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Soziales Styling

Online Shopping wird zum sozialen Erlebnis – das gilt speziell für Mode-und Lifestyleprodukte. Die meist jungen Web-Stylistinnen erhalten Anerkennung, die Shops Provision und wertvollen Content.

Von Seraina Mohr

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In Sachen Business-Outfits hat die Nutzerin mit dem Namen «Julia25» die Nase vorn. Sie hat den entsprechenden Wettbewerb auf der Plattform stylefruits gewonnen. Ihr Lohn: ein 100 Euro Einkaufsgutschein. Viel wichtiger aber dürfte für Julia25 die Anerkennung und das Lob aus der Community sein, der vornehmlich jungen Amateur-Stylistinnen. Das Prinzip von Plattformen wie stylefruits, smatch oder dem Elle-stylefinder ist simpel. Es kann aus einer riesigen Produktpalette per Mausklick ein Outfit zusammengestellt und der Community präsentiert werden. Diese bewertet, kommentiert und wählt die Favoriten. Sämtliche verwendeten Artikel können direkt bei den angeschlossenen Online-Händlern bestellt werden, die Plattform kassiert eine Provision.

Empfehlungen als Basis des Geschäftsmodells

Basis der Geschäftsmodells ist die Tatsache, dass Konsumenten den Empfehlungen und Urteilen von Freunden und Bekannten mehr vertrauen als den kommerziellen Anbietern. Unter dem Schlagwort «Social Commerce» wird das in der Fachwelt derzeit rege diskutiert. Das gilt speziell für den Mode- und Lifestylebereich, wo Emotionen und die Akzeptanz eine sehr viele grössere Rolle spielen als etwa technische Details oder ein reiner Preisvergleich. Noch sind sich die Spezialisten uneinig, ob damit in Zukunft viel Geld verdient wird, ein Publikumserfolg ist es allemal. Auf der deutschen Plattform stylefinder sind es mittlerweile rund 2 Millionen User pro Monat, 1,5 Millionen Likes auf Facebook sorgen für das Grundrauschen im beliebtesten sozialen Netzwerk und das jährliche Umsatzwachstum liegt nach Angaben des Geschäftsführers bei 100 Prozent. 

Mit regelmässigen Wettbewerben wird das Publikum in Produktionslaune gehalten. Gute Stylings können einfach von den Kreatorinnen in ihrem Netzwerk verbreitet werden. Sei es, dass sie ihr Outfit auf Facebook oder Pinterest posten oder per Twitter darauf aufmerksam machen – und so ihre eigene Bekanntheit und die der Plattform erhöhen. Ständig sind Contests ausgeschrieben, die Gewinnerinnen erhalten Gutscheine, die Plattform wertvollen Inhalt, der für Zugriffe und eine emotionale Einbettung sorgt.

Fotos aus der Umkleidekabine

Die Meinung der Freunde ist für den Kaufentscheid gerade bei jungen Frauen zentral. Wenn die gute Freundin keine Zeit hat für den gemeinsamen Einkaufsbummel hat, wird sie mit dem Smartphone in die Entscheidung einbezogen. Fotos aus der Umkleidekabine sind heute gang und gäbe.

Diesel hat sich das bereits vor zwei Jahren zu Nutze gemacht und in Kabinen von Diesel-Stores in Spanien Kameras installiert, so dass direkt aus der Garderobe ein Bild auf Facebook gepostet werden kann.

Andere Dienste erlauben es, die eigenen Looks von der Gleichgesinnten beurteilen zu lassen, nach dem simplen Prinzip «Love it or hate it» funktioniert das etwa auf Fashn, der Mode-Community der Zeitschrift Bravo. So klären Teenager das passende Outfit vor dem Ausgang ab und fragen ihre virtuellen und realen Freunde um Rat. 

Der Blick in die Konsumentenseele

Noch ist der Umsatz für die einzelnen Anbieter auf diesen Kanälen gering, dennoch zeigen die Grossen im Textilgeschäft Interesse. Für die einzelnen Anbieter steht denn vorläufig nicht der grosse Umsatz, sondern der Einblick in die Konsumentenseele im Vordergrund. Denn die Trends werden hier direkt durch die Konsumentinnen gemacht. 

Das erklärt auch das zunehmde Engagement von Luxusmarken auf Social Media Plattformen. Hugo Boss hat mittlerweile über 3 Millionen Facebook Likes, Dior kommt auf 10 Millionen und Burberry auf mehr als 15 Millionen. Das grosse Geld ist über Facebook Verkäufe noch nicht zu holen, wie sämtliche aktuellen Befragungen ergeben. Vielmehr geht es darum, die nächste Generation von Käuferinnen schon früh zu binden und bei Laune zu halten. Das sind Frauen, die mit Games wie SIMS aufgewachsen sind und sich bereits gewöhnt haben, die virtuellen Egos nach dem eigenen Gusto zu gestalten und stylen.  Sie stehen auf Marken, verlassen sich beim Styling aber nicht mehr auf das Urteil von Moderedaktorinnen. Das liegt auch daran, dass sich die Modestrecken in den Magazinen stärker an der Finanzkraft der Inserenten und weniger am Budget und den Bedürfnissen der Leserschaft orientieren. Seit die Bloggerinnen von der Modeindustrie hofiert und an die Schauen geladen werden, haben auch die an Glaubwürdigkeit verloren.

Social Shopping verspricht da einen anderen Zugang. Die Plattform Stylight, verspricht in ihrem Slogan denn auch nicht weniger als die «Demokratisierung der Mode». Ein grosses Wort. 

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Seraina Mohr

Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Onlinekommunikation am Institut für Kommunikation an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Sie studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Zürich und arbeitete anschliessend mehr als 10 Jahre in verschiedenen Funktionen in der Medienbranche.


Kommentare

  • Ferdinand

    Vorinstallierte Kameras in der Umkleidekabine?
    Na dann wünsche ich mal frohes Vertrauen, dass diese Infrastruktur nicht anders als gedacht verwendet wird…

  • Laura

    ich finde die Kombi von Orange mit Weidf-Schwarz total schf6n, mit dem Sesam, muss ich mal ehrlich sagen. Ganz toll. Das fand ich bei den Pandas schon rhcitig hfcbsch!

  • Huldreich

    Jetzt weiss ich endlich, warum man immer wieder Gruppen von Frauen sieht, die alle gleich aussehen.

  • Jorge

    Japp, genau so stelle ich mir ein Fashionvictim vor…
    Nichts ist wichtiger, als was die Leute vom eigenen Outfit halten, wobei es vollkommen Wurscht ist, sich mit einer dermassen grottigen Rechtschreibung zum Affen zu machen.

    Lächeln und winken… einfach lächeln und winken…

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