Clack

Mehr Schein als heilig?

Das Magazin «Newsweek» zelebriert Barack Obamas Befürwortung der Homo-Ehe auf seinem aktuellen Cover mit dem Titel «The first Gay President». Möglich, dass sich da einige Leute zu früh freuen.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

Twittern

1 von 6

«Newsweek» zeigt Präsident Barack Obama mit Heiligenblick und -schein. Für die Schwulen und Lesben der Vereinigten Staaten hat er wahrscheinlich tatsächlich etwas von einem Heiligen. Als Barack Obama letzte Woche ankündigte, die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren zu unterstützen, atmeten viele auf. Endlich soll es eine Gegenbewegung gegen all die wieder entfachte Diskriminierung geben. Denn im Wahljahr 2012 ist das Thema Homosexualität dank religiöser und konservativer Republikaner aktueller denn je. Neue Gesetze wollen zum Beispiel die Thematisierung gleichgeschlechtlicher Liebe im Unterricht verbieten und Elternvereinigungen verlangen, die Schulen sollen eine «Ex-Gay-Therapie» einführen. Mitt Romney macht seit Wochen Schlagzeilen mit seinen Hänseleien in der Schule. Wen er hänselte? Schwule Mitschüler, von denen er behauptete, die gehörten nicht in eine Schule wie die seine.

Andrew Sullivan nimmt im «Newsweek» Obamas Ankündigung also zum Anlass, um über die Bedeutung einer Minderheit zu sprechen. Denn der Präsident könne sich gut mit der Gay-Community identifizieren. Als junger Mensch hätte er sich mit seiner schwarzen Identität innerhalb einer weissen Familie auseinandersetzen und Vorurteile bekämpfen müssen. Ähnlich, wie es junge Homosexuelle in ihrer meist heterosexuellen Umgebung täten. Deshalb sei seine offizielle Unterstützung auch derart bedeutungsvoll, so Sullivan. Für junge Homosexuelle sei es einfach nur beruhigend zu wissen, dass sie ihren Präsidenten auf ihrer Seite haben. Und den Zweiflern sage er auf diesem Weg, sie könnten ihre Angst vor Unbekanntem endlich loslassen.

Auch um einen politischen Schachzug gehe es ihm nicht, meint Sullivan, sonst hätte er wohl kaum eine solche Aussage gewagt, an der er sich für viele Wähle die Finger verbrennen könne. «Er ist dazu entschlossen, die politischen Würfel so fallen zu lassen, wie sie eben fallen werden. Das ist der „Change“, in den wir geglaubt haben», schreibt der Journalist in seinem Leitartikel enthusiastisch.

Fast mehr als dessen Aussage gibt jedoch das Magazin-Cover zu sprechen. Tina Brown, Chefredakteurin des Magazins ist nämlich für ihre kontroversen Titelblätter bekannt, was im Vorfeld ein paar Photoshop-Künstler dazu bewegt hatte, ihr Bild-Vorschläge zu unterbreiten. (Siehe unsere Bildstrecke oben.)

Wichtiger als die visuelle Umsetzung ist jedoch der Inhalt des Heftes. Und Sullivans schönes – wenn auch vielleicht naives – Fazit im Hinblick auf die sonst betriebene Politik der Machthungrigen dieser Welt: «Meine politische Sicht ist, dass dies Obama helfen wird. Er schaut in die Zukunft der jungen Generation, während seine Gegner an die Vergangeheit appellieren. Je klarer die Aussagen, desto wahrscheinlicher sein Sieg.» Im November wird sich zeigen, was Obamas gewagte Unterstützung der Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen gebracht hat. Oder ob sie ihm geschadet hat.


Twittern
Barack Obama Ehe Homosexualität Politik Wahlen USA