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Sexy Retro-Sexismus

Kultserie «Mad Men»: Wieso eigentlich schauen sich so viele Frauen so gerne die Storys über ein paar notorisch fremdgehende Obermacker an?

Von Michael Marti

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Ein paar Feministinnen regten sich über «Mad Men» schon auf, bevor die TV-Serie im Spartensender ZDFneo ihre Premiere im deutschsprachigen Raum hatte. Grund dafür: eine Plakatanzeige, die letzten Herbst mit der Headline «Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann, der ihr auf den Arsch glotzt» für die Serie rund um die Werbeindustrie der sechziger Jahre warb.

Zugegeben, die Headline mag eine Provokation sein. Sie trifft allerdings punktgenau den Geist des Männermilieus, das die Serie in nahezu dokumentarischer Schärfe nachzeichnet. In «Mad Men» geht es um Don Draper, einen Creative Director in der New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper Draper Pryce. Draper raucht und säuft und legt Frauen flach – alle drei Dinge tut er notabene im Büro -, und wenn er abends nach Hause kommt, ist der Tisch gedeckt, die Gattin sanft, die Kinderchen herausgeputzt. So waren die Sechziger. Eine super Zeit für Männer. Aber, so sollte man meinen, nicht unbedingt ein TV-Stoff, der das breite weibliche TV-Publikum begeistert.

Traumberuf Sekretärin

Natürlich ist «Mad Men» intelligenter als die Headline, welche die Texter von ZDFneo dichteten. In den USA wird die Serie von Erfolgsautor Matthew Weiner («The Sopranos») mit Preisen überhäuft. Und obwohl im deutschsprachigen Raum nur auf einem Spartenkanal ausgestrahlt, erlangte «Mad Men» insbesondere wegen der ästhetischen Ausstattung sogenannten Kultcharakter. Auch bei vielen Frauen, die vor kurzem noch «Sex and the City» als endgültigen Ausgang aus der Knechtschaft des Patriarchats feierten. Die DVDs der Serie sind jedenfalls auch hierzulande Bestseller.

Ja, «Mad Men» lässt den Stil jener Zeit offenbar so unwiderstehlich erscheinen, dass es zuweilen scheint, als ob Frauen – mal abgesehen von den eingangs erwähnten Feministinnen – nur davon träumten, wieder knappe Pullover mit Spitztüten-BHs zu Bleistiftröcken zu tragen, sich wieder in Korsagen zu zwängen, um dann im Traumberuf Sekretärin die Erfüllung zu finden; auch Clack zeigte sich für den «Mad Men»-Style letzthin durchaus empfänglich.

Konstruieren ist knackiger als dekonstruieren

Zwar will «Mad Man»-Macher Weiner sein Werk als explizit feministisch verstanden wissen, weil insbesondere in den späteren Staffeln drei und vier die Macker-Welt zerfällt, die Machos scheitern oder sich schlicht kaputt saufen, derweil einige Frauenfiguren sich emanzipieren. Doch selbst wenn einige Pop-Intellektuellen Weiner darin zustimmen – Tatsache ist: Mehr als dieses Nachzeichnen frühemanzipatorischer Bewegungen in den Sechzigern fasziniert das breite Publikum immer wieder die sexy Ästhetik der traditionellen Geschlechterordnung – eine Geschlechterordnung, in der Männer noch ganze Kerle sind und Frauen sich noch Schätzchen rufen lassen.

Man kann es auch so sagen: Die Konstruktion klassischer Geschlechterstereotypen ist offenbar knackiger als deren Dekonstruktion – ähnlich wie im wahren Leben, wo rasierte weibliche Achselhöhlen womöglich doch appetitlicher sind als behaarte.

Unter Retro-Sexismus-Verdacht

«Mad Men» hat eine eigene Gender-Debatte geschaffen, worin auch der Begriff «Retro-Sexismus» auftaucht («a modern attitudes and behaviors that mimic or glorify sexist aspects of the past, often in an ironic way»). Retro-Sexismus wurde bislang vor allem der Werbung vorgeworfen, wenn sie, gewissermassen als Alibi, mit überzeichnetem, karikierten Sexismus operiert – im Endeffekt aber dennoch nur nackte Frauen zeigt. Unter den Retro-Sexismus-Verdacht gerät nun aber auch «Mad Men», stimmigerweise gerade eine Serie, die das Werbe-Business thematisiert. Dass Männer dafür empfänglich sind, mag kaum erstaunen, Männer amüsieren sich an Sexismus, ob retro oder nicht.

Die interessante Frage aber, die sich mit dem Erfolg von «Mad Men» auch beim weiblichen Publikum stellt, ist womöglich: Erlaubt es die historisierte und ästhetisierte Darstellung von, sagen wir mal, sehr konservativen Rollenmustern den Frauen zuzugeben, dass sie gegen diese so viel nicht einzuwenden haben? Sogar wenn Mann ihr auf den Arsch glotzt?

Vor allem Frauen könnten diese Frage beantworten.


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Emanzipation Mad Men Stil


Kommentare

  • Tenoha

    Das wissen wir, vileen Dank.Zune4chst wissen wir ja dass wir nun etwas schneller fahren als angezeigt wird. Der Umbau ist ja einen Tag vor dem Urlaub erfolgt, und wir wollten nun erstmal testen.Der Tacho muss fcbrigens nicht ausgetauscht werden, sondern es wird ein Adapterkabel eingebaut. Damit passt der Tacho dann wieder.Und der Tfcv wird bei einer normalen Prfcfung niemals herausfinden, dass der Tacho nicht stimmt, wie soll das gehen? Es sei denn, einer von Euch schwe4rzt uns an

  • Michael

    Naja, an Kleinigkeiten merke ich beim surfen immer wedeir, das Flock noch Beta ist.Was mir aber wirklich fehlt ist die Vielfalt an Erweiterungen, die Firefox bietet.Bis es damit soweit ist, ist Firefox komfortabler. Wenn man nicht bloggt. Und seine Favoriten nicht online hat. Und keine Newsfeeds abonniert wink