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Bundesgericht: Religion wird abgeschafft

Daniela Dambach malt eine Utopie mit Farben, die keiner Religion zugehören. Warum Glaube Privatsache ist, was das mit Brüsten zu tun hat und was immerhin ein Anfang wäre.

Von Daniela Dambach

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«Religion», so heisst der Blutstrom, auf dem Gläubige mit einem selbst gezimmerten Gefährt aus gefälligen Geboten und konstruierten Geschichten in unendlichen Weiten der Engstirnigkeit Richtung Erlösung surfen, gelotst von einem Geist. Kleine Kinder, deren Verstand noch nicht ausgereift ist, lassen sich auch mit Bonbons locken.

 «Religionen richten unter dem Strich mehr Schaden an, als sie der Gesellschaft nutzen», stellt Meret Steiger in ihrem Artikel «Religion ist Alkohol fürs Volk» nüchtern fest – und ganz und gar nicht benebelt von Weihrauch oder anderen psychoaktiven Wirkstoffen. Man könne die Religion gleich ganz abschaffen, findet sie – wie Recht sie hat.

Heiligabend findet dieses Jahr zum letzten Mal statt, denn per 1.1.2015 ist Schluss mit religiösen Feiertagen. Die Feiertage, deren Bedeutung kaum mehr einer kennt oder sie gar nicht erst als bedeutsam einstuft, sind neu zusätzliche, frei verfügbare Ferientage.

 Per dato widmen sich die Gerichte relevanten Gerichtsfällen statt sich nu(h)r mit satireresistenten Salafisten rumzuschlagen. Die rund 17 000 bereits geschiedenen Paare tragen den Satz «Bis dass der Tod euch scheidet» zu Grabe. Für bigotte Versprechen bei Eheschliessungen steht ab sofort kein imaginärer Zeuge mehr zur Verfügung.

Raffgierige Verkäufer von Blingbling-Buddhas oder Jade-Jesusen (die Pluralform von «Jesus» findet per 1.1.2015 Eingang in den Duden) müssen ihr Sortiment unverzüglich ändern.

 Sogar die oberste Stufe unserer Rechtssystems basiert auf einem übernatürlichen Wesen, an den immer weniger Menschen glauben: Die Präambel der Bundesverfassung, «Im Namen Gottes des Allmächtigen», ist mangels mehrheitsfähiger Alternativen ersatzlos gestrichen. Von Kruzifixen an Wegrändern gewonnenes Holz verströmt durch Heizöfen den rauchigen Duft der Nachhaltigkeit.

 Apropos Rauch: Pfarrerinnen und Pfarrer fallen aus allen Weihrauchwolken und landen auf dem nackten Erdboden – und somit im privatwirtschaftlichen Wettbewerb. Zahlreiche Geistliche arbeiten ab nächstes Jahr als Schafhirten, wobei sie sich erst noch an die Grösse der Herde gewöhnen müssen: Bisher mussten sie sich nur um ein Dutzend verirrter Schäfchen kümmern. Dafür sind sie Sonntagsarbeit gewohnt und können am Feierabend gleich zu Wein übergehen, ohne vorher Wasser zu predigen. Was für ein Segen!

Genug der Utopie! Der Glaube an eine Gottheit besteht fort, solange es Menschen gibt, die nicht mit unbeantworteten Existenzfragen leben können und zu feige sind, sich deckmantelfrei auf die gnadenlose Gegenwart einzulassen. Und solche, die im schimmernden Body der Barmherzigkeit den ganz irdischen Bonus wittern: das Geld. Deshalb bleibt Religion unweigerlich Teil der Gesellschaft, aber nicht zwingend des Staates – oder der Öffentlichkeit. Die «Geisterfahrer» (zur Erinnerung: das von einem Geist dirigierte Gefährt, siehe oben) bekunden ihre Zugehörigkeit zu einer Konfession mit Symbolen. Das Sichtbarmachen des Glaubens im öffentlichen Raum hat für mich missionarischen Charakter. Mit dem Glauben sollte man es halten wie mit Brüsten.

Obwohl sie Teil von mir und meiner Weiblichkeit sind und etwas Reizendes sind, presse ich sie nicht gleich jeder und jedem in die Visage. Weder beim Busfahren, noch im Schulzimmer, noch beim Treffpunkt auf mein Date wartend. Brüste und Religion sind etwas Intimes. Privatsache halt, wie sexuelle Vorlieben. Wer würde es schon für nötig halten, sich einen Homo-Stempel auf die Stirn zu drücken, ein Kamasutra-Schild um den Hals zu tragen oder ein «Suchender Single»-Kleber auf sein Autohinterteil zu pappen? Genauso verhält es sich mit Kruzifix-Ketten, Kopftüchern und Kippot.

Die Finanzierung der Anbetung eines erfundenen Gottes ist nicht die Aufgabe des Staates, sondern der Anbetenden selbst. Die Frage, wer am meisten von der Religion hat, beantwortet die Teilzeitprinzessin mit «Die Kirche, die die Steuern einzieht». Der kleine, aber entscheidende Unterschied: Die Kirche zieht häufig die Steuern nicht selbst ein, sondern der Staat übernimmt das gütigst und blecht sogar die Pfarrerlöhne. Es bedarf einer scharf geschliffenen Coiffeurschere, welche die rapunzellangen Zöpfe abzuschneiden vermag. Eine moderne Kurzhaarfrisur stünde der Kirche gut. Ein Quäntchen Gel statt klebrige Heuchelei – und fertig.

Wobei das teuerste Gel wohl nicht drin liegt: Seit September sind die Sparmassnahmen bei den besoldeten Pfarrstellen im Kanton Bern beschlossene Sache. 2015, rund 35 Jahre nach der abgelehnten Volksinitiative, wäre es wieder Zeit für einen neuen Anlauf zur «Trennung von Staat und Kirche». Im Gegensatz zur Abschaffung der Religion ist dies kein unrealistisches Anliegen und ein erster Schritt. Die Privatisierung der Religion hätte nicht zum Ziel, an der ausgefeilten Bedeutung zu sägen, die sich der gläubige Mensch geschreinert hat. Sie wäre das, was für den Busen der Büstenhalter ist: Ein formgebender Schutz. Auch vor Vorurteilen.  

Das eigenmächtige Urteil der Eltern, welche Konfession ihr Kind habe, ist ebenfalls ein schimmliger Usus. Reingeboren wird jeder Mensch in die Welt – nicht in seine Weltanschauung. Mit 16 entscheiden Jugendliche selbst über ihre religiöse Zugehörigkeit. Kling gut, aber ohne aktiven Widderruf bleibt die Konfession oft automatisch so vermerkt – und der Einzahlungsschein für die Kirchensteuer schwebt nicht gerade engelsgleich ins Haus. Ich fände es richtig, erst mit 16 bewusst zu entscheiden, ob überhaupt und welcher Konfession man angehören möchte. Denn später ist es oft wie bei Krankenkassen oder Telefonanbietern: Aus Bequemlichkeit bleibt man, wo man ist.   

«Aber die Gläubigen tun so viel Gutes», hält mir eine Freundin entgegen. Bloss: Religion ist keine Grundvoraussetzung für einen humanen Ethos. Im Gegenteil: Gläubige handeln im Grunde genommen «gut» zu ihrem eigenen Vorteil, wird ihnen doch für ihre Wohltaten ein Lohn versprochen, etwa ein Freifahrtschein ins Paradies. Selbstlos ist anders. Wo wir wieder beim Schleckzeug wären.

Woran ich glaube? An den Willen des Menschen. Den Willen, Wahrheiten zu erfinden, um sich und sein Handeln zu rechtfertigen.  <

Daniela Dambach ist freie Autorin und Chefredaktorin der Zeitschrift «Mis Magazin». Als Clack-Co-Chefredaktorin wird sie für Sie die schönen und die unschönen Dinge des Alltags mit spitzer Feder und rothaarigem Temperament beschreiben.

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Kommentare

  • Judas

    Mehrzahlmöglichkeiten für “Jesus”:
    Jesi
    Jesa
    Jesuse
    Jesussen
    Jesüser

  • Nina

    Tolles Thema! Ich selbst habe mich etwa mit 10 Jahren vom Religionsunterrich dispensieren lassen und bin mit 12 zur Kirche ausgetreten, weil mir das alles einfach nichts sagte. Mich interessiert Religion als Solches. Für das Verständnis was auf der Welt passiert ist Grundwissen in Sachen Religion auch förderlich. Aber wieso lernt man nur etwas zur “eigenen Religion”? Das ist ja schon fast eine Art Bekehrung. Und das in einem Land im dem “Religionsfreiheit” herrscht…

  • Tomas

    Gut, kann ich so stehen lassen. Religion ist Privatsache, egal wie sie heisst. Es müsste selbstverständlich sein, dass die Gesetzgebung keine Gesetze beinhaltet, die irgendwelche religiös begründete Forderungen zulassen – ausser dass jeder an das glauben darf was er will, und dass ihm niemand deswegen diskriminieren darf.

  • Natali

    Was in der Welt passiert ist durchaus schlimm. Aber wir würden in noch viel dunkleren, barbarischeren Zeiten leben, gäbe es die Religion nicht. Die Kriminalitätsrate würde überall ins unermessliche steigen, hätte niemand Angst vor Gottes Urteil. Das lässt sich nicht schönreden, egal wie “in” es gerade ist, Atheist zu sein…

  • Tomas

    Und ja, da sich natürlich eine ganz bestimmte Religion sozusagen fast durch alles diskriminiert fühlt, müsste die Rechtslage so sein, dass eben keine allgemeine Forderungen religiös begründbar sind, auch wenn in umgekehrten Fall jemand das Gefühl einer Diskriminierung verspürt.

    Beispiel: meine Religion befiehlt mir, dass ich ausschliesslich auf rot bezogenen Sofas sitzen darf. Deshalb bin ich diskriminiert in der Ausübung meiner religiösen Freiheit, wenn irgendwo nur blau bezogene Sofas sind. Möglicherweise werden dadurch sogar meine religiöse Gefühle verletzt. Die Gesetzgebung müsste hier lauten, dass in dem Fall der Gläubige solche Räume nicht frequentieren sollte oder gegebenenfalls die blauen Sofas nicht benutzen sollte. Er darf aber keineswegs dafür diskriminiert werden, wenn er bei sich zuhause ausschliesslich rot bezogene Sofas aufstellt. Alles klar? grin

  • Reto B.

    Da es im lateinischen der u deklination folgt, würde ich mal schwer auf den Plural “mehrere Jesus” tippen. Es ist also gleich zu behandeln, wie das Wort “Usus” (Ich erspar euch das googlen, Usus hat keinen Plural)

  • Reto B.

    Graubünden hat übrigens eben erst abgestimmt, dass auch Firmen Kirchensteuer zahlen müssen. Mit über 73% Ja Stimmen…

  • Reto B.

    Und wenn einer jetzt bei seinem Chileli ein Minaretttürmli draufbauen will?

  • marie

    ist der heutige haifisch-kapitalismus auch religion?

  • Sportpapi

    @tomas: Wenn es doch nur so einfach wäre. Es gibt zahlreiche “allgemeine” Gebote und Verbote, die letztlich genau dazu führen (und auch deshalb eingeführt wurden), gewissen Religionen mal wieder den Meister zu zeigen. Auch wenn natürlich nicht so argumentiert wird. Reto hat ein Beispiel genannt.

  • Tomas

    Reto, ich würde sagen dass der Minarettverbot sich bei so dezidierter Trennung zwischen Kirche und Staat abschaffen liesse – er ist nur deshalb zustande gekommen, weil man sich gegenüber gewissen Wünschen ohnmächtig fühlte, die man pauschal als “religionsfreiheitausübung” bezeichnete.

  • Jorge

    Diese Barbaren!

  • Jorge

    Mh, aus Angst vor Gott nicht kriminell werden… müsste dann Polen, USA oder das Bündnerland nicht Horte des Friedens sein?

  • godo

    marie, der kapitalismus wurde ja beschrieben in obigem text:

    “«Religion», so heisst der Blutstrom, auf dem Gläubige mit einem selbst gezimmerten Gefährt aus gefälligen Geboten und konstruierten Geschichten in unendlichen Weiten der Engstirnigkeit Richtung Erlösung surfen, gelotst von einem Geist.”

  • marie

    jesus (lat: iesus) ist wie cicero, midas, judas usw. ein eigenname und diese existieren im plural nicht – gilt übrigens auch für die deutsche sprache; versuchen sie es mal mit georg wink. usus (u-deklination, lat: gebrauch, nutzen) hat im lateinischen einen plural und der ist usus, im deutschen jedoch gibt es usus als begriff nur im singular, kann aber im plural mit usanzen (usanz) ersetzt werden.

  • marie

    …mir schon klar. aber weshalb die religion mittels bundesgericht verbieten (okke, als utopie)? ich meine ja nur, dass vor allem wir mit unserem eigenen verhalten mindestens genauso schlimmes anrichten wie religiöse fanatiker der vergangenheit und gegenwart. aber offenbar brauchen wir einen sündenbock, auf den wir mit dem finger zeigen können und derweil konsumieren wir frisch fröhlich weiter und finden, eben, nur noch der haifisch-kapitalismus schlimmer. aber das sind eben auch anderen, nur nicht wir wink

  • godo

    ja, stimmt. vielleicht wollte die gläubige autorin mit allen anderen religionen die konkurrenz für den haifisch-kapitalismus aus dem weg räumen. wer an was anderes glaubt, ist für den glückseligmachenden kapitalismus nicht zugänglich.

  • godo

    hab den text quergelesen und bin schockiert, wie oberflächlich die autorin mit ‘glaube’ und ‘religion’ umgeht. das einzige wahre scheint ihr privatisierung und steuersenkung zu sein. in der tat, der glaube der gegenwärtig am meisten schaden anrichtet, ist der irrglaube des neoliberalismus.
    und der obige text zeigt, wie diesem glaube selbst mit minimalem intellekt gehuldigt werden kann (wie jeder religion, übrigens). man muss nur ein paar einfache dogmen befolgen (staat und gemeinschaft sind pöse, privatisierung gut, steuersenkung gut).

    damit ich nicht bloss rumkritele, ein anderer vorschlag zur verbesserung der welt. eine demokratie, die den namen verdient, die nicht schleichend durch plutokratische tendenzen eingeschränkt wird, und, wichtig, in der -anders als in totalitären regimes- freiheiten bestehen, die religion auszuüben an die man glaubt.

  • Klaus

    “Brüste und Religion sind etwas Intimes. Privatsache halt, wie sexuelle Vorlieben. Wer würde es schon für nötig halten, sich einen Homo-Stempel auf die Stirn zu drücken…”
    Da irrst du dich. Sexuelle Orientierung wie auch Religion sollen individuell frei wählbar sein, aber in der Öffentlichkeit sichtbar gelebt werden dürfen. Oder gehörst du zu jenen, die fordern, Schwulsein ist ok, solange es im Versteckten gelebt wird? Religionen sind ok, wenn sie im Versteckten gelebt werden (so wie die Christen im Iran oder in Saudi-Arabien?) Extrem konservativ und homophob, diese Einstellung.

  • David

    @godo:
    Auch wenn ich deine negative Haltung gegenüber dem Neoliberalismus vollkommen teile, muss ich dir hier vehement widersprechen. Entweder hast du den Text nicht richtig gelesen oder du vermischst absichtlich ein paar Dinge. Denn dieser Text hat nichts mit Neoliberalismus zu tun.

    Privatisierung: Im Text wird nirgendwo dazu aufgerufen staatliche Firmen zu privatisieren, sondern nur die Religion(!) privat auszuleben.

    Steuersenkung: Auch davon ist nirgendwo die Rede, sondern nur von der Abschaffung der Kirchensteuer im Speziellen.

    Damit bricht deine ganze anklagende Argumentation in sich zusammen. Die Begriffe Steuersenkung und Privatisierung hast du hineininterpretiert, damit du die Autorin in die neoliberale Ecke stellen kannst. Da sie sowas aber nie geschrieben hat, bist du wohl kläglich gescheitert.

    Dein Vorschlag zur Verbesserung der Welt macht es auch nicht gerade besser: “eine demokratie, die den namen verdient…” – yeah, hast du das mal an einer Misswahl gehört?!

    Und damit komme ich noch zur dritten Unterstellung von dir. Die Autorin ruft nicht dazu auf, im totalitären Sinn alle Religionen ausser einer zu verbieten. Sie schlägt vielmehr vor, dass alle Religionen nur noch privat ausgeübt werden sollen. Diese Forderung nach einem konsequent säkularen Staat passt sehr wohl in eine Demokratie.

    Wahrscheinlich stört dich einfach die Kritik an der Religion. Kein Problem. Aber dann sag das offen so und versuche nicht mit haarsträubenden Verrenkungen der Autorin neoliberale oder sogar totalitäre Tendenzen unterzujubeln!

  • Klaus

    David, bin ich nicht ganz einverstanden mit dem “privat ausleben”. In einem freiheitlichen Land soll man öffentlich zu seiner Religion und seiner sexuelle Orientierung stehen dürfen. Öffentlich. Und nicht irgendwo im privaten Hinterzimmer.

  • David

    Klaus, genau das ist die Frage. Aber es geht sicher nicht um Neoliberalismus…

  • marie

    hm… aber es ist ok mit statussymbolen sichtbar zu protzen?
    …wir fangen an, bei solchen diskussionen zu vergessen, dass wenn man beginnt, kreuze, davidsterne, kopfbedeckungen usw am hals/auf dem kopf anzuprangern, es irgendwann mal zu allgem. kleider- oder protz-zur-schaustellen-vorschriften kommen könnte. sorry, das will ich nicht, würde mich nämlich einschränken wie wohl viele (wenn man genau überlegt). ich trage seit geburt eine goldkette mit sichtbarem christlichen motiv. das trage ich, weil es zu mir gehört und ich es nie ausziehe (und das obwohl ich nicht gläubig/religiös bin!).
    vllt sollte man sich eher fragen, wieso man diese “symbolische dinge” trägt, anstatt sie ins private zu verbannen, bloss weil wir mit religion nichts am hut wink haben…
    darüber hinaus gäbe es juristische probleme im kanton bern (obwohl ich ja nichts dagegen hätte wenn die gehälter nicht mehr vom kanton bezahlt werden würden). die gehälter werden vom kanton bezahlt weil im 19 jhd die kirchen (deren besitz) vom staat enteignet wurden und der kanton bern nie buch geführt hat wwas/wo/wie/wem verkauft wurde, aber sich daran bereichert hat… irgendwie, wenn auch historisch, verlogen die chose bis heute…
    und hier, was die katholiken mit dem geld machen. wahrscheinlich machen es die reformierten gleich:
    http://www.kath.ch/index.php?na=0,0,0,0,d,41861

