Clack

Nena und das «Madonna»-Syndrom

Nena bringt eine sportliche Show, spielt alte Hits und fürchtet Zucker. Clack war am Konzert, um unfreundlichen Gerüchten über das ehemalige Froileinwunder nachzugehen.

Von Réda Philippe El Arbi

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Um es vorweg zu nehmen: Das Nena-Konzert in Zürich war gut, nicht gerade inspirierend, aber ein solide aufgeführtes Popspektakel. Was nicht daran lag, dass die Performance so genial war, sondern daran, dass das meist schon etwas ältere Publikum auch nach 30 Jahren die Hits noch Wort für Wort mitsingen konnte. Aber wer ist sie eigentlich, diese Nena, die in den 80ern einer ganzen Generation Hits zum Mitsummen schenkte, angefangen mit «99 Luftbalons» über «Irgendwie, irgendwo, irgendwann» bis hin zu «Nur geträumt». Diese ehemalige Putzfrau des Studios, die dann entdeckt wurde und im roten Minirock die deutschsprachige Popwelt eroberte, bevor sie wieder in der Versenkung verschwand?

Wir besuchten das Konzert, um den Gerüchten nachzugehen, denen zu Folge Frau Nena Kerner unter dem Madonna-Syndrom leiden soll. Madonna-Syndrom? Das ist, wenn erfolgreiche Frauen in einen Nebel aus Esoterik, Gesundheitswahn und Fitnessprogrammen abtauchen und sich in der Öffentlichkeit wirr verhalten. Wenn sie mit ihrem ganzen Geld eine erbitterte Schlacht gegen die Spuren der Zeit führen und dabei die Realität aus den Augen verlieren. 

Ein erstes Indiz für das Madonna-Syndrom zeigte sich, als grosse, breite Security-Männer fünf Meter vor der Bühne auftauchten und verhindern wollten, dass man fotografiert. Das hat nichts mit Urheberrechten am Bild zu tun, da gehts darum, dass Frau Kerner keine Nahaufnahmen von sich in Umlauf wissen will, die nicht durch sie autorisiert sind. Man könnte die Fältchen am Hals sehen. (Man kennt das von anderen alternden Sex- und Popstars, wie etwa Baywatch-Nixe Pamela Anderson, die man nur mit ganz speziellem Blitz ablichten darf.) Trotzdem konnte man auch ohne Teleobjektiv vom Bühnenrand aus sehen, wie sich die Beinmuskeln unter dem enganliegenden Glitzerkostüm abzeichneten. Fitness zahlt sich aus. Aber sie ist noch weit entfernt von Madonna, deren Fitnessprogramm ihr die Oberarme eines schottischen Schmieds bescherte.

Keine Drogen, kein Zucker

Ein zweites Indiz war ihr Bühnenauftritt, der extrem dynamisch, fast schon zappelig war. Das wäre bei einer 22-Jährigen völlig normal, bei einer Ü50 wirkt das schon ein wenig bizarr. Nein, hier spricht kein Neid. Eine anwesende PR-Beraterin fragte laut «Was die Dame auf der Bühne wohl eingeworfen hat», weil man sich unmöglich so hyperdynamisch bewegen kann, ohne Drogen zu nehmen. Aber wir können Entwarnung geben: Nena nimmt keine Drogen. Alles, was wir hinter der Bühne fanden, war stilles Mineralwasser und eine Kaffeemaschine. Und Nena legt viel zu viel Wert auf ihren gesunden Lebenstil: Während wir Backstage die Mineralwasserflaschen zählten, reparierte sie gerade ihr Fahrrad, das sie wohl auf ihren Tourneen begleitet. 

Wir haben uns dann aber von Fans noch die eine oder andere Geschichte aus den letzten Jahren erzählen lassen: So hat die 52-Jährige weder die Waldorf- noch die Rudolf-Steiner-Schule als gesund genug für ihre Kinder eingestuft – und kurzerhand eine eigene Schule eröffnet. Auch dürfen ihre Kinder keinen Zucker essen, «da dieses Zeugs süchtig macht», stattdessen kriegt der Kerner-Nachwuchs Xylit, einen Zuckerersatz aus Birkenrinde. 

