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Raus aus dem Haus!

Arbeit und Familie in Heimarbeit vereinen: Das ist ein beliebter Traum. Aber es ist nicht sinnvoll. Oder nur, wenn man gern abends erschöpft umfällt. Grundsatzbedebatten helfen dabei nicht weiter.

Von Clack-Team

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Flexibilität ist noch immer ein beliebtes Stichwort in der Arbeitswelt. Sich die Zeiten selber einteilen auch. Unternehmen, die Präsenzzeiten flexibel gestalten, tun ihren Arbeitgebern einen Gefallen und gehören in der Frage zu den zeitgemässen (über andere Tugenden von Arbeitgebern, um Beruf und Familie zu vereinbaren, lesen Sie hier). Eine gelungene Work-Life-Balance – auch so ein Stichwort – verspricht ja auch einen ausgeglicheneren, möglicherweise produktiveren, sicher aber ein besser gelaunter Menschen.

Daheim arbeiten erscheint so als eine Lösung für viele Probleme. Aber nur, wenn die Heimarbeit nicht mit häuslichen Verpflichtungen kollidiert. Die Vorstellung, daheim zu arbeiten und gleichzeitig Kinder oder jemand Pflegebedürftiges zu versorgen oder auch nur nebenbei einen aufwändigen Haushalt zu erledigen, hat sich längst als Albtraum erwiesen.

Die Kaffeetasse neben dem Computer als Sinnbild des gemütlichen, lebensnahen Schaffens daheim ist bloss ein Klischee und stimmt vielleicht für Schriftsteller, Designer und sonstwie Kreative. Oder für Menschen, die sich vor häuslichen Pflichten gut abgrenzen können. Und das sind bekanntlich oft Männer.

Jeder, der es sonst versucht hat, kennt das: Handwerker kommen dann mal «schnell» vorbei, die Kleinigkeiten des Alltags wachsen sich zu zeitraubenden Pflichten aus, der Anblick des vollen Wäschekorbs ist nicht zu ertragen, und um kleine Kinder herum ist ohnehin nicht an Arbeit zu denken. Abends ist nichts erledigt ausser Sie selbst, die Kleinen sind genervt, man fällt gereizt in sich zusammen (ganz zu schweigen vom schlechten Gewissen, mehr dazu hier). Um wie viel leichter rennt man da zwar morgens zu Haus raus, um in eine andere, nicht-häusliche, erwachsene Arbeitssphäre einzutauchen.

Eine neue Studie belegt, was wir aus solchen Erfahrungen kennen. Der Wissenschafter Timothy Golden untersucht Dinge wie den Konflikt zwischen Arbeit und Familie, die Folgen von technologischen Neuerungen auf die Arbeit von Individuen und fokussiert auch auf Telearbeiter. In seiner Studie («Altering the Effects of Work and Family Conflict on Exhaustion: Telework During Traditional and Nontraditional Work Hours») wurden work-to-family-conflict (WFC) und der family-to-work-conflict (FWC) in Hinblick auf Ermüdung durch Telearbeit untersucht. Die Resultate bestätigen den schädlichen Einfluss des häuslichen Stress auf ihre Arbeit und umgekehrt. Die Befunde wurden der jeweiligen Firma vorgelegt, um die Bedingungen der Heimarbeit genauer abzuklären.

In den meisten Fällen sind es Frauen, die Kinder, Zahnarzt-Termine, auf Hilfe angewiesene Verwandte und einen Beruf unter einen Hut zu bringen versuchen. Ist es dank der hart erkämpften Freiheit der Wahl? Oder haben Frauen einfach das Recht auf Doppelbelastung erworben? Auf einen Job, der letztlich nicht zu schaffen ist? Die Grundsatzfragen sind nicht zu beantworten, allein schon deshalb nicht, weil weniger eine generelle Sicht auf sie sinnvoll scheint, als vielmehr individuelle Sichtweisen.

Deshalb interessieren Befunde wie die von Golden (sie sind im «Journal of Business and Psychology» publiziert). Deshalb kümmern uns Kommentare von beruftstätigen Frauen, die  berufstätige Mütter bemitleiden, weil sie gestresst sind und auch so aussehen. Oder Eingeständnisse wie das der Journalistin im «Guardian», die über die Studie bereichtet, dass sie schön «ärgerlich wurde», als sie schon wieder für eine Kollegin einspringen musste, die schon wieder wegen eines «häuslichen Desasters» ausfiel.

Mehr als über Grundsatzfragen zu streiten könnte das Wissen, wann ein Job aufhört und der andere anfängt, der Anfang einer echten Work-Life-Balance sein. Dazu hilft es, einen Arbeitsort ausser Haus zu haben. Der Aufwand lohnt doppelt. Ausserdem wird Arbeit ja dann auch erst sichtbar. Wie «flexibel» klingt etwa die Offerte, eine Arbeit bitte zu erledigen, wann und wo immer es gerade geht? Heisst das auch nachts vielleicht oder immer an den Wochenenden?

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