Clack

Mann o Mann, o Schweizer Mann!

Wie ist der Schweizer Mann? Ein bisschen Bergler, ein bisschen Banker – und wer ihn verführen will, muss ihm an die Wäsche. «Die Zeit» sieht im Homo Helveticus viel Gutes, aber wenig Kerl. Clack weiss es besser.

Von Clack-Team

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Es ist ihnen sicher auch schon aufgefallen: Der Mann hat sich in diesem Land unlängst in sein Reduit zurückgezogen, in die Trutzburg seines Geschlechts (die Antifeministen kennen den Weg), ins Jammertal der Männlichkeit (bekanntester Gastgeber vor Ort: Männerforscher Walter Hollstein). Dort leckt er seine Wunden.

Kein Wunder – er wird ja auch dauernd angeschossen: Von der Statistik, die ihn zum Trinker und Raucher stempelt, die voraussagt, dass jeder zweite Mann mit Übergewicht zu kämpfen hat oder dass die Chancen gut stehen, dass er an einem Herzinfarkt oder Hirnschlag stirbt. Und zwar um einiges früher als seine Frau, Freundin, Nachbarin oder die Ex-Geliebte, die ihn betrogen hat. Er wird gepiesackt von Frauen, die es satt haben, sich mit den Brosamen abzufinden, die von seinem Tisch fallen oder gar diese für ihn wegzuwischen.

Ja, er  fühlt sich in die Ecke gedrängt von den Alpha-Mädchen, neben denen er zwar die Schulbank gedrückt hat, die er damals ignorieren konnte, die aber nun um denselben Job buhlen. Und er ist verunsichert von der Ankunft der Pornografie im gesellschaftlichen Mainstream – so zumindest sieht es Soziologe Martin Schoch in der neuen Ausgabe von «Die Zeit»: «Was Pornos zeigen, kann ein Mann mit seinem Schnäbi privat kaum ausleben.»

Das Käfeli – ein einziger Flirt

Die Konsequenz? Die können Sie jetzt detailliert in «Die Zeit» nachlesen (online nicht verfügbar). Hier eine Kurzzusammenfassung: Wer einen Schweizer Mann erobern will, muss ihm an die Wäsche – so Regisseurin und Autorin Güzin Kar. Denn er selbst rührt keinen Finger, und jeder Flirt endet im Vorschlag, gemeinsam «es Käfeli» zu trinken. Und wer den Schweizer Mann kennenlernen will, tut gut daran, ihn erst förmlich zu begrüssen – so sieht es Diccon Bewes, ein britische Reisebuch-Autor und Blogger. Denn ansonsten sei man abgeschrieben: Der Homo Helveticus sei schliesslich schüchtern und misstrauisch und brauche einfach viel, viel Zuwendung.

Aber wenn man richtig in den Schweizer investiere, dann lerne man einen «netten, bescheidenen und höflichen Gentleman» kennen, der «direkt von seiner Mutter zu seiner Freundin zieht und den perfekten Vater und Ehemann gibt, solange er das Sagen hat».

Na – liebe Schweizer Männer: Rührt sich Widerspruch? Greifen Sie wenigstens verbal zur Armbrust wie weiland Wilhelm Tell und konzentrieren sich auf den Schuss der Schüsse? Oder ist ihnen egal, was die anderen über sie denken und schreiben? Es wäre ganz so, wie Güzin Kar es voraussagt: «Ich würde mich nie getrauen in einer Bar in Rom über die miserablen Liebhaberqualitäten der Einheimischen zu referieren. In Zürich geht das.»

Nun – wir bei Clack haben da jedenfalls ein paar Einwände. Schliesslich gibt es viel Platz für Widerspruch bei einem Typus, den es in 3,5 Millionen Versionen gibt. Und schliesslich sind wir mit der angeschossenen Spezies verwandt, verschwistert, verbrüdert oder verheiratet. Und die eine oder andere von uns Frauen ist gar in einen Homo Helveticus verliebt. Das ist nämlich gar nicht so verdammt abwegig, wenn man folgendes weiss:

  • Der Schweizer Mann zieht Frauen auf der Strasse selten aus, auch nicht mit den Augen, das stimmt. Und gewiss sind auch seine Flirtversuche selten hollywoodreif. Nicht etwa weil der Feminismus ihn entmannt hat. Sondern im Gegenteil, weil er aus 40 Jahren Emanzipation gelernt hat: Frauen mögen Hollywood – aber erst, nachdem man ihnen gesagt hat, wie klug sie sind.  Also: Zuerst wird bei einem Käfeli oder gar einem Latte Macchiato über Kleists «Die Marquise von O» diskutiert, dann … Das müssen viele Herren in den Römer Bars erst lernen.
  • A propos Latte Macchiato: Es stimmt, der Homo Helveticus stellt seine Männlichkeit nicht aus. Er steht mehr auf Understatement statt Schnauzer (wie Güzin Kar am Detail bemerkt). Doch warum? Hat er vielleicht Penisprotesen weniger nötig als seine Geschlechtskollegen anderer Nationen? Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass der Schweizer Mann weniger homophob sei, wie ein ausländischer Freund kürzlich bemerkte. Jedenfalls, so der Freund, sei die Schweiz das einzige Land, in dem ein Hetero-Mann Jackett und Schal tragen könne und sich getraue, auch in der Öffentlichkeit – was zu trinken? Einen Latte Macchiato.
  • Der Schweizer Mann ist im Bett so gut wie im Fussball. Nein, das ist keine Beleidigung. Bei den Frauen anderer Nationen heisst es nämlich: Wäre er doch im Bett nur halb so aktiv wie beim Football-Schauen (Amerika).  Oder: Er dribbelt in Worten viel geschickter als auf dem Feld (Italien).
  • Es ist tatsächlich so: Der Homo Helveticus kann es nicht leiden, wenn über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Er kuscht – und hier erlauben wir uns eine kleine Retourkutsche an die Adresse der «Zeit»: anders als der Deutsche – nur, wenn es keinen anderen Ausweg  gibt. Schliesslich hat er von Kindsbeinen an gelernt, dass das Volk sich in der Schweiz einmischt. Er will also befragt werden, der Schweizer Mann – aber er kann ganz gut damit leben, wenn er überstimmt wird. Ein nicht zu unterschätzender Charakterzug für eine langfristige Beziehung mit ihm.

Und zu guter Letzt: Der Schweizer Mann ist nicht zum erfolgreichsten Verwalter und Vermehrer ausländischen Reichtums avanciert, weil er sein Herz auf der Zunge trägt. Oder seine Libido überallhin. Manchmal ist er stumm, verstockt und unberührbar wie das Bankgeheimnis. Aber wir versprechen Ihnen: Er lässt sich mit sehr viel weniger Aufwand knacken als jenes. Und meist stellt sich tatsächlich heraus, dass da viel Heimlifeisses ans Licht kommt.

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Kommentare

  • mira

    Ich glaube nicht, dass das Modell CH-Mann vom Aussterben bedroht ist. Denn es gibt genügend Frauen, die genau auf das stehen und auch heiraten. Die Schweizerinnen sind da den Männern sehr ähnlich…

  • Karl Bolliger

    Ich pflichte Ihnen bei, mira, meine russische Kollegin meint jedoch, für ihre Landsfrauen seien CH-Männer zuwenig eifersüchtig und wenn er dauernd kein Problem damit habe, dass sie ohne ihn ausgehe, schätze sie ihn als uninteressiert ein und habe bald mal einen Lover… Und solche kulturellen Differenz zu kennen ist wichtig, weil Schweizer und Schweizerinnen verpaaren sich in der Regel nicht untereinander, scheint irgendwie ein inzestuöses Tabu zu sein   wink

  • Maximilian Morgenstern

    Sind Schweizer Frauen da wirklich urteilsfähig, Frau Althaus? Schweizer Frauen, ist meine Erfahrung, sind im Bett eher wie die Appenzellerinnen auf der politischen Bühne: Spät selbstständig und eigeninitiativ. Aber Frauen beginnen sich ja allgemein erst seit ca 20 Jahren sexuell zu entwickeln. Diese Tatsache wird sehr schön in den “Vagina – Monologen” von Eve Ensler ausgeführt, die ja auch weltweit auf den Theaterbühnen erfolgreich aufgeführt wurden.

  • xyxyxy

    wer sagts denn: CH-Männer sind doch die Besten. Das wussten wir schon immer. Denn trotz unseres Understatements, sind wir uns unserer Qualitäten sehr wohl bewusst und belächeln die Schnauzer, die in ihrer ihnen unbewussten Unsicherheit auf Mann machen müssen.

  • Dante Aligheri

    Was weiss denn die norddeutsche “ZEIT” aus Hamburg
    ueber uns “Suedlaender” … wink

  • Hans Meier

    Was für eine selten niveaulose und sinnfreie Diskussion.

  • Mann mit Frauenprofilbildli

    “Der Schweizer Mann zieht Frauen auf der Strasse selten aus, auch nicht mit den Augen, das stimmt.”

    Althaus und Kar gehören verslutwalked!!!

