Clack

«Sie sind schlau, ehrgeizig und attraktiv»

Weshalb gehen Frauen ins Finanzbusiness? Wie behaupten sie sich im dortigen Macho-Milieu? Haben sie beim Zocken um Milliarden mehr Skrupel als Männer? Darüber geben auf einem Blog Bankerinnen Auskunft, die schon mal eine halbe Million Franken im Jahr verdienen.

Von Michael Marti

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Schon von allem Anfang an hatte die Krise der Finanzsysteme ein Geschlecht, es war die Rede davon, dass testosterongetriebene, wilde Bullen-Banker Lehman Brothers krachen liessen. Es war, so ist häufig die Meinung, die Männlichkeit an sich, die eine monetäre Weltkrise auslöste.

Auch die heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds, die Französin Christine Lagarde, stiess schnell in dieses Horn. Anfang 2010, als sie noch Frankreichs Finanzministerin war, schrieb sie in einem Gastbeitrag für die «New York Times»: «Wenn Lehman Brothers bloss Lehman Sisters gewesen wäre, dann sähe die Welt heute besser aus.»

Und über die eigene Arbeit meinte die vom weiblichen Geschlecht offenbar sehr überzeugte Lagarde: «Als Frau habe ich vielleicht ein schärferes Bewusstsein dafür, welchen Schaden die Krise durch Gier, Stolz und einen Mangel an Transparenz angerichtet hat.» Wir müssen wohl hoffen, dass dies tatsächlich zutrifft. Ein geschärftes Bewusstsein ist das Wenigste, was Lagarde benötigt, um als IWF-Präsidentin bei der Rettung des europäischen Finanzsystems mitzuhelfen.

Bloss, so richtig überprüfen lässt sich die These von den besser bankenden Frauen leider nicht – unter anderem gibt’s dafür schlicht zu wenig Frauen in relevanten Berufspositionen. So zeigen etwa Zahlen zur deutschen Finanzbranche folgende Situation: Der Frauenanteil in den Vorständen lag im Jahr 2010 bei 2,9 Prozent – und damit nur 0,4 Prozentpunkte höher als 2006. Zwar war es auch bei den deutschen Banken im Zuge der Finanzkrise zu massiven Umwälzungen in den Vorständen und Aufsichtsräten gekommen – der Frauenanteil erhöhte sich aber nicht.

In der Schweiz ähnelt sich das Bild. Ein Beispiel: In den Verwaltungsräten und Konzernleitungen der fünf grössten Schweizer Banken sitzen insgesamt 92 Männer – und 8 Frauen. Und dabei weist ein einziges Gremium mehr als nur die meist übliche Alibi-Frau auf, nämlich zwei Frauen: Es ist der Bankrat der Zürcher Kantonalbank.

Doch es gibt sie natürlich, die Exotinnen im Testosteron-Teich. Und jetzt melden sie sich sogar zu Wort.

Auf der Website des «Guardian» führt der Finanz-Journalist Joris Luyendijk einen Blog, auf dem er schon seit geraumer Zeit Interviews mit Bankern veröffentlicht. Es geht darum, die Branche quasi mit einer ethnologischen Perspektive zu betrachten.

Jetzt hat Luyendijk entsprechende Beiträge zum Thema «Women in Finance» publiziert: Gespräche mit 12 Frauen, die in der Londoner City arbeiten. Zwar sind die Interviews anonymisiert, sie geben aber in ihrer Detailfülle und Direktheit einen spannenden Einblick in die Londoner Banker-Szene – und sie sind oft genug entlarvend für beide Geschlechter, Männer und Frauen. Im Folgenden eine Auswahl lesenswerter Passagen aus  Luyendijks Feldforschung – am besten allerdings liest man die Gesprächstranskripte integral.

