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Sex im Ghetto

Der Quotenmann betrachtet die Verrichtungsboxen für Prostituierte unter dem wirtschaftlichen Aspekt. Und fragt sich, wie viel davon absichtliche Schikane ist – und wie viel pure Ignoranz.

Von Réda Philippe El Arbi

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Ich will mich hier gar nicht grundsätzlich über Prostitution auslassen, das habe ich bereits in einer früheren Kolumne gemacht. (Lesen Sie: «Heuchelei und Prostitution») Heute gehts um die in der Schweiz einzigartige Situation der Verrichtungsboxen für käuflichen Sex, die in Altstetten diese Woche in Betrieb genommen wurden. Nun, Prostitution ist in der Schweiz legal, auch wenn sie von den Stadtverantwortlichen in Zürich nicht gerne gesehen wird, da sowas dem Image der ach so sauberen Stadt schaden könnte.

Also, man ekelt sich vor der Tatsache des Strassenstrichs in Zürich und muss ihn aber andererseits zulassen. Was ist da wohl die beste Lösung? Genau: Man versucht ihn dahin zu versetzen, wo ihn keiner sieht und steckt ihn in eine bürokratische Zwangsjacke, die das Geschäft für die Schwächsten in dieser Angelegenheit, die Prostituierten, noch schwieriger macht. Man verbannt das Geschäft aus der Innenstadt und richtet ein Ghetto ein, den man dann den Namen «Verrichtungsboxen» gibt. «Verrichtungsboxen»? Das hört sich doch nach etwas an, in das meine Katze sch*****. Es ist nicht gerade so, als würde man die Prostitution aus der Stigmatisierung befreien und so den Sexworkerinnen Respekt und gute Arbeitbedingungen zur Verfügung stellen.

Schauen wir das Ganze mal absolut moralfrei und aus einer wirtschaftlichen Perspektive an: Nehmen wir an, es handle sich um eine andere Branche, sagen wir, um einen kleinen Gastrobetrieb, Take Away. Also, man geht zu einem kleinen Essenstand und sagt dem Besitzer: «Sorry, dein Geschäft ist zwar legal, aber du darfst hier nicht mehr verkaufen. Wir haben dir einen Laden eingerichtet, neben vielen anderen genormten Essenständen, an einem Ort, an den normalerweise keine Leute hingehen, und da darfst du jetzt dein Essen verkaufen. Aber nur, wenn du jeden Tag ein Ticket löst und auch nur einige Stunden. Wenn jemand Hunger hat, wird er sich schon die Mühe machen, den Weg zu dir zu finden. Ach ja, deine Kunden dürfen das Angebot nicht mehr mitnehmen, sie dürfen das Auto nicht mehr verlassen und müssen ihr Essen unter Kamerabeobachtung zu sich nehmen. Und Fussgänger darfst du keine bedienen. Das ist nur zu deiner Sicherheit.» (Lesen Sie auch: «Pornografie macht bessere Menschen»)

Was die Sicherheit angeht: Die Gefahr für Prostituierte geht in wenigen Fällen von Freiern aus, die wirkliche Gefahr sind Zuhälter. Und diese lassen sich nicht von einigen Überwachungskameras abhalten. Und da sie jetzt in einem Gebiet ohne die geringste soziale Kontrolle agieren, haben sie wohl freie Hand.

Wer ein bisschen Ahnung vom Milieu hat, weiss, das nur die abgebrühtesten Freier sich auf einen öffentlichen Strichplatz begeben, um da das Angebot zu studieren und sich dann, vor laufender Kamera, einen runterholen lassen. Für die verunsicherten Männer, die schon im Alltag kaum eine Frau ansprechen können und sich einmal im Monat aufmachen, um verstohlen eine Prostituierte anzusprechen, wird es keine Option sein, dahin zu fahren. Die Freier, die kein Auto haben, und die bisher mit dem Zug kamen, haben gar keinen Zugang mehr zur Prostitution. Ehrlich, die Freier sind mir total egal. Da ist nur der klitzekleine Aspekt, dass sie die Kunden der Prostituierten sind, die eh schon einen harten Job haben. Und weniger Freier bedeutet weniger Einkommen und dadurch noch mehr Druck.