  • mira

    @Karl Bolliger
    Ich selber hab auch keinen Schweizer geheiratet. Die grosse Mehrzahl der Schweizerinnen tut dies aber. Und, die Scheidungsrate dieser Päärchen ist geringer, als bei gemischten…. Gerade wenn so kulturelle Dinge wie bei Ihrer russischen Kollegin reinspielen, wird es schwierig. Was für sie normal ist, ist für uns einfach nur dumm.

  • Schweizer Mann

    Ich denke sie haben völlig recht. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Frauen respektieren. Und wieso muss jeder Tag wahnsinnig spannend sein? Ein Kollege von mir hat mal gesagt: “Wämmer nüt z säge hät so söll mer doch eifach mal d Frässi hebe”.

  • Walter Bär

    … was für ein Nonsens, dieser Artikel

  • Urs Brechbühl

    Da werden mit vielen Klischees wieder ein paar feministische Märchen erfunden. Nur soviel. Das Jammern kommt seit Jahren von feministischen Kreisen um egoistisch mehr zu fordern auf Kosten von Väter und Männer. Das Jammern der Männer hat noch gar nicht begonnen. Männer haben Angst sich für Gleichberechtigung einzusetzen. Die feministische Ideologie schaffte ein Klima von Angst und Gewalt.

  • Christoph Hofstetter

    Toller Artikel: einige treffende Aussagen und viele Schmunzler wink Schlussendlich gibt es halt einfach 3.5 Millionen Typen “Mann” diesem Land… und die Frau die da nichts passendes findet ist selber Schuld.

  • Schwiizer Maitli

    Ich habe von Schweden bis Spanien, von Irland bis Griechenland nach dem Mann meiner Träume gesucht – bis mir bewusst wurde, dass nur Schweizer Qualität mich glücklich machen kann!

  • Zürcher

    Ich kenne einige Deutsche, Frauen wie Männer. Die Männer beklagen sich, wie schwer sie es haben Schweizerinnen kennenzulernen. Die Frauen hingegen schwärmen von der Art wie die Schweizer Männer sie behandeln. Sie fühlen sich als Frau und nicht als Ware. Emanzipierte Männer müssen sich nicht hinter Phallussymbolen verstecken. Ich als Schweizer Mann fühle mich geehrt über dieses Lob. Ich habe auch schon Aussagen in dieser Richtung von einigen Frauen gehört. Aber es ist schon so, Frau muss sich zuerst mit unseren Umgangsformen bekannt machen. Zu schnell werden diese falsch interpretiert. (Frauenversteher, Weichei…)

  • Eremit

    Ein witzig geschriebener Text, wenn auch manche Strassenausdrücke eher passend sind für eine Blick-Reporterin. Die Wortgewandtheit hat hingegen seinen Preis. Es gibt z.B. nicht 3.5 Mio. Schweizer, sondern 2.9 Mio. (http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/02/blank/data/01.Document.67175.xls)

    Am Beispiel mit der Bar in Rom sieht man wie “kastriert” der Schweizer von heute schon ist. Und auf eine Art ist das auch gut so. Wenn es eine Gesellschaft (hier Nationalität) mit bestimmten kulturellen Entwicklungen (z.B. Ego-Kultur) übertreibt dann ist es nur eine Frage der Zeit bis diese Gesellschaft durch eine andere Gesellschaft ersetzt wird. Jedes verhindern das Aus dieser Gesellschaft verzögert das Ende nur auf eine schmerzvolle Art. So gesehen ist es gut, wenn Schweizerinnen lieber mit Ausländer zusammen sind und ein Abenteuer erleben als sich mit dem langweiligen Nachbarn abzugeben. Wobei, wenn man die Zahlen des Bundesamtes für Statistik betrachtet, dann haben hier lebende Schweizerinnen scheinbar eher “null Bock auf Ehe” als Ausländerinnen, egal ob mit Schweizer oder Ausländer. Das könnte auch erklären warum hier lebende Schweizerinnen eine markant tiefere Geburtenquote an den Tag legen als hier lebende Ausländerinnen.

    Flirten mit einer fremden Frau heute auf der Strasse ist Tabu. Sonst riskiert man dank des Neo-Feminismus, der nur am Rand etwas mit feminin-sein zu tun hat, den Titel Glotzer, Spanner, Stalker, Rammler usw. Daher scheint es das vernünftigste zu sein zuerst förmlich für ein Cafe in einem Restaurant einzuladen und dann dort heraus zu finden ob Frau bezüglich Familie, Kinder, Erziehung, Finanzpolitik, Wirtschaft usw. auf der selben Wellenlänge ist. Erst danach kommt das Flirten und Kinderzeugen. Früher war es einfacher, da galt noch die Regel “kein Sex vor der Ehe”.

