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Frauen mit Pferdestärken

Die Männer brauchen das Auto zum Protzen, die Frauen zum Fahren, das ist klar. Oder nicht? Wer auf der Strasse genau hinsieht, kommt ins Grübeln.

Von Ralph Pöhner

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Frauen fahren oft, gern und hemmungslos dicke Brummer: Das ist mir schon lange klar. Dank Michel. Michel war vor Jahren mein Bürokollege, ein älterer, sehr freundlicher Herr aus der Romandie, der gern feine Lederschuhe trug, schmale Hände hatte und stets ein Pochettli einsteckte. Eines Tages kam er nicht wie üblich im Tram zur Arbeit, sondern fuhr mit einem Chrysler Cherokee vor, vornedran ein gewaltiger Kuhfänger (Die Stahlgitter waren damals noch nicht verboten).

Nicht nur, dass das Vierrad-Monster stilistisch kaum zu diesem stillen Herrn passte – es lag vermutlich auch leicht über seiner Gehaltsklasse.

«Boah, Michel!», kommentierte ich: «Was willst du mit dem Mörderteil?» (Ich erinnere mich nicht an den genauen Wortlaut, aber das war in etwa der Inhalt.)

«Boff, ach was», antwortete er, «isch brauche den eigentlich nie. Ist für Madame.»

Madame, das war seine Frau – noch stiller, noch kleiner, mit noch feineren Schuhen und noch französischer.

«Weisst du», erklärte er weiter: «Ist sicherer. Wenn sie einen Unfall baut, ist der andere tot. Nicht sie.»

Patriarchalisches Wohlwollen

Seither achte ich mich immer wieder mal, wer hinterm Steuer der Monstergefährte auf unseren Strassen sitzt, in all den SUV’s, Offroaders und Vierrad-Maschinen, die unser Klima, die Kinder und die parkierten Autos bedrohen sollen. Es sind verdächtig oft Frauen. Ja, ich behaupte: Es sind vor allem Frauen. Dass die Statistik Offroader-Käufer mehrheitlich als Männer ausweist, ändert daran nichts. 

Denn der Ablauf – das ahne ich dank Michel – geht so: Die Gatten kaufen die Gefährte, gewiss mit einer gewissen fachmännischen Freude, aber auch mit patriarchalischem Wohlwollen. Dann stellen sie die Dinger der Gattin hin: Zur Sicherheit.

Und dann braust Madame fröhlich los.

Die SUV-Erfahrung wiederum lehrt, wie oft wir mit unseren Klischee-Vorstellungen (die ja gerade im Auto-Bereich so beliebt sind) wohl falsch liegen.

Wir meinen es ja zu wissen: Männer ersetzen mit der Motorenstärke mangelnde Potenz. Oder: Je grauer die Haare, desto Porsche. Oder: Je braver der Bürolist, desto Harley-Davidson. Oder: Frauen bevorzugen praktische Wagen, die wenig Benzin verbrauchen, viel Stauraum haben und nicht so reparaturanfällig sind. Sie sind ja vernünftig.

Gesucht: Smarte Frauen

Komisch nur, dass sich am anderen Ende der Gewichtsklasse das Bild völlig dreht. Wann haben Sie zum letzten Mal eine Frau hinterm Steuer eines Smart gesehen? Das praktische Öko-Wägelchen ist fest in Männerhand.

Die fixen Vorstellungen in unseren Köpfen werden inzwischen auch durch Umfragen widerlegt. So ergab eine Erhebung des Mineralölkonzerns Aral zu Jahresbeginn in Deutschland, dass nur noch jede fünfte Frau einen Kleinwagen möchte – Tendenz sinkend. Auf der anderen Seite wären Männer eher bereit als Frauen, für umweltfreundliche Technologie einen Sonderbeitrag zu bezahlen.

Das Auto lehrt uns also, dass wir unsere fixen Vorstellungen immer wieder mal überdenken sollten. Hat da jemand behauptet, Frauen könnten nicht einparken?

Automobil Gender Psychologie


Kommentare

  • Raphael

    Dem Artikel kann ich in vielen Punkten zustimmen:
    – Frauen fahren SUVs (bzw. versuchen es öftersmal)
    – Frauen schauen (nicht nur bei Autos) nur auf das Aussehen und selten auf die Funktionen und schon gar nicht auf den Preis (Taschen, Laptops, Möbel,…)
    – Was ich nicht so sicher bin ob die Männer die SUVs wirklich aussuchen und den Frauen hinstellen, oder ob er als Käufer gilt, weil er einfach wegen seines (noch) gefüllten Bankkontos den Kaufvertrag unterzeichnet.

  • Meta

    Schliesse mich Greg an. Die Dinger sind ja nicht mal besonders gut beim Insassenschutz. Und leisten dem Wettrüsten auf unseren Strassen Vorschub, im wahrsten Sinn des Wortes.