Aufgesetzte Föhlichkeit

Zudem soll die dauergutgelaunte Powerfrau ihr eigenes Kredo «Immer fröhlich!» in einer «Wetten dass …?»-Show gebrochen haben, indem sie den Moderator anschnautzte (was ihr einen Shitstorm zum Thema «Arroganz» auf Facebook einbrachte) und auch als Jurymitglied von «The Voice of Germany» war sie bei ihren Schützlingen eher für ihre Abwesenheit bekannt, als für ihre gute Laune. «Alles nur für die Kamera» mäkelten die KandidatInnen.

Nun, man hats wohl nicht leicht, wenn man nach zwanzig Jahren wieder aus dem Untergrund auftaucht und alle noch immer das junge Mädchen vor Augen haben, das damals die Hitparaden stürmte. Nur ist Nena wohl auch ein wenig selbst Schuld, wenn sie mit über 50 auch immer noch das Image der jugendlichen Popprinzessin aufrechterhalten will.

Und was ist jetzt mit dem Madonna-Syndrom? Wahrscheinlich. Aber uns ists egal. Wir machten das Einzige, was der Situation angemessen erschien: Wir entfernten uns ein wenig von der Bühne und liessen uns von den alten Hits davontragen. Auf diese Distanz konnten wir uns nicht nur vorstellen, dass die 20-jährige Nena da vor dem Publikum rumtobte, nein, noch besser, wir konnten uns selbst wieder in unsere Jugend zurückträumen. Bei «Nur geträumt» und «99 Luftballons».

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Kommentare

  • marie

    @Tomas
    Auch wenn sie es nicht glauben, mein Alltag wird von Ratio bestimmt. Nein das steht nicht im Widerspruch zu marie grin …ich fühle mich so attraktiv wie noch nie (ausser wenn ich am Morgen aus dem Bett kraxle, aber da ist selbst die Jolie nicht jolie)! Trotz Falten und Gravitation, wo sich ein Dr. Mang austoben könnte und immer noch nicht fertig werden würde.
    Aber es gibt halt ein irrationaler Anteil, der in der Tat mir manchmal übel mitspielt, und das geht den meisten Frauen so, je älter sie werden. Das ist normal und gehört in Gottes Namen offenbar zum Alterungsprozess.
    (Frauen als “Objekte” in der Kunst und Humorlosigkeit: Da ist eine Trendwende auszumachen. Kennen Sie Anna Utopia Giordano? http://www.annautopiagiordano.it/venus-ita.html – hab mich köstlich darüber amüsiert.)

  • neni

    lasst die leute leute sein, ob jetzt 50 und ausgeflippt oder 20 und durchgetippt…..dieses andauernde analysieren und bewerten geht einem BÖSE auf den keks……..auch als journalist kann man seine artikel mit RICHTIGEM intelligentem inhalt füllen!!

  • Tomas

    Ja, die kenne ich. Aber wie ich bereits mehr als einmal schrieb, in der Kunst geht es in der Regel um etwas anderes als in der Haute Couture. Kunst hat meistens kein Problem mit den “realen” Menschen, im Gegenteil, die gesamte Palette ist interessant. Auch die Tatsache dass sich der Mensch entwickelt, altert etc. ist spannend – sofern man es überhaupt abbilden darf ohne in den Knast zu wandern. Es gibt zum Beispiel von mehreren Künstlern Barbies mit “realen” Proportionen, einfach herrlich. Oder Helmut Newton (der, bei dem die Schwarzer damals voll auf die Schnauze mit ihrer “Sexismus- Anzeige fiel)  der bereits vor zwanzig Jahren für seine Bilder Schaufensterpuppen mit richtigen Ärschen und Titten anfertigen liess grin

  • Peche

    @Neni : Zynismus steht wohl nicht im ihrem Wörterbuch. Tatsache ist und bleibt : früher war früher. Nix mehr aufwärmen und tun alsob man immer noch 20 ist.
    Es wäre alsob Steevie Wonder nochmals auf die Bühne kommt und nix neues singen kann ausser seiner alten Hits.
    Oder, ganz nach dem Motto : lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
    In diesem Sinne…bon a nit

  • Réda Philippe El Arbi

    smile

    Schöner Versuch, aber leider vorbeigeschossen. Weil es nicht darum geht, was man ist, sondern was man ums Verrecken sein will, wen man damit beeinflusst oder sogar schädigt und was für Werte man damit kommuniziert.

