Clack

Nackte Tatsachen

Die Clack-Teilzeitprinzessin versteht nicht, dass sich andere junge Frauen nackt auf den Titelseiten der Boulevard-Presse präsentieren. Sie würde dasselbe nur für ein ganz bestimmtes Magazin tun...

Von Meret Steiger

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Ich gehöre zu einer sehr aufgeklärten und durchaus emanzipierten Generation, weiss aber auch meine Vorteile als Frau mit optisch sichtbaren Attributen absolut zu schätzen. Ich habe auch überhaupt kein Problem damit, wenn sich Frauen ausziehen, weil sie glauben, es verhelfe ihnen nach oben (auf der Karriereleiter, nicht was ihr denkt!). Muss ja schliesslich jede selbst wissen.

Aber was bewegt einem eigentlich dazu, sich für die erste Seite einer Boulevard-Zeitung auszuziehen? Was ist der Reiz daran, in der grössten Tageszeitung der Schweiz seine Titten auf der Titelseite zu haben? Dazu auch noch mit so unheimlich peinlichen Zitaten wie «Stefanie braucht‘s dreimal am Tag» oder «Serafina will ihren Papa stolz machen». Den Papa stolz machen? Echt jetzt?

Indem man sich der ganzen Schweiz und speziell den Stammtischen (und Papas Kumpels) nackt und pseudoverführerisch zeigt? Ernsthaft? Mein Papa würde mich vermutlich enterben und einiges dafür tun, dass seine Töfflikollegen diese Zeitung NICHT in die Hände bekommen. Jesses, und meine Mutter. Die wäre mindestens so entsetzt, wie wenn ich mit «Mama, ich bin schwanger» ankäme.

Was denken sich diese Weiber dabei? Ist ihnen denn nicht klar, dass sie da einfach verheizt werden? Und wie ist das, wenn die nachher wieder zur Arbeit gehen? Was hält Stefanies Chef eigentlich von der Unersättlichkeit seiner Angestellten? Was denken Melanies Arbeitskollegen darüber, dass die 19-jährige Konditorin immer einen Vibrator neben dem Bett liegen hat?

Und falls die Mädels nicht Singles sind: Was hält der Freund davon, dass jetzt auch SEIN Chef, seine Eltern, seine Kumpels, seine Exfreundin und überhaupt alle seine jetzige Liebe blutt und offenherzig sehen können? Und dann werden die armen Kerle auch noch in den Interviews erwähnt.

Ich finde schon, dass man über Sex offen sprechen können sollte. Aber man muss ja nicht unbedingt gerade vor Millionen von Lesern breitschlagen, was einem so antörnt und was nicht. Oder wo man gerne Sex hätte – die langweiligste Frage überhaupt. Da kommt «Im Auto», «Am Strand» und sonst irgendwo draussen, also nichts Besonderes. Und falls sie sagen «Im Büro», würde mich wiederum sehr interessieren, was denn der Vorgesetzte von dieser Idee hält.

Die Girls sind ein bisschen wie die Missen: Einmal Seite-1-Girl, immer Seite-1-Girl. Das wird sie noch lange verfolgen. Gut, lieber die Bilder verfolgen einen als die Online-Kommentare. Die sind ja zum Teil gruusig! Die ganz üblen werden vermutlich nicht freigeschaltet, aber ich find die, die es bis ins online schaffen, schon schlimm genug. «Du hast wunderschöne Brüste ganz tolle Figur würde dich gerne näher kennenlernen.» Und «So eine tolle Frau ohne Freund, da könnte ein Mann wie ich sicher Abhilfe schaffen». ARGH. Bloss nicht.

Ich würde mich übrigens nur für eine Zeitschrift ausziehen. Fürs  «Penthouse».

Meret Steiger, 21, Autorin, ist sowohl Mädchen als auch gestandene Frau und arbeitet zur Zeit bei Fernsehsender Tele Züri als Inputerin. Wenn sie nicht gerade in der Badewanne sitzt, ihre Schuhe zählt oder George Clooney anhimmelt, richtet si

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Teilzeitprinzessin


Kommentare

  • Tomas

    Ich vermute mal, dass die Mädchen einfach ein Tag lang “professionell” geschminkt, gestylt und fotografiert werden möchten, und dass sie auch irgendwie das Gefühl haben sich ein wenig zu den “IT Girls” und “Supermodels” zählen zu dürfen. Das die Bilder meistens schlecht, die Posen hölzern und das Publikum nicht gleich wie bem Pirelli Kalender ist merken sie wohl nie.
    Es würde mich interessieren, wie sehen sie es sagen wir mal ein Jahr später.