«Viele Leute hassen, was sie tun»

Eine Enddreissigerin, die als Risk-and-Compliance-Consultant bei einer grossen Bank in London arbeitet (Jahressalär um die 100’000 Pfund), gibt zu Protokoll:

  • «Mein Eindruck ist, dass viele Leute im Finanzbusiness hassen, was sie tun. Sie sind nicht mit Leidenschaft dabei – aber die Leute sind gefangen von der Aussicht auf viel Geld. Die Leute sind selbstsüchtig, sie wollen ihren Lifestyle aufrecht erhalten können. Und es geht die Angst um, den Job zu verlieren. Alle kennen Storys über Entlassene, die seit Monaten schon ohne Erfolg einen neuen Job suchen. Aber die grösste Angst ist: Der eigenen Frau erzählen zu müssen, dass man den Job verloren hat. Man sollte meinen, dass die Männer in einer solch schwierigen Lage von ihren Ehefrauen unterstützt werden. Das Gegenteil ist der Fall: Die Banker-Frauen haben sich an einen Lebensstil gewöhnt. Sie wünschen sich alle zwei Jahre eine neue Kücheneinrichtung. Weshalb ich in diesem Job arbeite? Wegen des Geldes. Und da gibt es auch diesen Trägheitsfaktor: Nach einem Tag am Computer-Bildschirm habe ich nicht mehr die Energie, am Abend Bewerbungsschreiben zu tippen.»

«Feminismus heisst, alle Möglichkeiten zu haben»

Eine Mittvierzigerin, die als Chief Operating Officer bei einer Investmentbank (Jahressalär 200’000 Pfund plus bis zu 150’000 Pfund Bonus), sagt:

  • «Weshalb sollten Frauen nicht stolz darauf sein, wenn sie es in der Finanzindustrie bis nach oben schaffen? Feminismus heisst für mich: Als Frau die Möglichkeiten zu haben, alles zu machen. Ich checke morgens meine E-Mails bereits um 6.30 Uhr. Um 7 Uhr bin ich im Büro. Zwischen 8 und 15.30 Uhr findet der Börsenhandel statt – das bedeutet: ein Chaos, das einem zwingt, ständig zu reagieren. Gegen 17.30 Uhr gehen die Händler, dann wende ich mich dem Administrativen zu. Ich gehe um sieben oder um acht aus dem Büro. Manchmal arbeite ich auch am Wochenende. Wenn in einem Handelsraum Pannen passieren, die Milliarden vernichten, dann meistens nicht, weil jemand Geld in die eigene Tasche wirtschaften will. Oft passiert’s, weil Trader Fehler machen, die sie mit neuen Geschäften, die wiederum scheitern, zu vertuschen suchten.  Jérôme Kerviel war kein Monster. Er war ein Kind mit einem grossen Wissen.»

«Work hard, party harder»

Eine 25-jährige Angestellte bei einer Londoner Investment-Firma (Jahressalär rund 60’000 Pfund) erzählt:

  • «Wenn man als Frau in die Finanzbranche geht, weiss man ja, dass man sich fürs Arbeiten in  einer Männer-Domäne entschieden hat. Und deshalb machen auch nicht Frauen diesen Job, die eine solche Umgebung stört. Sie suchen ihn vielmehr. Die Frauen, die in der Finanzbranche arbeiten, sind schlau, ehrgeizig, sie arbeiten hart. Und sie sind überdurchschnittlich attraktiv. Die Frauen unter dreissig halten sich’s ans Motto: Work hard, party harder. Zwischen 30 und 40 wird’s schwierig für die Frauen – wenn sie Kinder wollen; das lässt sich mit einer 70-Stunden-Woche kaum vereinbaren. Aber wenn die Frauen bleiben, dann finden sie meist auch ihre Rolle. Ich würde es begrüssen, wenn mehr Frauen ins Banken-Business wollten. Aber Frauen-Quoten sind dafür definitiv keine Lösung. In den Toppositionen wird’s es immer weniger Frauen als Männer geben. CEOs geben ihr ganzes Leben in den Job – Frauen sind in der Regel nicht so. Sie tun das nicht.»

Die Original-Interviews finden Sie hier.

Lesen Sie auch über den Appell der renommierten Wallstreet-Bankerin Sallie Krawcheck, die fordert, mehr Frauen müssten in die Finanzbranche.