  • Tomas

    Reda, ich verstehe alle Wörter die du verwendet hast, habe aber keine Ahnung was du eigentlich zu sagen versuchst.
    Ich bin der Meinung, das was ich bin oder was ich (ums verrecken oder nicht) sein möchte geht nur mich etwas an. Ob und warum sich jemand nach mir richtet kann ich weder beeinflussen, noch interessiert es mich sonderlich. Das ist vergleichbar mit der Wirkung eines Bildes aufs Publikum: wenn ich es jedesmal allen potentiellen Dumpfbacken unter den Zuschauern Recht machen wollen würde, kann ich es gleich sein lassen, die Welt muss nicht um weitere Banalität reicher werden. Ich bin nicht zuständig für das, was andere mit mir und dem was ich mache anfangen können – und umgekehrt bin nur ich und niemand sonst dafür verantwortlich, welche Beispiele ich für mich als relevant oder inspirierend auswähle. Und ehrlich, wenn du jetzt meinst, du richtest dein Leben nicht nach dem was du willst, sondern welchen Beispiel es vielleicht irgendjemandem unbekannten theoretisch sein könnte, dann glaubst du es nicht einmal du selber nicht smile

  • Réda Philippe El Arbi

    @Thomas: Nicht, wenn du in der Öffentlichkeit stehst und sich andere an dir orientieren. Das ist der preis des Ruhmes. Man kann nicht damit Geld machen, von allen gesehen zu werden, ohne sich auch der Kritik auszusetzen.

    Aber Tomas, es gibt auch Leute, die deine Bilder einfach schlecht finden und das auch sagen. Damit musst du leben. Und je mehr du die Öffentlichkeit suchst, um so lauter würde auch die Kritik. Ausserdem könntest du auch Bilder machen, die wirklich umstritten sind.

    Und mich haben andere Menschen geprägt. Und prägen mich noch immer. Nicht unbedingt bewusst im Augenblick. aber wenn ich zurückschaue, kann ichs immer erkennen. Wer denkt, er sei eine unabhängige Insel und entscheide immer unbeeinflusst, wie er handelt, hat sich selbst noch nicht mal ansatzweise erkannt.

  • marie

    Unser Zeitgeist lässt das Altern in Würde nicht mehr zu. Resp. man weiss gar nicht mehr, wie altern in Würde geht. Darüber hinaus das ständige und willkürliche Lästern; man weiss gar nicht mehr, wie man sich verhalten soll, da es ständig wechselnde Trends sind, denen wir uns ausliefern. Vor ein paar Jahren galten Madonnas trainierte Armen als vorbildlich, heute sind sie Arme eines schottischen Schmiedes usw… Und dieser Willkür ausgesetzt sein, ist nicht gerade fördernd für Zufriedenheit. Meistens ist diese dann aufgesetzt, verkrampft oder aber, was noch mehr der Fall ist, schlicht nicht möglich.
    Nun, beginnt Männer auch immer wie mehr zu betreffen. Die einzigen Männer, die diesem Phänomen genauso stark ausgesetzt sind wie Frauen, sind Schwule. Deshalb verstehen sich Frauen und Schwule so gut. Dem Heteromann bleibt bei diesem Phänomen nichts anderes übrig, als Zaungast zu zuschauen zu lästern oder den Kopf zu schütteln.
    Der Druck sich ständig neu zu definieren und sich neu zu erfinden grenzt schon beinahe an eine Perversion, die Masochismus als lächerliche Laune erscheinen lässt.

  • Christian

    Bei Madonna-Syndrom dachte ich spontan daran, dass Nena auch einen Knopf am Mikrofon hat, um auf Playback-Stimme umzuschalten, sobald sie vom Gehampel zu sehr ausser Puste ist. Wirkliche Töne trifft Frau Kerner eher selten, ich vermute einmal, dass da auch live eine Tonhöhenkorrektur aus dem Rechner zum Einsatz kommt.

