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Über Geld spricht man

Geld ist lange vor dem Sex Thema Nummer Eins in einer Partnerschaft. Ein unausgesprochenes, wohlbemerkt. Wieso das so ist und was man dagegen tun kann.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Sex ist ein Thema, über das viel geredet und geschrieben wird, in einer Partnerschaft wird es oft als Kitt angesehen, dem Verhandlungen vorausgehen und Paartherapeuten hinterherhinken. Oft liest man, wie schwierig es ist, darüber zu reden und seine Ängste zu äussern. Doch in Wahrheit wird weit mehr über Sex gesprochen, als über «das Andere»: Geld.

Aus einem Single wird ein Zweiergespann und daraus vielleicht eine Familie. Spätestens dann sind Paare verunsichert, wie es weitergehen soll, wenn die klar getrennten Kassen plötzlich zusammengefügt werden. Unterschiedliche Ansichten erschweren den wöchentlichen Einkauf – Discounter oder Delikatessabteilung, Sparen oder Ferien? Niemand wird gerne als geizig oder verschwenderisch angesehen, dennoch sind gerade in einer Partnerschaft diese Gegensätze anzutreffen. (Lesen Sie auch: «Geld, Sex und Brötchen»)

Beatrice Schlag zeigt in der aktuellen Weltwoche (Artikel leider nicht online verfügbar) anhand von Beispielen aus dem wahren Leben auf, wie sich die Problematik auf eine Partnerschaft auswirken kann. Da gibt es beispielsweise die Frau, die sich nach Jahren des «Abrackerns» für Geld, das ihr Partner dann ausgab, merkte, dass sie sich doch endlich jemanden wünschen würde, der «seinen Kaffee selber bezahlen kann». Das hart verdiente Geld, das anfangs nie ein Problem darstellte, führte irgendwann zur Trennung.

Ein weitere Situation beschreibt der Toningenieur, der schnell als Rappenspalter galt, weil er keine Millionen verdiente, jedoch immer versuchte, das Beste daraus zu machen. Seine Frau jedoch war und blieb unzufrieden mit ihrer finanziellen Lage, ohne dass sie dagegen etwas unternommen hätte. Sie kaufte weiter «spontan» und viel ein, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. 

Geld- und Selbstwert

Viele Probleme rund um die Finanzen handeln von Schuld und Werten. Dem Wert des Geldes, aber auch dem Wert der Arbeit, die dahintersteckt. Und letztlich dem Selbst-Wert. (Lesen Sie auch: «Schatz, ich bin die Besserverdienerin!») Ist die getrennte Kasse nun die Lösung? Nicht in jedem Fall, man denke da nur an die Familiengründung, bei der oft gezwungenermassen ein Elternteil weniger arbeitet und entsprechend auch weniger verdient. Dasselbe sagt auch Paartherapeut Klaus Heer in der Weltwoche: «Die Ankunft von Kindern stellt in einer Beziehung fast alles auf den Kopf. Neues Spiel – neue Regeln! Neue Regeln erfordern sorgfältiges Verhandeln und Formulieren.» Er empfiehlt sogar schriftliche Vereinbarungen. Wer nicht soweit gehen will, sollte – wie immer im Leben – Probleme ansprechen, Abmachungen treffen. Vor allem aber sollte man bei sich selber anfangen und versuchen, diverse Fallen zu vermeiden:

Schuldgefühle
Eine 2011 durchgeführte Studie von eversave.com kam zum Schluss, dass 67% der Frauen sich nach dem Kauf von etwas «Unnötigem» schuldig fühlen. Dieser Effekt scheint sich nicht auf die Finanzen zu beschränken, Schuldgefühle jeglicher Art  – im Job, gegenüber der Kinder, als Ehefrau – scheinen nach wie vor ein eher weibliches Problem zu sein.

Helfersyndrom
Empathie ist zwar kein ausschliesslich weibliches Attribut, doch Untersuchungen belegen, dass Frauen sich mehr Mühe geben, tolerant und empathisch zu sein, sogar wenn sie ihr Gegenüber gar nicht besonders schätzen. Vielleicht haben Männer deshalb weniger Mühe, ein entschlossenes «Nein» zu entgegnen, wenn sie angepumpt werden. Weitere Studien hingegen bestätigen, dass eine Frau als aggressiv und arrogant wahrgenommen wird, wenn sie eine Bitte abschlägt. Von ihr wird einfach mehr Empathie erwartet.

Frustkäufe
Jede Frau hat es bestimmt schon einmal getan: Die Schuhe nach dem misslungenen Vorstellungsgespräch, eine Handtasche nach dem Streit mit dem Partner. Bei einer Befragung der University of Hertfordshire gaben 79% der Teilnehmerinnen an, Käufe zu tätigen, um «sich aufzumuntern». Das Budget auf diese Weise unnötig zu strapazieren, kann zu weiterem Frust führen, der für die Partnerschaft kaum förderlich ist.

Fremdbestimmung
Das wohl grösste Risiko in der finanziellen Frage: Die Finanzen nicht selber im Griff zu haben. Man hört ständig von Menschen – meist Frauen – die ihr Haushaltsbudget nicht selber kontrollieren. Die keine Ahnung haben, was die Autoversicherung, die Krankenkasse, die Hypothek kosten. Es liegt jedoch in der Verantwortung beider Partner, zu wissen, wie das Budget verteilt ist. Auch für die Zukunft. Gemäss der Vorsorgeberatung frauenvorsorge.ch sind 70% der Sozialhilfebezüger im Rentenalter Frauen und zwar deshalb, weil sie die Finanzen in jungen Jahren ihren Männern überlassen haben und bei einer Trennung praktisch leer ausgingen.

Reden. Reden. Reden.
Aus allen oben genannten Gründen kann es vorkommen, dass mehr Geld ausgegeben wird, als da ist. Es ist erschreckend, wie oft man hört, dass Eheleute einander Ausgaben verheimlichen. In einer Partnerschaft sollten Schulden, Kredite und Darlehen besprochen werden, Heimlichtuerei raubt einem nur den Schlaf. (Lesen Sie auch: «Wie viel eigenes Geld braucht eine Frau?»)

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Arbeit Beziehung Geld Liebe


Kommentare

  • Sandra Metzler

    Schade bleibt der Artikel an Geschlechterklischees hängen… Ich kenne viele Männer, die Frustkäufe tätigen/die Schuldgefühle haben etc.

    Es gibt auch schon in der vor-Familien-phase Konstellationen, die ungleiche Einkommen begünstigen (eine Person studiert, hat sektorbedingt nur prekäre Anstellungsverhältnisse, etc.)… Es wäre interessant gerade in der momentanen wirtschaftlichen Lage zu durchleuchten, welche Wirkungen diese Verhältnisse auf Beziehungen kurz-und lang-fristig haben.

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