Clack

«Liebe Alice, darf ich das …. ?»

Der Quotenmann staunt über die Fragestunde in Alice Schwarzers Emma. Und denkt sich, dass es an der Zeit sei, ein ernstes Wort an die jungen Frauen zu richten: Autonomie statt vorgefertigtes Gedankengut!

Von Réda Philippe El Arbi

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«Liebe Alice, dürfen wir noch X-Men-Filme sehen, wenn der Regisseur der Vergewaltigung beschuldigt wird?» fragen ein paar junge Frauen auf «Emma». Dass ich die Frage etwas schwachsinnig finde, ist das Eine. Schliesslich fragt man auch niemanden, ob man noch auf den Autobahnen fahren darf, die Hitler gebaut hat. Weil Hitler eben keine Autobahnen gebaut hat, sondern die zehntausend Bauarbeiter, die den Teer verteilten. Genauso ists beim Film: Das ist nicht das Werk eines Vergewaltigers, sondern eine Arbeit, an der viele hundert Menschen mitgewirkt haben.

Aber egal. Das Format «Ask Alice» zeugt von so viel fehlender Autonomie, dass mir Fragen wie «Soll ich mir als Frau treu bleiben» nur noch ein Kopfschütteln entlocken. Diese Rubrik geht wirklich davon aus, dass junge Frauen ihr Hirn nicht selbst benutzen können. (Ich gehe auch davon aus, das die Fragen von der Redaktion selbst gestellt werden. Eine Praxis, die in vielen dieser Formate Anwendung findet.) Die Antworten, die Frau Schwarzer den jungen Frauen gibt, zeugen von wenig Respekt für die nachkommende Generation. Niemals wird an die Eigenverantwortung appeliert, niemals vermittelt, dass junge Frauen für sich selbst entscheiden sollen, wie sie mit ihrem Leben umgehen sollen. Und es ist völlig unemanzipiert: Grundsätzlich ist es nämlich egal, ob man sich von einem Mann oder einer Frau von oben herab behandeln lässt. Junge Frauen brauchen keine Führerinnen, sondern Autonomie.

Ich hab nichts gegen Vorbilder. Es ist sogar wichtig, dass man sich Persönlichkeiten (Männer wie Frauen) aussucht, von denen man gerne etwas lernen will. Das macht Sinn. Was keinen Sinn macht, ist, sich anstelle der Bevormundung durch das Patriarchat ein vorgefertigtes Gedankenpaket andrehen zu lassen und damit wiederum die Eigenverantwortung abzugeben.

Lange bevor wir unser Geschlecht sind, sind wir Individuen. Egal ob Mann oder Frau, wir haben eine Persönlichkeit, ein eigenes Empfinden und Selbstachtung. Wer sich selbst auf sein Geschlecht und seine Rolle als Opfer reduziert, braucht keine Diskriminierung von aussen mehr. Andere Menschen haben nur soviel Macht über unser Leben, wie wir ihnen zugestehen. Emanzipation ist ein persönlicher Prozess, der zu mehr Selbstwertgefühl und zu mehr Eigenverantwortung führen soll. Selbstbestimmung und die damit verbundene Freiheit ist nichts, was man sich einfach per vorgefertigtem Gedankengut einverleiben kann. Weder für Männern noch für Frauen.

Natürlich brauchts eine politische Lobby für Gleichstellung, auch ist gesellschaftlich noch ein weiter Weg zu beschreiten. Aber das Missverständnis der Generation aus den 70er Jahren, das suggeriert, die Frau sei in erster Linie ein Opfer und der Mensch in erster Linie über sein Geschlecht definiert, können wir endlich hinter uns lassen.

Liebe junge Frauen, lasst euch nicht einreden, dass ihr Opfer seid. Lasst euch nicht einreden, dass ihr nicht selbst denken könnt und «Vordenkerinnen» braucht. Ihr seid starke Individuen und dürft auch ohne die Erlaubnis der Veteraninnen über euer Leben und eure Handlungen entscheiden. Seid dankbar für alles, was diese Frauen vor euch für euch erreicht haben. Ehrt sie und geht dann einen Schritt weiter auf eurem eigenen Weg. Ihr steht nicht im Schatten der Grossen. Ihr steht auf deren Schultern. Ihr seht viel weiter, versteht viel mehr von der Gegenwart und ihr seid die Zukunft.

