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St. Moritz für Sportfeinde

Die Teilzeitprinzessin verbringt ein paar Tage im exklusivsten Skigebiet der Schweiz. Und sie hasst Sport. Lesen Sie, wie man trotzdem eine wunderbare Zeit im Schnee verbringen kann.

Von Meret Steiger

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Ich bin nicht nur furchtbar unsportlich, ich bin mittlerweile auch seit mehreren Jahren nicht mehr auf Ski oder einem Snowboard gestanden – obwohl ich beides als Kind gelernt habe. Und trotzdem bin ich mehr oder weniger regelmässig einmal im Jahr mit meinen Eltern im Engadin, direkt am Fusse des Corvatsch. Seit ich nicht mehr auf die Piste gezwungen werde, habe ich angefangen, mir andere Beschäftigungen zu suchen. Schliesslich kann man in Winterkurorten nicht nur Wintersport machen. Im Gegenteil! Hier der ultimative «What-To-Do-Guide» für faule Säcke in verschneiten Dörfern:

Nichts tun. Hey, es sind Ferien! Da kann man sich auch mal in Decken eingemummelt auf den Balkon setzen. Fernsehen. Stricken. Spielen. Schlafen. Baden. Essen. Endlich mal eine der 35 Gesichtsmasken auftragen. Lesen. All die Dinge, für die einem normalerweise die Zeit fehlt oder die wir verschieben, weil gerade etwas anderes wichtiger ist.

Spaziergänge im Winterwunderland. Selbst als Sportmuffel (und ich weiss, wovon ich rede) bringen dich ein paar Schritte im Schnee nicht um. Ausserdem würde wohl niemand bestreiten, dass Schritte auf Schnee eines der schönsten Geräusche der Welt ist. Abgesehen davon, dass unter einer Schneedecke selbst allerhässlichste Bauten verzaubert und gezuckert aussehen, hat man nach so viel körperlicher Betätigung ja auch immer irgendwie das Gefühl, eine Belohnung verdient zu haben. Engadiner Nusstorte zum Beispiel. Oder ein Glas von dem Weisswein, der einem in der Höhenluft so schnell zu Kopf steigt. Hicks.

Après-Ski. Zugegeben, das ist hart. Aber einmal kann man sich das Elend ja auch antun. Pro-Tipp: Ohrstöppsel mitnehmen und nur Kleidung tragen, bei der es egal ist, wenn am Ende des Abends bereits verdaute Spätzli mit Jägermeister daran kleben. Und: Die Wirkung der Höhe auf die eigene Alkoholtoleranz nicht unterschätzen, siehe Punkt 2.

Pferdeschlitten fahren. An diversen Orten in Graubünden und auch andernorts kann man einen Pferdeschlitten mieten, der einem in kuschlige Decken gehüllt an Orte zieht, an denen keine Autos je vorbeifahren. Pferdchen! Schnee! Kuscheldecken! Kann das Leben schöner sein?

Pferderennen. Den White Turf auf dem gefrorenen St. Moritzer See muss man mal gesehen haben. Alleine die Pferde, die auf dieser Eisfläche galoppieren, sind schon beeindruckend. Und der ganze Anlass hat etwas sehr Dekadentes. Nirgends sonst tummeln sich so viele ältere Frauen mit aufgespritzten Lippen und Pelzmäntelchen, die nach dem sechsten Champagner auf ihren nicht gerade schneetauglichen Schuhen gestützt werden müssen. Oh, und wetten kann man natürlich auch. Und den todesmutigen Fahrern zusehen, die sich auf Skiern (!) hinter den Pferden herziehen lassen. Skijöring nennt man das.

Schlittschuhlaufen. Okay, das läuft so knapp unter Sport. Jedenfalls ist es ziemlich schnell anstrengend, macht dafür aber auch schnell Spass. Und natürlich hat man auch hier wieder den Belohnungseffekt, der danach ein, zwei Glühwein und ein paar Guetzli wunderbar rechtfertigt. Nicht, dass man sich vor jemanden rechtfertigen müsste, aber es hilft dem Belohnungszentrum im Hirn auf die Sprünge.

Schwimmbad. In irgendeinem mehr oder weniger grossen Kaff in der Nähe wird es ein Hallenbad geben, mit ein bisschen Glück mit riesigen Glasfenstern mit Sicht auf die tiefverschneiten Gipfel. In angenehm warmem Wasser zu schwimmen, während draussen ein Schneesturm tobt, ist mehr als wunderbar. Vielleicht hat‘s ja sogar einen Whirlpool!

