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So legen Sie Ihren Chef flach

Der Termin fürs jährliche Qualifikationsgespräch rückt näher: Sind Sie mehr wert, als Sie verdienen? Clack sagt Ihnen, wie Sie zu mehr Geld kommen.

Von Clack-Team

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Es ist eine alte Leier: Frauen müssen lohnmässig oft unten durch. Und sind nicht selten sogar selbst schuld. Denn bereits bei den Bewerbungsgeprächen stapeln Frauen finanziell tiefer – der Verdienst scheint ihnen weniger wichtig, Hauptsache, Job und Umgebung stimmen.

Und auch später scheuen viele weibliche Angestellte, wenn es um den Lohn geht, den Gang ins Chefbüro. Zu gross ist die Angst, den Vorgesetzten zu verärgern. Und das sogar zu recht, wie kürzlich eine Studie von Harvardprofessorin Hannah Riley Bowles zeigte: Der Chef findet es gar nicht Ordnung, wenn eine Frau mehr Geld will. Was übrigens nicht für den männlichen Bürokollegen gilt. 40 Jahre Emanzipation hin oder her – von Frauen wird im Job immer noch ein anderes Verhalten erwartet als von Männern. (Lesen Sie auch: «Weshalb Frauen arm dran sind»)

Trotzdem: Still zu murren ist falsch. Schliesslich geht es um den Respekt, den man Ihrer Arbeit und Leistung zollt. Und damit der auch endlich gebührend berappt wird, bereiten Sie sich bereits jetzt auf das kommende Jahresgespräch vor.

  • Gehen Sie Kaffee trinken: Vor allem in der Schweiz sind Löhne nach wie vor ein Tabuthema. Und am gemeinsamen Mittagstisch werden Sie kaum erfahren, was die anderen verdienen. Beim vertraulicheren Gespräch zu zweit eher. Laden Sie männliche Kollegen ein, die auf derselben Stufe stehen. Und tragen Sie auch ausserhalb des Betriebes möglichst viele Informationen über die gängigen Löhne zusammen. Beispielsweise bei Branchenvertretungen, über den SGB-Lohnrechner oder über den Lohnrechner des Magazins «Bilanz».  Nur so finden Sie heraus, wieviel Geld Sie verlangen können.
  • Reden Sie mit – jetzt! An Meetings, Sitzungen, Apéros. So machen Sie auf sich aufmerksam. Auch die Entscheidungsträger. Denn viele Frauen arbeiten fleissig hinter den Kulissen, bleiben aber stumm – und damit unsichtbar. Einer der Gründe übrigens, warum sie weitaus seltener die Karriereleiter erklimmern. (Lesen Sie dazu auch: «So ruinieren Sie garantiert Ihre Karriere») Argumentieren Sie ruhig, kurz und bestimmt, werden Sie auf keinen Fall laut – sonst gelten Sie (ja, immer noch!) als hysterisch. Im übrigen: Wenn Sie glauben, dass der Lohn nur von Ihrer Leistung abhängt, irren Sie sich gewaltig.
  • Bauen Sie Ihr Ego auf: Als typische Vertreterin Ihres Geschlechts neigen Sie dazu, vor allem Ihre Schwächen zu sehen – und Ihre Stärken zu übersehen. Schreiben Sie deshalb ihre Erfolge und guten Leistungen auf, analysieren Sie ihre Kompetenzen und Ihr Wissen. Und am besten lesen Sie Ihre Liste täglich durch. Denn so stärken Sie nicht nur Ihr Selbstbewusstsein fürs Mitarbeitergespräch – Ihre Sammlung liefert Ihnen auch die Argumente, warum Sie mehr Lohn verdienen.
  • Treten Sie auf: Wer wie ein scheues Reh beim Verhandlungspartner erscheint, hat von Anfang an verloren. Hier gilt: Genauso selbstbewusst auftreten wie Ihre männlichen Kollegen. Auch wenn Sie wissen, dass Vorgesetzte anders auf fordernde Frauen reagieren. Egal, wer nichts verlangt, bekommt ganz bestimmt nichts. Betonen Sie ruhig und sachlich Ihre Leistungen und Ihren Nutzen fürs Unternehmen. Tabu ist das Argument, dass andere mehr verdienen. Jammern oder der hohe Mietzins sowieso.
  • Werden Sie konkret: Beziffern Sie, was Sie wollen. Einfach nach ein bisschen mehr Lohn zu fragen, nimmt niemand ernst. Und nicht vergessen: Frauen neigen dazu, weniger zu verlangen. Also höher einsteigen, sonst kommen Sie einmal mehr schlecht weg. (Lesen Sie auch: «Verhandeln Sie auch wie ein Babysitter?»)
  • Seien Sie auf der Hut: Auch der Chef hat seine Strategie – und sich wahrscheinlich Einwände zurecht gelegt. Derzeit beliebt: Die bedrohte Konjunktur. Darum informieren Sie sich vor dem Gespräch, wie es um die Bilanz und die Auftragslage im nächsten Jahr steht. Und erklären Sie, wie Sie in den letzten Monaten dazu beigetragen haben, dass die Firma gut durch stürmische Zeiten gekommen ist. Und einmal mehr: Bleiben Sie sachlich und hartnäckig, werden Sie auf keinen Fall emotional. Sonst haben Sie verloren.
  • Drohen Sie nicht: Haben Sie ein externes Jobangebot? Behalten Sie’s für sich. Denn eine solche Drohung nimmt Ihnen der Vorgesetzte sehr, sehr übel. Laut der Studie von Harvardprofessorin Hannah Riley Bowles , die sich vor allem mit Führungsverhalten beschäftigt, widersprechen Sie damit dem Bild einer loyalen Frau. Und der Chef wird nicht mehr mit Ihnen arbeiten wollen. Was übrigens für Ihre männlichen Kollegen ebenfalls nicht gilt.
  • Geben Sie nicht auf: Sagt ihr Gesprächspartner Nein, muss das nicht unbedingt Nein bedeuten. Doch Frauen neigen dazu, schnell aufzugeben. Einmal mehr kommt ihnen die Angst in die Quere, den Vorgesetzten zu verärgern. Denken Sie einfach daran, wie hartnäckig ein Mann eine Verneinung verleugnen kann. Am besten vereinbaren Sie gleich einen weiteren Termin – dann hat ihr Chef  Zeit, sich ihre Argumente durch den Kopf gehen zu lassen. Und er merkt, dass es Ihnen ernst ist. Schliesslich ist Hartnäckigkeit eine Eigenschaft, die im Job sehr gefragt ist.
  • Betrinken Sie sich: Es hat geklappt – oder auch nicht. Jedenfalls haben Sie ihre Angst überwunden und Forderungen gestellt. Das muss gefeiert werden.

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