Réda Philippe El Arbi ist Co-Chefredaktor bei clack.ch, Autor, Geschichtenerzähler, Stadt-Blogger bei Züritipp/newsnet.ch, Haustiersitter und Mann aus den üblichen Gründen. Er versucht, hier seine männliche Sicht der alltäglichen und der wichtigen Dinge zu vermitteln.

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Quotenmann


Kommentare

  • Carolina

    Die deutschsprachige Jugend scheint sich ja nach wie vor eher an Dr Sommer zu orientieren als an AS. Fragen Sie doch mal meine Töchter, die eben der Pubertät entwachsen sind, welche Fragen sie an Alice hätten – öhm, tja. Keine? Sie kennen sie nur, weil ich ihnen mal irgendwann einen Vortrag darüber gehalten habe, dass AS eben nicht einfach nur eine nervige Emanze ist, sondern sich eindeutige Verdienste bei der Emanzipation der Frau erworben hat. Von der Dankbarkeit, die AS gern von den nachfolgenden Frauengenerationen einfordert, sehe ich bei den jungen Frauen gar nichts. Auch nichts von Opferhaltung – oder sagen wir so: man kann sie heutzutage darauf ansprechen, ihnen sagen, wenn sie in die Opferfalle spazieren und sie werden in der Regel nicht beleidigt sein, sondern es sich zumindest anhören. AS ist den heutigen jungen Frauen schlicht gleichgültig.

    Eine Zeitschrift mit ca. 40.000 gedruckten Exemplaren ist halt etwa so meinungsbildend wie ein Dampflokmagazin.

  • Ylene

    Ich habe jetzt keine Studie darüber gemacht, aber so aus Erfahrung entscheiden die allermeisten Frauen in meinem Alter und jünger selber und/oder gemeinsam mit dem/r Partner/in. Ich gehe auch davon aus, dass praktisch keine ‘Emma’ liest oder auf die Idee käme, Alice oder Dr. Sex eine Frage zu stellen. Und wenn jemand gerade motzt, dann weil der Schatz lausige 48 Stunden Vaterschaftsurlaub hat und es eh zuwenig vernünftige Teilzeitstellen für Frau und Mann gibt.

  • Carolina

    AS für alle Uebel, an denen Frauen (angeblich) kränkeln, verantwortlich zu machen ist natürlich genauso naiv wie, sagen wir, Christoph Blocher für den Niedergang der Schweiz einzuklagen. AS hat zu ihrer Zeit den Finger in eine klaffende Wunde gelegt – sie musste polarisieren und sie musste auch laut werden und dem üblichen Frauenbild (einlenkend, friedliebend, säuselnd) widersprechen, sonst hätte sie niemand angehört.
    Beatrice Schlag hat natürlich nicht unrecht, nur stellt sich die Frage, ob es nicht ein wesentlicher Fortschritt ist, dass Frauen heute sie selbst sein dürfen, wenn sie es denn wollen. Dass Frauen sich schneller den Schneid abkaufen lassen, von mir aus auch recht schnell die Opferrolle annehmen, hat vielleicht auch damit zu tun, dass, im Gegensatz zu dem, was AS immer unterstellt wurde, Emanzipation eben nicht heisst, dass Frauen wie Männer werden.
    Die Uebergangszeit, in der wir mMn sind, heisst vielleicht, dass wir Frauen uns darüber klar werden, dass wir tendenziell anders ticken als Männer (bitte das alles unter Vorbehalt lesen) und dass wir noch lernen müssen, dazu zu stehen. Nur weil die Welt da draussen immer noch von Männlichkeit dominiert wird (also das eher aggressive, laute Element) heisst das ja nicht, dass wir das auch anstreben müssen – sondern dass wir irgendwann anfangen, unsere Eigenschaften als etwas Wünschenswertes, etwas Positives, eine wunderbare Ergänzung zu den männlichen zu sehen. Ich glaube, dass wir auf dem Weg dorthin sind – und AS gebührt für meine Begriffe der Verdienst dafür, dass sie den Finger in die Wunde gelegt hat.

    Allerdings und das gilt für Männer und für Frauen: gehen müssen wir unseren Weg schon selber – jemanden für unseren Weg einzuklagen, wie Sie das vorschlagen, Tomas, ist der totale Irrweg und führt nicht zu mehr Autonomie, sondern zum Gegenteil.

  • mira

    “Wesen die unter der eigenen Unsicherheit dermassen leiden, dass sie nicht mit sich selbst umgehen können.”: Selten so einen Blödsinn gelesen!! Ich frage mich einmal mehr, was für einen Umgang sie pflegen…

  • Tomas

    http://www.file-upload.net/download-9010813/entspann-dich.pdf.html

    Eigentlich wollte ich es unter den Artikel über “verleugnete Sexualität der Frauen” posten, der ist aber – warum auch immer – nicht mehr abrufbar. Hier passt es aber auch nicht schlecht. Ich finde es immer wieder verblüffend, wenn jemand ein Artikel mit genau meinen Worten schreibt (nur besser).
    Wenn ich eine Frau wäre, würde ich für das was die Schwarzer den Frauen angetan hat von ihr eine Entschädigung verlangen. Wie Carolina richtig bemerkte, heute tut sich bewusst keine junge Frau ihre Moralpredigten an. Sie haben aber längst bereits alles quer durch die Gesellschaft vergiftet, und aus den Frauen genau das gemacht, was in dem Artikel von Beatrice Schlag beschrieben wird: Wesen die unter der eigenen Unsicherheit dermassen leiden, dass sie nicht mit sich selbst umgehen können. Die Medien schreiben gebetsmühlenartig ununterbrochen von Männern, die angeblich unsicher ob ihrer Rolle in der Gesellschaft sind – was mit der Realität nichts zu tun hat. Für die Männer sehen die Lebensentwürfe mehr oder weniger immer noch gleich wie vor dreissig Jahren aus und es zeugt nichts davon, dass sich daran etwas grundsätzlich ändert – mit der Ausnahme des schwindenden Heiratswillen, was aber die Folge des faschistischen Familienrechts ist. Es sind die Frauen, die in den neuen Lebensentwurfmöglichkeiten hilflos herumzappeln und darüber jammern, dass die Männer nicht für sie ahnen was sie selbst nicht wissen. Die eigene (geschlechtliche) Unsicherheit ist die eigentliche Ursache für das Unvermögen in Umgang mit uns Männern und mit sich selbst.

  • Tomas

    mira: googeln sie mal, wie viel Prozent der Patienten in der Psychiatrie weiblich sind. Das ist nur ein Faktor von ganz vielen. Dasselbe Bild bei allerlei sonstigen Psychotherapien oder Pseudowissenschaften.
    Und dann setzen sie sich und überlegen kurz. Die Männer haben selten Problem mit sich selbst. Es sind immer die Frauen, die “über Beziehung reden” wollen, die die meisten Scheidungen und Trennungen initiieren, die ab einem gewissen Alter als geschlechtslose Katzenliebhaberinnen Esoterikkurse zur Selbstfindung besuchen – haben sie da je einen Mann (ausser dem der damit Geld verdient) gesehen? Ich könnte so endlos fortfahren.
    Das Beste ist aber, dass die ganzen Medien nur von wegen der “Suche nach dem neuen Mann” und “Krise der Männer” labern. Was für ein Quatsch, ich kenne keinen Mann der sich von so was betroffen oder mitgemeint fühlt. Wir sehen sehr wohl das wir wegen dem ununterbrochenen Gejammere der Frauen von der Gesellschaft zunehmend sexistisch und ungerecht behandelt werden, aber sich selbst infrage stellen, das macht letzten Endes keiner. Und wenn er das macht, dann jammert er nicht, wie die Suizidstatistik zeigt.