Finanzwirtschaft Frauenquote Karriere Managerinnen


Kommentare

  • ESTHER

    Ich finde dieses Selbstlob von Lagarde sonderbar – auch als Frau. Lagarde war unter Sarkozy Finanzministerin, ich frage mich, ob das von einem guten Charakter zeugt!

  • Remo Roth

    Der Spruch mit den Lehman Sisters hat ja früher bereits Mary Iskenderian gemacht, die Dame von der Women’s World Bank. Klüger wird die Aussage dadurch natürlich nicht.

  • Sandra Berner

    Toller Beitrag, danke! Ich mag zwar Karriere-Tipps und Business-Benimm-Storys, wie sie clack immer wieder bringt. Aber mal was Analytisches, ein anspruchsvolles Thema dürft ihr den Leserinnen schon zumuten.

  • Roland S.

    Ich möchte daran erinnern, dass eine der folgenreichsten Erfindungen der Finanzindustrie – Derivative – eine Erfindung einer Frau ist: Blythe Masters. Wenn uns alles um die Ohren fliegt wisst ihr, wohin die Dankesgrüsse schicken.
    http://georgewashington2.blogspot.com/2009/12/woman-who-invented-credit-default-swaps.html

  • frank

    Kenne rund ein Dutzend Frauen im Banking in Zürich (mehrheitlich im Privatbanking). Muss sagen, dass sich die nicht von den Männern unterscheiden, was Kalkül und Skruppellosigkeit betrifft. Das sind falsche Illusionen.

  • Michael Marti

    Das klingt spannend, Frank. Wollen Sie uns nicht ein wenig mehr erzählen? Sind das Frauen in Kaderpositionen? Händlerinnen?

  • Paul Gerber

    Frauen sind die besseren Banker. Frauen sind die besseren Autofahrer. Frauen sind klüger. Frauen sind weniger egoistisch. Frauen sind rücksichtsvoller, irgendwie menschlicher. Fazit: Frauen sind die besseren Menschen. Gäbe es nur Frauen, hätten wir eine bessere Welt.
    Merken Sie etwas?

  • Carl

    @Paul: Ist halt einfach harmlos so was zu behaupten. Stellen Sie sich vor, Marti würde das Gegenteil behaupten, er wäre auf der Stell arbeitslos..
    so ab 2:40
    http://www.youtube.com/watch?v=x64cy3Bcr98

  • Alain

    Frauen im Investment-Banking ?
    Warum nicht – Frauen fuehlen sich ja wohl (gem. Text) –
    wo das Chaos herrscht …

  • Bert

    Wenn ein Mann auf die Welt kommt, zieht ihn gross bis er fruchtbar wird, entnehmt ihm den Samen und friert ihn ein. Dann müsste man nicht solche überflüssige Artikel schreiben.

  • Alain

    Die IT waere auch eine Alternative.
    Die Arbeit mit historisch (nicht histrionisch) gewachsenen Systemen kann auch viel Spass machen; allerdings kanns auch in “Knochenarbeit” ausarten …

  • Paul Gerber

    @Roland S.
    So etwas dürfen Sie hier nicht schreiben. Hier darf man nur Positives über Frauen berichten. Sie sind im falschen Forum.

  • Patrick E. Eyholzer

    Ist doch Hans was Henriette. Wer die Ellbogen einsetzen will, tut es. Wer nicht, nicht. Nur fällt der Mann im Job ohne Ellbogen nicht so auf.

  • Rutishauser Konrad

    Ist es im Grundsatz nicht eine rasisistische Debatte ob Mänschen oder Weibchen moralischer sind?
    Darauf, denke ich wird es nich eine Antwort geben.
    Und ob eine Rouletspiele Mann oder Frau ist hat auf seinen den Spieltisch keinen Einfulss.

  • Marel

    Wusste gar nicht, dass Frauen Investmentbanking mit Wattebäuschchen betreiben. Der Artikel ist sowas von überflüssig.

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