  • adrian

    da ist wohl echt was wahres dran. aber es gehört schlussendlich auch immer der einzelne dazu, der diesen gesellschaftlichen zwängen erliegt. man kann auch interessant sein, ohne diesem permanenten identifizierungs-wechsel zu unterliegen. unsere wirtschaft ist darauf angewiesen, dass sich das idealbild eines menschen immer ein wenig wandelt, somit kann auch der konsum auf hohem niveau gehalten werden.

  • Tomas

    Also, ich finde es eher bewundernswert, wenn Madonna, Nena oder Tina Turner nicht als Rentnerinnen irgendwo im Liegestuhl verschimmeln, sondern einfach mal wieder etwas Gas geben.
    Und klar, ohne in Form zu sein würden sie das nie durchhalten.
    Das sie Mühe mit dem älter werden haben… Tja, da sind sie lange nicht die einzigen, und da sie im Showbiz tätig sind, kann man das eher verstehen als bei Frau Zahnarzt die sich zum x-ten mal liften lässt.

  • marie

    Ich finde diese Willkür, die daraus entsteht extrem belastend. Bei der Arbeit ist es hilfreich, wenn frau nicht allzu gut und nicht allzu schlecht aussieht – ja, was heisst denn das? Im Privaten hat mir vor kurzem ein guter Freund gesagt, er fände Heidi Klum hässlich und “fett, uägh”. Nun über das Aussehen dieser Frau kann man in der Tat diskutieren (für mich ist weder schön noch hässlich), aber “fett, uägh”? Er fragte mich dann, ob ich Lust hätte mit Ihm an den Murtensee zu fahren um zu sünnälä – ich habe schroffstens abgelehnt. Denn neben Heidi Klum wäre ich eine Tonne. Ich hab’s ihm dann auch so gesagt – er war darüber erstaunt, was mich dann wiederum erstaunt hat.
    Männer verstehen nämlich nicht, dass uns Frauen solch pauschles Ablästern verunsichert uns zu irrationalem Handeln veranlasst. wink

  • Benno

    @marie: Wer sagt dir dass du dich ständig neu erfinden musst? Die Medien? Die Werbung? Würde Frau Kerner einfach Songs schreiben, und zusammen mit dem Publikum Spass haben an ihren Konzerten, würde sich keine Sau dafür interessieren ob sie Falten hat oder nicht. Die Leute interessiert es weil sie ein Problem damit hat. Warum sonst müsste sie Bodyguards vor die Bühne stellen um Fotos zu verhindern… Wer solche Starallüren an den Tag legt um Oberflächlichkeiten zu zelebrieren wird halt auch nach diesen bewertet. Mit Zeitgeist hat das wenig bis gar nichts zu tun. Es gab schon immer zwei sorten Musiker…  Pop/Schlager Stars und solche denen es um die Musik geht. Beide haben logischerweise auch die entsprechende Anhängerschaft. Leute mit Komplexen und eher einfachem Gemüt tendieren normalerweise eher zu den Ersteren wink

  • marie

    Benno, rational gesehen haben sie absolut recht. Jetzt wird es eben irrational:
    Abgelästert wird ja immer, über die “schönen” genauso wie über die “hässlichen”, man findet ja immer was. Aber mittlerweile lästert man genauso bösartig über “durchschnittsfrauen”. wink (ok, ein bisschen sehr überspitzt beschrieben)
    …und ich gehöre zu denen, die eine Nena verstehen, die sich nicht von Nahem ablichten lässt. Denn dann wäre das Konzert nicht Thema gewesen, sondern Nenas Falten wink und die will keine Frau in der Öffentlichkeit besprochen haben, es reicht, wenn die einem morgens gfürchig aus dem Spiegel entgegen schauen. Je nach Laune und Verfassung nicht gerade förderlich fürs Wohlbefinden. Oberflächlich ist das nicht, es ist einfach nur, auch ganz überspitzt gesagt, wie sieht eigentlich eine ganz normale 40/50 jährige eigentlich HEUTE aus? Ich habe die Antwort nicht, ich weiss “nur”, wie DAMALS meine Mutter mit 40/50 aussah und wie sie damit umging.

  • Réda Philippe El Arbi

    Naja, Botox ist bei Nena wohl auch im Spiel. Aber es geht ja darum, was für ein vorbild sie gleichaltrigen oder etwas jüngeren Frauen ist, wenns ums Altern geht. Natürlich kann eine berufstätige Mutter, die nicht in derselben liga verdient wie Frau Kerner, sich nicht leisten, soviel Zeit auf ihr Äusseres zu verwenden. Wen wunderts da, dass die Frauen dann halt chirurgisch nachhelfen (was bei nena auch nicht ausgeschlossen ist)

    Altern ist für Frauen ein grösseres Problem als für Männer. Da kann ich gerne mal einen popstar in die Pfanne hauen, um dem Jugendlichkeitswahn etwas entgegenzusetzen.

  • Tomas

    Hach, Reda grin
    Ich würde vorschlagen, dass du nicht alles durcheinander bringst.
    Ob ich in der Öffentlichkeit stehe ist völlig irrelevant, genauso wie viel Geld jemand womit verdient grin Was heisst das denn so Wahnsinniges? Dass ein paar Tausend Leutchen der lieben Tante Nena zwei Stunden lang mal zuhören. Und, weiter? Soll sie deswegen ihr Leben nach irgendwelchen nicht ermittelbaren Werten dieser Masse ausrichten? Welche sind es denn? Was du für vorbildhaft hältst, finde ich vermutlich lächerlich und umgekehrt, und da handelt es sich erst um zwei Meinungen. Was sollte also jetzt die arme Frau genau machen? Nicht trainieren und weniger auf der Bühne hüpfen, weil Reda es nicht mag? Verstehst du dein Gutmensch- Weltverbesserer- Dilemma? Gerade je mehr ich in der Öffentlichkeit stehe, ist für mich die einzige Devise sich selbst treu zu bleiben. Wer mich so mag, soll es von mir aus tun, die anderen können mir mal kreuzweise. Wenn jemand versucht es allen recht zu machen, endet er beim niedrigsten gemeinsamen Nenner der Masse, beim Kitsch wie Rolf Knie. Ob meine Bilder gut oder schlecht sind spielt dabei aber absolut keine Rolle, genauso wie für wie viel man sie kaufen kann. Für mich sind natürlich diejenigen die sie mögen interessant weil sie offensichtlich etwas ähnliches wie mich bewegt, aber aus genau demselben Grund interessieren mich all die anderen überhaupt nicht. Weshalb sollten sie? Weshalb sollte mich Meinung von jemanden interesieren, der offensichtlich nicht verstanden hat worum es mir geht, der dabei nichts empfindet? Seine Welt ist wohl eine andere. Warum soll ich versuchen es so jemandem Recht zu machen, oder ihm sogar – hallo! – ein Vorbild zu sein??? 

    Natürlich gibt es Leute, die meine Bilder hassen – ich habe schon mehrere Strafanzeigen kassiert, meistens von so tierliebenden politisch korrekten Birkenstockfraktion, war immer recht amüsant. Dann gibt es noch diejenigen die mich geradezu vergöttern – habe sogar so etwas wie einen Fanclub, manche sammeln meine Sachen, es werden meine Essays herumgereicht etc. Und dann natürlich die riesige Masse von dem ganzen Rest, dem ich, meine Werke, meine Ansichten und alles was mich betrifft absolut furzegal bin. Und jetzt? grin Ist es ein Makel in deiner heilen Welt, dass mir umgekehrt diese ganze Masse genauso am Arsch vorbei ist? Merkst du nicht, wie absurd das ist, was du da predigst?

  • adrian

    verstehen tun wir das schon, aber wir realisieren wohl die auswirkung einer solchen aussage, eben zum beispiel zu einem promi, einfach nicht und denken nicht weit genug. aber die heidi kann man nun wirklich nicht als fett bezeichnen…

  • Christian

    Seltsam, dass sich alle auf Nenas Äussere stürzen. Dabei hat doch Musik vor allem mit dem Hörerlebnis zu tun. Wenn in der Popmusik (nicht nur bei Nena) massiv am Klang manipuliert wird und dies in voller Absicht, den Zuhörer falsche Tatsachen im wahrsten Sinne des Wortes vorzuspielen, interessiert dies anscheinend niemanden. Aber über Schönheits-OPs und Geschmacksverstärker in Lebensmitteln regt sich jermann/frau auf.

