Clack

Mann, wir schultern das!

Es klappt einfach nicht so recht mit der Gleichstellung in der Wirtschaft, und schuld daran sind gemäss «Die Zeit» die Frauen selbst. Die wollen nämlich gar nicht. Nicht einmal jetzt, wo man sie doch will. Also: Frauen an die Säcke – oder?

Von Nicole Althaus

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Eine Frau schultert in der neusten Ausgabe von «Die Zeit» auf einem Bild die Stahlkugel, an die sie gefesselt ist: Es ist die Bürde von Haushalt und Kindern. Und doch trägt sie damit nicht genug: Sie soll, so schreibt Wirtschaftsautorin Olivia Kühni, jetzt endlich anfangen, auch die Arbeit und Verantwortung, die eine Spitzenposition mit sich bringt, zu schultern. Denn mittlerweile wollen sie ja alle, die Frauen: die CEOs, die Personalverantwortlichen, die Headhunter. Nur die Frauen wollen nicht!

Wenn es nicht vorangeht mit der Gleichstellung, sind also die Frauen selber schuld. Eine Haltung, die in letzter Zeit in Mode gekommen ist. Bascha Mika hat einen ganzen Bestseller darauf aufgebaut. Eine Haltung, die berechtigt scheint. Schliesslich hat die Politik doch jetzt genug Krippenplätze eingerichtet, schliesslich hat sie die Schulen gezwungen, Mittagstische anzubieten. Schliesslich hat auch die Wirtschaft begriffen, dass Frauen nicht nur Kaffee kochen können, man ist sich in der Teppichetage und ganz unter Männern sogar darüber einig, dass ohne Frauen die Konkurrenzfähigkeit in Zukunft gefährdet sein könnte.

Die schwarze Petra?

Alle also, so scheint es, tun alles dafür, den Frauen den Weg zu ebnen. Nur die Frauen haben das offenbar noch nicht gemerkt. Oder sie haben Angst vor der Macht. Oder sie ziehen sich lieber ins Kinderzimmer zurück.

Das mag sogar stimmen. Frauen müssen tatsächlich lernen, dass auch Männer Respekt vor Führungsaufgaben haben, aber sie trotzdem übernehmen. Es stimmt aber auch, dass in den Chefetagen Reflexe herrschen, die genau so dringend überwunden werden müssen, wie der weibliche Reflex des Rückzugs in die Familie. Der Reflex etwa, dass Familie automatisch einen Klotz am Bein der Frau darstellt und deshalb Schwangere automatisch von der Karriereliste gestrichen werden. Der Reflex auch, dass Führung in Teilzeit (und hier sind nicht die Vierzig- und Fünfzigprozent-Pensen gemeint) gar nicht möglich ist. Und: Der Reflex, dass man mit ein bisschen Home-Office-Day-Einrichten schon frauen- und familienfreundlich ist und sich deshalb im Chefsessel zurücklehnen darf.

Stellen wir uns einmal vor, die Politik und die Wirtschaft hätte ein anderes Managementziel so lange und so deutlich verfehlt wie die Gleichberechtigung – was würde passieren? Es würden vielleicht Köpfe rollen. Sicher aber würde ernsthaft untersucht, ob man die richtigen Schlussfolgerungen aus der richtigen Problemanalyse gezogen hat. Und man würde das Steuer wenn nötig sofort rumreissen. In Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter aber bequemt man sich seit Jahrzehnten, die immer gleichen Forderungen zu wiederholen: mehr Krippen, mehr qualifizierte Teilzeitstellen. Und das, obwohl nichts passiert.

Frauen sind wie Flaschen…

Daran sind auch die Frauen schuld, aber nicht nur. Bisher war einfach der Druck nicht gross genug. Es ging, um es ganz plakativ zu sagen, den Frauen wie den Flaschen aus Glas: Die wurden auch erst beachtet und gesammelt, als man dafür Geld bekommen hat. Und noch etwas: Gleichstellung ist eben etwas anderes als Gleichschaltung. Sie funktioniert, wie wir in den letzten 40 Jahren beobachten durften, nicht, in dem man Frauen in einem männlich geprägten System männlich geprägtes Handeln und Verhalten anerzieht. Weil in den Glashäusern der Wirtschaft nicht nur das Verhalten zählt sondern auch die Umstände: Genau dann etwa, wenn Männer die Karriereleiter erklimmen, bekommen Frauen Kinder. Das ist bloss ein Beweis unter vielen.

Ein anderer Umstand, der fast immer einem Geschlecht zugute kommt, ist die Tatsache, dass Unterstützung und Hilfe braucht, wer Karriere und Familie unter einen Hut bringen will: Erfolgreiche Männer haben meist eine Frau zu Hause, die ihnen alles, zumindest aber vieles abnimmt.

Erfolgreiche Frauen übrigens haben das auch: Sie haben einen Partner zuhause, der nicht nur das Bett teilt, sondern auch die Familienpflichten, wie Clack soeben wieder mal gezeigt hat. Nur ist die Zahl der erfolgreichen Mütter viel, viel, viel kleiner. Mit anderen Worten: Die verschwindend wenigen Frauen, welche die Last an der Spitze schultern, haben einen der äusserst seltenen Männer geangelt, welche die Last zuhause schon schultern!

Diese Gleichung lassen wir hier einfach mal stehen. Und warten gespannt auf einen ähnlich ernsten und engagierten Aufruf an die Männer.

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Feminismus


Kommentare

  • Carl

    Entweder arbeitest du in einem langweiligen miesbezahlten Job als Sekretärin in einem Grossraumbüro wo du repetitiven Arbeitsschritten nachgehst, oder du wirst Hausfrau, teilst dir die Zeit so ein wie dir grad lustig ist und hast für den Rest deines Lebens ausgesorgt.
    Erst wenn man den Frauen das Privileg der Unterhaltszahlung wegnehmen würde, müssten wir Männer uns wirklich warm anziehen.

  • Nelly

    Immer diese Mär der Unterhaltszahlungen! Ich kenne mittlerweile fast keine Frau mehr, die etwas für ihren eigenen Unterhalt vom Ex erhält. Die meisten bezahlen für die Kinder und Frau muss arbeiten gehen. Ob das besser ist, lässt sich nur im Einzelfall sagen.

    Zu den Frauen in Kaderstellen: Wer nicht will, soll nicht müssen. Das gilt aber auch für Männer. Niemand schreibt den Männern vor, dass sie unbedingt einen Chefposten nehmen sollen, wenn sie lieber Teilzeit arbeiten und Hobby-Gärtnern. Ihr Image leidet zwar mehr, als das der Frau, aber wir sind ja alles Erwachsene, die eigene Entscheidungen treffen.

    Interessant finde ich die Haltung der Unternehmen: Erst wollen sie keine Frauen, nun sind die Frauen faule Säcke, die keine Ambitionen haben? Tja, meine Herren, jetzt müssen Sie sich mal in Geduld üben, wir tun es seit Jahren!

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