht hat – und seit 2008 aus dem Web-Business draussen ist.

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