  • Benno

    Wo bitteschön ist Nena eine Durchschnittsfrau… Die konnte schon früeher nie normal irgendwo auftreten… Immer völlig überdreht setzte sie ihre aufgesetzte mädchenhafte Naivität in Szene… (dabei war sie schon damals kein Mädchen mehr) Egal… Das ist ihr Ding., da hast du schon recht…  Wenn sie damit glücklich ist und genug Leute hat die Eintritt für ihre Konzerte bezahlen ist ja alles gut! Ich würde dafür kein Geld ausgeben… Was ich nicht verstehe, dass erwachsene Menschen (egal ob Frauen oder Männer) die als erwachsene Menschen jedem Trend nachlaufen und das Gefühl haben sie müssen so aussehen oder sich so verhalten wie irgendwelche “Stars” sich und ihre Vorbilder als Durchschnitt oder normal ansehen… wink

  • Benno

    sorry für den Beitrag vorher… jetzt sollte es verständlich sein wink

    Wo bitteschön ist Nena eine Durchschnittsfrau… Die konnte schon früeher nie normal irgendwo auftreten… Immer völlig überdreht setzte sie ihre aufgesetzte mädchenhafte Naivität in Szene… (dabei war sie schon damals kein Mädchen mehr) Egal… Das ist ihr Ding… da hast du schon recht…  Wenn sie damit glücklich ist und genug Leute hat die Eintritt für ihre Konzerte bezahlen ist ja alles gut… Ich würde dafür kein Geld ausgeben.

    Was ich allerdings nicht verstehe ist, wenn erwachsene Menschen (egal ob Frauen oder Männer) jedem Trend nachlaufen und das Gefühl haben sie müssen so aussehen oder sich so verhalten wie irgendwelche “Stars”, sich und/oder ihre Vorbilder als Durchschnitt oder normal bezeichnen… wink

  • marie

    Ich vermute, dass es mit den geänderten Vorbildfunktionen zu tun hat. Die Vorbilder des eigenen Umfeldes wurden durch die Promis abgelöst. Und es ist ja einfacher die 50 jährige Nena auf der Bühne zu kritisieren und über sie zu lästern, als über die eigene Mutter wink
    Dazu kommt, dass der Begriff Schönheit heute sehr eng und bisweilen sogar pietätlos definiert wird im Gegensatz zum weitergefassteren, wo einiges mehr drin lag und zu weniger Frust und Hyperaktivismus führte. Er war sicherlich ebenso gnadenlos, aber äusserlich lag definitiv mehr drin.
    Mit dem heutigen Zeitgeist meinte ich, dass wir heutzutage ja an und für sich die Wahl haben, uns frei zu bewegen und uns zu entscheiden, wie viel wir zulassen, was wir dagegen tun. Entscheidet man sich für, übertrieben gesagt, straffe Haut, so sind wir Heldinnen/Helden. Entscheidet man sich dagegen, aus welchen Gründen auch immer, ist man Versager, willenlos und undiszipliniert. Theoretisch haben wir nur die Wahl zu den Gewinnern zu gehören, oder eben zu den Verlierern. Dieser Druck, Zwang, Stigmatisierung hinterlässt viel Ambivalenz, Irrationalität und Frust. Keine schöne Situation.
    (Das mit der “fetten Klum” reibe ich ihm immer und immer wieder gebetsmühlenartig mit bösartigstem Sarkasmus unter Nase, wann und wo ich nur kann – hat was befreiendes wink )

  • marie

    Mein letzter Post geht in dem Fall an euch beide (Benno, sie scheinen zeitgleich mit mir zu posten grin ).
    Benno ich bin 80er Generation (und gebe ihnen in Sachen Nena absolut recht! Madonna zähle ich auch dazu, wobei Madonna durchaus Phasen hatte, die ich Interessant und bereichernd fand, aber nicht Musik technisch.): Wenn Nena und Madonna NICHT Nena und Madonna gewesen wären, sondern ganz einfache Chiks, wie ich auch (ich war übrigens “eher” die Punkfraktion), gewesen wären; die beiden wären genauso wenig aufgefallen wie ich. Deshalb waren sie biederer Durchschnitt – sie sind es heute auch noch, nur halt eben mit Promistatus und entsprechendem Konto sowie Zeit, was die beiden auch unverfroren einsetzen. Mit anderen Worten, sie sind Durchschnitt, nur halt operiert und zurecht “fittiert”, weil sie es sich leisten können. Würden sie es nicht tun, dann würde kein Hahn nach ihnen schreien, zumindest nicht nach Nena, Madonna hat da schon einiges mehr auf die Beine gestellt und zeichnet sich eher durch ihre Geschäftstüchtigkeit aus, ich fand sie aber nie talentiert.

  • Tomas

    Vorbild? Was für ein Vorbild??? Du meinst, Kohorten von 50+ Frauen beobachten sehnsüchtig was die Nena so tut, um es ihr nachzumachen? Echt jetzt? OK, und wenn schon, ist es nicht so, dass nicht die Nena, sondern sie selbst für ihr Leben und Vorbilder zuständig sind? Also, ich bezweifle mal, das die Nena oder wer auch immer ihr Handeln danach ausrichtet, jemandem ausser vielleicht den eigenen Kindern als Vorbild zu dienen. Wenn sie das täte, DANN würde sie erst recht verdienen, in die Pfanne gehauen zu werden, wegen so einer hochtrabenden Nabelschau.
    Aber das siehst du natürlich anders, da reicht es bereits, dass ein siebzehnjähriges Model mal von sich aus schlank ist und Reda fürchtet bereits, dass jetzt Millionen von willenlosen armen Teenagern an Magersucht qualvoll sterben, gell?

  • Benno

    @marie: wir sind uns fast einig… so langwiilig wink Was die Musik betrifft offenbar auch grin Mag schon sein dass es heute schwieriger geworden ist sich selber zu sein als früher und Oberflächlichkeiten noch wichtiger geworden sind. Glaube aber nicht, dass es bei der Mehrheit der Bevölkerung soooviel schlimmer ist als in den 80ern. Und mit Durchschnitt meinte ich übrigens die durchschnittliche arbeitente Bevölkerung, mit einem minimalen IQ von 90, die zwischen Realität und Show unterscheiden kann. Da gehört definitiv keine erfolgreicher Star dazu… (eine Punkband mental vieleicht noch eher als irgendwelche Pop/Schlagersternchen, die irgendwann den Scheiss vieleicht noch glauben, den sie singen) …und auch keine fanatischen Fans, Trendnachrenner oder berufsdepressive Hausfrauen. wink

  • Tomas

    marie, lassen sie sich sagen, dass so wie ich sie kennengelernt habe sie keinen Grund haben sich von wem auch immer verunsichern zu lassen. Gerade sie haben das nicht nötig.
    Und was heisst das jetzt, “in Würde altern”? Ist es nicht so, dass sowas jeder für sich definiert? Also in ihrem Fall sie, dann noch sie und nur sie? Lassen sie sich etwa von sowas von Belanglosem wie irgendwelchen Internetblogs oder Medien ihre Prioritäten diktieren?

    In meinem Universum heisst “in Würde altern” lediglich, dass ich selbstständig bleibe, niemandem zu Last falle und wenn es ganz gut kommt, habe ich genung Mittel um ein anständiges Leben mit einem möglichst fittem Körper und Geist zu führen.
    Für eine Frau kann das von mir aus bedeuten, dass sie regelmässig Schönheits- OPs kriegt und zu jedem runden Geburi einen Brillianten wenn es ihr wichtig ist, aber who ausser ihr fucking cares?

  • marie

    http://www.zeit.de/2012/45/DOS-Schoenheitswahn
    Ich fand diesen Artikel gut. Vor allem die Seite 5… da hab ich gut gelacht.

