Clack

«Wahnsinnig viel Herzblut»

Eine Frau verbindet Tourismus und Mode: Kornelia Sir veranstaltet Reisen, belebt altes Handwerk und entwirft eine Kleiderkollektion. Ein Interview.

Von Nina Toepfer

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Kornelia Sir präsentierte im April 2011 in Zürich einige Stücke aus ihrer Kollektion und Ausschnitte ihrer Reisen zu faszinierenden Kulturen.

Geboren 1978, studierte Kornelia Sir Tourismus in Dresden und ist eng mit der Kultur der Sorben verbunden. Nach dem Studium verbrachte sie ein Jahr bei den Hutterern, Indianern und Inuits in Kanada.

Anschliessend arbeitete sie in einem Ferienresort auf Fuerteventura und in der Hotellerie in der Schweiz.

Es folgten ein paar Monate in Südafrika, wo sie Incentivereisen betreute und in afrikanische Kulturen eintauchte. Vor fast fünf Jahren ist sie wieder in die Schweiz zurück gekehrt, um bei TUI Suisse (weltweite Gruppenreisen, Incentives, Events) zu arbeiten.

Anfang 2010 gründete sie zusammen mit verschiedenen Kulturen, vorrangig den Sorben, ihr eigenes Unternehmen Kontour. Traditionelle Kulturen sollen dabei ins moderne Leben integriert werden, indem ihr Handwerk wieder auflebt. Daraus entstehen zum Beispiel neue Kleiderkollektionen – mit alten Elementen, aber in zeitgemässem Look.

Clack: Kornelia Sir, woher kommen Sie gerade?

Kornelia Sir: Von Dubai und den Seychellen. Das war eine gute Kombination von Privat und Beruf. Die Metropole Dubai wächst und verändert sich ja wahnsinnig schnell. Wenn man auf dem Stand der Dinge bleiben will, sollte man sich vor Ort öfters orientieren. Da ich einige Anfragen für Individual- und Incentive-Reisen auf die Seychellen bekomme und die Inseln selber noch nicht gut gekannt habe, habe ich mich umgesehen: um Kultur, Natur, Hotellerie und den Service kennen zu lernen.

Wo geht’s als nächstes hin?

Singapur und Indonesien. Mir gefällt die Kombination der perfekten, futurischen Metropole mit dem sehr ursprünglichen Indonesien. Asien war bis vor ein paar Wochen eine sehr gefragte Destination. Jetzt, nach der Katastrophe in Japan und den Überschwemmungen in Thailand, gibt es einige Rückschläge. Trotzdem bleibt Asien natürlich sehr vielseitig und spannend, es ist immer eine Reise wert.

Ihre Leidenschaft ist es, Kulturen kennen zu lernen. Kann man das überhaupt an einem Ort der spiegelnden Kulissen wie Dubai?

Dubai ist ein sehr guter Ausgangspunkt und ideal für Firmen-Incentives. Um Menschen und ihre ursprüngliche Lebensweise kennen zu lernen, gehe ich dann eher ausserhalb, in die benachbarten Emirate oder auch in den Oman.

Touristen sind ja oft in Eile. Wie kann man in Kürze Kulturen überhaupt kennen lernen?

Um eine Kultur kennen zu lernen, muss man schon mehr Zeit aufwenden als nur auf einen Kaffee vorbeizuschauen. Beim Sightseeing kann ein erster Eindruck vermittelt werden.

Für solche Angebote sind oft Spezialisten unterwegs. Sie arbeiten in der Incentive- und Event-Reisen Abteilung bei TUI, einem Veranstalter fürs breite Publikum…

… ja, aber das Programm der Spezialitäten wie etwa TUI-Events geht nicht nur in eine Richtung. Viele Incentivereisen sind aufgrund der Kundenwünsche entstanden.

Gerade hat eine Untersuchung der Uno ergeben, dass weltweit doppelt so viele Frauen im Tourismus beschäftigt sind als anderswo. Nur nehmen auch in dieser Branche wenige Frauen Top-Positionen ein. Oft arbeiten sie zu niedrigerem Lohn als Männer. Was braucht es als Frau in der Touristik?

Was es als Mann oder als Frau braucht, kann ich nicht sagen – das würde ich nicht vom Geschlecht abhängig machen. Nur generell: Man kann eine Destination nicht neu erfinden. Was einen ausmacht, ist ganz klar das Know-how. Was kennt man von einem Ort? Wo kennt man sich aus? Einmal kurz da gewesen zu sein reicht nicht immer. Man muss sich mit dem Land und der Kultur auseinandergesetzt haben. Wie in anderen Branchen ist das Know-how der USP, egal ob bei Frauen oder Männern. Dann ist der Service wichtig, mit ihm steht und fällt alles. Das fängt beim ersten Gespräch an und beim Abklären der Wünsche und geht bis zur Nachbetreuung. Dabei sollte man viel Zeit und Pflege aufwenden und natürlich auch zuhören können: Was möchten die Kunden wirklich?

Was braucht es, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen, wie Sie es mit Kontour geschafft haben?

Wahnsinnig viel Herzblut, man darf nicht aufgeben, wenn man stolpert, muss immer wieder aufstehen, und das geht nur, wenn man voll und ganz hinter dem Projekt steht. Der finanzielle Aspekt darf nicht im Vordergrund stehen. Die Kräfte werden vom Produkt mobilisiert, und ein Stück weit auch vom Lebensweg, der dazu gehört. Und natürlich kommt es auch auf ein gutes Team an.

Welches sind die Schwierigkeiten?

Man möchte mitunter schneller vorwärts gehen. Aber da der Aufbau aus der eigenen Tasche finanziert ist, man viel Zeit aufwenden und mitunter auch abwarten muss, geht es manchmal langsamer als gewollt. Geduld haben – das muss auch gelernt sein.

Es ist auch bei Kontour Ihr Ziel, Traditionen und modernes Leben zusammenzubringen. Kann man überhaupt die Erfahrungen, die man am anderen Ende der Welt gemacht hat, in den Alltag integrieren?

Meine Idee ist es vor allem, altes Handwerk, Traditionen und verborgene Destinationen aufleben und in die Moderne wieder einfliessen zu lassen. Handwerk, welches so nicht mehr täglich angewendet werden kann, soll wieder zum Einsatz kommen. Kulturen, die man kaum kennt, sollen vorgestellt werden. Wir verwenden alte Ornamente, Stoffe, Verfahrenstechniken und kombinieren diese mit modernen Materialien. So entstand die erste Kollektion, Sir Konny. Die Kleider sind keine Trachten und somit weltweit tragbar.

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