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Kritik ist gut für die Karriere

Negatives Feedback vom Chef erhalten? Sie sollten sich bedanken, es wird Sie nämlich weiterbringen.

Von Clack-Team

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Tina Fey heimste schon wieder einen Preis ein. Am Wochenende gewannen sie und ihr Kollege Alec Baldwin den «Screen Actors Guild Award» für beste Fernsehschauspieler. Dahin zu kommen, war ein harter Weg, wie Fey in ihrem Bestseller «Bossy Pants» erzählte. Dauernd war sie vernichtender Kritik ausgesetzt, man sagte ihr voraus, ihre Show – für die sie schreibt und selber produziert – würde floppen, Frauen seien einfach nicht witzig genug. Doch genau dieses negative Feedback habe sie schliesslich weitergebracht. Und wenn es nur war, um allen zu beweisen, dass sie Unrecht hatten.

Jeder Arbeitnehmer fürchtet sich vor negativem Feedback. Versagerängste kratzen am Ego, man denkt in Krisenzeiten, der Job stehe auf dem Spiel. «Die Reaktionen auf Kritik sind vielfältig, von Negation, über Wut, bis hin zu Rechtfertigungen, hängt es sehr vom Vertrauen ab, das man seinem Vorgesetzten entgegenbringt und der Firmenkultur allgemein», erklärt Tina Nicolai, Karriere Coach, auf «Forbes». Viele – meist Frauen – entschuldigten sich sofort, weil sie die vermeintliche Harmonie nicht stören wollen. Andere wehrten sich zwar, positive Auswirkungen auf ihre zukünftige Arbeit habe diese Reaktion aber selten. Dann gehe es denen, die die Kritik als Herausforderung sähen schon besser, die würden nämlich sodann die Lösung des Problems angehen.

Doch ohne Kritik geht es nicht, kaum jemand verbringt sein Arbeitsleben mit Lobpreisungen vom Chef. Deshalb sollte man negativem Feedback nicht aus dem Weg gehen, im Gegenteil. Zusammen mit Karriere-Coachs und –Experten hat «Forbes» ein paar Tipps zusammengetragen, wie sich negative Kritik positiv auf den Job auswirken kann. Hier die Wichtigsten:

  1. Zugeben und verbessern. Akzeptieren Sie das Feedback und ändern Sie etwas. Machen Sie sich eine Liste der Kritikpunkte und überlegen Sie sich zu jedem Punkt eine oder mehrere Lösungen. «Planen Sie Ihre Arbeit und arbeiten Sie an Ihrem Plan», so Nicolais Maxime.
  2. Gehen Sie davon aus, dass es gut gemeint ist. Die Kritik ist zwar negativ, sie muss aber nicht schlecht gemeint sein. «Denken Sie daran, es ist Ihre Arbeit, die kritisiert wird, nicht Ihre Person.» erinnert Alexander Kjerulf, Autor und Speaker zum Thema Zufriedenheit im Job.
  3. Benutzen Sie negatives Feedback als Chance, um Ziele und Erwartungen zu klären. «Erkundigen Sie sich wiederholt nach Ihrer Rolle in der Firma», rät Rebecca Thorman, Journalistin beim Karrierenportal kontrary.com. «Sobald Sie diese besser kennen, können Sie danach handeln.»
  4. Nutzen Sie die Kritik als Gelegenheit, um das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten zu verbessern. «Sein Job ist es, Ihre Entwicklung zu unterstützen, während es ihr Job ist, Ergebnisse zu liefern.» Thorman empfiehlt ausserdem, regelmässige Meeting anzusetzen, um der Kritik vorzubeugen.
  5. Auch Arbeitkollegen können helfen. Versuchen Sie im Team daran zu arbeiten, dass das Feedback besser wird.
  6. Nicht vergessen: Kritik – auch negative – ist ein Zeichen für Interesse. «Es wäre viel schlimmer, wenn der Chef gar nichts sagt.» so Kjerulf abschliessend.

Eve Tahmincioglu, Autorin und Karrierebloggerin, zeichnet ausserdem ein schönes Bild, dass man sich merken sollte, um besser mit negativem Feedback umgehen zu können: «Distanz ist der Schlüssel. Nehmen Sie sie an wie einen Tipp, wie wenn der Arzt Ihnen rät, sie sollen weniger Salz essen.»

Eines noch zum Schluss: Vergessen Sie nicht, sich für das Feedback zu bedanken. Das kommt besser an, als sich schmollend davonzumachen. Auch Tina Fey musste zugeben: «Lächeln hilft. Auch wenn man innerlich weint.»

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Kommentare

  • marie

    funktioniert nur dort, wo flache hierarchie auch gelebt wird. wo sie nicht existiert, oder nur auf dem papier als konzept, dort funktioniert es nicht.

  • Ylene

    So weit, so gut. Die Punkte im Artikel gehen aber davon aus, dass die Kritik grundsätzlich gerechtfertigt war. Bei meinen bisherigen Erfahrungen ist sie dies aber mindestens zur Hälfte nicht. Ich gebe doch nicht was zu und bedanke mich auch noch, wenn die Kritik Schwachsinn ist (sprich bei Nachfragen kann er keine konkreten Begebenheiten nennen, wo ich angeblich bspw. den Termin nicht eingehalten habe).

  • Nathalie Sassine-Hauptmann

    Das ist aber auch ein Punkt. Man sollte sich die Frage stellen: Wieso sollte mein Chef ungerechtfertigte Kritik ausüben? Was bringt es ihm? Seine Mitarbeiter sollten ja seine Arbeit widerspiegeln und wenn sie schlecht sind, kann es mit seinen Kompetenzen auch nicht weit her sein.

    Aber natürlich gibt es das immer wieder, einfach weil der Chef (und damit meine ich immer auch die Chefin) eben nur ein Mensch ist und vielleicht einen schlechten Tag hat. Oder er sollte schlicht keine Mitarbeiter führen dürfen, das soll es ja auch geben.

  • melia

    Kritik immer sich schriftlich geben lassen. Nichts Mündliches. Denn Kritik ist sehr oft auch, Kontrolle ausleben , Macht ausleben, runter machen, auch Neid, auch Sexismus (Rassismus gegen Frauen),  etc. Ich spreche aus dem Gesundheitswesen, habe mit vollständiger Erwachsenen-Matura mehr Probleme gehabt als vorher, wurde von Männer und Frauen (ohne Matura) dauerkritisiert und oft fixfertig gemacht.

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