    Die Macht der Bilder (die zwei- genauso wie die dreidimensionalen) hat mich schon immer fasziniert, da uns Bilder bewusst beeinflussen, unbewusst noch mehr. Beweis (nur ein Beispiel von vielen): ohne zu lesen, konnte die Bevölkerung in Florenz die Macht der Medici sehen und damit fühlen, ohne dass die Medicis jedes mal foltern mussten. Das nur, weil sie geschickt, meisterliche Wandmalereien in ihren Gebäuden einsetzten. Dadurch wusste man selbst als unwissender wo “Gott” sitzt. Nun, wenn das schon damals möglich war, warum sollte das heute in abgeänderter Form nicht mehr möglich sein? Ich bin nämlich der dezidierten Überzeugung, dass dies immer noch wirkt. Und wir haben diesbezüglich noch massiv viel mehr Medien zur Verfügung. Ich bin aber zuversichtlich, da wenn man dies weiss und sich damit beschäftigt, ist man eher gefeit; aber eben halt auch nicht immer. Mich betrifft das übrigens auch, rational, ist mir das vollkommen klar, aber ich bin halt auch nur ein Mensch mit Schwächen… dann kann es halt irrational werden. Aber solange man es ja merkt… wink
    Benno, die Trendwende fing eben genau in den 80ern an und ich bin froh, Eltern gehabt zu haben, die die 50ern in Italien erlebt haben – damit habe ich über meine Eltern das Äusserliche als grosszügiger erlebt. Ich meine, Anita Ekberg im Trevibrunnen würde heute als definitiv fett gelten, ganz zu schweigen von M. Monroe – damals, schwärmten Frauen wie Männer von diesen Kurven und konnten sich kaum einkriegen. Aber eine Audrey Hepburn war genauso begehrenswert, halt nur anders, aber sie durften sein, wie sie waren. wink
    Heute: Faltenfrei, straff, mit Biathlonkondition, perfekt und ebenmässig. Bis ins Grab. Wenn du’s nicht bist, dann bist du undiszipliniert, willenlos, faul. Bei Bewerbungen ist es ein Vorteil Sport zu betreiben übrigens, genau aus diesen Gründen. Wenn sie keines angeben, wir im Vorstellungsgespräch explizit nach Sport gefragt – mir die letzten paar Male passiert, da ich unter Hobbies nie Sport angebe, weil ich an und für sich keinen betreibe, ausser Kochen grin
    Wir sind uns durchaus einig Benno, und selbst wenn wir es uns nicht wären, ich finde dieses Thema immer verdammt spannend.

  • Réda Philippe El Arbi

    Ach Tomas, es ist NICHT irrelevant, ob man in der Öffentlichkeit steht oder nicht. Genausowenig, womit man sein Geld verdient. Ausserdem gehts ja nicht um die zwei Stunden Konzert, sondern um ihre die Botschaft, die ihr Auftreten in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit trägt. Zum Beispiel in der Casting-Show mit den höchsten Einschaltquoten. Aber du darfst gerne so tun, als ob die Medienauftritte von Nena niemanden beeinflussen, keine Rollenbilder schaffen und alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
    Und sich selbst treu bleiben? Gerade da kommt ja Nena in die Kritik. Ihr wird Heuchelei für die Kamera vorgeworfen. Und Botox ist sicher auch nicht für den inneren Frieden..

  • Tomas

    Die Welt nach Reda. Wie viel Botox darf es denn sein, damit der innere Frieden für Reda immer noch vorbildhaft bleibt? Und wie ist das jetzt mit dem hüpfen? der Reda weisst Rat. Macht nichts, dass es keinen interessiert, weil das Volk muss man erziehen, und wenn es gegen seinen Willen sein muss. Man muss ihm zeigen, was die richtigen Werte sind und wie dosiert sie sein dürfen wenn man in der Öffentlichkeit steht und vielleicht von jemandem gesehen wird. Jaja, da kann einiges schief gehen, falsche Idole können viel Schaden anrichten, wenn dem Volk jemand nicht rechtzeitig mit Rat zur Seite steht.

    Das kenne ich doch alles. Die kommunistische Propaganda hat in meinen Jugendjahren die dekadente westliche Kultur verboten, wir haben unsere Stones LP’s auf dem Schwarzmarkt gehandelt smile man schaut sich nur den Richards an, wie der aussieht, da hilft kein Botox mehr. Und mit dem Geld was der verdient, einfach Schande, und sowas will jetzt ein Idol sein? Nein, Freunde, nicht wenn Reda noch ein Wörtchen dazu sagen darf!

    man, jetzt weiss ich langsam, wie und warum ich so verdorben bin. Eine Jugend ohne Reda, und schon ist’s passiert.

  • Babette

    Nun ja, die sind doch alle Opfer der Schönheitsindustrie diese Stars. Nena sitzt in der Voice Kids Jury mit Maskengesicht und kann kaum noch richtig reden. Furchtbar!
    Aber wenn sie sich so schön findet..ihr Ding.

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