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«Eine Erektion auf Vorrat»

In einigen Tagen läuft der Patentschutz der Potenzpille Viagra aus. Stehen die Männer schon in den Startlöchern, um mit billigen Generika ihre Libido aufzurüsten? Clack spricht mit einem Viagra-Konsumenten.

Von Clack-Team

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In einigen Tagen läuft der Patentschutz für Viagra aus. Verschiedene Hersteller haben bereits billigere Generika bereit, darunter auch Pfizer, die das Original herstellt. Findet nun ein Run auf die billigeren blauen Scharfmacher statt? Clack wollte es genau wissen und sprach mit Andreas T.*, der Viagra seit Jahren vom Arzt bekommt.

Clack: Andreas, Sie haben ein Rezept für Viagra. Wie kam es dazu?

Andreas: Vor einigen Jahren stand mein Liebesleben vor dem Scheitern. Ich litt an einer erektilen Dysfunktion und meine langjährige Beziehung wurde dadurch gefährdet. Also ging ich zum Arzt und liess mir Viagra verschreiben. 

Brachte das ihr Sexleben wieder in Ordnung?

Für eine gewisse Zeit, ja. Es nahm den Druck aus unserer Sexualität. Vorher stand ich unter extremem Stress, nur schon, wenn ich daran dachte, zu meiner Partnerin unter die Decke zu schlüpfen. Ich fühlte mich schuldig und nutzlos. Mit Viagra konnte dieser Druck für eine Weile gelindert werden und es entspannte die Beziehung.

Nur für eine Weile?

Ja. Viagra ist eine Notlösung. Es stellt die Körperfunktion wieder her. An den Ursachen, die in den meisten Fällen psychisch sind, ändert es nichts. Nach einer Weile bemerkt man den automatisierten Ablauf. Es ist, als ob man auf einen Knopf drückt und dann für eine klar bemessene Zeit ein sexuelles Wesen ist. 

So machte Sex mit Viagra keinen Spass mehr?

Doch, es war wirklich hilfreich. Solange ich Sex haben wollte und durch Viagra plötzlich wieder dazu fähig war, wars eine Erlösung. Das Problem ist, dass man mit Viagra Sex haben kann, ob man nun Lust hat oder nicht. So gerät man in Versuchung, seiner Partnerin, seinem Ego oder seinem Selbstbild zuliebe öfters Viagra zu nehmen, als man sonst, in einem funktionalen Sexleben, Sex hätte. Man beginnt die eigene Erektion zu instrumentalisieren.

Viele Männer bestellen Viagra oder Ersatzprodukte im Internet, ohne ärztliche Verschreibung, nur um Spass zu haben.

Ich glaube nicht, dass ein gesunder Mann Viagra regelmässig brauchen wollte. Es ist wohl eher so, dass viele Männer es mal ausprobieren wollen. Viele meiner Freunde wurden neugierig, als ich ihnen von meinem Viagra-Rezept erzählte. Aber es war eher so, wie sie auf eine neue Designerdroge neugierig wären: Etwas, das man gerne mal versuchen würde, aber nicht etwas, das man mehrmals oder gar regelmässig nimmt.

Jetzt verliert Viagra den Patentschutz, werden die Männer jetzt die Apotheken stürmen um sich die Potenzpille zu holen?

Vielleicht am Anfang. Aber viele werden bald rausfinden, dass Viagra nicht nur Spass macht. Beim Viagrakonsum muss man auf Vieles achten. So kann Alkohol und Viagra zu Unwohlsein führen, nur schon eine Tasse Kaffee in Kombination mit der Potenzpille kann Kopfschmerzen verursachen. Dazu kommt, dass eine Erektion, die zu lange anhält, nicht nur störend, sondern schmerzhaft sein kann.

Wie sieht Ihr Viagra-Konsum heute aus?

Ich benutze es eher selten. Ich habe meinen beruflichen Stress reduziert, mache mehr Sport, ernähre mich gesünder und vor Allem setze ich mich beim Sex nicht mehr unter Leistungsdruck. Das hat dazu geführt, das meine Erektionsstörungen beinahe verschwunden sind. Das Problem bei Viagra ist, dass man quasi immer eine Erektion auf Vorrat in Badezimmerschrank stehen hat. Und manchmal greift man darauf zurück, auch wenn man gar nicht in Stimmung ist.

Vielen Dank für das offene Gespräch.

* Name aus Gründen der Privatsphäre geändert

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