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Männer müssen fremd gehen

Monogamie ist nichts für Männer. Für Frauen aber auch nicht. Ein neues Buch plädiert für die offene Zweierbeziehung.

Von Nathalie Sassine-Hauptmann

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Über die Ursachen für männliche Untreue berichteten wir bereits letzten Herbst. Doch es reicht eben nicht, einen guten Job zu haben (einen besseren als ihren), im Bett ein Hengst oder schlau genug zu sein. Es gibt viel offensichtlichere Gründe, wieso Männer ausserehelichen Sex haben MÜSSEN.

Fremdgehen ist nicht nur eine oft belegte Tatsache, es ist auch besser für die Beziehung, so Eric Anderson, amerikanischer Soziologe und Autor des provokativen «The Monogamy Gap: Men, Love and the Reality of Cheating» (Die Monogamie-Kluft: Männer, Liebe und die Realität des Fremdgehens»).

Im Interview mit der Huffington Post erklärt er, wieso Männer sogar länger in einer Beziehung blieben, wenn sie ab und zu fremd gehen dürfen. Sogar wenn sie erwischt werden, sei es für sie immer noch besser, als vorher abzuklären, ob die Partnerin (oder der Partner) den One-Night-Stand erlauben würde. 78% der Männer mit Beziehung haben ihre Frau schon betrogen, obwohl sie behaupten, diese zu lieben und bei ihr bleiben zu wollen.

Anderson erklärt weiter, Männer betrügen eben nicht, weil sie ihre Partnerin nicht mehr liebten, sondern weil sie einfach Sex mit anderen wollen. Punkt. Die Gesellschaft müsse lernen, das zu akzeptieren.

Fremdgehen besser als Scheidung

Die Gesellschaft muss umdenken, es gibt verschiedene Arten des Zusammenlebens und Anderson wundert sich, dass wir einen Fremdgeher verurteilen, wohingegen mit Scheidung niemand mehr ein Problem hat. Eine Ehe wegzuwerfen, eine lange Geschichte der Liebe zu zerstören und das Leben von Kindern zu erschüttern müsse doch wohl schwerer wiegen, als Sex mit einer Fremden?

Wie so viele vor ihm, sagt auch er, Monogamie sei nun mal nicht die einzig wahre Art, eine Beziehung zu leben, es gäbe multiple Formen sexueller Beziehungen und das gilt eben auch für offene Zweierbeziehungen. «Junge Männer heute haben gar noch mehr Mühe mit monogamem Sex als die Generationen vor ihnen, da sie viel früher mit dem Thema in Verbindung kommen».

Männer brauchen gemäss Anderson also aus folgenden Gründen ausserehelichen Sex:

  • Menschen haben generell Mühe, ihre Bedürfnisse zu kontrollieren. Ob Schokolade essen oder Sex mit Fremden: Wir sagen uns zwar, wir wollen es nicht, tun es aber doch und haben danach ein schlechtes Gewissen. Dann versprechen wir uns selber, es nicht wieder zu tun. Und organisieren mental schon den nächsten Riegel/One-Night-Stand.
  • Männer bleiben nicht wegen des guten Sex’ mit ihrer Partnerin, sondern aus Gründen der Liebe und Intimität. Das ist auch gut so. Eine Familie lässt sich nicht auf der Basis sexueller Anziehung gründen.
  • Körperliches Begehren stirbt nicht einfach ab. Männer verlegen ihn einfach von der langjährigen Partnerin auf eine andere Frau, die ihnen gefällt. Das heisst aber nicht, dass die Beziehung stirbt, nur weil der Sex stirbt. Im Gegenteil. Wenn der Sex gestorben ist, fängt die Beziehung erst richtig an.
  • Ehrlichkeit ist nicht immer gut. Männer lügen aus gutem Grund: Das Risiko, verlassen zu werden, wenn sie ihr Bedürfnis zum Fremdgehen kundtun, ist einfach zu gross. Also tun sie es heimlich.
  • Männer würden ihre Frau verlassen, wenn sie Gefühle für die Geliebte hätten. Die Tatsache, dass sie heimlich fremd gehen, ist auch ein Beweis dafür, dass sie ihre Partnerin nicht verletzen wollen.
  • Am Anfang einer Beziehung sind die meisten Männer überzeugt, monogam leben zu können. Und es auch zu wollen. Erst nach Monaten oder gar Jahren wird der Wunsch nach Sex mit anderen wach. Bis dahin wollen sie ihre Partnerin aber nicht mehr verlassen, also gehen sie heimlich fremd. Ein rationeller Entscheid.
  • Es ist in der Tat sehr egoistisch, «den Foifer und s’Weggli» zu wollen. Es sind aber nicht nur die Männer, Frauen betrügen genauso. Monogamie ist ein Problem für beide Geschlechter.

