Clack

Ruth aus Tentlingen, Part 2.

Jetzt kommen wir nochmals mit dem ältesten «Blick»-Girl aller Zeiten. Mit gutem Grund.

Von Ralph Pöhner

Twittern

Tja, irgendwie war das doch absehbar. Der «Blick» liess in den letzten Wochen das «Girl des Jahres» wählen, also jene Leserin, die sich erstens für Bilder auf Seite 1 stilisieren und ausziehen liess, und die zweitens von der Leserschaft als besonders attraktiv eingeschätzt wurde.

Und wer gewann? Ruth aus Tentlingen im Kanton Freiburg, von Beruf Coiffeuse, Mutter eines sechsjährigen Buben, 38 Jahre alt. Sie verwies eine 25-jährige namens Jackeline und eine 20-jährige namens Sabrina auf die Ränge.

Bereits im August war Ruth zum «Blick»-Girl jenes Monats gewählt worden, dabei war nur schon bemerkenswert, dass sie überhaupt dabei war: Bei der Boulevard-Casting-Veranstaltung dürfen nämlich offiziell nur Damen zwischen 18 und 30 mitmachen.

In den folgenden Wochen präsentierte der «Blick» denn auch mehrfach Nackte im Alter 35plus. Man kann von diesen Boulevard-«Girl»-Serien also halten, was man will: Dieser hier muss man zugestehen, dass sie ein starkes Gegenideal aufzeigt – nämlich ein Gegenbild zu den vorherrschenden Frauenfiguren im medialen Umfeld, zu den Silikon-Babes aus dem Pornokosmos sowie zu den dürren Models aus der Modeindustrie. Ein Ideal, das offenbar nicht unterzukriegen ist.

Die Frauen, die sich unterm Motto «Heute bin ich ein Star!» ablichten lassen, haben keine Schönheitsoperationen und keine Catwalk-Schule hinter sich, sie propagieren die Erotik des Normalgewichts. Und dass eine Frau wie Ruth aus Tentlingen dann am Ende sogar obenaus schwang bei der Beliebtheit, beweist doch einmal mehr: Es gibt ein starkes Schönheitsideal jenseits dessen, was uns ständig aufgetischt wird.

Insofern hat Ruth aus Tentlingen unseren Titel «Switzerland’s Next Topmodel» wirklich verdient. Und natürlich auch den schnittigen Mazda-Sportwagen, den ihr der «Blick» als Preis zuerkannt hat. 

Topmodel