Die Stadt lässt also die Prostituierten ihren Beruf da ausüben, wo es wirtschaftlich keinen Sinn macht und verbietet ihnen, auszuweichen. Man würgt das Geschäft ab und lässt sich dafür noch europaweit als innovative Sozialerneuerer feiern. Dass man so alle, die sich diesem ach so gut gemeinten Angebot widersetzen, in die Illegalität treibt, übersieht man grosszügig. In meinen Augen riecht das meilenweit nach Heuchelei. Man kann es nicht verbieten, also macht man sowohl den Kunden wie auch den Frauen das Geschäft so schwer wie möglich, dann verschwinden sie vielleicht. Nun, sie werden verschwinden. Dahin, wo sie Heuchelei schon immer hin vertrieben hat: In die Illegalität. (Lesen Sie auch: «Was ist Sex wert?»)

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und war kurze Zeit Herausgeber des Zürcher Satiremagazins «Hauptstadt». Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen Dinge zu vermitteln.

  

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Quotenmann


Kommentare

  • marie

    vergessen anzufügen: die meisten meiner bedürfnisse, mache ich nicht vom markt abhängig – wäre schlicht nicht machbar. zuweilen weil es mir an kohle fehlt, zuweilen sind diese nicht meterieller natur (die meisten eigentlich).

  • Tomas

    marie, ich behaupte, dass jedes ihrer Bedürfnisse am Ende materiell von irgendeinem Marktpreis abhängt. Jedes grin

    Und das mit dem blasen: was genau ist ihrer Meinung nach so anstrengend daran? Das es fremde Männer sind? Oder das es angeblich 20 am Tag sind? Oder dass wenn die Frau nicht mehr so jung ist es eben nicht mehr so einfach 20 am Tag sind?  Dass sie, marie,  aus ihrer Perspektive es erniedrigend finden?  Vielleicht finden die Prostituierten den Job von marie noch erniedrigender grin

    Wissen sie, es gibt andere Berufe mit Ekelfaktor. Kanalreiniger die in der Scheisse waten, Pflegepersonal – die könnten einiges erzählen, Leute die für Minimallohn in Schlachthöfen schaffen etc. Es gibt Berufe, die wirklich körperlich kaputt machen: auf dem Bau, in Minen, in der Hitze, bei monotoner Fliessbandarbeit, in der Industrie. Es gibt körperlich gefährliche Jobs – Förster, Bauer, Monteure, Schreiner, Minen- und Steinbrucharbeiter. Die meisten davon übrigens fast reine Männerberufe. Im Vergleich dazu sind die zwanzig fünfminütige Blowjobs pro Tag keine so haarsträubende Geschichte, sofern sie freiwillig stattfinden, wenn ich das so salopp sagen darf. Und vor allem, es ist weder an mir, noch an ihnen dies zu beurteilen – das muss jede der Betroffenen für sich entscheiden.

    Es gibt in jedem Beruf Menschen, die irgendwann genug davon haben, und in jedem Beruf ist meistens der Ausstieg nicht einfach. Je mehr man verdient und je weniger qualifiziert man ist, desto schwieriger ist es einen Ersatz zu finden. Und genau das ist auch der Punkt bei der Prostitution: das macht sie für Frauen so attraktiv, und den Ausstieg so schwer.

