Clack

Komplimente – die Kunst des süssen Gifts

Komplimente sind toll, sie versüssen den Alltag, beflügeln das Selbstvertrauen und die Beziehung. Grund genug einer alten Kunst zu huldigen.

Von Clack-Team

Twittern

Nie ist das Leben so schön wie im Sommer, denn selten werden so viele Komplimente verteilt. Die einen sind reizend, andere plump abgedroschen oder zu offensichtlich. Dennoch versüssen Komplimente – genau wie die Ferien – das Leben ungemein. Sommerzeit ist Flirt- und Beziehungszeit und in beiden Fällen spielen die Komplimente eine wichtige Rolle.  Grund genug, sich mit den Worten zu beschäftigen und zu erkunden, was sie beabsichtigen, was sie bewirken und auf welche Aussagen Männer und Frauen noch lange warten können.

Frauen loben Männer nicht fürs Aussehen: Männer ist es  längst nicht mehr egal wie sie aussehen. Sie investieren viel Zeit in ihre Waschbrettbäuche und Babyhäutchen, doch selbst  wenn sie toll aussehen, mit Komplimenten der Damenwelt werden sie nicht überschüttet. Viel wahrscheinlicher ist, dass sie für ihre Fähigkeiten gelobt werden. Der wichtigste Grund: Frauen haben Angst, dass ihre Komplimente als sexuelle Einladung interpretiert werden. Dabei mögen Männer Komplimente, und wie! (Lesen Sie dazu: Was Männer hören wollen)

Komplimente vor dem Koitus: Frauen haben es da leichter. Sie werden mit Komplimenten zu Aussehen und Intelligenz überschüttet – zumindest so lange sie nicht in einer Beziehung sind. Denn Komplimente sind fast immer taktisch. Sie werden eingesetzt, um etwas zu bekommen. Männer zelebrieren Komplimente als Anmach-Technik und kennen die Wirkung der sanften Worte haargenau. Schlecht muss das keineswegs sein, wie Oscar Wilde schon bemerkte: «Eine Bekanntschaft, die mit einem Kompliment beginnt, hat alle Aussicht, sich zu einer echten Freundschaft zu entwickeln. Sie beginnt auf die rechte Weise.» Das hat eine lange Tradition. Im 19. Jahrhundert war das Komplimente verteilen ein Privileg der Herren. Die Frauen konnten sich vor Galanterien kaum retten und liessen sich das gerne gefallen.

Je mehr Komplimente desto besser: Die Zufriedenheit in einer Beziehung korreliert positiv mit der Anzahl Komplimente, die verteilt und erhalten werden. Ob die Komplimente glücklich machen oder ob mehr Komplimente verteilt werden, weil die Beziehung glücklicher ist, das ist eine Huhn-Ei-Frage. Hauptsache Komplimente. Am beliebtesten sind gemäss einer Studie in Beziehungen nicht mehr Lobesworte zu Aussehen oder Fähigkeiten des Partners oder der Partnerin, sondern zu Gefühlen. Also nicht mehr:  «du bist wundervoll», sondern «du sorgst dafür, dass ich mich wundervoll fühle».  Generell gilt: Glaubwürdig sollen die Komplimente sein und nicht allzu offensichtlich: Ein Model für seine Schönheit oder ein Nobelpreisträger für seine Intelligenz zu loben, bringt nicht viel. Was Frauen am liebsten hören, erfahren Sie im Artikel Kompliment, Madame!

Komplimente stärken das Selbstvertrauen: Menschen mit geringem Selbstvertrauen kriegen mehr davon, wenn sie regelmässig Komplimente erhalten. Die Kompliment-Expertin und Buchautorin Gloria Beck bezeichnet wirklich gute Komplimente als «langsames süsses Gift, das viele Jahre in einem Menschen bleibt, seine Gedanken umgarnt und sein Selbst formt“. Komplimente beleben nämlich nicht nur die Beziehung sondern auch das Selbstvertrauen. Leute mit einem tiefen Selbstbewusstsein konnten das Vertrauen in sich selbst und ihre Beziehung steigern, allein durch die netten Worte ihre Partners. Als Rezept für eine gute Beziehung kann deshalb der Ausspruch des Schauspielers Willy Birgel dienen:  «Man soll einer Frau kein Kompliment vorenthalten, auf das sie Anspruch hat».

Frauen loben, um zu reden: Unter Frauen sind Komplimente über neue Schuhe oder gutes Aussehen besonders beliebt. Das sagt viel über die Werte und Erwartungshaltungen aus. Denn gelobt wird, was einem selber am Herzen liegt. Viel Wert sind die Komplimente allerdings nicht, denn Komplimente von Frauen an Frauen werden gemäss Untersuchungen nur in 22 Prozent der Fälle direkt angenommen, häufig sind sie ein Einstieg in ein Gespräch. Komplimente von Frauen sind ausserdem wortreicher und persönlicher, wie der Soziolinguist Robert Herper herausfand.

Komplimente von Männern zählen bei Frauen am meisten: Besonders von solchen, die keine sexuellen Interessen verfolgen. Die Komplimente von Männern nehmen die Frauen in 68% der Fälle an. Annehmen heisst in dem Fall sich bedanken und das Kompliment nicht zurückgeben,  es herunterzuspielen oder weiterzuleiten.  Komplimente von Männern an Männer werden zu 40% angenommen.

Der kulturelle Kontext: Wer von den Ferien heimkommt und von den geführlvollen, eloquenten südamerikanischen und spanischen Männern schwärmt, ist wohl einer alten Machismo-Traditon erlegen. Die Kunst der charmanten Schmeicheleien ist im spanischen und lateinamerikanischen Raum allgegenwärtig. «Piropos» werden die Komplimente  genannt, die auf der Strasse an Unbekannte gemacht werden und je nachdem als kleine Sprachkunstwerke oder plumpe Anmachen verstanden werden.
Von den einheimischen Frauen werden die Piropos gerne ignoriert, bei den Touristinnen fühlen sich die einen belästigt, die anderen bezirzt. Im besten Fall geht es ihnen nach den Ferien wie dem Schriftsteller Mark Twain, der einmal sagte: «Von einem guten Kompliment kann ich zwei Monate leben». Das sollte dann gerade bis zu den Herbstferien reichen.

(Visited 325 times, 1 visits today)
Beziehung Dating Frauen Kompliment Kultur