Anderson plädiert also nicht für das Betrügen an sich, sondern dafür, dass die Partner offener mit ihren Bedürfnissen umgehen. Dem Partner ausserehelichen Sex zu verbieten sei deshalb kontraproduktiv. Er wird trotzdem fremd gehen, wenn nicht noch mehr.

Fremdgehen Sexualität


Kommentare

  • Carl

    Ihr habt Schuhe, schöne Schuhe, diese Schuhe sehen wie neu aus und sie sind Legion. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich nochmals ein Paar Schuhe zuzulegen, genau diese Schuhe, weil sie so anders sind als die anderen! Dabei wisst ihr genau, in einem Monat sind diese Schuhe nicht von den anderen Schuhen zu unterscheiden, schön, neu, absolut fünktionstüchtig, aber eben nicht neu. Doch da ist euch wieder dieses Paar aufgefallen…
    Wir haben auch Schuhe, wenn auch nur ein Paar, aber auch sehr schön und wir wollen diese Schuhe behalten, für den Rest unseres Lebens. Ausser manchmal, da wollen auch wir einen Tag was anderes..

  • Carl

    Quellenangabe: http://www.youtube.com/watch?v=WVkUF0MGp5w
    “The Hetero and Gay Denial”, danke Bill!
    Vielleicht ein Grund weshalb so viele Hetero-Männer Schwule hassen? (Weil Schwule ihre sexuellen Bedürfnisse frei ausleben können, Heteros es aber nicht dürfen)

  • Marcel

    Endlich einmal eine Frau, die wirklich weiss, wie Männer (sexuell) ticken: Ein ganz grosses Bravo, dem ist nichts, aber ab-so-lut nichts mehr hinzu zu fügen!

  • Steff

    hehe und das wo eine schnelle scheidung doch der letzte schrei ist. die realität wird vielen nicht passen.
    naja, dieser ganze hollywood-müll der einem aus tv und irgendwelchen dubiosen frauenmagazinen ins gehirn gepumpt wird stimmt leider nicht ansatzweise mit der realität überein.
    diese ansprüche welche die frauen an die beziehung stellen sind schlicht nicht erfüllbar. geschieden=gescheitert und auch noch selber schuld. das resultat ist dann, dass schlussendlich vor allem die kinder darunter leiden. gut gemacht, frauen!!

  • Carl

    Liebes Internet, ich habs dieses Wochenende wieder getan. Ich weiss dass ich schwach bin, aber was vedammt nochmal soll ich tun wenn sich eine wunderschöne Frau in den Kopf setzt, ich sei was besonderes und dass sie mit mir die Nacht verbringen will? Was ist die Alternative? Soll ich meine Sexualität in stiller Verzweiflung mit Sport und Pornographie betäuben, soll ich den stärksten aller Triebe zugunsten des Anspruchs meiner Freundin, die ganze sexuelle Kraft eines Mannes zu absorbieren, opfern? Edel wärs. Aber ich brauche die Bestätigung, eine Projektion der physischen Bedürfnisse des anderen Geschlechts zu sein, scheisse ja, ich habs nötig mich reduzieren zu lassen! Ja, es ist so, ich finde diese ultimative Anerkennung meiner selbst nur bei vielen, wo ich sie doch bei einer einzigen Person finden sollte.
    Ich erwarte von keiner Frau, dass sie das nachvollziehen kann, noch nicht einmal die vom Wochenende konnte es sich verkneifen, mir eine Moralpredigt zu halten. Aber in diesem Leben ist’s nunmal so, deshalb wird man seiner Lustbarkeit auch nur für Minuten froh.

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