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Püppi und die starken Männer

Hollande, Sarkozy, Berlusconi - sie sind die grössten Gorillas im Revier und kriegen alle Weibchen. Arbeitet der Hormonhaushalt bei Frauen noch immer in einem steinzeitlichen Betriebssystem? Zivilisation ist nur ein dünner Verputz über evolutionären Mechanismen.

Von Réda Philippe El Arbi

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Dass Männer der Evolution hinterherhinken, wird seit jeher von vielen Frauen mit einem Schmunzeln auf den Lippen behauptet. Nun, in letzter  Zeit staunt die Welt darüber, wie hässliche, widerliche oder kleine Männer die schönsten Frauen betören. Der jüngste Fall ist François Hollande. Der Mann hat erst Marie-Ségolène Royal verlassen, um danach mit der Journalistin Valérie Trierweiler herumzukaspern. Und seit einigen Monaten macht er nun heimlich mit der Schauspielerin Julie Gayet herum.

Während man(n) verstehen kann, dass sich attraktive, erfolgreiche Frauen reihenweise auf John F. Kennedy einliessen (er hätte wohl auch als Tankwart in Wyoming Erfolg bei Frauen gehabt), sogar dass sich eine Praktikantin auf Bill Clinton einliess, fragt man sich, was eine Carla Bruni an einem Sarkozy findet.  Ganz bestimmt hätte sie sich nicht auf ihn eingelassen, wäre er Bäcker in 14. Pariser Bezirk. Und nun also Julie Gayet und Hollande … (Lesen Sie auch: Lieben Frauen Abzocker?)

Nicht, dass ich diesen Männern Charme und Sexappeal absprechen will, ich frage mich nur, woraus dieses Sexappeal besteht. Jeder beruflich erfolgreiche Mann über Vierzig kennt ein kleines Geheimnis: Ab einem gewissen Status wirkt man plötzlich auf Frauen attraktiv, die uns zehn Jahre früher nicht mal mit dem Hinter angeguckt hätten. Steht man dann noch ein wenig in der Öffentlichkeit, wirkt das wie Kokain & Cüpli auf die Libido einiger Frauen. Und es sind nicht nur die dummen Püppis, die auf Erfolg und Öffentlichkeit abfahren, es wirkt auch bei erfolgreichen, unabhängigen Frauen.

Weibchen sind in den meisten Primatengruppen auf den Schutz des Männchens angewiesen, vor allem was den Nachwuchs betrifft. Also halten sie sich an den gesündesten und grössten Affen im Umkreis. So offenbar auch bei den Menschen. Während das durchschnittlich hübsche Mädchen vom Land ihr ursprüngliches evolutionäres Programm dahingehend abspielt, sich schon in der Oberstufe das stärkste Alphatier mit den besten Zähnen aus dem Fussballclub ins Visier zu nehmen, ist es bei den Frauen der «besseren Gesellschaft» zu einer Entwicklung der evoltionären Vorgaben gekommen.

In einer modernen Gesellschaft ist nicht mehr der Mann mit den besten Zähnen und den grössten Muskeln der attraktivste (und unbewusst der sicherste Hafen), sondern der Mann mit dem teuersten Anzug, den meisten Angestellten und der grössten sichtbaren Macht. Und wieder sind wir am Rande der Prostitutionsdiskussion. Natürlich gehts hier um einen unbewussten Deal: Sex gegen Status. Oder Sex gegen gesellschaftliche Sicherheit. (Lesen Sie auch: Das Prostitutionsverbot)

Nun, liebe Frauen, wenn man den Männern vorwirft, Entscheidungen oft mit dem Sexualorgan zu treffen, müsste man sich fragen, welches Organ bei Frauen als Detektor für Macht und Status zuständig ist. An den Pheromonen kanns nicht liegen. Bei Sexismus ist es klar: Frauen werden auf ihren Körper reduziert. Wie soll man es aber nennen, wenn Frauen Männer auf ihren Status reduzieren? Statismus?

PS.: Liebe Männer ohne Macht, es gibt Hoffnung! Erstens sind nicht alle Frauen machtgesteuert, und zweitens könnt ihr noch eigensinnige Aussenseiter sein. Wer die Kraft und den Mut hat, dem ganzen System den Rücken zu kehren, strahlt ebenfalls Macht und Stärke aus. Darum fallen dei Damen ja auch immer wieder auf die Bad Boys herein. (Lesen Sie auch: «Das Bad Boy»-Syndrom)

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und Mann aus den üblichen Gründen. Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen und der wichtigen Dinge zu vermitteln.