  • marie

    ich habe von ihnen nichts anderes erwartet, als diese antwort. das kann nur ein mann von sich geben – nichts gegen einen blowjob. aber es sind 20 verschiedene männer am tag. das macht den unterschied. versuchen sie es mal. und ja, das ist deren job. aber es ist wie bei den putzfrauen – sie putzen buchstäblich scheisse weg, ihre, meine, die der anderen. das gibt uns aber nicht das recht, solche arbeit schlecht zu bewerten und zu bezahlen. ganz einfach. es geht hier um wertschätzung von buchstäblicher scheissarbeit, tomas. aber sie sind eben im gegensatz zu mir der ökonom. möglichst alles billig.  erinnern sie sich? ich bin die, die über die gehälter diskutieren will. es geht nicht an, dass kanalreiniger schlecht bezahlt werden. usw…
    sie kennen meinen hintergrund, ich weiss, wie harte, schlecht bezahlte arbeit ist, wie sie aussieht und was sie daraus macht. eine entwicklung, die durch dieses ominöse getue von angebot und nachfrage, noch verschlechtert wird.
    wo drückt der schuh? was ist so schwer zu verstehen, dass grundsätzlich der ausstieg aus dem job schwierig ist, wenn man sozial schwach und unqualifiziert dasteht? aber auch hier, es macht wenig sinn mit ihnen zu diskutieren, da sie vorgefertigte meinungen haben, die sie stur vertreten. und kein jota bereit sind zu anerkennen, dass ihr system gewinner und verlierer definiert und diese dann auch noch produziert!
    und kommen sie mir jetzt bitte nicht mit der linken emanzenschlampenkeule.
    und nein lieber tomas, die meisten meiner bedürfnisse sind nicht materieller natur – hätten sie gerne, gell? nur um ihr frauenbild zu bestätigen?

  • Reto B.

    Oder an die Zähringerstrasse, oder in die Brunau…

    Ich finde die Regulation super. Wer billig F***n will, solls in Kauf nehmen. Wer das nicht will, soll halt enthaltsam leben oder in ein teureres Etablissement gehen.

    Und Reda, willst du uns ernsthaft weismachen, die Food and Beverages Sparte haben keine Regulationen? Dann mach doch mal ohne Bewilligung einen Hotdogstand an der Bahnhofstrasse auf, und erzähl dann nachher hier, wieviele Hotdogs du verkauft hast.

    Die Kontrolle am offiziellen Strassenstrich nützt schlussendlich allen, imho.

  • Réda Philippe El Arbi

    Oh, es geht nicht darum, dass es keine Regeln oder Kontrolle gibt. Es geht darum, dass man uner dem Deckmäntelchen “Sicherheit” und “Kontrolle” etwas macht, dass schussendlich den Schwächsten in dieser Thematik die Lebensgrundlage wegnimmt.

    Mir ist scheissegal, ob die Freier ficken können oder nicht. Aber die Prostituierten, die sicher schon unter wirtschaftlichem Druck stehen (ansonsten würden sie warhscheinlich nicht diese Beschäftigung ausüben) stehen dann einfach im Regen. DAS ist Heuchelei.

    Du siehst es als Mann natürlich aus der Freierperspektive. Die sind aber nicht das Ausschlaggebende. Auch das Produkt ist nicht das Ausschlaggebende. Relevant sind die Frauen, die da arbeiten müssen.

  • marie

    ich bin mit ihnen réda absolut einig, dass das grösste problem bei prostitution die zuhältei darstellt. und diese muss angegangen werden – rigoros! dazu ist die gesellschaftliche ächtung dieser dienstleitung ein weiteres, dass nur wir gesamt gesellschaftlich angehen können; mit anderen worten, auch wir sind in der pflicht. es ist an der zeit diese dienstleistung anzuerkennen. den prostituierten die möglichkeit geben, auszusteigen sollten sie diese (aus welchen gründen auch immer) nicht mehr anbieten zu künnen. da sind aber auch die prostituierten in der pflicht. die meisten bezahlen nämlich keine sozialabgaben, was zwingend notwendig wäre, um sich zu schützen und allenfalls vorzusoregn, wenn es eben eng wird. bei ausstieg droht nämlich die fürsorge! dies bedingt von unserer seite toleranz und verständnis für deren situation, aber es bedingt auch massnahmen, die frauen in die pflicht zu nehmen. da scheint sich aber langsam etwas zu ändern, was mir zu langsam von statten geht, aber immerhin. 
    diese verrichtungsboxen stellen m.e. lediglich einen versuch dar, der misere entgegen zu wirken. auf dem areal ist vor ort die vom sozialdepartement betriebene beratungsstelle dora flora anwesend und bietet bei bedarf schutz, beratung sowie betreuung an. soweit so gut. aber m.e. aber nur suboptimal, denn die plätze sind beschränkt und nur für eine gewisse anzahl, dazu nur für motorisierte freier zugänglich. die restlichen prostituierten werden wohl nach wie vor diskret und heimlich weiterhin ihre dienstleistungen im irgendwo anbieten und weiterhin schutzlos verantwortungslosen freiern und den zuhältern ausgeliefert sein.
    bsp. puff in der lorraine in bern: dies wurde “geräumt”, weil die stadt wohnraum daraus machen will. obwohl sich die quartierbewohner mehrheitlich dafür eingesetzt haben, dass es bleibt. m.e. hätte die behörde sich früher mit diesem gebäude beschäftigen sollen, aufgrund der zuhälterei. und daraus in der folge massnahmen ergreifen können, um den prostituierten räumlichkeiten zur verfügung stellen können, die unter bestimmten bedingungen ihrem gewerbe hätten nachgehen können, die quartierbewohner hatten ja mehrheitlich nichts dagegen. …was soll’s, das nennt man verpatzte chancen, um der gesellschaftlichen stigmatisierung entgegen zu wirken.
    ich bin der meinung, die rechte der prostituierten zu stärken, sie aber ebenso in die pflicht nehmen, ist das einzige mittel, um diesen knallharten job einigermassen ausführen zu können. das geht nur mit fixen preisen, verantwortungsvolle freier und anerkannten etablissements ohne zuhälter. ideal wäre ein gebäude, das wirtschaftlich betrieben wird, ohne dass sich der besitzer damit bereichern will. dazu sehe ich nur eine lösung – sich genossenschaftlich zu organisieren, fixe preise für die verschiedenen dienstleistungen festzulegen und sozialversicherungen zu bezahlen. soviel ich weiss gibt es das auch schon in berlin, mir ist es zumindest so.

  • Tomas

    “Du siehst es als Mann natürlich aus der Freierperspektive”

    Nur so, aus Neugier: aus welcher Perspektive siehst du es dann?

  • marie

    unvorstllbar gell, wenn ein mann versucht, es aus der sicht einer prostituierten zu sehen. nun, es spricht für réda als mann. denn ihm ist offenbar durchaus bewusst worum es in der prostitution geht): reine dienstleistung.  (zwangs- und dorgenprostitution ausgenommen, dort liegt die problematik anderswo)

  • marie

    (zwangs- und dorgenprostitution ausgenommen, dort liegt die problematik anderswo) …dh, sie wird komplexer.

  • Reda El Arbi

    Gesellschaftliche Ächtung dieser Dienstleistung? Wieso, um Himmels Willen? Ächten wir dann auch Sex gegen soziale Sicherheit? Oder Sex gegen Status? Oder Sex gegen Sex? Oder Sex ohne Beziehung? Oder Sex ganz allgemein?

    Es ist nichts Unmoralisches an Sex gegen Geld.

  • Tomas

    marie, Reda nimmt an, dass “als Mann” kann man es NUR aus der Freierperspektive sehen. Er selber hat schon an einem anderen Ort geschrieben, dass er als Freier bereits unterwegs war. Abgesehen davon, dass es Männer gibt die durchaus genug Vorstellungsvermögen besitzen um auch andere Perspektiven einzubeziehen, und abgesehen davon, dass nicht alle Männer zu Prostituierten gehen und dass einige es aus der Perspektive eines Zuhälters oder Freundes der Nutte sehen, gibt mir gerade seine Perspektive einige Rätsel auf. Ihnen nicht?