  • Martin Cesna

    Der Artikel ist ja süss, aber auch (denk es dir selber!). Musste es die aus meiner Sicht beste Schweizer Satirikerin mit türkischen Wurzeln sein, um einen Artikel über Schweizer Männer zu schreiben? Keine Original-Schweizerin dafür gefunden mit 100 Jahre Ahnengalerie in der Schweiz? Auch niemand bei der SVP dafür gefunden? Auch Heidi schon ausgewandert? Selbst die alte Helvetia guckt von einer Basler Brücke ja schon sehnsüchtig den Rhein hinunter.
    Mit türkischen Männern dürfte der Schweizer Mann ja nun nicht vergleichbar sein, das weiss auch Frau Kar.
    So bleibt es dann dem unbekannten Wesen “Frau” überlassen, welchen Typ sie bevorzugt.

  • pascal

    Hurra hurra wir schweizer männer sind da… haha, wir sind ein durchmischtes volk und reine schweizer sind minderheiten sag ich mal salopp, ich auf jeden fall hatte nie probleme frauen kennenzulernen egal welche nationalität, meine jetzige freundin ist halb deutsch halb persisch und in asien aufgewachsen… soviel zum thema cosmopolit, ich denke wir sind mitten in dem globalisierungschaos angelangt was beziehungen betrifft und das ist nicht nur bei uns so sondern weltweit der fall. damit meine ich die konflikte zwischen mann und frau allgemein, sei es nun physisch oder psychisch, andere kulturen andere themen halt. Als liebhaber hatte ich nie probleme und hoffe dies bleibt so. klar waren klischees vorhanden bei deutschen und österreichischen frauen, eher so dass wir verklemmt seien aber ich völlig das gegenteil darstelle… obwohl katholisch und so aber ich denke ich kann mich selbst annehmen wie ich bin auch wenn frauen das nicht verstehen und ich bleib mir selbst immer treu somit habe ich für solche umfragen auch kein grosses verständnis, wieviele, welche persönliche erfahrungen haben (auch einseitige) können hier wirklich differenziert stellung nehmen? Jeder wie er kann egal ob Schweizer oder nicht, ich sehe das sehr in einem cosmopoliten zusammenhang, die wandlung zur hightech gesellschaft auch beziehungstechnisch. wieviel zuneigung (verbal) oder sex wird denn wirklich noch praktiziert? eben… ich habe viele bekannt in meinem umkreis welche jahrelange durststrecken in einer “funktionierenden” beziehung haben, also liegt es ja nicht unbedingt an den männern, ich frage mich wo bleibt die lust? ja eben immer verschieden mal hat sie keine lust mal er, aber lust kann man auch ankurbeln oder abwürgen es muss respektierlich bleiben und öffen und zulassen könne, sonst funktionerts nicht, auch hier egal wo auf dieser welt dies stattfindet. Wir sind daran uns neu zu finden und dies ist ein längerer prozess zwischen mann und frau, schlussendlich zwischen yin und yang. ADIEE

  • ein mann

    langweiliger artikel. da werden klischees über nationalitäten und aktualitäten auf individuen heruntergebrochen…wirkt etwas fascho…so im sinne von “volks-charakter”. meiner einer hat schon soviel spass mit männern gehabt…egal ob engländer, franzosen, spanier, deutsche, israelis…es gibt überall bünzlis oder schweine-geile typen! let’s have fun!

  • Joseph

    Manche Männer bemühen sich lebenslang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen z.B. der Relativitätstheorie.

    Albert Einstein

  • PlainCitizen

    Wir sagen nicht “Ich liebe dich” sondern “Ich ha di gern” .  Ich denke, das fasst es zusammen: Unnderstatement, ernsthaft und unaufdringlich. Abschleppen ist uin mal nicht der Sinn des Lebens. Ein gutes Gespräch ist allemal wichtiger und führt, wenn’stimmt, zu dem, was stimmt.

  • Marina Catarina

    Der Feminismus hat nie das Flirten verboten, auch will der Feminismus der Mann nicht entmannen.
    Das Problem hier ist kulturell; “unflirtig” und verklemmt kombiniert mit altvätterischer machomentalität macht ein Schweizer Mann nicht attraktiv.

  • Hampi

    Habe mich schon seit langem nicht mehr mit einem Artikel so amüsiert. Spitze!

  • Irene

    Die Schweizer-Männer sind einfach wunderbar grin Super Artikel!

  • Indigo

    3.5 millionen homo helveticus? Träumt weiter.allein seit 1950 strömten 5.5 millionen immigranten in die schweiz.(quelle bundesamt für statistik).gut zu wissen.

  • Jorge

    OMG

    WTF

    STFU

    GTFO

    ^^

  • Türkin

    so simple wink

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