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Kommentare

  • Ylene

    Ehrlich gesagt finde ich als Frau Hollande attraktiv. Er strahlt für mich irgendwie was zuverlässiges aus, was zum anlehnen. (Der Schein trügt anscheinend mal wieder. grin ) Gebildet und humorvoll sieht er auch aus und er hat warme, braune Augen. Zudem habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass eher unscheinbare Männer im Bett sehr viel versauter sind als im klassischen Sinne gutausehende Machotypen – was ich doch sehr als Plus bewerte. Meine Stichprobe ist allerdings nicht gross genug, dass ich damit eine wissenschaftliche Studie durchführen könnte. wink

  • frank

    frauen wollen halt nicht nach unten heiraten. lieber nach oben , das zahlt sich finanziell aus. (um die macht-ist-geil-sache zu verschleiern kann man dann noch immer behaupten, männer hätten mühe mit mächtigeren frauen, dann ist der mann schuld daran, dass die frauen nach mächtigeren männern gieren müssen).

  • daniela p.

    wenn männer anführen, dass die evolution sie dazu nötigt ihre spermien möglichst breit zu streuen, dann ist es eben bei den weiber die sicherheit, die uns nötigt hässliche zwerge anzuhimmeln, wenn sie einen status haben der dem nachwuchs das überleben sichert.
    aber wie die männer ihre triebe auch im zaum halten, haben das auch die frauen. die meisten, meistens.

  • daniela p.

    vielleicht hat holland sexuelle techniken entwickelt von denen der dekorative gut gebaute aber statuslose mann nur träumen kann? oder er ist ein sehr aufmerksamer mensch, mit dem sich die erwähnten frauen super unterhalten. möglicherweise beides. ich mache mir da auch meine gedanken manchmal. wer weiss schon, wie umwerfend er aussieht wenn er den gewissen blick drauf hat. muss mir mal seinen kieferknochen genauer anschauen

  • dominique

    Der schluss ist aus meiner sicht ein überlegungsfehler: es ist beim beschriebenen phänomen ja nicht so, dass die männer auf ihren status reduziert werden sondern offensichtlich wird vom status auf andere qualitäten/vorteile geschlossen, also das gegenteil einer reduktion… ausserdem: vielleicht wären wir auch bei männern ohne macht manchmal erstaunt, welche frauen auf sie stehen. Bloss interessiert sich die welt mehr fürs sexleben der mächtigen/bekannten, die sich aber genauso affig benehmen wie die meisten anderen auch.

  • Réda Philippe El Arbi

    Ach komm, das ist billig. Das ist so, als würde man sagen, dass eine gute Figur und grosse Brüste auf die Qualitäten als Mutter hinweisen würden. Aus einem roten Mund und grossen Augen könnte man auf gute Kommunikationsfähigkeiten schliessen.

    Kurz: Macht macht geil. Das ist nichts Neues, es ist einfach seltener ein Thema.

  • Pierrot

    Wie wäre es wenn es statt um die Macht und Status geht, um Menschen oder Männer, die aktiv sind und etwas machen? Statismus wäre insofern auch nicht unbedingt weit entfernt von Badboy’ismus. Derselbe Charme, den auch “starke, aktive, unabhängige, intelligente” Frauen versprühen also, bzw. überzeugte Badgirlisten.

  • marie

    macht macht geil. ich glaube es ist schon ein wenig komplexer. oder aber diese tatsache ist so alt wie die menschheit und genauso einfach: zweckgemeinschaften. da romantische beziehungen heutzutage propagiert und vor allem zelebriert werden, scheinen sie einfach als maassstab zu gelten, was m.e. auch nicht gerade das gelbe vom ei ist.
    was mich aber immer wieder in solchen fällen erstaunt, ist, dass frauen die sich einen mächtigen mann aus gründen der zweckmässigkeit anlachen, sich aber dann im krankenhaus unter beruhigungsmitteln wiederfinden, wenn ihre “beute” plötzlich ihren hals einer anderen frau darbietet. obwohl mir mme trierweiler ja nicht sympathisch ist, als unbedarft habe ich sie jedoch nie eingeschätzt. aber berechnend wie sie ist, wird sie sicherlich auf irgendeiner weise kapital daraus schlagen. wink …mme gayet übrigens genauso. da sie in der filmbranche mit ü40 langsam nicht mehr wirklich mit den u30 franzözischen schauspielrinnen mithalten kann, da ja kindfrauen im französischen film immer noch hochkonjunktur haben…
    was schreibe ich da… im westen nichts neues. alles beim alten…

  • Gudrun

    Das mit dem Status funktioniert ja eben nicht. Die Männer im Anzug sind bereit, dich jederzeit auszutauschen. Also bleibt Frau doch besser dabei, ihren eigenen Status zu fördern und mit Männern aus Liebe zu schlafen. Und hey du, Autor: Vielleicht hatten sich ja die Ladies auch in Hollande verliebt. Sowas scheinst du gar nicht in Betracht zu ziehen.

  • Gudrun

    Wenn eine Nation einen Präsidenten wählt, dann sollte er einen guten Charakter haben, intelligent sein und gut führen können. Wenn ein, zwei Frauen auf sowas stehen, kann man es ihnen doch nicht verübeln.

  • Reda El Arbi

    @Marie: Das Irrationale hat einen Namen: Durch Pheromone ausgelöster Hormonschub. Wirkt ähnlich wie LSD. naja, eigentlich eher bewusstseinsverengend als bewusstseinserweiternd.

  • marie

    ja die gibt’s. in der tat, aber:
    1. völlig überbewertet
    2. evolutionstechnisch für die reproduktion durchaus von nutzen
    3. wenn die phase reporoduktion vorbei ist, bringt es evolutionstechnisch nix, diese weiterhin auszuschütten. ist für mich erklärung genug, dass die pheromone überbewertet werden, zumindest nach der reproduktionsphase.
    …der grosse teil der erklärung, bleibt unerklärt. zumindest sind sämtliche versuche, mir das zu erklären, gescheitert. und die dümmste bin ich nicht.
    ich bleibe dabei, le coup de foudre, l’amour fou existieren, genauso wie die liebe des lebens. pheromone hin oder her – die spielen im besten falle dabei eine äusserst marginale rolle.

  • marie

    …und nein, le coup de foudre ist definitiv bewusstseinserweiternd. zumindest war es bei mir so wink

  • Tomas

    marie, man würde meinen, eine Dame mit ihren Erfahrungen müsste es schon längst besser wissen grin
    Ich halte es mit Bukowski, wie sie wissen.
    Aber wenn man sich das Foto von dem Bad Boy Hollande so breitarschig sitzend auf seinem Dreirad anschaut, dann mussten tatsächlich recht harte Drogen im Spiel sein, damit überhaupt irgendeine Frau so etwas wie Schwäche für ihn empfinden könnte.

  • Dominique

    Es ist doch spannender, wenn nicht darüber geredet wird, dass sich nie etwas verändert, sondern über das, was sich doch verändert und das ist gar nicht so wenig. Lektüreempfehlung zum Thema: von Eva Illouz: “Warum Liebe weh tut”. Sie zeigt sehr schön, dass sich Gefühle und Verhaltensweisen über die Jahrhunderte hinweg verändern und wir alle immer auch Kinder unserer Zeit, unseres Umfeldes, unserer Erziehung und Erfahrungen sind.

  • The Damned

    Bei den Dreharbeiten zu “Eyes Wide Shut” wurde Stanley Kunrick einmal gefragt, ob sich in der Beziehung zwischen Frauen und Männern etwas verändert habe. Er verneinte.

    Und das mit den vierzig Jahren stimmt tatsächlich: Ich weiss wirklich auch nicht, woran das liegt. Da finden einen Frauen attraktiv, die einen früher tatsächlich nicht einemal mit dem Arsch angeschaut hätten. Und denen ist es egal, ob man verheiratet ist oder nicht. Und ob die Frau dabei ist oder nicht, schon gar nicht. Wie mir mal eine gesagt hat, ziehe sie Erfahrung an. Und ältere Männer hätten die. Welche Erfahrung?

