Clack

Von käuflichem Sex und Drogen

Die Teilzeitprinzessin versteht die grassierende Verbotshysterie nicht. Weder im Bezug auf die Prostitution, noch bei den Drogen. Unangenehmes verschwindet nicht einfach, weils verboten ist.

Von Meret Steiger

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Wenn es darum geht, Schnapsideen zu entwickeln, dann ist Frankreich immer wieder mal ganz gross dabei. So wie jetzt beispielsweise dieses Prostitutionsverbot. Oder «Fini de la fick», wie es Stefan Raab so schön bezeichnet hat. Und was machen die Schweizer in so einem Falle? Genau: Wir machen’s nach und passen uns an – wie immer. Immerhin 43 Nationalrätinnen und Nationalräte wollen dem horizontalen Gewerbe einen Riegel schieben.

Nun, es gibt ziemlich viele Gründe, sich bei einer solchen Idee an den Kopf zu tippen. Oder den Kopf zu schütteln, dass es einem trümmlig wird. Vielleicht mal erst zur Einleitung: Mir persönlich entzieht sich der erotische Reiz einer Prostituierten komplett. Das liegt nicht am Geschlecht (da bin ich ja nicht so wählerisch), sondern an der Grundidee. Ich finde es nicht besonders prickelnd, für Sex zu bezahlen. Schon gar nicht für Sex mit jemandem, der an diesem Tag vielleicht schon mit 10 anderen Leuten Sex hatte. Ich find das einfach nicht besonders anmächelig, bin ja aber auch nicht Zielgruppe. Anyway.

Der Punkt ist, es besteht offensichtlich eine Nachfrage nach käuflichem Sex – und das nicht erst seit gestern. Und, soweit ich das beurteilen kann, eine ziemlich grosse. Als Frau kann ich zwar nicht so recht nachvollziehen, was Männer zu Prostituierten treibt, aber Fakt ist, dass diese Nachfrage besteht und nicht einfach so schwuppdiwupp verschwindet, nur weil man mal eben einen neuen Gesetzesartikel geschaffen hat. Die betroffenen Frauen werden übrigens auch nicht auf mysteriöse Weise verpuffen und künftig ihr Geld als Pharmaassistentin verdienen. Und das Bedürfnis der Freier auch nicht. Die sind nachher immer noch da – aber was sie tun, ist illegal.

Was mich zu meinem eigentlichen Anliegen bringt: Freunde, Mitmenschen, Politiker. Sagt mir wann, wann in diesem, nächsten oder in vorherigen Leben hat ein Verbot JEMALS dazu geführt, dass die verbotenen Dinge verschwinden? Wann hat ein Verbot überhaupt mal irgendwo irgendwas bewirkt, hä? In was für einer unfassbar blauäugigen Welt leben eigentlich die Politiker, die sich einbilden, mit einem Verbot sei das Problem gelöst?

Beispiel gefällig? Sämtliche auf dem Schwarzmarkt erhältlichen illegalen Drogen. Als ob sich auch nur eine einzige Substanz nach einem Verbot in Luft (oder Rauch, höhö) auflösen würde! Die Schweizer haben vor vielen Jahren mal beschlossen, dass Kiffen kriminell ist. Trotzdem weist die Schweiz noch heute eine der höchsten Kifferraten weltweit aus – ich glaube, wir sind nur knapp irgendwo hinter Jamaika. Die Niederlande dagegen, die haben die tiefste Konsumentenrate in ganz Europa. Was sagt uns das nun? Richtig: Ein Verbot löst kein Problem. Im Gegenteil. Wisst ihr, warum ich mit 14 mal eine Büchse Bier getrunken habe? Weil ich nicht durfte. Wisst ihr, warum ich mit 16 gekifft habe? Weil es illegal war. Wisst ihr, warum ich mich zu jung in Clubs geschlichen habe? Weil es verboten war.

Mir sind die hehren Ziele der Damen und Herren Politiker schon klar, die meinen es ja eigentlich nur gut. Ausser die bekloppten evangelikalen Christen, denen geht es eh nur um ihr eigenes Ticket in den Himmel. Aber die anderen, die meinen es gut. Aber wir könnten ja ausnahmsweise mal aus Erfahrungen lernen, anstatt einfach mal «Verbot» zu brüllen – es nützt nämlich nix. Seht euch doch mal um!

Meret Steiger, 22, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch neugieriger Mensch und arbeitet zur Zeit in einer Praktikumsstelle bei Pro7/Sat1 in München. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss.

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Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • marie

    mir geht es so wie dir meret. was mir aber bei dieser diskussion immer wieder erstaunt, dass es verhältnismässig wenig verurteilte zuhälter in der schweiz gibt (art. 195 förderung der prostitution). das gibt mir mehr zu denken, denn das prostitutionsverbot hat m.e. keine chance. auch weil einige politiker das postulat streiff-feller zwar mitunterschrieben haben, aber an und für sich nur die diskussion lancieren wollten, aber das verbot nicht unterstützen.
    mit dem postulat wurde ein bericht verlangt und vom bundesrat angenommen, der jetzt im ejpd hängig ist. es geht an und für sich “nur” um den bericht, wie es in den ländern aussieht, die ein verlangtes verbot schon praktizieren – man hört von schweden z.bsp. beides. hier noch der wortlaut des postulates:
    http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20124162

