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Reichtum ist weiblich

Der Anteil der Frauen unter den reichsten Menschen der Welt steigt stetig an. Denn Frauen sind zwar wirtschaftlich benachteiligt – aber Mutter Natur hilft nach.

Von Ralph Pöhner

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Natürlich: Frauen kriegen weniger Lohn für den gleichen Job, und ihre Chancen auf eine Karriere in der Wirtschaft sind auch nicht so gross. Das Grundmuster kennen wir: Männer erwirtschaften sich ihr Geld leichter – und Frauen müssen manchmal andere Methoden anwenden, um an dieses Geld zu kommen.

Aber so einfach ist die Sache nicht. Denn wenn es um wahren Reichtum geht, dann besitzen Frauen fast gleich viel wie die Männer. Dies zeigt der umfassende «Global Wealth Report», den die Grossbank Credit Suisse soeben veröffentlicht hat: Für einmal untersuchte hier ein Team die weltweite Verteilung und die Entwicklung des Reichtums, und am Ende gelangten wieder mal einige Klischees in ein neues Licht. So erfahren wir, dass reiche Frauen nicht etwa vorsichtiger mit ihrem Geld umgehen als Männer – nein, sie legen es sogar riskanter an.

Ein weiterer bemerkenswerter Befund: Fast die Hälfte der reichsten Menschen sind Frauen, zumindest im Westen – und diese Frauen besitzen zusammen gleich viel wie die reichsten Männer. In Zahlen: Ihr Anteil bei den Superreichen liegt bei 43 Prozent, und ihre Vermögensquote beträgt sogar 98 Prozent der Männer. Dies lässt sich aus amerikanischen und britischen Daten herauslesen (deren Aussage für ein Industrieland wie die Schweiz ebenfalls gültig sein dürfte).

Natürlich ist das Phänomen nicht ganz überraschend, jedes Land hat ein berühmtes Beispiel: Gigi Oeri in der Schweiz, Liliane Bettencourt in Frankreich, Melinda Gates in den USA, Friede Springer in Deutschland oder – nun ja – die Queen of England. Sie zählen zu den Reichsten ihres Landes, aber sie kamen zu ihrem Geld durch Erbgang oder Heirat.

Doch hier zeigt sich im Grossen, was auch für den Mittelstand gilt – nämlich eine gewisse himmlische Gerechtigkeit, die sich gesamtgesellschaftlich drastisch auswirkt. Da Frauen länger leben, kippt der Reichtum über den Erbgang zwangsläufig auf die weibliche Seite der Gesellschaft. 

Konkret: In rund zwei Dritteln der Ehen stirbt der Gatte zuerst, und an seinem Sarg steht dann oft eine wohlhabende Witwe. In England, so ein weiteres Credit-Suisse-Resultat, machen die Frauen im Segment der Menschen mit einem Vermögen zwischen 300’000 und 400’000 Franken bereits die Mehrheit aus.

Und immerhin steigt die Zahl der Frauen, die sich ihre Millionen selber erwirtschaftet haben, ebenfalls stetig an. Auch dieses Phänomen ist bekannt, auch hier hat jedes Land ein berühmtes Beispiel: Joanne K. Rowling in England, Oprah Winfrey in den USA, oder – nun ja – Tina Turner am Zürichsee.

Und so mag dies auch ein kleiner Trost sein, wenn Sie sich wieder mal über Karrierebenachteiligungen nerven: Fragen Sie sich einfach mal, wer denn am Ende wirklich absahnt…

Der gesamte «Global Wealth Report» von Credit Suisse lässt sich hier herunterladen. Das Kapitel über den «Gobal Gender Gap» findet sich auf den Seiten 22 bis 26.

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