  • marie

    hm tomas… ich sehe das etwa so…
    http://www.youtube.com/watch?v=5DFOE0td1Yw
    gefühle müssen an und für sich nicht immer im ähm… spiel sein wink

  • Tomas

    Ich weiss nicht ob es ein Artikel Wert ist zu schreiben dass die Erde rund ist, auch wenn eine Generation Feministinnen tausendmal pro Tag behauptet sie wäre eine Scheibe.
    Natürlich funktionieren Männer wie Frauen letzten Endes immer noch so wie vor 200 Tausend Jahren – wer die Augen aufmacht, sieht es überall bestätigt und nicht nur bei so krassen Fällen wie dem pudingartigen Typ in Elysee. Und das mit dem “als vierzigjährig plötzlich attraktiv sein” ist nur auf den ersten Blick so verwunderlich. An einem Teenager finden Frauen andere Merkmale wichtiger, und das auch nur manchmal. In einem gewissen Alter erweitert sich unbewusst der Blick der Weibchen um einen potentiellen Wirt zum parasitieren ausfindig zu machen, da werden nun auch andere Eigenschaften gescannt. Wenn sie erst als vierzigjährig für attraktiv gehalten wurden, mussten sie als Teenager eine eher traurige Figur abgeben grin

  • Réda Philippe El Arbi

    Hey du, Gudrun. Doch, das ziehe ich sehr wohl in Betracht. Aber man verliebt sich auch aus bestimmten, unbewussten und evolutionär festgelegten Gründen. Nicht aus dem Blauen heraus.

  • marie

    “Nicht aus dem Blauen heraus.” veto: liebe auf den ersten blick gibt es. das sage ich als nicht romantische person. und nein, er war das absolut pure gegenteil eines appollos! umgekehrt erging es ihm übrigens auch so (ich bin auch keine aphrodite) wink

  • Tomas

    marie, sie wissen immer genau, was ihr Unterbewusstsein mit ihnen anstellt und warum?
    Ich wusste es schon immer, die Cyborgs sind unter uns!
    Ich bin ihnen noch eine Antwort schuldig, kommt bald.

  • marie

    sie als rationaler mensch wollen das irrationale verstehen wollen? na dann viel glück! 😀 …ich akzeptiere das irrationale und wenn es mich in andere sphären ohne lsd spediert, dann bin ich das dankbarste wesen im universum, das ich das erleben durfte/darf. in einer welt ohne wunder, möchte ich nicht leben. aber ich vermute, sie kämen da ganz gut zurecht – nun, ich nicht.
    ich bin kein cyborg, ich bin aus fleisch und blut und allem drum und dran, falls das ihnen entgangen sein sollte wink

  • Reto B.

    Und bei den anderen freu ich mich irgendwie diebisch, wenn sie drankommen. Ooooh die arme Frau Trierweiler, die offensichtlich mehrere Jahre eine Affäre mit einem Mann zweigleisig hatte neben der Frau, mit der dieser 30 Jahre zusammen war und 4 Kinder hat. Jetzt ist sie aufs Abstellgleis geschoben worden. Motten, Licht, blabla

  • daniela p.

    damned, ich wundere mich, warum sich männer darüber wundern. ein teil der 40 jährigen männer, die ab 40 mehr aufmerksamkeit von frauen wahrnehmen, sah vor 40 mehr nach bub als nach mann aus. bei diesem typ mann kommen graue haare, markantere gesichtszüge und falten gut. auch glatzen. oder auch der typ mann, der vor 40 eher schmächtig wirkte, und nach 40 etwas mehr dran ist. das ist der optische teil.
    dann gibt es natürlich männer, die man kennt, und merkt, hey aus denen wurde etwas, respektive sie machten etwas aus sich, und damit meine ich nicht status sondern etwas interessantes. früher fiel ich auch noch auf die mit der grossen klappe herein, heute schätze ich die macher mehr, die nicht so laut sind. die lauten sind inzwischen fett und hässlich und haben sich das gehirn weggesoffen wink

  • daniela p.

    noch besser als “etwas interessantes” ist, wenn sie etwas mit leidenschaft betreiben, und das tun viele über 40jährige, die man früher langweilig fand, oder die zurückgezogener waren mit ihrer leidenschaft. das ist sehr interessant. und hat eine äusserst erotische komponente.
    wenn du dir einen 20jährigen briefmarkensammler und amateurprogrammierer vorstellst und dessen ausstrahlung. und nun das selbe in 40. hat eine ganz andere qualität

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