  • marie

    gestern abend wurde dieser dokfilm auf arte gezeigt. es geht um prostituierte in thailand, bangladesh und mexiko. nichts für schwache nerven und er ist auch nur von 23 uhr bis 5 uhr abrufbar.
    http://www.arte.tv/guide/de/040404-000/whores-glory
    im zusammenhang mit prostitution wird der ausstieg nie thematisiert. an diesen “extrembeispielen” wird durchaus manifest, was prostution bedeuten kann, nämlich eine auswegslose sackgasse, wenn keine perspektiven und kein schutz für die betroffenen vorhanden sind. ein verbot würde nämlich gar nichts nützen, die situation würde im besten falle die gleiche bleiben oder realistischer; schlechter werden.
    ein hochkomplexes thema, sei es politisch, sei es juristisch, aber vor allem menschlich.
    (und die politiker, die es gut meinen bei diesem thema, meinen es in erster linie gut mit sich wink – vogel-struss-technik: aus den augen, aus dem sinn.)

  • The Damned

    Interessanterweise hört man immer mehr Stimmen, die eine Drogenlegalisierung fordern. Bei der Prostitution hat man sich offenbar für den umgekehrten Weg entschieden. Und wenn wir schon bei der Nachfrage sind: In der Drogenpolitik ist die dauerhafte Drogenabstinenz kein Thema mehr, weil man nach Jahrzehnten gemerkt hat, dass über 90 Prozent aller Schwerstsüchtigen nach einem Entzug eh’ wieder damit anfangen und rückfällig werden.

    Ich sehe diese ganzen, hauptsächlich moralisch motivierten Forderungen und Strömungen als Gegenpol einem falsch verstandenen, exzessiven Liberalismus, wie wir ihn in den vergangenen zwei Jahrzehnten ertragen mussten. Nur haben die Menschen schon genug gehabt von der neoliberalen Revolution. Auf eine neomarxistische Gegenrevolution hat niemand mehr Bock, wie z. B. die Ablehnung der 1 : 12-Initiative bewiesen hat.

  • Ylene

    Als Frau verstehe ich den Verbotswahn auch nicht. Was soll das schon bringen, ausser dass die Prostituierten in den ungeschützten (gesundheitlich, rechtlich, etc.) Untergrund gezwungen werden? Stattdessen sollten wir lieber versuchen, den Beruf einer Prostituierten so legal und juristisch abgestützt wie nur möglich zu machen und knallhart gegen Zwangsprostitution und generell Menschenhandel vor zu gehen. Auch lustig: männliche Prostituierte – entweder für Männer oder Frauen (ja, das gibts) werden nie erwähnt. Die gibts anscheinend gar nicht in der Vorstellung der Politiker und -innen – oder sie wollen sich dann das Freizeitvergnügen nicht madig machen. grin

  • Ylene

    Das gleiche auch bei Drogen. Hier sollte der Staat Produzent werden und die (bestehenden) Junkies mit sauberen Stoff versorgen, den sie durchaus auch bezahlen sollen. Damit würde den verschiedensten kriminellen Organisationen von Taliban bis Mafia ein beträchtlicher Teil der Einnahmen davon schwimmen. In verschiedenen deutschen und belgischen (glaub ich) Städten läuft momentan ein Versuchsprojekt, in denen man alkoholkranken Obdachlosen die Möglichkeit gibt, gegen Bier die Strasse zu reinigen. Funktioniert gut. So was ähnliches könnte man ja auch mit Drogen machen, um die Beschaffungskriminalität zu senken.

  • Reto B.

    Danke marie, ich kanns nur noch mal unterstreichen, die 43, die unterzeichnet haben, wollen nicht per se ein Verbot der Prostitution, sondern, dass eruiert wird, was ein Verbot für Auswirkungen hat, wie zum Beispiel am Beispiel Schweden. Einige der Unterzeichnenden haben ebenfalls ein Postulat von Caroni unterzeichnet, das die Rechte von Sexarbeitenden verbessern soll, so zum Beispiel Rytz (Grüne), Riklin, Schmid-Federer, Lohr und Amherd (alle CVP)

  • marie

    darunter gibt es aber schon welche, die ein verbot begrüssen würden. frau streiff zum beispiel würde es begrüssen, zumindest lässt sie es durchblicken.
    ich bin aber eher schockiert, dass der artikel 195 kaum zum zuge kommt. denn bei den bullen sind die zuhälter nämlich an und für sich bekannt.

  • Roger

    Boom! Volltreffer, Meret. Und die nachfolgende, spannende Diskussion hier bestätigt das in vollem Umfang. Prostitution und ihre Nachfrage hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Ob legal oder illegal spielt null Rolle. Der Unterschied zwischen legal und illegal ist nur der, ob es 1. den Frauen besser geht (wie schon erwähnt: gesundheitlich, finanziell, abhängigkeitsmässig etc.) und 2. ob vom Geld der Freier legal offiziell Steuern in die Staatskasse fliessen oder sie andererseits direkt aus der Schweiz raus und in die schlimmsten Wirtschaftszweige der Welt wie Menschen(Frauen-)Handel, Drogen, Waffenhandel und Kinder-Zwangsarbeit reinfliessen. Ich ziehe persönlich ersteres dem zweiteren meilenweit vor.

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