  • Carolina

    Tomas, Sie enttäuschen mich. Was für eine einfältige Antwort!
    Wenn Sie mittlerweile damit abgeschlossen haben, weibliche und männliche Verhaltensweisen als komplementär zu betrachten (bei beiden sind natürlich jeweils Ausschläge zur anderen Seite möglich), dann schlage ich vor, sie diskutieren nicht mit, wenn Menschen einigermassen ernsthaft bemüht sind, über diese Themen zu sprechen. Was sollen diese (fast schon) Hass-Tiraden irgend jemandem bringen? Sie zeigen nur Verbitterung, die hat noch nie zu Lösungen geführt.

    Man könnte vieles auch genau andersherum sehen: man könnte sagen, dass Frauen mit Beziehungspflege oft genug Beziehungen am Leben erhalten (und wieder: es gibt immer die Extremisten/-innen); dass sie, die eher auf Kommunikation bestehen und angewiesen sind, so manchen Mann ‘sozialisieren’ und ihn aus seinem Einzelgängerloch herausholen (und, um auf Ihren Einwand zurückzukommen: ihn vielleicht vor einer gewissen Selbstgefälligkeit bewahren); dass sie sich psychologisch interessieren, um im Leben in irgendeiner Form weiterzukommen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen; dass das, was Sie als Esoterik bezeichnen, ein Stück Lebensweg ist (an seltsame ‘Hobbies’ von Männern wie stundenlang an Eisenbahnstrecken stehen, Extremsportarten im Alter etc möchten Sie sicher auch nicht so gern gemessen werden….).

    Das ‘ununterbrochene Gejammer’ der Frauen sehe ich in meinem Umfeld und in meiner Praxis nicht: ich sehe in der Regel Frauen, denen soviel an ihren Beziehungen liegt, dass sie versuchen, mit ihren Männern Lösungen für Probleme zu finden.

    Aber was es noch öfter gibt, dann aber vor allem in Blogs: verbiesterte Männer, die immer die gleichen unqualifizierten und über-den-Kamm-geschorenen Klagen über alle (!) Frauen führen, scheinbar irgendwann mal eine Enttäuschung nicht überwinden konnten und sie einfach wie auf einem Tablett für den Rest ihres Lebens vor sich hertragen. Denen würde ich ein wenig weibliche Lösungsorientiertheit wünschen (allerdings haben die Frauen wahrscheinlich längst aufgegeben).

    Und zum Schluss noch ein Tipp, esoterisch und gratis: Schauen Sie sich mal genau an, welche Frauen sich zu Ihnen hingezogen fühlen. Mit ein ganz wenig Eigenkritikfähigkeit können Sie daraus Interessantes über sich selber erfahren;-)

  • Tomas

    Carolina, ich bin vielleicht etwas zynisch, das ist wohl meine Überlebensstrategie, aber um eine Hasstirade zu schreiben – so denke ich – müsste ich zuerst so etwas wie Hass empfinden. Dem sei nicht so, und was Frauen betrifft im Gegenteil. Ich mag Frauen, kann mir ohne Frauen mein Leben gar nicht vorstellen und war vermutlich in meinem gesamten bisherigen Leben kaum je länger als einige Wochen ohne eine Freundin. Und umgekehrt, die meisten Frauen mit denen ich im realen Leben verkehre – und das sind bei mir überdurchschnittlich viele – halten mich dem Vernehmen nach für nett und einigermassen charmant.