  • Walter Olbrecht

    Schade, dass dieser Artikel nicht von einer Frau stammt und gemessen am Gewicht des Themas bedürfte es auch einer Erklärung, weshalb nicht zuletzt all die Gender-Frauen zu diesem Thema schweigen, wie die ausbleibende Diskussion zeigt. Männer bashen bringt, das ist keine Frage, psychisch und nicht zuletzt auch sozial mehr. Die Frage aber ist, ob das ein Grund ist, sich an dieser Art von Gesellschaftsspielen zu beteiligen, statt sie zu kritisieren.

  • Paul Dettling

    Diese Beobachtung mache ich auch, kann natürlich subjektiv sein. Ich kenne in meinem Umfeld mehr weibliche als männliche SUV-Fahrer. Eigentlich enttäuschend, da ich SUV vor allem mit Rücksichtslösigkeit verbinde. Aber auch eine weitere Beobachtung würde ich mal gerne mit Fakten abgleichen. Frauen sind generell mehr alleine im Auto unterwegs als Männer, sofern es sich nicht um Geschäftsautos handelt. Gerade heute morgen wieder an der Ampel beobachtet, stimmt das?

  • Barbara

    Frauen haben eben ein grosses Sicherheitsbedürfnis. Deshalb lieben sie diese grossen Autos. Ist ja kein Wunder, dass sich Frau auf der Strasse immer wieder fürchten muss: Weil die Männer so rasen. Think about it!

  • Dimitri Schoch

    Und die Audis: alle Frauen, die beruflich was erreicht haben. müssen sich unbedingt einen Audi anschaffen

  • Greg

    @Barbara: So ein Blödsinn!

  • Ronnie

    Wer NICHT fahren UND NICHT einparken kann, braucht doch was, um alle(s), das im Weg ist, auf die Seite zu schieben…ist doch logisch…

  • Rolf Wachner

    Ich empfehle einen Leopard 2, alles andere ist einfach viel zu unsicher. Schon öfter ist mir aufgefallen wenn ein(e) Jeep-Fahrer(in) ängstlich zusammenzuckte, wenn sich zum Beispiel eine Person mit Fahrrad annäherte. Raupen und 90cm Metall sollten es in so einem Fall schon mindestens sein.

  • Jan Dlouhy

    a propos, Rück-Sicht(s)losigkeit und SUV kann man wortwörtlich nehmen. Für die im Rücken Fahrenden gibt es wirklich nicht viel zu sehen. Ausser dem hochgestellten Hinterteil – (Bedeutung=Arschzeigen), den breiten Achsen und überdimensionierten Räder (Bedeutung =Standfestigkeit/Kraft)  gesellt sich auch der Hochsitz(=Hierarchiestufe) dazu.
    Wirkt demütigend und das will man -Frau so. Fühlt wahrscheinlich dann auch “öpper” zu sein…

  • Heidi Müller

    Brausen? Die meisten Frauen kommen nicht zurecht mit den Mörderteilen, können absolut nicht fahren und haben keine Ahnung, wie breit, hoch oder lang ihr Gefährt ist und schleichen dementsprechend in der Gegend rum und nerven andere. Diese “Tussis” nerven total!!!

  • Peter Frommenwiler

    Volltreffer! Ich war der Käufer eines ML und der “Fahrer” war dann die bekannte-unbekannte dahinter…und dann fahren Sie auf der Autbahnbaustelle halt in der Mitte und auf zwei Parkfeldern …

  • Peter Steiner

    @Daniel: Ein >2 Tonnen-Gerät, das menschliche Nutzlast von ein paar Kilo befördert kann ökologisch nicht sinnvoll sein.

  • Werner Meier

    Dass man vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Klimakatastrophe noch solche Themen diskutieren will, ist ein Armutszeugnis für die Menschheit und Beleg für deren Dummheit.

  • Christoph

    Diese Fahrzeuge sind Ausdruck völliger Stupidität. Auch sprechen sie die niedersten Ebenen in der Spezies Mensch an: Gewalt, Macht, Überlegenheit, Aggression …  Sie sind zu schwer und haben oftmals Räder, welche eher an Walzen erinnern. Das Schlimme : Durch das Gewicht (ca. 2,5 Tonnen oder mehr) verursachen diese SUV’s mit ihren Walzen nervenzerstörende Abrollgeräusche. Die Autoindustrie hat sich diesbezüglich offenbar keine Gedanken gemacht. Auch die Politiker scheinen sich nicht sonderlich dafür zu interessieren. Wenn man allerdings bedenkt, wieviele Menschen an den Folgen des Strassenlärms massiv erkranken und auch sterben, muss man sich schon ein paar Fragen stellen! Ausser Rücksichtslosigkeit und Mangel an Vorstellungs- und Geisteskraft gibt es keinen Grund, sich so ein Unding anzuschaffen!!!

  • callair

    Nach meiner Meinung nach, passen Frauen besser in einen Sportwagen, z.B. Cabriolet als in einen SUV. Mit diesen idiotischen SUV’S haben sie meistens viele Probleme: zu hoch, zu breit, es grüssen die Parkhaüser-Pfosten freundlich!