    Ehmm, wie war das mit den Unterstellungen?

  • marie

    sie haben mich falsch verstanden: ich, marie, habe nichts gegen prostitution – die ist nämlich vielfältig, für mich gilt an und für sich schon die ehe (wenn es um abhängigkeit geht) als eine form der prostitution.
    aber die meisten(?), zumindest sehr viele,  menschen lehnen prostitution ab und möchten die verboten wissen – ich gehöre definitiv nicht dazu. dafür bin ich zu realistisch.
    dazu kommt noch, dass diese dienstleistugn durchaus beansprucht wird. aber sobald sich eine ehemalige prostituierte sich um einen job bemüht und auf einen ehem. freier stösst, kriegt sie die stelle i.d.r. nicht. usw…

  • marie

    die meisten männer, erfahrungsgemäss, sehen es NUR aus der freierperspektive. réda verscuht es hier aus der sicht einer prostituierten zu sehen – und das ist eher ungewöhnlich. erfahrungsgemäss.
    aus welcher sicht hätte es réda denn sehen sollen bei diesem thema? ich fand die frage nicht gerade weiterführend.

  • marie

    “ich fand die frage nicht gerade weiterführend.” ich fand IHRE frage nicht gerade weiterführend. hätte es heissen sollen.

  • The Damned

    Irgendwo in der BRD haben sie gar keine guten Erfahrungen gemacht mit diesen Boxen, ich weiss aber nicht mehr genau wo. Diese Boxen sind eine Art Billigstpuff, dass den Zuhältern und ihren Prostituierten (in dieser Reihenfolge und nicht umgehrt) gratis zur Verfügung gestellt wird. Das finde ich irgendwie einen recht speziellen Zustand. Die Stadt sagt sich: Aus den Augen, aus dem Sinn, die Zuhälter sagen sich: prima! und die Huren sind froh, dass sich endlich eine anständige Toilette und eine Beratungsstelle in der Nähe befinden.

  • marie

    ist in kölle – die meinungen gehen auseinander.

  • Tomas

    “aus welcher sicht hätte es réda denn sehen sollen bei diesem thema?”

    Hmm, mal überlegen… Wie wäre es mit seiner eigenen?
    Wobei es mir eher darum ging, was er allen Wesen männlichen Geschlechtes unterstellt. Aberr das machen sie ihm ja gleich, gell? Von wegen “erfahrungsgemäss” smile Mit seiner Sicht kann man sogar teilweise einverstanden sein, zumindest bis er für die Frauen wieder mal innovativ nur die Opferrolle übrig hat. Und das man sich des Themas annimmt und erklärt, die Hälfte der Teilnehmer sei ihm egal zeugt von einer Ignoranz die genau von der Quelle eingespiesen wird, von der er sich zuerst versucht zu distanzieren – die Moralkeule lässt grüssen.

  • marie

    in der prostituion ist das wesen des freiers (in den meisten fällen sind das nun männer, zumindest in der “klassischen” prostitution) einzig und alleine befriedigung des triebes.
    und ja, für mich hat die “geiz ist geil mentalität” in diesem bereich durchaus einen UNmoralischen aspekt, zbsp. für sie nicht?
    und da sie sich durchaus in andere versetzen können – auf dem strich gibt es in der tat opfer, und mehrheitlich sind es die prostituierten, die in der tat irgendwo schutzlos den strich machen müssen, wo keine sicherheit garantiert ist und sich mit den zuhältern der zwangsprostituierten rumschlagen müssen und sich dumpingpreisen aussetzen müssen. sorry, wenn sie das nicht sehen. wir sprechen hier nicht von escort models und edelprostituierten. wir sprechen vom strassenstrich, etwas vom härtesten überhaupt.

  • The Damned

    Dacht’ ich’s mir doch: Köln, genau.

