Clack

Mamas Muskeln

Sportliche Mütter sind ganz offenbar eine Provokation. Vor allem für nicht so starke Frauen.

Von Marie Dové

Twittern

1 von 3

Maria Kang ist nun berühmt. Aber glücklich ist sie nicht. Vielmehr hat die 32-jährige Mutter von drei Kindern sehr unangenehme Tage hinter sich.

Alles begann damit, dass Kang, eine leidenschaftliche Sportlerin und Profi-Fitness-Instruktorin aus Kalifornien, auf ihrer Facebook-Site ein Foto postete, das sie mit ihren drei Kindern zeigt. Das Foto ist etwas ungewöhnlich: Es zeigt Kang in einem Bikini, der ihren gestählten, harttrainierten Body ausserordentlich gut zur Geltung bringt. Die Kinder, alles Söhne, sind ganz normal angezogen. Kang ihrem Körperbild zeigen, wie furchtbar fit auch Mütter sein können; schon einige Monate nach der Niederkunft (Kangs Jüngster ist 8 Monate jung). Und auf ihrem im Web verbreiteten Beweisbild prangt obendrein, in fetten Lettern, die Zeile: «Whats Your Excuse?» (Lesen Sie auch: «Die Verhärtung der Frau»)

Eine Entschuldigung gibt es keine. Wie gesagt, Kang wollte mit ihrem Idealbody andere Mütter motivieren, sich um die eigenen Figur zu kümmern – und wohl auch noch ein wenig Werbung machen für ihre eigene Fitness-Website.

Obszön. Gar pervers

Es kam anders. Das Netz, ein mitunter unberechenbares Medium, empörte sich. Zuerst wurde Kang auf ihrer Website mit Buh-Postings eingedeckt von Frauen, die ein entspannteres Verhältnis zu ihrem Bauch haben und sich nicht dem Schreckensregime der Fitness-Ideologie unterwerfen wollen; 12’000 Kommentare wurden binnen kurzem gepostet. Und dann, vor etwas mehr als einer Woche, sperrte Facebook gar Kangs Website, weil bei den Betreibern des Social-Media-Dienstes unzählige Beschwerden gegen das Gruppenbild mit Hardbody eingangen waren. Es sei, untern anderm, obszön. Gar pervers.

Die ehemalige Miss Bikini Kaliforniens musste in den letzten Tagen immer wieder sich wortreich entschuldigen. Zuerst im Netz. Dann auch im Fernsehen und in der Presse.  «Ich wollte die Frauen nur ermutigen, sich um sich selbst zu kümmern, sich Zeit für ihre Gesundheit zu nehmen.» (Lesen Sie auch: «Der Muskel-Feminismus»)

Übrigens: Nur einige Wochen zuvor löste bereits ein ähnliches Bild auf Facebook einen eigentlichen Shitstorm aus. In Hotpants und mit Sport-Büstenhalter bekleidet, zeigt die zweifache Mutter Lea-Ann Ellison ihren hochschwangeren, nackten Bauch. Dazu stemmt sie Gewichte. 40 Kilogramm. Dies gerade mal zwei Wochen vor Geburtstermin.

 «Krankhaft», «besessen», «selbstsüchtig»

 «Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern eine Zeit voller Kraft und Energie», erklärt Bodybuilderin Lea-Ann Ellison ihren Drang auch noch im achten Monat Gewichte zu stemmen. Andere Mütter schossen gegen die Kalifornierin. Als «krankhaft», «besessen» und «selbstsüchtig» wird sie im Internet bezeichnet.

 Ein Gespräch unter Frauen

Beide Beispiele zeigen, wie der Diskurs um Körperideale sich immer mehr in den Social-Media-Kosmos verlagert. Nicht mehr die Werbung oder der Film bricht Tabus oder lanciert Provokationen, die dann von den traditionellen Medien gerne transportiert werden. Vielmehr sind es gewissermassen Private. In vorliegenden Fällen Social-Media-Userinnen, die eine Debatte lostreten. Und es sind ebenfalls Social-Media-Userinnen, Private, die dagegenhalten. Es ist in diesem Sinne zu ersten Mal ein Gespräch ganz unter Frauen. (Lesen Sie auch: «Die Pornstar-Falle»)

Links

Attraktivität Fitness Gesundheit


Kommentare

  • MuskelMan

    eine interessante these. und tatsächlich: die social-media-welt ermöglicht es, dass normalos ihre wertvorstellungen einem massenmedium präsentieren. ob damit die diskussionen gehaltvoller werden, dass sie dahingestellt. aber wenigsten redet die basis mit.

