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Liebe, Geld und (Haus)Arbeit

Was passiert, wenn frau plötzlich wieder Geld verdient? Warum bezahlen wir Haushaltshilfen, aber keine Hausfrauen bzw. -männer? Was hat Geld mit Macht in der Liebe zu tun? Unsere Beziehungstherapeutin Birgit weiss es.

Von Birgit Mathon

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Die Frage

Susanne und Kurt leben seit fünf Jahren zusammen. Die Beziehung ist von Liebe, Wertschätzung und Verständnis geprägt. Doch über ein Thema streiten die beiden in zunehmendem Maß: das liebe Geld. Als sie einander kennen lernen, hat Kurt einen gut bezahlten Job, während Susanne noch in der Ausbildung mit einem dementsprechend niedrigen Gehalt ist.

Susanne arbeitet sich stetig hinauf, wechselt den Arbeitgeber und ist bald bei einem ähnlichen Einkommensniveau angekommen wie Kurt. Sie sind sich sicher, dass sie langfristig ein Paar bleiben wollen, kaufen eine Wohnung miteinander und verwalten ihr Geld in einem gemeinsamen Bankkonto. Nun beginnen die ersten Diskussionen: Kurt meint, dass Susanne leichtfertig mit Geld umgeht, während sie ihn für einen Knauser hält. Kurt will auf ein flottes Auto sparen, gleichzeitig kauft Susanne, weil genug Geld da ist, Schuhe und Handtaschen.

Irgendwie geht sich die Anschaffung des Wagens doch aus. Dann verliert Kurt seinen Arbeitsplatz, und sie müssen sich ein bisschen einschränken, doch Susannes Gehalt reicht zusammen mit dem Arbeitslosengeld, das Kurt bezieht, aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Kurt findet etliche Monate lang keinen Job, der ihm zusagt. Er hat kein Problem damit. Er findet, es ist genug Geld da und nach so vielen Jahren harter Arbeit habe er eine Auszeit verdient. Er beruft sich auf die Zeit, in der Susanne während ihrer Ausbildung auch nicht mehr Einkommen hatte, als er nun. Langsam wird Susanne unzufrieden.

Seit sie quasi Alleinverdienerin ist, würde sie es gern sehen, wenn Kurt sich mehr im Haushalt engagieren würde. Soll sie Kurt drängen, wieder mehr zum Haushaltbudget beizutragen, egal, mit welchem Arbeitsplatz? Oder wenigstens mehr Hausarbeit zu übernehmen? Oder wäre es besser, das Auto zu verkaufen und sich eine Haushaltshilfe zu ihrer Unterstützung zu nehmen? Und warum fühlt sie sich Kurt gegenüber so gespannt und gereizt? Sie liebt ihn doch.

Die Antwort

Geld ist ein häufiges Spannungsthema in Beziehungen. Und da Geld ein Wert-Tauschmittel ist, gilt das sogar für die Beziehung mit uns selbst. Was sind wir für wie viel Geld zu tun bereit? Und Geld hat Grenzen. Was würden wir nicht einmal für viel Geld tun? Gleichzeitig bildet Geld auch den Wert ab, den die Gesellschaft manchen Tätigkeiten zuordnet. Warum ist Hausarbeit «nichts» Wert – außer wir holen uns jemanden von extern, der sie für uns professionell erledigt?

Warum sind schwierige, verantwortungsvolle, belastende Arbeiten wie Altenpflege so schlecht bezahlt, während es Vizepräsidenten von Vizepräsidenten gibt, die nahezu nichts zu tun haben, und das Vierfache eines Durchschnittsverdienstes dafür bekommen? Zu diesem Thema möchte ich ein sehr interessantes Reclam-Büchlein empfehlen: «Wer verdient schon, was er verdient» von Walter Pfannkuche. Doch diese philosophischen Fragen helfen Susanne und Kurt im Moment nicht weiter. Sie brauchen einen gangbaren Weg, der sich für beide Seiten gerecht anfühlt. Susanne will, wenn sie das Gros des Haushaltseinkommens erbringt, dass Kurt dafür auf der praktischen Ebene mehr leistet.

Nun hat nicht jeder dieselben Begabungen, und es ist möglich, dass Kurt die eine oder andere Verrichtung nicht zu Susannes Zufriedenheit erledigt. Wenn er zum Beispiel den Boden nur schnell aufwischt, während sie eine Politur erwartet, dann wäre es an der Zeit sich gemeinsam hinzusetzen und eine Bestandsaufnahme der Erfordernisse zu machen: Was muss getan werden und welchen Wert hätte es, wenn man es outsourcen würde? Was davon ist Kurt bereit zu übernehmen, was Susanne? Und wie sehr wiegt sich das nun im Wert auf? Ich bin ja prinzipiell für ein Hausfrauen- oder männer-Gehalt.

Was Kurts Beitrag zu Wohnung betrifft, hat sich für mich das Konzept bewährt, das Verhältnis der beiden Einkommen auszurechnen und die Kosten dann paritätisch zu tragen. Angenommen, Susanne verdient drei Mal so viel, wie Kurt zurzeit an Einkünften verzeichnet, dann müsste man die Wohnungs-, Haushalts- und Energiekosten durch Vier teilen, von denen Kurt einen und Susanne drei trägt. Denn würde Kurt allein leben, könnte er sich die große Wohnung nicht mehr leisten und würde sich ein billigeres Quartier suchen.

Bei Nahrungsmitteln hat es sich bewährt, immer alle Rechnungen aufzubewahren und dann monatlich 50:50 miteinander abzurechnen. Will sich Susanne einmal etwas Größeres leisten wie eine neue Handtasche, könnte sie es von dem Gehaltsanteil, der ihr nach all dem noch übrig bleibt, bezahlen, genau wie Kurt etwas übrig bleiben wird, wenn sie auf diese Art alles abrechnen. Klingt kompliziert? Vielleicht ist es für den Anfang ein Mehraufwand an Rechenarbeit. Aber alles im Leben ist Geben und Nehmen, und wir fühlen uns schlecht, wenn die Balance nicht stimmt, egal, ob wir mehr geben oder mehr nehmen als der andere. Dazu nächste Woche mehr.

Haben Sie fragen an Birgit? Mail an redaktion@clack.ch

Birgit Mathon ist Psychologin und Therapeutin in Wien und generalisiert hier aus Gründen der Einfachheit die Zuschreibungen für Männer und Frauen. In Wahrheit ist natürlich alles viel differenzierter. Folgen Sie Birgit auf Twitter:

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Sexualität


Kommentare

  • Irene

    Toll, Teamwork, Aleph-Beth!!!!

  • Reto B.

    Wir leben die 3 Konten-Methode. Egal wieviele Konten es genau gibt und wie die verteilt sind gibt es im Grundsatz gemeinsames Geld, von dem alle gemeinsamen Sachen bezahlt werden, die nur angeschafft werden, wenn sich beide einig sind. Dann hat jeder ein eigenes Konto – auf dem monatlich gleichviel Geld draufkommt, egal wer wieviel verdient. Davon bezahlt man seine eigenen Auslagen, die man nicht absprechen muss. ALso Technikkrempel, Schuhe, Kleider, Ausgang, Bier mit Kollegen, und Mittagessen während der Arbeit (hier müsste evt. abgerechnet werden, wenn nicht beide gleichviel auswärts arbeiten).

    Die Hausarbeit wird abgesprochen und aufgeteilt. Und es gibt nicht einen Partner der bestimmt was getan werden muss, und nicht einen der bestimmt, wer es tun muss. Alles muss ausgehandelt werden. Also WC/Dusche putzen ich, Küche sie, Staubsaugen ich, Aufnehmen sie, Wäsche sie, Bügeln ich. Mit Plan, in dem man sich einträgt, wie im restaurant aufm Klo. Outsourcing würde vom gemeinsamen Konto bezahlt, wenns drinliegt.

    Ja man muss sich mal zusammensetzten und ausbeineln. Aber dann funktioniert es ziemlich gut. Und es mag kleinlich anmuten, aber dafür ist es klar…

  • Tomas

    “Mit Plan, in dem man sich einträgt, wie im Restaurant aufm Klo”

    Manchmal vermisse ich meine Freundin schon noch wenn sie gerade nicht bei mir ist, aber dann reicht ein solcher Beitrag und schon bin ich dankbar, alleine zu leben.

    Ich gönne es dir, wenn das für dich funktioniert, aber mit jedem weiteren Satz den ich gelesen habe war mir mehr kotzübel, sorry for that.

  • Reto B.

    Was du bemängelst ist mir irgendwie zwar nicht klar, aber okay…

  • Sportpapi

    Interessant. Also bisher war Geld genug vorhanden, also keine Probleme. Dass er mehr zahlt, weil er mehr hat, war selbstverständlich. Und sie hat immer schon mehr im Haushalt geleistet? Weshalb? Dann hatten beide ihre Extra-Wünsche, können sich aber nicht einigen. Also macht sie, was sie Lust hat, und glücklicherweise reicht es dann auch noch für ihn. Toll.
    Aber jetzt fehlt plötzlich bei ihm das Geld (wenn auch nur teilweise), und sie ist unglücklich, plötzlich Hauptverdienerin zu sein. Und plötzlich müssen verbindliche Regelungen getroffen werden, wie das “fair” gelöst wird? Plötzlich müssen Geben und Nehmen verrechnet werden? Ich verstehe das nicht. Und ich denke, das Paar hat noch ganz andere Sorgen als nur das Geld. Vielleicht sollten sie einfach wieder einmal mit einander sprechen. Ernsthaft, und nicht Schwierigkeiten mit Geld zuschütten.

  • Sportpapi

    Ausserdem, was haben die Ausführungen mit dem einleitenden Lead-Text zu tun? “Warum bezahlen wir Haushaltshilfen, aber keine Hausfrauen bzw. -männer?” Vielleicht hätte er sie damals, als sie noch in Ausbildung war, als Hausfrau bezahlen sollen? Und dann gleich wieder Kost und Logis im teuren Haus verrechnen sollen, das Minus hätte sie ihm dann in Form eines Schuldscheines angerechnet?

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