  • Tomas

    marie, wie bei allen Bedürfnissen die wir Menschen zeitlebens haben, auch beim Bedürfnis nach Sex herrscht freier Markt. Es gibt Angebote und es gibt Nachfrage. So wie bei einem Mobilfunkabo oder einer Krankenversicherung sind die Angebote nicht immer einfach vergleichbar. Man kann zum Beispiel ganz komplexe Angebote annehmen in dem man heiratet, da sind die Anschaffungskosten eher moderat, dafür können die Folgekosten exorbitant sein. Oder man kann gewissermassen auf dem anderen Ende der Skala das “reduce to the max” “Prepaid- Card” Angebot am Strassenstrich annehmen. Sie lesen richtig: es ist ein Angebot: die Frauen bieten sich zuerst einmal an. Wenn ein Freier auf die Dame zukommt und Interesse hat, sagt sie ihm was ihr Angebot kostet. Nicht umgekehrt. So gesehen unterliegt es genau den gleichen Mechanismen wie alles andere wofür sie oder ich Geld ausgeben. So von wegen “Geiz ist geil”.

    Der Punkt mit Menschenhandel und Zwangsprostitution ist nicht – wie so häufig – das Thema. Oder meinen sie, die Stadt will wissentlich Menschenhandel unterstützen? Sicher nicht – ihre Zielgruppe sind Frauen die aus eigener Überzeugung diesem Beruf nachgehen wollen, weil sich nirgends so schnell soviel Geld ohne jegliche Qualifikation machen lässt.

    Und ja, dass der Beruf keine Sonntagsschule ist, das wissen alle. Das trifft für viele andere Berufe auch, also braucht es nicht deswegen – sofern wir uns im genannten legalen Rahmen bewegen – im Sentiment zu zerfliessen. Aus meiner Sicht – die sie übrigens sehr gut kennen – schuldet die Gesellschaft diesem Beruf genau die gleiche Behandlung wie allen anderen Berufen auch. Davon sind wir noch weit entfernt, unter anderem genau wegen solchen Gutmenschen, die überall nur das gut / böse Schema suchen müssen.
    Wie ich schon x-fach sagte: die schlimmsten Verbrechen passieren immer mit den besten Absichten.

  • marie

    gut, dann blasen sie mal 20 männern am 6 tage die woche über 1 monat und verhandeln sie über den preis und mit/ohne gummi. oder sie halten buchstäblich ihren arsch her, im gleichen ausmass. dann gehen wir beide noch mal über die bücher. sie werden nach dieser blaserei garantiert eine andere haltung haben, so von wegen angebot und nachfrage. und nein, prostitution ist nicht mit anderen berufen vergleichbar, da machen SIE einen denkfehler. und über die freiwilligkeit im bereich der prostitution kann man durchaus diskutieren. auch hier, sie unterstellen mir mal wieder die sicht des gut/böse. dann haben sie absolut nicht verstanden wie ich es sehe und z.t. mit prostituierten erlebt habe. da geht es anders zu, als in einem call center, in einem büro usw… aber eben, es ist schon einfacher mit p zu kohle zu kommen, als nach einer dreijährigen verkaufslehre mit brutto 3500.—im monat das leben zu bestreiten.
    und ich trenne zwischen p und zwangsp. das eine ist ein notwendiges übel, dass es immer geben wird. da muss man die rechte dieser frauen stärken, sie aber auch in die pflicht nehmen und den freiern an verantwortungsvollen umgang appellieren. die zwangsp gehört bekämpft/abgeschaft und die zuhälterei bestraft (was es auch ist in der ch, nur wird der artikel selten umgesetzt).
    ich meine das übrigens ernst und nicht zynisch.

  • Tomas

    marie, wir kennen uns langsam wie ein altes Ehepaar, und trotzdem machen sie immer wieder den gleichen Fehler, dass sie meinen Text nicht genau lesen.

