Clack

«Penisse sind grundsätzlich nicht besonders schön»

Die Teilzeitprinzessin denkt nach Schnäbi-Gate und Beschneidungsdiskussion über männliche Genitalien, Attraktivität und die rosarote Brille nach, die uns die Verliebtheitshormone aufsetzen.

Von Meret Steiger

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In den letzten Tagen und Wochen waren Schnäbis ein grosses Thema. Egal ob es dabei um Geri Müller und die Bildli von seinem besten Stück ging oder so wie jüngst um die Knabenbeschneidung. Als Frau kann ich ja per se nicht wirklich nachfühlen, wie es sich mit einem Gemächt so lebt, weder mit einem beschnittenen noch mit einem unbeschnittenen – ich kann es höchstens optisch beurteilen.

Was mich wiederum dazu gebracht hat, mich damit zu beschäftigen, was an Männern attraktiv ist. Nicht nur schnäbimässig. Sondern so ganz grundsätzlich. Und an Frauen, die nicht mal ein Schnäbi haben, das attraktiv sein könnte. Nach einer Blitzumfrage in meinem Freundeskreis (der ja mittlerweile  sachverständig und kolumnentauglich antwortet) kann ich euch sagen: Ob mit Häubchen oder nicht, ob krumm oder gerade, mit Äderli oder ohne –  das interessiert jetzt wirklich keine Sau. Oder nur sehr, sehr, sehr zweitrangig. Die Penisoptik liegt auf der Checkliste für den künftigen Partner irgendwo weit hinter dem bevorzugten Zmorgemüesli. Und wisst ihr auch warum? Weil Penisse ästhetisch gesehen sowieso nicht gerade ein Highlight sind. Entweder schrumpelig hängend und irgendwie unmotiviert, oder beängstigend fest mit Adern und so. Anyway.  Das Gute daran: Wir können uns auf andere Qualitäten konzentrieren – auch weil ja wohl mittlerweile jeder weiss, dass es nicht auf die Grösse ankommt.

Als wichtige Voraussetzung für das nächste Gschpusi werden verschiedene Punkte immer wieder genannt. Allen voran: Humor. Also, das beliebte «Er muss mich zum Lachen bringen». Das ist ja grundsätzlich völlig okay, liebe Mitweiber, hat aber einen Haken: Die Männer, die euch zum Lachen bringen, findet ihr (ähem: wir) schnell auch lächerlich. Und damit nicht mehr sexy.  Und wenn man jemanden körperlich null anziehenden findet, ist das leider ein grosses Manko. Merke: Humor ist super, den Clown spielen eher weniger.

Dann sind viele meiner Freunde ehrlich genug zuzugeben, dass für sie das Aussehen eine durchaus wichtige Rolle spielt. Wie soll man Ihnen das übel nehmen? Immerhin ist die Optik in der Regel  das allererste, das wir an einem anderen Menschen wahrnehmen. Dass dieses Bild zu unseren Vorstellungen passen soll, ist völlig verständlich. Und nun kommt gottseidank die Natur mit ihren Hormonen ins Spiel: Nur weil wir jemanden auf den ersten Blick nicht besonders ansprechend finden, heisst das nicht, dass wir ihn später nicht doch noch ganz lässig finden können.  Eine Studie der Universität Monmouth in New Jersey belegt, was wir schon immer gespürt haben: Sympathie hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf unser Empfinden für «Attraktivität». Kurz: Wir finden Menschen, die wir mögen, hübscher. Oder wie ein japanisches Sprichwort sagt: «In den Augen eines Verliebten sind selbst Pockennarben so hübsch wie Grübchen.»

Natürlich hat jeder andere Präferenzen, was das künftige Gschpusi angeht. Auch seltsame Voraussetzungen sind gefragt. Hier, zur allgemeinen Belustigung, ein kleiner Auszug:

– Er muss ein Katzenmensch sein.

– Sie darf sich niemals und unter keinen Umständen einen Pony schneiden.

– Solange er keine Beanies trägt, ist alles okay.

– Er muss sich mit mir Shopping Queen ansehen.

– Sie muss sich mit mir Fussball ansehen.

– Sie darf keinesfalls ein iPhone besitzen.

Ich könnte noch ewig so weitermachen. Was in all diesen Aufstellungen erstaunlich selten genannt wurde (sowohl bei Frauen als auch bei Männern), ist Intelligenz. Ich würde gerne behaupten, dass das in meinem Freundeskreis einfach eine Grundvoraussetzung ist und deshalb nicht speziell erwähnt wurde, aber ich fürchte, so ist es nicht. Auf Nachfrage wurde mir meistens erklärt, man habe den Punkt «Intelligenz» einfach vergessen hinzuzufügen – es sei natürlich aber auch wichtig.

Ich persönlich finde, Intelligenz ist das Attraktivste an einem Menschen überhaupt. Auf gleicher Höhe mit Wortgewandtheit. Ich finde es supersexy, wenn jemand nicht nur Ahnung von einer Materie hat und komplexere Zusammenhänge sehen kann, sondern auch noch in der Lage ist, diese auszudrücken bzw. zu erklären. Das mag eine Schreiberlingskrankheit sein oder auch meinem Dasein als Bücherwurm geschuldet, aber für mich sind Worte in der Regel anziehender als Taten oder äussere Merkmale.