  • Carolina

    Jorge, da bewegen wir uns mal auf einer Linie grin Ich teile Ihre Altmodischheit (?)…. Ein Problem werden die eigenen Ueberzeugungen immer erst, wenn man meint, sie anderen aufzwingen zu müssen, es reicht auch dieses penetrante Missionierungsbedürfnis, wie Sie es beschrieben haben, aus.
    Seit dem Outing von Tim Cook gestern (für wen ist das eigentlich was Neues?) grüble ich über seinen Spruch nach, dass er sehr stolz darauf sei, schwul zu sein…. Und jetzt eben, als ich Ihren Post gelesen habe, ist mir auch eingefallen, was mich daran stört! Was hat Sexualität mit Stolz zu tun?  Wohl eben nur dann, wenn man sie öffentlich macht und sich darüber definiert…… Dann muss er sich eben auch sagen lassen, dass wirkliche Normalität erst dann erreicht ist, wenn er es nicht mehr für nötig hält, sich offiziell zu outen und das sich-in-der-Oeffentlichkeit-produzieren sein lassen kann. (Und bevor jetzt dieser Einwand kommt: dass ein paar homophobe Russen beweisen gar nichts, im Westen darf man sich jetzt wirklich mal entspannen). Ich glaube tatsächlich, dass den allermeisten Apple-Usern total egal ist, ob der CEO schwul oder was auch immer ist. Es hat nämlich mit seiner Funktion nichts, aber auch gar nichts zu tun. Und genauso ist es auch mit einer Religion: solange sie eine Hülle für den privaten Glauben ist, habe ich kein Problem damit; sobald sie aber missionarisch wird oder militant, überschreitet sie Grenzen.

  • Klaus

    Jorge, was würde es denn konkret heissen, wenn Religion und sexuelle Orientierung nicht in die Öffentlichkeit gehören? Keine Küsse mehr im Öffentlichen (egal wer mit wem). Nicht mehr Hand in Hand spazieren? Keine Gebete mehr im öffentlichen Raum? Kein Torjubel, wo der tunesische GC-Spieler den Boden küsst und Allah dankt? Burka und andere religiöse Kleidungsstücke verboten, Nonnen verboten? Bibeln im öffentlichen Raum verboten?
    Die Fragen sind durchaus ernst gemeint, mich interessieren deine Antworten dazu.

  • Jorge

    Nope – Sexuelle Orientierung und Religion gehören eben NICHT in die Öffentlichkeit!

    Was interessiert es die Öffentlichkeit, ob einer lieber mit Männern oder Frauen ins Bett geht? Oder zu welchem allgewaltigen Wesen er betet? Ich find’s sogar schon anstössig, wenn einer mit einem “Schweizer wählen SVP”-T-Shirt rumläuft, aber evtl. bin ich da auch etwas… naja… altmodisch.

    Niemand sollte für seinen Glauben oder seine sexuelle Orientierung verfolgt, diskriminiert, o.ä werden – das ist richtig – aber wieso zum Teufel muss man das immer öffentlich ausleben?

    In diesem Zusammenhang: Wie sollte Deiner Ansicht nach ein Schwuler seine sexuelle Orientierung in der Öffentlichkeit ausleben? Mit einem T-Shirt “Ich mag Popo-Sex”? Seinen Freund küssen? Da gucken einige schon komisch, wenn das ein Mann und eine Frau machen… also bitte…

    Es homophob zu nennen, nur weil man halt mal kein Interesse an seinen mitteilungsbedürftigen Mitmenschen hat, halte ich für kindisch… so a la “Interessiert euch für mich, denn ich bin wichtig… oder ich halte solange die Luft an, bis ihr es tut”

    PS: ich würde auch ein “Menschenfreunde wählen SP”-T-Shirt doof finden.

  • Jorge

    Die gewählte Schriftart finde ich persönlich nicht sehr lesefreundlich.

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