    Ich habe nicht geschrieben, dass alle ihre Bedürfnisse materieller Natur sind. Lesen sie es nochmals grin

    Und ja, ich habe viele seltsame Eigenschaften, aber ganz sicher keine vorgefertigte Meinungen. Definitiv nicht. Bin immer wieder gespannt auf Argumente, die andere Meinungen untermauern, das könnten sie inzwischen eigentlich bereits auch wissen.
    Auch die Behauptung “möglichst alles billig” kommt niemals von mir (schon wieder nicht genau gelesen?) weil der Begriff “billig” an sich ein relatives ist und ich es so nie brauchen würde. Was ich sage ist, das alles seinen Preis hat, auch wenn er nicht immer mit Geld aufzuwiegen ist. Und zwar den, den SIE bereit sind zu zahlen. Sie müssen sich nicht ereifern darüber, was jemand anders bereit ist für etwas zu zahlen. Schauen sie lieber, was sie zahlen möchten. Wieviel bezahlen sie von dem, was ihnen zum Leben bleibt, ihrer Putzfrau dafür, dass sie ihre Scheisse wegwischt? Ach sie haben keine Putzfrau? Eben. Für Gerede was sie zahlen WÜRDEN wenn sie eine hätten kann sich die Frau noch nichts kaufen. Sie können über Gehälter ewig diskutieren, aber davon werden die Gehälter nicht höher. Sie werden erst dann höher, wenn sie und andere bereit sind, die entsprechende Gegenleistung höher zu bezahlen. Und bevor sie sich jetzt über die bösen Manager auslassen, die so unverschämt verdienen, überlegen sie mal, was überhaupt der Grund sein könnte, dass es irgendein Unternehmen überhaupt gibt. Hmm, könnte es sein, dass jemand eines Tages erwacht und sich sagt: hey, mir tun all die Leute leid, die so schlecht verdienen, also gründe ich eine Firma damit sie einen wunderbar bezahlten Job haben? Ich lebte dreissig jahre in so einem System, und es endete mit einem Totalbankrott – baden gingen nicht nur die materiellen Werte, es hat auch das zerstört, was normalerweise nicht mit Geld bezahlt wird. Es gibt dazu ein Paar wunderbare Gedanken im Interview mit Adolf Muschg (den ich sonst unerklärlicherweise nicht ausstehen kann) in der letzten Weltwoche, sehen sie sich ihre Mailbox an.
    All die Menschen, die irgendwo für “zu kleinen” Lohn arbeiten, tun es freiwillig. Sie haben den Vertrag eigenhändig unterschrieben. Es stand ihnen jederzeit frei, einen besseren Job zu nehmen. Aber da niemand bereit war, ihnen mehr zu zahlen, haben sie den genommen den sie haben. So hart das tönt, genau so funktioniert es, marie. Sie können da noch lange “über Gehälter reden”, aber solange sie selber nicht ein Unternehmen gründen und bessere Löhne zahlen, kann sich für ihr Gerede niemand etwas kaufen.

    Es ist hart zu hören, aber das was wir bekommen hat direkt damit zu tun, was wir bieten können und welchen Wert unser Angebot für andere hat. Und deshalb führt der einzige funktionierende Weg nur über uns. Niemand weisst es besser, als sie.

    Und noch zu der armen Nutte die zwanzig Blowjobs pro Tag macht: wann haben sie zum letzten Mal einen Tausender oder mehr pro Tag verdient, steuerfrei?

  • marie

    ach tomas…

  • Najib U.K.Niazi

    Sehr geehrter Herr El Arbi,

    Anmerkung zum Artikel “Der Krieg der Schwestern”: ich meine einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Verhalten von Frauen und Männern in [Führungs-]Hierarchien festgestellt zu haben. Streit und Konfrontationen zwischen Männern laufen nach mehr oder minder klaren Regeln ab – Männer “schiessen” bspw. nicht auf Kontrahenten, wenn diese “die Hände oben haben”  –  Frauen verhalten sich da anders – die ballern erst recht drauflos. Evtl. haben andere Leser ähnliches beobachtet.

    Freundliche Grüsse, N. Niazi

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