Ein Mann, der sich gut ausdrücken kann, fasziniert mich ungemein, und das nicht nur, weil es viel mehr Spass macht, solchen Menschen zuzuhören. Und umgekehrt finde ich nichts abturnender, als wenn jemand sogar auf Schweizerdeutsch noch Schreibfehler macht. Auf Schweizerdeutsch! Himmel! Wir haben streng genommen nicht mal wirklich eine Rechtschreibung, aber trotzdem ist «Schwitzer» anstatt «Schwiizer» einfach falsch. Immer. Egal wie man es dreht. Dasselbe gilt für Sätze ohne Punkt und Komma: Da trockne ich spontan aus. Im Vergleich bekomme ich bei wohlüberlegten Formulierungen weiche Knie, sogar wenn die mit Erotik eigentlich nichts zu tun haben.

Oh. Eigentlich warte ich wohl doch auch nur auf den Dichter (wahlweise Schriftsteller, Musiker, wasauchimmer), der mich als Muse erkennt und mir seine Werke widmet und mich damit um den schreibenden/spielenden Finger wickelt.

Meret Steiger, 23, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch neugieriger Mensch und arbeitet als Sendeablaufplanerin beim Privatsender 3+. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Familie mit Backwaren mästet oder blutrünstige Bücher verschlingt, richtet sie ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss.

Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • Reto B.

    Nun, wenn man wissen will, wie man beim anderen Geschlecht ankommt, dann sollte man wohl nicht allzu viel auf das geben, was die Leute sagen, sondern eher auf das, was sie tun. Denn die Antworten sind meistens das, was man gerne wäre, und die Tat, das was Sache ist. Er möchte eine nette liebe verschmuste, die verlässlich ist (keine Bitch, aha) und hängt die ganze Zeit mit blonden üppigen rum. Sie will einen intelligenten, lustigen Zuhörer, der aufgeschlossen emanzipiert und nett ist – so in etwa wie der Kollege, den sie im Schlepptau hat und der dort übel in der Friendzone feststeckt, während sie mit jedem BMW fahrenden, blöde Sprüche reissenden Macho rummacht. Aber ja, vollkommen einverstanden – Penisse sind echt nicht das optische Glanzlicht des Mannes.

  • Punkt K. Strich

    lieber ohne Punkt und Komma, statt Kommas zmitzt im Wort, imfall.

    (…Vorstellungen passen sol,l ist völlig verständlich….)

  • Meret

    Wirklich? Also, so ganz ernsthaft? Ihnen wäre es lieber, der ganze Text wäre in einem einzigen langen Satz?

    (Wird korrigiert – danke.)

  • Jorge

    Dann findest du mich bloss nicht attraktiv, weil ich nicht immer Deiner Meinung bin? … wie schade ^^

  • Reto Allmove

    Lieber Namens Vetter, und was willst Du jetzt eigentlich damit ausdrücken/klarstellen ?

  • Manuel

    Meine Freundinnnen sagten mir alle, ich hätte einen schönen Schwanz. Muss ich jetzt zweifeln, dass sie es ernst gemeint hatten?

  • Steffen

    Ich stelle mir gerade vor, ich als Mann habe gerade die Beschneidung einer Frau gesehen und nehme dies zum Anlass, übergangslos diesen Eindruck beiseitelegend, darüber zu sinnieren, was ich denn bei Frauen so attraktiv finde. Und die Tiefe meiner Gedanken lässt mich zu der Erkenntnis kommen: Schamlippen sind sowieso nicht gerade ein Highlight. Schrumpelig hängend und irgendwie unmotiviert.

    Wie lösen Sie, sehr geehrte Frau Steiger, eigentlich das Problem, wenn dem von Ihnen Auserwählten Intelligenz – oder formulieren wir lieber eine dem Charakter nahekommende Eigenschaft – die Fähigkeit, eigene Gedanken zu formulieren wichtig ist, die sich zudem an humanen Wertmaßstäben orientieren? Wie sollte er aus einer solchen Dürre schöpfen.

  • Irene

    Meret, Wiedermal ein glattes-sauberes 1:0 für die Weiber, du bist klasse!!!!:)thanks, du hast völlig recht!

  • Peter

    Ja denn halt!

  • Michèle Friedli

    Sag liebe Meret, bist du schon vergeben? Vielleicht sollte ich dich an einen Poetry Slam mitnehmen als Bühnen-Virgin. Die Gefilde poetischer Wortkunst könnten dich in höchste Verzückung versetzen. Slam Poeten (meist kultivierte Studenten) sind intelligent, wortgewandt UND können schreiben wink

  • Tomas

    Nein, müssen sie nicht. Erstens wäre es ein Fehler, von Meret auf alle Frauen zu schliessen – auch wenn ich es nicht jetzt näher präzisieren werde, können sie mir glauben.

    Und zweitens, Frauen – sofern sie nicht dafür bezahlt werden – sparen meistens mit Komplimenten, die den Schwanz betreffen. Wenn sie sich dazu dennoch durchringen, meinen sie es meistens auch so.

    Warum Frauen mit diesem Thema häufig Mühe haben? Da gibt es ganze Theorien darüber, aber die meisten gehen davon aus, dass Frauen allgemein Mühe mit Geschlechtsorganen haben, auch und vor allem mit den eigenen. Es gibt bis heute Frauen die nicht einmal so genau wissen wie sie da unten aussehen – das erlebe ich als Aktfotograf immer und immer wieder smile und ja, das Aussehen variiert ja bei Frauen in diesem Bereich weit mehr als bei den Männern, mit ästhetischen Ausschlägen in beiden Richtungen.

  • Katharina

    Sagt mal, bitches: steht ihr wirklich auf mens on steroids wie das bildli oben? Like his hair do though. his eyes….. what do you have to be on to have such an empty stare?

    oh and by the way @ meret: Do you think our privates are that aesthetic? I have seen many shapes and forms. cleared and forested. I have seen from weathered folds like tree bark to the beauty of an young orchid. Loved them all … the times they allowed me that close of a view. But you always enjoy the nectar of a loved one. Be it fragrance or liquid, who you are really attracted to is driven not by intellect, but your primeval instincts. I love your smell versus I can’t stand a whiff of you. Depending on the chemistry at hand, an orchid can be that or not, although objectively, our organ in most cases resembles an orchid, blossoming into its beauty and fiery rage from unconditional love to the detail.

  • Tomas

    Alle Männer sind auf Steroiden, zum Beispiel auf Testosteron, den sie praktischerweise selber DIY anfertigen. Der Typ oben muss für das wie er aussieht nichts schlucken, etwas Training reicht da schon. Mit Pillen kommen da andere Monster raus wink

    Aber sonst haben sie Recht.

  • Katharina

    Sooo. you like him, Tomas?

    Funny. Ich stehe auf muskulöse afrikanische Frauen. Aber es gab einmal eine Situation, wo ich buchstäblich ‘freaked out’. Sie war eine wunderschöne afrikanische Gazelle, aber der ‘touch’,als wir privater wurden, fühlte sich so männlich an, dass ich mich zurückziehen musste.

    Die wirklich liebe Frau verstand zuerst nicht. Später aber schon nachdem ich ihr etwas über mich erzählte.

    Naja. Mich interessiert nun, wie die straight ladies denken.
    Ixh fand seinen leeren Blick erwähenswert, denn er weist auf die Sickness des modellind business hin. that’s all.

    Oh btw, Tomas. I know of the benefist of a healthy workout, I do it myself, including wiegt lifting and some boxing wink

  • Peter f

    Allmove… dass sogar sachverständige und kolumnentaugliche Meinungen wie Meinungen generell ziemlich wertlos sind – sofern sie sich noch nicht im Feld erwiesen haben.
    In unserer Gesellschaft sind Meinungen oft der Ausdruck des Egos, und Egos selber sind kaum eine verlässliche Abbildung der Realität.
    Mhm, sehe weniger ein Problem mit der Brillianz von Penissen. Kleine Zehen finde ich jetzt durchaus weniger prächtig, geradezu grotesk, will ich sagen!

  • Tomas

    Das überrascht mich jetzt nicht, mit dem Boxing, kann nicht sagen wieso, aber irgendwie passt es smile Dort wo ich trainiere tun die Damen mit ein Paar schwul aussehenden Männern es in einem abgeschlossenem Raum auch praktizieren und es ist faszinierend für mich ihnen beim vorbeigehen zuzuschauen. Diese martialischen Gesichtsausdrücke, und natürlich auch die Geräusche!

    Zu ihrer Frage: ja, ich finde den Burschen gutaussehend, soweit ich es als heterosexueller Mann beurteilen kann. Er wirkt nicht so möchtegern aufgepumpt, sondern einfach nur gut trainiert. Und was Gesichtsausdruck betrifft: für den kann er nichts, das hat ihm der Fotograf so befohlen.
    Bei den Frauen ist es komplizierter, ich machte mal Bilder mit solchen die noch muskulöser waren als der Typ da oben und es hinterliess leicht gemischte Gefühle in mir. Straffer Körper ist auch bei einer Frau schön, aber sobald die eigentlichen Rundungen kantig werden, wirkt es auf mich wie ein drittes Geschlecht, weder Mann, noch Frau.

  • Meret

    Nun, ich finde ihn ganz nett. Da er nicht in die Kamera sieht und ich beim besten Willen nichtmal seine Augenfarbe erkennen kann, möchte ich mich nicht über seinen “leeren” Blick äussern – und natürlich weil dieser Ausdruck, wie Tomas gesagt hat, im Modelbusiness durchaus üblich ist. Körperlich hätte er mir fast schon etwas zu viel, aber aufgepumpt wirkt er nicht. Findi.

  • Meret

    Oh, und Katharina: Habe ich vielleicht irgendwo behauptet, dass alle weiblichen Geschlechtsteile wunderschön und ästhetisch sind?

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