Edle Hotelbars abklappern. In der Gegend rund um St. Moritz hat es atemberaubende Hotels, mit noch viel atemberaubenderen Bars – und fast alle von ihnen sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Maloja Palace, das vor kurzem neu eröffnet wurde, nennt einen Ballsaal sein eigen, der zur Bar umfunktioniert wurde. Mit erschlagendem Erfolg. Der riesige Raum ist mit Sitzgruppen und Kaffeetischchen, grossen Fenstern und einer Galerie ausgestattet – da würde ich auch mal über 25 Franken für einen einzigen Cocktail hinblättern.

Endlich einen Iglu bauen! Wisst ihr noch, damals als Kinder im Unterland, als der Schnee meistens nur für einen einzelnen Schneemann gereicht hat, bevor es wieder reingeschifft oder getaut hat? Hier oben kann einem das nicht passieren. Anleitung googeln, Freunde einsammeln und los geht’s. Und falls einem der Iglu zu anspruchsvoll ist, kann man ja auch mit einer Schneefamilie samt Hund beginnen – übrigens gibt’s natürlich auch da Anleitungen im Web.

Ein paar Brocken Rätoromanisch lernen. Ich finde Rätoromanisch eine der schönsten Sprachen der Welt und habe mir schon öfters überlegt, sie zu lernen. Nur schon, um dabei zu helfen, sie am Leben zu halten. Das Gute hier im Engadin: Viele Dinge sind Deutsch und Rätoromanisch beschriftet. Beim Einkaufen einfach mal die fremde Variante merken, bei den Wegbeschreibungen die ortsüblichen Namen (Bravuogn anstatt Bergün)verwenden. Oder abends, um 17.40 Uhr, «Telesguard», die rätoromanischen Nachrichten bei SF, äxgüsi, SRF 1 schauen. Nur schon das Zuhören ist wunderbar.

Bei so vielen Möglichkeiten finde ich es schon wieder schade, bin ich eigentlich nur drei Tage hier. Aber vielleicht schleppe ich ja meine Münchner Mädels mal noch hier hoch und mache mit ihnen den Touri («BOAH, ein Berg!» – «WHOA, ein gefrorener Wasserfall!« – «Ui, Schnee und so!») und arbeite dann mit ihnen die komplette Liste einmal durch. Viva la Grischa!

Meret Steiger, 22, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch neugieriger Mensch und arbeitet zur Zeit in einer Praktikumsstelle bei Pro7/Sat1 in München. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss.

Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • Meleana

    Lieber Edgar, ich glaube, du überschätzt St. Moritz ein bisschen, da ist nix mehr exklusiv, als Hotelgast bekommst du die Tageskarte fürs ganze Skigebiet für 25 Franken, da zahlst du auf der Flumsi mehr, und auf den Parkplätzen stehen polnische Reisecars rum, also das kann sich inzwischen wirklich jeder leisten. Schön ist es immer noch, aber nur wegen der Landschaft, ansonsten geht es zu und her wie in irgendeinem Winterkurort. Was den gutbetuchten Ehemann anbelangt: Warum nicht? Längst wissen auch junge Frauen, dass die Sache mit der Emanzipation (du darfst Kinder haben, den Haushalt schmeissen UND zusätzlich noch ausser Haus berufstätig sein) nicht gerade eine Win-Win-Situation ist, sondern hauptsächlich endloser Stress und das Gefühl, nirgends zu genügen. Insofern verstehe ich jede junge Frau, die darauf verzichtet – wobei ich Meret nicht unterstellen will, dass sie sich ihre Zukunft so vorstellt.

  • Edgar

    Scheint ja ein behütetes und gut betuchtes Elternhaus zu sein, das deine. Ferien in St.Moritz…
    Das stellt deine rebellierenden Beiträge doch etwas in ein anderes Licht. In 20 Jahren wirst du wohl FDP Frauensektion wählen, einen gutverdienenden gutaussehenden aber langweiligen Mann geehelicht haben und zum spiessigen Establishment gehören. Kinder austragen und auf ein eigenes Auto bestehen. Als Hobby/Teilzeitarbeit etwas mit Medien oder Kultur machen. Und dich ärgern über die ‘linken Steuergeldverschwender’. Wetten?

  • Carolina

    Es leben die Vorurteile und Vorverurteilungen!

  • Sibylle

    Carolina, das ist jetzt aber schon ihr zweiter Kommentar zu Edgar. Hat er ev. doch einen wunden Punkt getroffen? wink

  • Carolina

    Erwischt wink

  • Meret

    Süss, oder? Ich bin mir nicht sicher, was ich aus Edgars Zeilen rauslesen soll. Frustration? Neid? Der geheime Wunsch, selbst der FDP-Frauensektion anzugehören? Oder einfach infame Vorverurteilungen?

    Nur was er mit “rebellierenden Beiträgen” meint, ist mir beim besten Willen nicht klar.

  • Carolina

    Frustriert, neidisch und ziemlich dumm! Kann man getrost ignorieren, so einen Seich!

  • Sarah

    Winter ist allgemein Scheisse, nur Sommer ist Luxus.

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