  • Daniel

    Wie kann man sich nur über diese SUV aufregen? Es gibt kaum ein anderer Fahrzeugtyp, der so bequem und praktisch ist. Obendrein sind sie sehr übersichtlich und motivieren zu einem gelassenen Fahrstil. Erfreulicherweise sind nun die aktuellen Modelle auch in ökonomischer Hinsicht voll im grünen Bereich. Probiert mal einen SUV aus und urteilt danach unvoreingenommen!

  • Stefan W

    So ganz neu scheint mir diese Erkenntnis aber nicht zu sein. Schliesslich heissen die Dinger im Volksmund ja schon seit Jahren “Hausfrauenpanzer”, nicht?

  • Dino

    So viel unterschwelliger Hass gegenüber Leuten welche SUVs/Crossovers/etc… fahren ist erschreckend und arm. Wer SUVs mit Charakterzügen wie Rücksichtslosigkeit und Gewalttätigkeit verbindet der sollte unvermindert professionelle Hilfe aufsuchen. Die Fahrzeugwahl hat mit dem Verkehrsverhalten absolut garnichts zu tun – es ist wohl einfach Neid den man versucht zu maskieren. Der Andere, oder eben die Andere darf auf keinen Fall mehr bzw. etwas haben was mir nicht gefällt. Warum fühlen sich Herr und Frau Schweizer sonst ständig dazu verpflichtet anderen vorzuschreiben wie diese zu leben haben? Scheint mir so als würde diesen Leuten im eigenen Leben etwas fehlen und deshalb müssen sie sich ständig über Dritte aufhalten und nörgeln. Kümmert euch einfach um euer leben, lebt es so wie ihr es für richtig hält ohne den Moralapostel zu spielen.

  • PlainCitizen

    Im SUV hat man eben auch beim Telefonieren immer noch den Überblick.

  • Georg B.

    Ich ziehe mit meinem Offroader einen Anhänger mit 2.5 Tonnen Gewicht ( kein Pferdeanhänger). Welches Fahrzeug darf gemäss Strassenverkehrsamt solche Anhänger ziehen? Mal nachgedacht ?
    Der Gesetzgeber schreibt die Anhängelast für jedes Fahrzeug vor. Da bleibt nur noch eine kleine Auswahl, meistens SUV’s bzw. richtige, schwere Offroader. Wer hat Alternativen ?

  • Christoph

    Richtig, es fehlt einem etwas: die Lebensqualität! Neidisch macht einen schlimmstenfalls, dass überwiegend darauf geachtet wird, die Lebensqualität der Automobilen stets auf Kosten der sich ausserhalb der Fahrzeuge Befindenden zu optimieren – und das mit Billigung der Gesellschaft! Das Problem: Es gibt zuviel Lärm und Gefahren, welche von den Fahrzeugen allgemein ausgehen (nicht nur von diesen SUV’s). Diese übermotorisierten und schweren Gefährte – vorsicht, das Neidargument steht schon wieder vor der Tür – zeigen lediglich, wo das Bewusstsein der entsprechenden Verkehrsteilnehmer in etwa steht. Das hat nicht’s mit Moral sondern mit Erkenntnis zu tun. Gegen das Auto per se als Erfindung ist absolut nicht’s einzuwenden. Es ist eine grossartige Erfindung. Aber das Gehirn des Menschen ist einfach noch nicht so weit, dass es mit diesen Apparaturen sinnvoll und rücksichtsvoll umgehen kann. Deshalb bräuchte es ein Korrektiv! Wer im seinem Auto sitzt, müsste eigentlich selber erkennen, wieviel Grips dabei inaktiv ist, Status hin oder her. Gerne stellt man sich doch vor, wie man bewundert wird und ist dafür auch gerne bereit, viel Geld (das man nota bene oftmals gar nicht hat) auszugeben. Nur, das Gegenteil findet statt. Wie soll man jemanden bewundern – ausser man schaltet einmal mehr einen Teil seines Gehirns aus – der seine Umwelt mit Lärm, Gestank, Gefahren und Verachtung eindeckt, der bereit ist, sich und andere schwer zu gefährden?

  • Anna

    Ich ziehe mit meinem SUV regelmässig Pferdeanhänger oder Wohnwagen – wie bitte soll das mit einem Smart gehen!? Die Emanzipation hat nun endlich auch die Autofahrerinnen erreicht. Wir steuern solche Vehikel selbst und stellen den Partner nicht (mehr) als Chauffeur an. Jedem seine Freizeit. wink

  • Gabbi

    Oh, der Thunfischsalat sieht lecker aus. Darf man frgaen, was du da alles drin hast? Oder gibt es da sogar ein Rezept zu? Bei mir ist es oft ein naja, ich habe halt dies und das zusammen geschmissen, was gerade da war . Da kann ich oft kaum genaue Mengen nennen.

  • Anastasiya

    Hm… wenn das so ist, dann bin ich die grosse Ausnahme 😀 Ich fahre nämlich einen Suzuki SWIFT, der im Durchschnitt 4.5 l/100km verbraucht. Und habe nicht vor, in der nächsten Zeit auf einen SUV umzusteigen. Ist mir zu monströs, das Ding wink

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