  • Tomas

    Hmm. Gleich für Penthouse? Also mit Pinkshots und so weiter? Echt jetzt?
    Normalerweise ist eher Playboy die Einstiegsdroge, mit den etwas dezenteren Richtlinien.

  • Tomas

    Ben G.: ich denke nicht, dass der Satz alles kaputt gemacht hat. Für mich ist der Wunsch sich stilvoll und schön fotografieren zu lassen legitim, und wenn es sich um eine junge Frau handelt, ist die erotische Komponente immer ein Teil der Geschichte.
    Nur eben, bei Erotik ist es häufig so, dass wenn man zuviel will, kommt das Gegenteil raus, wie man eben im Blick täglich erfahren kann.
    Ich habe schon lange den Penthouse nicht in den Händen gehalten, vermute aber als mit dem Thema bewanderter Fotograf aufgrund von früheren Sichtungen, dass sich sein Niveau relativ einfach steigern liesse.

  • Sandra Berner

    Eine mutige Kolumne! Aber: Ich verstehe nicht ganz, liebe Meret, was der Unterschied ist: ob man sich für den «Blick» auszieht oder für «Penthouse». Das hast du uns leider nicht erklärt. Ich bin mir nicht so sicher, ob die Betrachter von nackten Frauen, die Heftli guckenden Männer, diesen Unterschied auch machen…

  • Ben Gruner

    Dieser letzte Satz hat meines Erachtens die ganze Kolumne, die ich eigentlich sehr treffend und amüsant fand, kaputt gemacht. Nein, es gibt schlicht keinen Unterschied, ob frau’s nun im Penthouse oder im Blick macht. Meret ist eine junge, hübsche Frau mit Grips und Pep. Dass sie sich nach eigenen Angaben vorstellen kann, dich zur Projektionsfläche sexueller Fantasien wildfremder Männer degradieren zu lassen – und das notabene in einer Kolumne äussert, die genau das anprangert – finde ich sehr befremdlich und auch enttäuschend. Schade.

  • Meret

    Oh, das habe ich so ja wirklich gar nicht erklärt. Ich halte das Penthouse einfach für massiv stilvoller, es hat sozusagen einen besseren Ruf. Aber du hast wahrscheinlich recht: die, die sich die bilder ansehen interessierts mässig, wo die drin sind smile

  • Livtay

    Kein Unterschied ob man sich für’s Penthouse oder den Blick auszieht? Meint Ihr das ernst? Come on…

    Gute Kolumne!

  • @RaGl

    Muahahahaha….. Respect Meret – besonders dass du das Penthouse bevorzugst – da kann Playboy nicht gegenhalten…..

    Stimme absolut mit dir überein – was genau die motivation fuer den blick ist? keine ahnung…..  Und das leutz hier keinen unterschied zwischen den beiden publikationen sehen finde ich jetzt auch eher so undifferenziert….. Hallo?

  • Réda Philippe El Arbi

    So wie ich Meret verstanden habe, gehts nicht um Nacktbilder an sich, sondern um Stil, Setting und Qualität.

    Oder wäre ein gemalter Akt auch herabwürdigend?

  • Sohn des Mars

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Blick-Mädels es als einmaliges Erlebnis tun – für’s Erlebnis als solches, um Reaktionen zu erfahren (positiv wie negativ), als Mutprobe, als verlorene Wette… es kann so vieles dahinter stecken, dass ich es nicht ganz uninteressant finde, wie viele diese Frauen aus den naheliegenden Gründen einfach in eine bestimmte Kategorie abstempeln. Ihr Vorteil ist auch der – spätestens drei Blick-Girls später hat man sie meist wieder vergessen, und bestenfalls jene, die sie auch privat kennen, werden sie noch eine Weile lang darauf ansprechen. Und schon ist sie wieder eine gewöhnliche junge Frau, allerdings mit einer womöglich nicht ganz reizlosen Erfahrung, die so sicher nicht jede hat.
    Würde ich es tun, wenn ich eine Frau wäre? ich finde diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten, wie man(n – vielleicht auch frau) auf den ersten Blick annehmen möchte. Das hängt vermutlich von vielem ab, nicht zuletzt davon, ob ich mich selber sexy genug finde und es mich auch noch traue. Ob Blick oder Penthouse – für den Mut, den Schritt zu unternehmen, kommt es auf eins raus.
    Für die Frage, was daraus mal werden soll, vielleicht eher weniger.

  • Diana

    Genau diese Frage drängt sich mir jedes Mal auf, wenn ich die Blick Website sehe. Ich halte Hemmungslosigkeit bis zu einem gewissen Grad für eine Tugend, aber was daran toll sein soll, wenn die ganze Firma bis hin zum nächsten Handy-Verkäufer die Form meiner Brüste nicht mehr aus dem Kopf kriegt, werde ich wohl nie verstehen – muss ich aber glücklicherweise nicht, genausowenig wie ich verstehen muss, warum soviele Menschen all die Jammer-und-Deppen Soaps auf Privatsendern anschauen wink

  • Damn it..!

    Interessante Perspektive von einer jungen Frau: Die Autorin würde sich also auch ausziehen, ohne intellektuell gleich reflexartig in die feministisch korrekten Denkkategorien ihrer älteren Schwestern zu fallen! Ja, eine Frau kann sich durchaus pudelwohl dabei fühlen, nackt zu posieren! Und sie tut das sogar freiwillig, ohne jeden patriarchalen Druck- wer hätte das gedacht!? Dass die Posiererei an einen ökonomisch motivierten Mehrwertgedanken gekoppelt ist, verwundert eigentlich nicht: Auch auf anderen Gebieten- der Partnerwahl zum Beispiel- werden weibliche Entscheide unter anderem von rationalen Erwägungen beeinflusst. Langsam galube ich, dass der ganze postmoderne Hokuspokus, der unsere Geister in den letzten 10, 20 Jahren so stark geprägt hat, langsam wieder einer “natürlichen” Ordnung weicht. Dass Männer und Frauen heute gleichermassen Wahlfreiheit geniessen, und eigentlich tun und lassen können, was sie wollen, dürfte den aktuell in Norwegen beobachteten Nebeneffekt zur Folge haben, dass sich paradoxerweise längst überwunden geglaubte Verhaltensweisen und Unterschiede zwischen den Geschlechtern noch zusätzlich akzentuieren, wie in dieser aufsehenerregenden TV-Dokumentation aufgezeigt wird:

    http://www.dijg.de/blog/gender-mainstreaming/gehirnwasche-statt-wissenschaft-92

    Ich kann interessierten nur empfeheln, sämtliche Teile dieser norwegischen Serie mit englischen Untertiteln zu schauen. Es gibt sie übrigens auch in deutscher Übersetzung. Von der anschliessenden, auf breiter, gesellschaftlicher Ebene geführten Debatte rund um die Genderwissenschaften (und der darauf erfolgten Schliessung des Nordic Gender Institute (NIKK) zum 31.12.2011) habe ich in deutschsprachigen Medien bemerkenswerterweise noch nie etwas gelesen, gehört oder gesehen…

  • dr.Cocteau

    <Und falls sie sagen «Im Büro», würde mich wiederum sehr interessieren, was denn der Vorgesetzte von dieser Idee hält.>  Ganz einfach, es ist mit dem Vorgesetzten (Karriereleiter)

  • Batman

    Durch schwiiizerdütsche Input eine durchaus gelungene, sympathische und herzliche Kolumne über etwas, was wir jeden Tag sehen und denken.
    Zum Glück sind nicht alle Menschen faul und es gibt noch diejenigen Menschen die ihre Meinung mit anderen teilen smile

  • Tomas

    Die Schliessung des Nordic Gender Institute wurde in einer der letzten Ausgaben der Weltwoche thematisiert, im Zusammenhang mit der Quotenfrau- Debatte und mit den Bemühungen um Lohngleichheit.

  • Satyrography.com

    Die Fotos vom Blick sind langweilig abfotografierter Müll.
    Die “Models” stehen da wie Kartoffelsäcke, die Bilder sind lieblos und flau.

    Ich bin Fotograf, mich interessiert es einen müden Dreck was der Freund über die Fotos denkt, die ich mache. smile
    Denn ich gebe mir im Gegensatz zu den Blick-Knipsern etwas mehr Mühe.
    Zudem haben die Mädels einen eigenen Willen, die können selber entscheiden. wink

  • mira

    Ich denke, es ist Langeweile und fehlender Sinn, welcher Frauen veranlasst, sowas zu tun. Wer ein interessantes, erfülltes Leben hat, kommt gar nicht auf so eine Idee.

  • Ameh

    :Deswegen fing vor ein paar Jahren auch die blf6de lange-Haare-Manie bei den Fudfballerinnen an.. Plf6tzlich hatten alle lange Haare. Denn: kurze Haare – lescisbh, lange Haare – hetero.  Oh ja, diesen Beweis kenne ich gut Du kannst doch gar nicht lescisbh sein, Du hast doch lange Haare Mal ist es zum Grinsen, mal zum HeulenIch habe Deine Blogs eben unter BlogLes verlinkt. Wir wollen hier ja lescisbhe Blogs sammeln   Nele

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