    Was allerdings auch wahr ist: ich scheue mich nicht Dinge, die man für allgemeingültig hält, infrage zu stellen, oder Probleme beim Namen zu nennen. Und ich kann nicht Menschen ausstehen, die mittels vermeintlichen Moral- oder Ideologieregeln andere manipulieren wollen – so wie es die AS seit immer tut. Das vertragen nicht alle, Männer wie Frauen. Ich mache das aber IMMER ohne Hass (oder sonstigen Emotionen) den sie mir unterstellen (meine Exfrau warf mir das sogar vor, sie fand es unnatürlich dass ich emotionslos argumentieren kann). Damit kommen wir auch auf ihre Frage zurück, wie die Frauen so sind, die sich zu mir hingezogen fühlen: es sind solche, die eine klare Meinung, direkt geäussert, einem glattgebügeltem Smalltalk vorziehen. Und die es schätzen, dass ich immer auf ihre Argumente neugierig bin, und auch meine Meinung ändern kann wenn sie überzeugend sind. Und dass wenn wir uns nicht einig sind, sie damit leben können, dass es für mich kein Problem darstellt grin

  • Katharina

    “wie viel Prozent der Patienten in der Psychiatrie weiblich sind. Das ist nur ein Faktor von ganz vielen. Dasselbe Bild bei allerlei sonstigen Psychotherapien oder Pseudowissenschaften.
    Und dann setzen sie sich und überlegen kurz. Die Männer haben selten Problem mit sich selbst.”

    Das stimmt nicht. Und Deine Folgerung auch nicht.

    Allgemein betrachtet ist das vorkommen psychischer Krankheiten bei beiden geschlechtern gleich. Es gibt aber deutliche Unterschiede bei den diversen und weitverbreiteten (Depressionen, Angstzustände, Alkoholkrankheit, antisoziale Persönlichkeitsstörung) Diagnosen. Bei den schweren Diagnosen wie Schizophrenie wiederum gibt es keine Genderunterschiede.

    Gender basierte Risikofaktoren aber sind auf geschlechtsspezifische soziale Rollen als Stressor rückführbar.

    Weiter besteht ein gender bias betreffend diagnose und behandlung.

    Es ist also nicht so dass „Männer selten Problem mit sich selbst haben“.

    Wenn Du schreibst: „Wir sehen sehr wohl das wir wegen dem ununterbrochenen Gejammere der Frauen von der Gesellschaft zunehmend sexistisch und ungerecht behandelt werden, aber sich selbst infrage stellen, das macht letzten Endes keiner. Und wenn er das macht, dann jammert er nicht, wie die Suizidstatistik zeigt.“ Ist dass keine Hasstirade, in der Du dann noch ‚uns Frauen‘ die schuld für männliche Suizide unterschiebst?

  • Irene

    Überflog mal diesen Artikel, dann clickte ich zurück zum Bild, Alice……..wir sind alle erwachsen geworden, gottseidank…..dein Gesicht, gute Frau……so sieht mir nicht eine zufriedene-weise Frau aus, Ratschläge???? Jeder hat Hirn und Freunde, give us a break…..enjoy your pension-time……

  • Tomas

    Naja, Katharina, ich liste einfach ein Paar Fakten auf und sie verstehen eine “Hasstirade”. Ich denke, mit uns würde es nicht gut kommen, sollten wir mal eine WG gründen grin
    Ich kenne die Quellen die sich mit der Genderstatistik in der Psychiatrie beschäftigen, keine Angst. Aber mein Input ging eher in eine andere Richtung. Denken sie sich die “wirklich kranken” weg, die in den geschlossenen Anstalten oder in einer intensiven ambulanten Betreuung sind. Und schauen sie sich um sich herum. Kennen sie eine einzige geschiedene Frau mittleren Alters, die nicht irgendeine Psychotherapie macht? Die nicht irgendeinen Guru zahlt, um “sich zu finden”? Kennen sie einen einzigen Mann aus ihrer Umgebung, der mal irgendein Esoterikkürsli als Schüler besuchte? Verstehen sie was ich meine? Die Frauen sind es, die die grosse Sinnkrise schieben, nicht die Männer. Die Frauen sind es, wer von den vielen verschiedenen neuen Lebensentwurfoptionen eher verzweifelt anstatt sie als Chance zu sehen. Sie empören sich todernst in allen möglichen Blogs ob der simplen Tatsache, dass man nicht alles gleichzeitig haben kann. Dass sie nicht eine Familienfrau mit fünf Kids, Haus und Muse sein können und gleichzeitig die erfolgreiche Managerin. Dabei übersehen sie, dass mit diesem Dilemma leben wir Männer seit eh und je. Nur wenigen gelingt es, alles unter einen Hut zu bringen, die meisten haben einen Beruf, dazu verschiedene Hobbies die sie eigentlich viel lieber als Beruf hätten, wenn sie nur könnten und wenn sie sich nicht der Familie verpflichtet fühlen würden. Nicht alle Männer wollen eine Karriere machen, nicht alle können es. Trotzdem braucht deswegen keiner eine Psychotherapie. Was Männern zu schaffen macht ist die Art, wie leichtfertig die Frauen eine Familie zerstören, wie ungleich die Spiesse sind was die Kinderbetreuung trifft. Wenn jemand plötzlich seine Kinder nicht sehen darf und es keine Handhabe gibt, die es ändert, weil die Frauen diesbezüglich eine Straffreiheit geniessen. Das kann einem zusetzen – aber stellen sie es sich mal umgekehrt vor, was da für Himmel und Erde in Bewegung gebracht wird wenn ein Mann die Kids einen Tag später zurück bringt.