  • diva

    sorry, als ehemalige fitnesstrainerin, die heute (nach 20 jahren unterbruch) 5 mal pro woche 2 stunden im gym verbringt, finde ich das trotzdem nur noch daneben! besonders was lea ann da treibt! gegen ein «normales» training ist wirklich nichts einzuwenden, doch das ist auch für mein empfinden krank! was soll überhaupt dieses supermom-getue? warum einfach nicht mutterwerden, muttersein und es GENIESSEN?!!!! man kann auch 20 jahre nach der geburt seinen körper wieder eine gute form bringen! es grüsst eine fitte, gesunde, gut trainierte, ehemals alleinerziehnde, die einfach mal 20 jahre kein gym von innen sah und es nicht bereut.

  • Billchen

    dass lea-ann eine regelmässig trainierende crossfitterin ist und ohne schwangerschaft wesentlich mehr stemmt,  wäre eine wertvolle information. lieber mit weniger gewicht für seine gesundheit und wohlbefinden während krankheits- oder schwangerschaftszeiten trotzdem sanft und mit bedacht weitertrainieren und nicht chips und schokolade futternd auf dem sofa liegen. dies sollte nicht aufgrund eines bildes verurteilt werden. eine schwangere frau weiss, was sie ihrem körper zumuten kann.  ausserdem will frau ja auch nach der geburt attraktiv bleiben.

  • Thia

    grundsätzlich halte ich für das recht einer jeden Frau/mutter, selbst zu entscheiden, wie(viel), wann, wieso zu trainieren. als sportwissenschaftlerin will ich jedoch meinen persönlichen Eindruck zu diesem posting darstellen, bzw. mich dem posting von Diva anschließen: ein normales training ist in jeglicher Hinsicht förderlich für Mutter wie auch kind (sofern noch nicht geboren), aber 40kg stemmen ist aus meiner Sicht nicht mehr das richtige respektive gar gefährlich. ich bin nun keine Medizinerin, aber das sieht einfach nicht mehr gesund aus. mutter-sein/-werden allein ist schon eine große Belastung für Körper und geist – warum dann auch noch so überstrapazieren?
    was die Fotos der amerikanischen fitness-mutter anbelangt, so schüttle ich dezent den kopf. “whats your excuse?” fordert ja offensichtlich ein schlechtes gewissen bei all den Müttern, die nicht noch neben dem 24-7-365-job ins fitnesscentre gehen… freie Minuten nutzen jene dann, um auch mal zeit für sich zu haben … wie diese verbracht wird, sollte jede für sich selbst entscheiden dürfen. so strickt sich die eine nette wintermützen, die andere liest ein buch und die dritte geht in fitnesscentre. … was den drang des sich dauernd-mitteilens via twitter, Facebook, blogs und co. anbelangt: postet doch was immer ihr posten wollt – die positiven wie auch negativen Reaktionen darauf seht und spürt ihr ja ohnehin Sekunden danach.
    aber das jetzt nur mal Impuls-artig und schnell reagiert… wink

  • Ylene

    Ich glaube, ich muss wohl für die beiden Damen oben Partei ergreifen. Als 2-fache Mutter hat mir mein Körper während der Schwangerschaft immer recht deutlich mitgeteilt, was geht und was nicht (und zwar mit recht heftigen Übungswehen und ähnlichem). Das wird wohl bei der Gewichtsheberin oben ähnlich gewesen sein. Schwer heben während einer UNproblematischen Schwangerschaft ist nicht per se schlecht. Als eine Mutter von Kleinkindern, welche versucht 3x pro Woche eine halbe Stunde Sit-ups u. ä. zu machen und zum zweiten Stück Kuchen brav ,nein’ sagt (ich mag nicht meine gesamte Garderobe neu kaufen), habe ich halt eine schlankere Figur als so 3/4 der anderen Mütter. Da können manchmal schon bissige Kommentare aus dem Nichts kommen. (Und nein, ich prahle nicht rum und ich bin auch nicht einer der Trottel, die das Gefühl haben, dass man mit Grösse 36 irgendwie ein besserer Mensch wäre oder gebe irgendwelche unerwünschten Tipps) Den allermeisten Mütter ist allerdings schnurzegal, wie ich aussehe – und wir finden glücklicherweise ein interessanteres Gesprächsthema. Dem (kleinen) Rest möchte ich sagen: Wenn Ihr neidisch seid auf meinen Hintern, dann investiert die Energie doch besser in irgendeinen Sport, der euch passt. Man kann auch viel zu Hause mit gerade mal einer Campingmatte machen (z. B. Yoga).

