Clack

Selfies, aber richtig!

Die Teilzeitprinzessin findet erotische Selbstfotografie im Netz ganz alltäglich. Und sie steht damit in ihrer Generation nicht alleine da. Eine Anleitung.

Von Meret Steiger

Twittern

Vor einiger Zeit habe ich euch von dem Mädchen erzählt, dass an meiner Schule war, von dem eines Tages Nacktfotos aufgetaucht sind. So richtig heftige Nacktfotos auf einer richtigen Pornoseite. Ich habe euch auch erzählt, wie leid sie mir getan hat und dass das heute, «dank» Facebook nochmal alles ein bisschen anders ist, weil die Verbreitung grösser ist.

Sexting, also das Verschicken von erotischen Fotos und Textnachrichten, ist ein Trend – jedenfalls haben das mittlerweile sogar die von Pro Juventute gemerkt. So unter uns: Ich kenne diesen «Trend», seit es Fotohandys gibt. Mindestens. Und, um ganz ehrlich zu sein, ich habe auch ziemlich früh schon mitgemacht. Es gehört im 21. Jahrhundert zur sexuellen Reifung.

Was mich stört ist dieses «Ihr dürft das nicht, die Fotos sind eines Tages im Internet!». Das ist der völlig falsche Ansatz. Das ist dasselbe, wie wenn du Jugendlichen sagst, sie dürfen überhaupt keinen Sex haben. Sie werden es ja trotzdem tun. Das einzige, was du tun kannst, ist, die Jungen richtig darauf vorzubereiten. Also hier, der Guide to Nacktbildli:

Erstens: Ja, die Chance, dass die Fotos im Netz auftauchen, ist je nach Altersklasse und geistigem Dünnpfiff des Empfängers relativ gross. Wenn du es nicht selbst versehentlich irgendwo publizierst, ist es durchaus möglich, dass das Bild über andere Wege ins Web kommt. Darüber muss man sich im Klaren sein. Von mir ist bisher keins dieser Fotos im Netz aufgetaucht und ich schätze, da war auch ein bisschen Glück dabei. Und natürlich die richtige Auswahl der Empfänger.

Zweitens: Falls die Fotos tatsächlich im WWW auftauchen, um Himmels willen, mach wenigstens schöne Bilder! Es dürfen Selfies sein, aber keine Nahaufnahmen von deinen intimsten Regionen. Das ist unsexy. Immer. Genauso wie Bildchen, auf denen nur ein Penis zu sehen ist, unsexy sind. Da braucht‘s schon etwas mehr. Natürlich kannst du aus Anonymitätsgründen den Kopf abschneiden. Aber lass dir gesagt sein: Solche Bildchen werden erst durch den Gesichtsausdruck richtig erotisch.

Drittens: Schäm dich nicht. Ich bin heute ehrlich gesagt so weit, dass es mir scheissegal wäre, wenn ein Nacktbildchen von mir im Web auftaucht. Na und? Ich bin nicht unansehnlich, die Bilder sind schön und es liegt mir völlig fern, mich für meinen Körper zu schämen. Natürlich wäre es nur mässig lässig, wenn ein Vollpfosten so ein ausgesprochen privates und intimes Bild bei Facebook postet. Oder sonst in irgendwelchen sozialen Netzwerken. Aber meine Güte, es könnte passieren. Ich würde dafür sorgen, dass es gelöscht wird und gut ist. Ist ja nicht so, dass ich einen dritten Busen auf dem Rücken hätte oder sonst irgendwas Spektakuläres. Mein Körper sieht aus wie der von Millionen anderen Frauen auch.

Viertens: Achte auf die Empfänger. Ich denke, dass es im Schulalter am ehesten Probleme geben könnte. Pubertierende Jungs sind nicht unbedingt in der Lage zu begreifen, was das für ein Vertrauensbeweis ist und warum man ein solches Bild in Ehren (und vor allem für sich!) behalten sollte. Also wenn du schon in deiner Schulzeit Nacktbildchen verbreiten willst: Vorsicht. Tu‘s nicht, wenn du nicht möchtest, dass alle seine Kumpels deinen gedeihenden Busen auch zu sehen bekommen. Bei den Erwachsenen bin ich überzeugt, dass viele vernünftig genug sind. Am Ende ist und bleibt es wohl Glückssache, ausser du hast eine unfassbare Menschenkenntnis.

Fünftens: Schneid dem Penner die Eier ab, der das Bild nun doch ohne deine Einwilligung verbreitet hat. Ernsthaft: Männer (und Frauen, die sich angesprochen fühlen natürlich auch), das ist einer der grössten Vetrauensbrüche, die ihr begehen könnt. Wenn euch jemand ein so intimes Foto zukommen lässt, dann freut euch daran! Meinetwegen auch immer wieder, aber behaltet es für euch. Zeigt‘s nicht rum. Ein Gentleman schweigt und geniesst, klar? Dann besteht nämlich auch die Chance, dass du irgendwann in deinem Leben wieder ein heisses Foto bekommst.

Aus Rache oder gar einfach nur, um jemanden zu verarschen, ein Nacktbild ins Web zu laden, ist mitunter das Erbärmlichste, das man tun kann. Das kommt noch vor „Schlampe“ an die Hauswand sprühen. Es ist einfach nur widerlich, zeugt von einem nicht vorhandenen Charakter und mangelndem Respekt vor Menschen, die einem ihr Innerstes (höhö) zeigen. Es ist schwach.

Seid stark, beweist, dass ihr vertrauenswürdig seid.

Meret Steiger, 22, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch neugieriger Mensch und arbeitet zur Zeit in einer Praktikumsstelle bei Pro7/Sat1 in München. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss.

Fotografie


Kommentare

  • mira

    Wenn dann mal ein Bildli im Internet ist und Du es nicht mehr löschen kannst, dann hilft es Dir auch nichts, zu sagen, dass der andere ein Arsch ist. Und schämen tut man sich nicht wegen einem schönen/unschönen Körper, sondern weil er (ob schön oder nicht) in erotischer Pose/nackt ist. Gewisse Dinge gehören ins Intime, werden sie öffentlich, sind sie nicht mehr erotisch, sondern nur eben peinlich…
    Ich glaube nicht, dass ich eine Person anstellen würden, von der ich eindeutige Bildli im Internet finden würde…

  • Meret

    Mag sein, dass das der Einleitungstext ist. Die Kampagne selbst baut aber auf dieses “Lösch das Bild” auf – weil sie nämlich wissen, dass “mach gar nicht erst welche” nicht funktioniert. Ich unterstelle diese Haltung auch nicht direkt ProJuventute, sondern grundsätzlich der Öffentlichkeit. ProJuventute ist nicht mal mehr der Aufhänger in dieser Story.

  • Meret

    Nach meiner Erfahrung sind die Grenzen zwischen peinlich und erotisch von der Stimmung abhängig und reichlich fliessend.

    Zum einstellen: warum nicht? Abgesehen davon sind ja die wenigsten dieser fotos “einfach so” bei google. Die muss man entweder auf einschlägigen seiten suchen, oder man muss wirklich schon relativ genau wissen, wonach man sucht.

  • Katharina

    Meret, Sie meinen wirklich, die bildli seien versteckt?  googeln Sie doch mal selfies of my ex.

    das verbreiten solcher Fotos als Racheakt ist nun wirklich bald zum Volkssport geworden.

    ich betrachte Leute, die sich auf all diesen Plattformen exponieren als meschugge. Vor allem auch, weil all die vorgeschalteten apps serverbasiert sind, also selten die Bilder direkt an das Zielgerät versandt werden.

    und richtig, Mira hat recht: Das allererste, das HR Leute machen, ist die Internet-Recherche der Kandidaten.

    Tauchen Selfies auf und dazu noch als Racheakt gepostet, ist KanditadIn schon weg von der Auslese, weil sich ernsthafte Fragen betreffend des sozialen Umgangs der Person stellen, neben einigen Risiken der Exposition für das Unternehmen, denen dieses sich nicht aussetzen will. Zuallererst ein Verlust über das Bewusstsein, was öffentlich und nicht öffentlich sei und eine seltsame Distanzlosigkeit, die sich darin äussert, dass das recht auf Privatheit nur Ausdruck von altmodischsein sei.

    Natürlich haben Sie Recht, wenn Sie sagen, solches Fremdpublizieren sei niederträchtig und respektlos. Was Sie aber unterschlagen, ist, dass es sehr verbreitet ist und Adoleszenten auch zugestanden werden muss, dass sie in the heat of the Moment eben dumme und niederträchtige Dinge tun. Wer dabei langfristig leidet ist aber die Person, dessen Bild veröffentlicht wurde und selten das Arschloch, dass das tat. Einfach nun hinzustehen und lauthals rufen ‚he’s an asshole‘ bringt nichts. Haben Sie sich je überlegt, warum die selfies von Frauen auf dem Internet perpetuiert werden, diejenigen von Männern aber meist verschwinden?

    Da finde ich Marion’s Aufruf, der Quotengeilheit sich zu enthalten und über journalistische Redlichkeit nachzudenken, doch wichtig.

    aber träumen Sie ruhig weiter von den ach so coolen pseudovernetzten Paninibilditauschsites. kleiner Tipp: lassen Sie sich die Metatags Ihres Facebook Profils kompilieren (download a copy of your profile, da gibt es die Option). Sie werden staunen.

  • Marion

    Meret, die Kampagne von Pro Juventute sagt nirgends:
    «Ihr dürft das nicht, die Fotos sind eines Tages im Internet!»
    Im Einstieg auf die Webseite
    http://www.projuventute.ch/sexting/landingpage.html
    heisst es:
    “Wichtig ist, dass Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen sich bewusst sind, welche Risiken das Versenden von intimen Fotos haben kann und wo sie in solchen Fällen Unterstützung finden.”
    Ich finde, als Blogschreiberin solltest du ein gewisses Mass an Redlichkeit beim Zitieren einhalten. Der ganze Blog baut auf einer unwahren Unterstellung an die aktuelle Sexting-Kampagne auf. Das mag gut sein für Klicks zu dir, aber nicht für die journalistische Qualität deines Beitrags.

  • Tomas

    Katharina, sie haben gewiss Recht, aber die Bildchen werden in der Regel nicht mit Namen getaggt wenn sie veröffentlicht werden. Relevant sind vor allem die, die auftauchen wenn nach einer bestimmten Person gesucht wird, auch wenn es ärgerlich ist wenn irgendwo ein namenloses Duckface ohne BH auch noch herumschwirrt.

  • Fred

    Oh ja Selfies können ein Thema sein, geht aber nicht so leicht wie es tönt, schon allein sein eigenes Gesicht in ein gutes Bild zu fassen, zu portraitieren ist KUNST
    Mach das von Zeit zu Zeit, je nach Jahreszeit, echt mühsam nur die richtige Farbe im Hintergrund zu kennen, erkennen, auszuwählen ist aufwändig. Damals war in meiner Lehre noch Bleistift auf der Hinterseite des Negativs, ruhige Hand, Ruhe und Geduld nötig. Im Studio dann einfach NIEMAND nur die Person vor und die Person hinter der Kamera. Jedes Klick war ein Bild, von löschen keine Spur, es war teuer.
    Übrigens schöne Frauen können durch Fotografen entstellt werden. Die Lollo, die Loren und einige andere waren da super: Take your time! waren Aufsteller, ja NYC forderte viel, Profi Models von Ford waren extrem teuer aber auch immer unter Druck. Egal wer vor der Linse sitzt, DIE Person muss mit dem Bild zufrieden, resp. glücklich sein, auch im Zeitalter des Digitalen Bildes. Man darf als Fachmann auch mal sagen geht nicht. Gründe werden nicht verbal ausgedrückt.
    Ja klar, ein Junger Mann, wollte Akt, zeigte die seinem Chef, der wollte ebenfalls, ich konnte nicht, nicht Alter nicht Aussehen od. Postur, die Arroganz war mir im Weg. Akt ist nicht nur ohne Hosen. Ob Mann oder Frau völlig egal. Einstellung ich will schön sein wäre da eine gute Einstellung.

  • Fred

    Stimme da zu, es ist nie einfach eine Person im Bild, genau “im Bild” festzuhalten.
    Stimmung muss vorhanden sein, eine Person muss mit sich selber zufrieden sein, möchte mit dem Bild jemandem eine Freude bereiten. Schon diese einfachen Voraussetzungen sind extrem schwierig in’s Bild zu bekommen. Zufall spielt bei ausgebildeten Fotografen keine Rolle, da ist Wissen was wann wo wie vorhanden.

  • fremde Besucher

    Es gehört im 21. Jahrhundert zur sexuellen Reifung.

    hahahahaha…..

Lesen Sie auch: