Clack

Traditioneller als die Mutter

Erica Jong präsentiert ihre erste Anthologie - mit einem unterhaltsamen Essay ihrer Tochter Molly.

Von Nina Toepfer

Twittern

Erica Jongs «Angst vorm Fliegen» lag möglicherweise auf Mutters Nachttisch oder war darin verstaut, etwas privat eben. Der Bestseller von 1973 wurde zum Klassiker der erotischen Literatur. Autorin Jong schrieb weiter, auch Romane und Lyrik, und sie hat vor ein paar Tagen nun ihre erste Anthologie vorgelegt. «Sugar in My Bowl: Real Women write About Real Sex» versammelt Texte von Autorinnen zur Erkundung weiblicher Sexualtität.

Autorinnen wie Naomi Wolf, Eve Ensler und Fay Weldon kommen da zusammen, Stimmen im Alter von 30 bis 80.

Stoff vielleicht für die Strandlektüre. Wer Affären wie etwa bei Strauss-Kahn, wer Fragen um den Feminismus («Wir sind alle Zimmermädchen», hiess die Parole von französischen Feministinnen – gilt das immer noch?), wer also mutmassliche Vergehen und andere Schlagzeilen einmal ausblenden will, möchte bei Jong vielleicht reinschauen.

«Forbes Woman» schreibt darüber: «In unseren gut beschäftigten Leben als Managerinnen, Mütter und sogar Töchter dringen die Geschichten (der Antholgie, Anm.) in einen geheimen Raum unseres Denkens, den wir oft vernachlässigen: Zu unserem Begriff von Sexualität.»

Ausgerechnet Jong? Ja, ausgerechnet. Und wenn es nur wegen des Essays ihrer Tochter Molly Jong-Fast wäre, denn ihr amüsanter Aufsatz lohnt sicher. «They Had Sex, So I Didn’t Have To» – auf Salon.com in einem Auszug zu lesen – ist der Bericht von der Tochter als «schlimmster bourgeoiser Albtraum» der Mutter oder wie es sich anfühlt, statt wie Mom weltbewegende Frauengeschichte zu schreiben heute einen Kinderwagen durch Manhattan zu schippern. Und wie es ist, sich zwar frei für alles zu entscheiden, aber nicht nur tradtioneller als Mutter zu leben, sondern sogar auf bestimmt Art vielleicht sogar «more repressed» – unterdrückter. 

Erotische Literatur News