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«Unrechtmässiger Geschlechtsverkehr»

Rachida Dati, ehemals französische Justizministerin, hat mit den sonderbaren Gesetzen ihres Heimatlandes Marokko zu kämpfen.

Von Marie Dové

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Seit dieser Woche scheint das Geheimnis, über das sich Tout-Paris Jahre lang den Kopf zerbrach, gelöst: Der exzentrische Multimillionär Dominique Desseigne, 68, soll der Vater von Zohra sein, der Tochter von Rachida Dati. Jedenfalls berichtete dies das in der Regel  gut unterrichtete Politmagazin «Le Point». Dati, bei der Geburt ihrer Tochter Justizministerin, sei demnach bei einem Pariser Zivilgericht vorstellig geworden, um Desseigne zur Anerkennung der Vaterschaft aufzufordern. Während die mutmassliche Antragstellerin den Bericht dementierte, liess Monsieur Desseigne eine Mitteilung verbreiten, in dem Datis Antrag ausdrücklich bestätigt wird.

Doch die 47-jährige Dati hat nun ein neues Problem – sie wird wohl künftig keine Ferien mehr in ihrem Heimatland Marokka machen können. Denn dort ermittelt ein Gericht gegen sie, wie mehrere marokkanische Websites unter Berufung auf yabiladi.com berichten. Das Verbrechen Datis: ihre uneheliche Tochter Zohra.

Der stellvertretende Strafankläger seiner Majestät

Da Dati marokkanischer Abstammung ist, erhob der stellvertretende Strafankläger seiner Majestät Mohammed VI. in Taza, Adil Fathi, dieser Anklage wegen «gesetzwidriger sexueller Beziehungen». Fathi soll einen Brief an Justizminister Mustapha Ramid gerichtet haben, in dem er einen Haftbefehl gegen Dati verlangt.

Sollte Ramid, der aus den Reihen der islamistischen Regierungspartei PJD stammt, dem stattgeben, droht Dati, die mittlerweile im Europaparlament sitzt, im Falle einer Einreise nach Marokko Untersuchungshaft bis zu einem Gerichtsverfahren.

Die Grundlage für die Ermittlungen gegen Dati ist Artikel 490 des marokkanischen Strafgesetzbuchs. Dieser sieht bei «unrechtmässigem Geschlechtsverkehr zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht durch die Ehe vereint sind», eine Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu einem Jahr vor.

Die Ironie der Geschichte: Als Justizministerin hatte Dati Marokko immer als «Vorbild für Reformwillen in der arabischen Welt» bezeichnet.

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Kommentare

  • Marius Schlöndorf

    in Patriarchalischen Ländern wir das Verhalten der Frau kriminalisiert. in Matriarchalischen, das der Männer. Eine ganz einfache Angelegenheit. In Ländern in welchen die Geschlechter nicht miteinander leben, wird das vorherrschende das andere unterdrücken.

    Von dem her, es sollte uns zu denken geben, ob ein Gesetz vor allem ein anderes Geschlecht kriminalisiert, und wenn das geschieht, dann ist es sicher schon mal die falsche Richtung.

  • Hans Knecht

    Marius Schlöndorf, grundsätzlich stimme ich ihnen zu. Nur, ab wann beginnt ein Gesetz das andere Geschlecht zu kriminalisieren? Wer definiert diesen Punkt?
    Man könnte hingehen und gesetzlich “Rollentauch” vorschreiben, nur jagt dies erfahrungsgemäss die Emotionen hoch.
    Auch in der CH gibt es m.E. Geschlechter diskriminierende und kriminalisierende Gesetze, nur kaum einer will sie sehen. Und dies lässt sich einfach erklären. Wie schon beim Milgram-Experiment ersichtlich interessiert sich die Mehrheit nicht für “Opfer” solange sie nicht mit diesem im selben Raum leben muss. Und wie ein andere Experiment belegt orientieren sich 75% der Menschen an der meinungsbildenden Gruppe, i.d.R. beliebte Menschen.
    Wie im Falle von D vor 80 Jahren verhindert eine Demokratie nicht die Folgen eine kriminalisierenden Gruppendynamik, sondern leider verstärkte diese nur noch mehr.

    Hat jemand eine gute Lösung wie man Geschlechter Kriminalisierung verhindern kann?

  • Marius Schlöndorf

    “Nur, ab wann beginnt ein Gesetz das andere Geschlecht zu kriminalisieren?”

    Statistik. Wenn sie am Ende des Jahres signifikant von einem Geschlecht mehr Kriminelle haben, dann ist etwas schief. AUSSER: sie akzeptieren, dass dieses Geschlecht von Grund auf krimineller ist und sich das deswegen in der Statistik niederschlägt.

    Gemäss aktuellem Diskussionstand in der westlichen Welt habe ich festgestellt, dass man absolut willens ist dies zu akzeptieren: dass das eine Geschlecht von Grund auf krimineller ist. Aber, und das lehrt die Geschichte, irgendwann geht das Pendel wieder in die andere Richtung.

    Von dem her, die Statistik sollte Aufschluss geben und dann muss man sich fragen, woran liegt es, dass ein Geschlecht krimineller ist. Nur das interessiert nicht wirklich, da zu komplex. Ich bin nicht der Meinung, dass ein Geschlecht grundsätzlich krimineller ist, aber die Umstände, Gesetze und das Umfeld führen dazu, dass das eine oder andere Geschlecht krimineller ist.

    Einfaches Beispiel. Jungs stören eher den Unterricht. Wieso sagt man nicht, Mädchen sind eher zu still? Das Pendel ist momentan auf der pro stille Seite, und die lauten Jungs sind diejenigen die sich anpassen müssen. Das Pendel wäre in der Mitte, würde man sagen, es gibt gleich viele zu stille Mädchen wie es zu laute Jungs gibt im Schnitt bei einer gleichen Verteilung. Das bedeutet aber: man muss eine Balance halten, zwei Haltungen treffen. Viel zu komplex, scheint es. Einfacher ist es, sich auf ein Modell einzulassen, das andere Geschlecht muss sich anpassen.

    Noch Nebenbeispiel. Viel wird zitiert, dass die Frau nun den Mann in der Ausbildung überholt hat. Aber kein Mensch fragt sich, ob der Mann also zu wenig gefördert wird. Oder wird gemeinhin akzeptiert, dass die Frau besser ist, und es nur eine Frage der Zeit war, bis sich dies auch schulisch niederschlagen konnte? Dabei ist die Antwort ganz simpel, Schule fördert momentan eher das eine als das andere. Bei einer gleichen Förderung der Geschlechter müsste nämlich das gleiche Leistungsniveau, über die Menge der Schüler, vorhanden sein, Ausser eben: man akzeptiert, dass das eine Geschlecht schlechter, krimineller, fauler usw ist was den Unterschied gerechtfertigen würde. Denn, das ist die Argumentation: das kriminellere Geschlecht muss sich anpassen, schliesslich ist es ja kriminell. Und das ist ein Widersinn.

    Sie haben schon recht mit den Experimenten. Und es gäbe da noch zig zusätzliche die zeigen, dass die Lese- und Interpretierfähigkeit des Menschen extrem inkonsequent ist, bewusst einseitig selektiv. Aber das ist eine grosse Hürde welche auf unsere Gesellschaft noch zukommt. Ich hoffe wenigstens, dass es in den Etagen solche gibt, die klarere Brillengläser haben, verstanden haben wie die Geschlechter ticken, und fähig und willens sind unpopuläre geschlechterfreundliche Entscheidungen fällen können.

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