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Beziehungen spielen lassen

Auf der Suche nach dem Traumjob werden soziale Netzwerke und Empfehlungen immer wichtiger. Frauen nutzen dieses Potential noch zu wenig.

Von Seraina Mohr

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 Soziale Netzwerke haben hierzulande noch immer einen schlechten Ruf. Die einen beschwören seit dem Start ihr schnelles Ende, andere brüsten sich mit der Abstinenz und wieder andere nerven durch Dauerberieslung  mit uninteressanten Informationen.  In der ganzen Sinn- und Sinnlosigkeitsdiskussion geht nur allzu oft vergessen, dass vor allem berufliche Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sehr wertvoll sind für die Stellensuche.

So gaben beim «Social Recruiting Survey 2011» in den USA 64 Prozent der Befragten Unternehmen an, dass sie Mitarbeitende über soziale Netzwerke gefunden haben. In der Schweiz  sind die Unternehmen noch etwas zurückhaltender, doch auch hier steigt die Anzahl derjenigen Unternehmen, die via soziale Netzwerke Mitarbeitende rekrutieren. Sei es, dass sie direkt auf den sozialen Netzwerken ausschreiben oder direkt nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten suchen.

Das ist Chance und Gefahr gleichzeitig, denn Frauen nutzen das Potential der sozialen Netzwerke für berufliche Zwecke noch viel zu wenig. Während sie in privaten sozialen Netzwerken gemäss einer Studie von «Nielsen»  mittlerweile aktiver sind als die Männer, lässt ihr Engagement im beruflichen Kontext noch zu wünschen übrig. So sind etwa bei  Xing nur ein Drittel aller Mitglieder weiblich und auch auf LinkedIn sind gemäss einer Studie die Männer aktiver.

Frauen empfehlen keine Frauen

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Einstellungsrate von Bewerbern, die via eine Empfehlung kamen gemäss dem Social Recruiting Report 2011 zehnmal höher liegt als bei anderen Bewerberinnen und Bewerbern. Doch gerade Frauen sind bei Empfehlungen On- und Offline sehr zurückhaltend. In einer Analyse , die Xing dieses Jahr  und in deren Rahmen auch Interviews mit Headhuntern durchgeführt wurden, wird ein Recruiter mit der Aussage zitiert: «90 Prozent aller Empfehlungen für andere Kandidaten kommen von Männern».  Frauen helfen sich untereinander wenig. Ist das Angebot eines Headhunters nicht interessant, dann würden Frauen nur selten eine Kollegin empfehlen.

Zeit in Netzwerke sinnvoll investieren

Die alleinige Präsenz auf einem sozialen Netzwerk ist noch nicht viel Wert, es gilt dieses zu pflegen und interessant zu machen. Wer beachtet werden will, muss dafür etwas tun. Und etwas Tun heisst in diesem Fall kommunizieren, eigene Beiträge publizieren und auch Fragen zu stellen und bei Bedarf zu beantworten. Networking ist auch Online ein Geben und Nehmen.

Spezielle Fähigkeiten und Fertigkeiten können Online gut benannt und beschrieben werden. Gerade in Zeiten, in denen die Stellenprofile und Berufsbezeichnungen dauernd ändern, ist das wertvoll. Bei Stellen, die ein hochspezialisiertes Wissen verlangen, ist die Suche aufgrund von entsprechenden Stichworten sehr zielführend.

Sie können auch entdeckt werden. Auf Xing ist ersichtlich, wer das eigene Profil besucht hat. Das kann für eine Firma durchaus auch ein Grund sein, die eigenen Besucher unter die Lupe zu nehmen und direkt zu kontaktieren. Doch auch da gilt, wenn das Profil nicht gepflegt wird, gibt es auch nicht viel zu entdecken.

Keine falsche Scheu. Es gibt Leute, die auf ihre Abstinenz in Online Netzwerken stolz sind. Wer sich das leisten kann, gut. Alle anderen, sollten ihre Netzwerk-Strategie verfeinern und unter Umständen stärker auf den beruflichen Kontext fokussieren. Die Firmen haben die sozialen Netzwerke für die Rekrutierung gerade erst entdeckt.  

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Seraina Mohr

Seraina Mohr ist Leiterin des Competence Center Onlinekommunikation am Institut für Kommunikation an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Sie studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Zürich und arbeitete anschliessend mehr als 10 Jahre in verschiedenen Funktionen in der Medienbranche.