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Nackte Männer in Wien

Unten ohne sorgt in Wien für eine heisse Debatte. Unzensiert zu sehen sind die Nackten nur im Museum. Bei den Plakaten wurde das beste Stück überklebt.

Von Clack-Team

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Es gibt einige Gründe nach Wien zu fahren, einer ist die eben eröffnete Ausstellung «nackte Männer. von 1800 bis heute» im Leopold Museum. Schon vor der Eröffnung hatten die Plakate, die ein Werk des französischen Künstlerpaares Pierre & Gilles aus dem Jahr 2006 zeigen, für heisse Köpfe gesorgt. Wenige Tage nach dem Aushang der Plakate, hat sich das Museum aufgrund der zahlreichen Beschwerden zu einer Überklebung der besten Stücke entschlossen.  

Ein kleiner kalkulierter Skandal zum Start der Ausstellung? Die Co-Kuratorin Elisabth Leopold räumt gegenüber dem Kurier ein, dass sie die Aufregung nicht komplett überraschte. Allerdings begründet sie dies damit, dass das Plakat von Pierre & Gilles Männer zeigt, deren Gesichter über wenig Aussagekraft verfügten: «Ich glaube, dass sich im Körper des Menschen sein Geist ausdrückt. Wenn ich also einen Menschen mit seinem völligen Geschlecht darstelle, dann ist es sozusagen schlimm, wenn das Gesicht vollkommen ohne jeden Geist ist. Denn dann konzentriert sich die Aufmerksamkeit nur auf das Geschlecht.»

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Darstellung nackter Männer sehr häufig eine homoerotische Komponente hat und selten ein rein sinnliches Vergnügen ist.  Während der weibliche Körper in der westlichen Kunst seit eh und je als begehrenswert und schön gefeiert wird, gehen die Meinungen bei der Darstellung nackter Männer auseinander. Im Vatikan wurden die Geschlechtsteile der Skulpturen in der Regel abgedeckt. Und selbst Michaelangelos David wurde vor Jahren in London mit einem Feigenblatt bestückt, weil sich Queen Victoria beim Anblick entsetzt zeigte.

Gerecht wird das Entsetzen der Aufregung jedoch nicht. Ihr geht es nicht um Skandale, sondern um die Männernbilder über die letzten zwei Jahrhunderte. Dafür wurden rund 300 Werke aus der westlichen Welt nach Wien gebracht, die allesamt nackte Männer zeigen. Das geht von schwülstigen Fotografien, verstörende Selbstporträts über ironische Darstellungen und Plastiken.

Es sind längst nicht nur die Frauen, die den nackten Männern huldigen, das wird in der Ausstellung ebenfalls deutlich. Künstler wie Andy Warhol haben ihre sexuellen Fantasien in Kunst ausgedrückt oder sie erkunden wie Urs Lüthi ihre Geschlechtsidentität in Selbstporträts. In der Ausstellung in Wien werden zahlreiche Werke von Männern gezeigt, mit erotischem und ironischem Blick auf den eigenen Körper. In einem groß angelegten Bogen über zwei Jahrhunderte thematisiert die Ausstellung unterschiedliche künstlerische Zugänge, konkurrierende Männlichkeitsmodelle und den Wandel von Körper-, Schönheits- und Wertvorstellungen.

Ob die Darstellung von nackten Männern nun erotisch ist oder nicht, das bleibt dem Auge der Betrachtenden überlassen. Interessant sind sie allemal.

Die Ausstellung im Leopold Museum wird noch bis am 28. Januar 2013 gezeigt.

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Fotografie Kunst Männer