    Frauen, die es zulassen sich als Frau zu fühlen, die eine Familie mit Kindern haben und die nicht unbedingt die besseren Männer sein wollen leben ein glücklicheres Leben – so meine Beobachtung um mich herum in den letzten dreissig Jahren. Das es einer Frau Schwarzer nicht entgangen ist und dass sie deswegen in ihrem Denkgefängnis weitergiftelt, überrascht eigentlich nicht.

  • Tomas

    “Insgesamt wird nochmals deutlich, dass die psychiatrische Inanspruchnahme von Frauen höher ist als jene der Männer. Dies ist hauptsächlich auf die wesentlich grössere Zahl von Frauen zurückzuführen, die Behandlungen in fachärztlichen Praxen und/oder eine delegierte Psychotherapie
    in Anspruch nehmen. Der Geschlechtsunterschied ist in den mittleren Altersgruppen besonders auffällig. Im Alter nähert sich die Inanspruchnahme der Geschlechter wieder an und weist in allen drei Versorgungsbereichen annähernd gleich hohe Werte auf.”

    Hier noch die Quelle: http://www.obsan.admin.ch/bfs/obsan/de/index/05/04.html?publicationID=5190

  • marie

    ja arme, arme männer, dass ihr euch dem modelleisenbahnbau zuwenden müsst, bloss weil die olle ehefrau nicht mehr so straff wie die nebenan ist. kein wunder kriegt da die ehefrau u.u. krümel…
    *facepalm*
    [die psychischen abgründe der männer sind aber auch nicht besser; ich spreche da aus erfahrung, da die kerle mich noch gerne als ihre (an)klagemauer sehen.]

  • Sportpapi

    Ich finde, Tomas bringt mit seiner direkten Art die Sachen immer wieder gut auf den Punkt. Das kann man ja auch einfach mal so stehen lassen, als vielleicht andere Sichtweise auf das wahrgenommene Geschehen.

  • marie

    kann mann, frau aber nicht.
    er und und bisweilen auch sie sportler, nehmen gerne und dankbar jegliche gelegenheit wahr, frauen als die verkörperung “das übel zu sein” zu unterstellen; so wie alice, nur umgekehrt wink

  • Sportpapi

    Ach marie, mit Ihnen artet das immer irgendwie in Polemik aus… grin
    Ernsthaft: Ich sehe meine Argumentation nicht als (frau=übel), im Gegenteil. Sie dürfen aber, wie schon mehrfach aufgefordert, mir gleich an der richtigen Stelle jeweils auf die Finger klopfen, wenn Sie von mir so etwas lesen. Aber bitte dann konkret, und nicht so schwammig auf die Person zielend.

  • Katharina

    Tomas, betreffend Quellen und Schlussfolgerungen: Lies hier nach:

    http://www.who.int/mental_health/prevention/genderwomen/en/

    Ein ganz anderes Bild als Deine Quelle.

    Item. Du repetierst Dich und redest von DIE Frauen und WIR Männer, bewegst Dich also, zumindest was ich hier mitlese, in Stereotypen.

    Es gibt auch Frauen, die Harleys kaufen, wenn Midlife kommt. Informiere Dich etwas über die North Scottsdale Szene betreffend Harleys, Corvettes etc. A source of local humour.

    Shrinks, btw, sind eher sowas wie der Family Doctor und der Family Lawyer. Hat man und frau einfach. Denke auch über den zumindest hier treffenden Stereotyp eines Woody Allen Stadtneurotikers nach, der ständig zu seinem Shrink rennt und flennt. immerhin ein in Europa ja hochangesehener Künstler. Er würde in eine Corvette passen, damit beweisen, dass er null Ahnung von einem Performance Vehicle hat, aber auf der Harley beim nächsten Sandsturm weggepustet, während die stereotype Dyke da durchfährt, während frau ihn in ihrem set of wheels elegant abhängt und zu ihrem toy boy aus der Karibik düst und die Dyke der eleganten Frau nachjagt, weil sie eine derartige Missachtung als sexistische Beleidigung sieht, oder so. Irgendwann verliert sie die elegante Frau auf dem Freeway, geht etwas zermürbt in den Satisfried Frog in Carefree (eine bekannte Biker Bar). Dort fauchst Sie einen Biker (glatzköpfig mit resten von pony tail, tats, usw) an: I am not a biker chick, you sissy. Want a peace of me entgegnet der. Die zwei poltern und raufen etwas, worauf sie sagt, man i like your muscles. They make out in a side car (biker heresy!). Am morgen bittet sie ihn inständig, nie je davon etwas in ihrem dyke club zu erwähnen. Such spins the world of stereotypes. Seriously! (ironie is not unintended).

     

  • mira

    @Tomas
    Sinnkrise bringe ich erstmal mit Männern in Verbindung (Midlife-Crisis). Wie sie selber schreiben, tendieren Männer eher dazu, keine Hilfe anzunehmen und leben damit ihre Probleme möglicherweise auf den Schultern von anderen (zB ihren Frauen) aus. Auch keine gute Lösung.

  • marie

    kein wunder stellt man solche fragen! im zeitalter, wo bildungsgelder gestrichen werden und freizeitbeschäftigung aus konsumieren besteht, kann sich selbständiges denken und eine eigene meinung gar nicht mehr entwickeln. aber gott sei dank gibt es demagogen/innen, die auf komplexe fragen, nur einfache anworten bieten. zusammenhänge erkennen ist anstrengend und wir haben ja bekanntlich wenig zeit, da wir uns ja auf die freizeit konzentrieren müssen.
    alice in ehren, sie hat durchaus für rahmenbedingunen gesorgt, die uns frauen das leben erleichtert haben, aber sie ist mittlerweile das geworden, wonach die meisten machtmenschen streben. demagogisch.
    aber hier sage ich ganz keck im sinne von alice (danke alice, das ich das darf): frauen haben das gleiche recht arschlöcher zu sein, wie männer. wink

  • Tomas

    mira: sicher, das gibt es. Nur, die Bewältigung und seine Konsequenzen unterscheiden sich gewaltig. Ein Mann kauft sich eine Harley, geht wieder in den Kraftraum, betreibt meistens mehrere aus Frauensicht sinnlose Hobbys. Wenn es mit der Beziehung nicht klappt, geht er ins Puff oder sucht sich eine neue Geliebte, je nach Möglichkeiten und Naturell. Eine Beziehung deshalb kaputt zu machen kommt aber den wenigsten in den Sinn. Dass die Familie von der Sinnkrise nichts mitkriegt ist wohl selten der Fall, aber alles in allem läuft das harmlos und relativ diskret ab.
    Bei Frauen die in die “Krümmel in der Strumpfhose” Phase kommen ist es für alle Beteiligten die reinste Hölle, und in signifikant vielen Fällen überlebt es die Beziehung nicht weil die Frau selbst sie beendet – um anschliessend doch noch zu merken, dass es den Prinzen auf dem weissen Pferd nicht gibt.

    Worüber ich schrieb war aber eigentlich allgemein gemeint, die Midlife Crisis ist da jeweils nur ein Peak. Für mich sind Frauen das Geschlecht das sich in einer Dauersinnkrise befindet, nicht die Männer. Männer müssen nur die Frauenkrise ausbaden, was mitunter ungemütlich geworden ist.

  • marie

    krümel in der der HERRENunterwäsche zerstören keine beziehungen? ist das ihr fazit? oder anders gefragt an den krümeln in der HERRENnunterwäsche ist die frau schuld? und an den krümeln in der strupfhose ebenso die frau aber nie der mann?
    ??? o_O
    …ihre logik ist sowas von bestechend… einfach!
    [tipp: schliessen sie nicht von sich und ihrer ausgangssitation/erfahrung auf andere.]

  • Tomas

    Marie, meine eigene Erfahrung ist eher unwichtig und glücklicherweise auch nicht gerade typisch. Aber ich beobachte das Thema um mich herum seit Jahrzehnten, schon lange bevor es mich selber einholte. Die Zeiten, als sich Männer wegen einem jungen Häsli von der Alten trennten und eine neue Existenz aufbauen wollten sind schon lange passe, das kann sich (in der Schweiz) heute fast niemand mehr leisten. Und wegen einer neuen Modelleisenbahn oder einem Cabrio gehen keine Beziehungen kaputt, die es Wert sind. Wir Männer sind an und für sich einfache Geschöpfe, mit relativ wenig zufrieden zu kriegen. Aber versuchen sie mal den Begründungen der Frauen, die eine Trennung initiiert haben, mal konzentriert zuzuhören. Die sind für mich seit langem zu so etwas wie einem Sammelobjekt geworden, ähnlich wie meine nie endende Bilderserie der barbusigen Frauen am weissen Tisch. Da öffnen sich die wahren Abgründe der Psyche.. Und was erst, wenn man fünf Jahre später das Thema erneut anschneidet.

  • Kim

    …“Liebe Alice, dürfen wir noch X-Men-Filme sehen, wenn der Regisseur der Vergewaltigung beschuldigt wird?”

    Lieber Herr El Arabi, ich denke, dass diese Frage sich auf ein Problem bezieht, dass u.a. in der Literaturwissenschaft sehr kontrovers diskutiert wurde und noch immer wird, nämlich inwieweit der Autor (hier Regisseur) eines Werkes von diesem zu trennen ist.
    Die sog. Autordiskussion kam nach Ende des 2. Weltkrieges auf und entsponn sich an der Frage, wie künstlerische Werke von Antisemiten/Nazis zu beurteilen seien.
    Bis heute wird diese Frage bei jeder Wagner-Aufführung relevant.
    In den späten 60ger Jahren erklärte Barthes in seinem gleichnamigen Text den Autor für “tot” und befreite somit den “Schreiber” (scripteur) von der Verantwortung für sein Werk, bzw. dessen Inhalt.

    Die in der “Emma” abgedruckte Frage bezieht sich genau auf diese (ungelöste) Problematik, nach der Verbundenheit von Werk und Regisseur. Darauf weist Schwarzer in ihrer Antwort einleitend hin.
    Der Vergleich mit der Autobahn ist zwar lustig, erweckt aber den Anschein, dass Sie die Fragestellung nicht ganz verstanden haben.

    Schwarzer beantwortet die Frage auch nicht eindeutig, sondern analysiert das Problem. Sie schreibt hier keineswegs jungen Frauen vor, was sie zu tun haben, sondern öffnet vielmehr das Blickfeld. Die uneindeutige Antwort von Schwarzer lassen Sie in Ihrer Kollumne leider völlig außen vor.

    Dementsprechend ist mir diese Kolumne von Ihnen leider zu schlecht recherchiert und am Thema vorbei geraten.Schade!

    Die Antwort von Schwarzer
    http://www.gq-magazin.de/links-des-tages/8.-maerz-20132
    http://de.wikipedia.org/wiki/Was_ist_ein_Autor?

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