  • Ylene

    Wer sagt Ihnen, dass die das Muttersein nicht geniessen? Manche Frauen wollen halt nach der Geburt möglichst rasch wieder die alte Figur zurück und tuen dafür was. Ist die andere Art von Supermom-Getue ‘ich opfere mich auf für meine Kinder und bin nur noch Mami, keine Frau mehr’ etwa weniger nervig?

  • Fabian

    besser trainieren als vor Social Medias rumgammel

  • Karla

    nun. Bei allem hin- und her. Jede junge Mutter darf gern im After-Baby-Body-Wettbewerb einen Spitzenplatz erringen. Dennoch sollte daraus kein Pflichtparcours werden. In der Tat benötigt der Körper manchmal lange, um zu regenerieren. Nach schweren Geburten sind weder Beckenboden noch evtl. Kaiserschnittnarbe belastbar – und das manchmal für mehr als zwei, drei Monate. Auch Sport während der Schwangerschaft ist toll. Nur – man kann es tatsächlich auch übertreiben. Und der Irrglaube, der eigene Körper sagt einem schon, wenn’s zuviel ist: nun, nach einer Fehlgeburt ist es zu spät, darüber zu sinnieren. Wenn hier eine Leserin von heftigen Übungswehen schwärmt, ist das einfach nur bescheuert. Das ist schon ein sehr heftiges Signal des Körpers, und kann Prozesse in Gang setzen, mit denen man dann gleich ins nächste Spital kann. Also, freut Euch über schlanke Körper, sportliche Aktivitäten und was auch immer, aber haltet im Bedarfsfall einfach die Klappe. So hätte ich es bei der oben beschriebenen Facebook-Seite auch gehalten.

  • Ylene

    Lesen ist in Ihrem Fall anscheinend Glücksache und von einer normal verlaufende Schwangerschaft wissen Sie scheints auch nicht viel. Jede Frau hat spätestens im letzten Drittel der Schwangerschaft Übungswehen resp. wilde Wehen, welche ein wichtiges Training der Gebärmutter für die Geburt sind (Googlen Sie sonst einfach mal oder gucken Sie bei Swissmom.ch nach). Die sind kein Indiz auf eine drohende Fehlgeburt. Ich habe auch nicht von Übungswehen geschwärmt, welche unangenehm aber nicht wirklich schmerzhaft waren. Ich halte einfach nicht viel davon, dass ‘normale’ Schwangere sich aufführen, als wären sie totkrank und könnten kaum mehr einen Brief aufheben. Das ist ein Hohn für all die jenigen Frauen, die wirkliche Komplikationen in der Schwangerschaft haben und davon kenne ich leider einige.

  • karla

    von sportlicher Anstrengung ausgelöste Wehen können ins Auge gehen. “Übungswehen” sind normal. Überanstrengungswehen sind dämlich. Ich kenne keine Schwangere, die zu krank ist, einen Brief aufzuheben. Ich kenne aber Danke, ylene, für den Tip. Meine eigenen Erfahrungen muss ich nicht googeln, und google ersetzt auch heute noch keinen Frauenarzt. Schwangere, die bis zur Frühgeburt gesportelt haben und danach furchtbare und nicht unberechtigte Gewissensbisse hatten. Und die jegliche Wehwehchen des Körpers ignoriert haben und Fehlgeburten hatten. Nichts gegen gesunden Sport bis zum Kreissaal, aber man muss sich damit auch nicht brüsten – das ist mittlerweile vollkommen normal, und träge herumfressende Schwangere haben eher Seltenheitswert. Die denken nämlich alle an den After-Baby-Body.  Also, Wehen durch sportliche Anstrengung zu bekommen sind nicht zwangsweise Übungswehen sondern Wehen durch mögliche körperliche Überlastung. Sie haben einfach Glück gehabt.

  • markus müller

    “Starke Frauen”
    Ist dieser Begriff nicht bereits besetzt von den übergewichtigen unattraktiven Frauen, die keinen Mann abkriegen?

Lesen Sie auch: