Clack

In Grazie investieren

Erotisches Kapital ausnützen im Beruf? Warum nicht. Das Problem ist höchstens, dass Männer auch das ernsthafter betreiben. Eine renommierte Soziologin legt nun einen Band zum Thema vor – mit strittigen Punkten.

Von Clack-Team

Twittern

Ausbildung, Karriereplan, Brainpower? Ach was! Lernen Sie, sich richtig anzuziehen, tun Sie das auch, vernachlässigen Sie ausserdem Ihre sozialen Kompetenzen nicht und tragen Sie Make up, Rouge und Eyeliner sicher auf. Oder vergessen Sie das alles wenigstens nicht neben Ihrem Harvard-Studium.

«Wo ein Wille ist, ist immer auch ein Weg», sagt Catherine Hakim. Die bekannte Wissenschaftlerin hatte, als sie zwanzig war, auch einen Schminkkurs besucht.

Die Soziologin an der London School of Economics, Expertin im Themenfeld Frauen und Arbeit, wird diesen September ihren Band «Honey Money – The Power of Erotic Capital» auf Deutsch veröffentlichen. Vom erotischen Kapital war hier auf Clack.ch schon mehrfach die Rede, zuletzt stellten wir die Studie eines Ökonomen vor, der die in dieser Hinsicht wichtigen weichen Kompetenzen (Kompetenzen?) in harte Währung umrechnet: Attraktive Menschen verdienen mehr, heiraten selber attraktive Menschen, haben besonders süsse Kinder.

Und jetzt Catherine Hakim. Sie habe, so ist jetzt schon beim «Guardian» zu lesen, aus der simplen Beobachtung, dass hübschen Menschen alles ein bisschen leichter fällt, das erotische Kapital zur akademischen Theorie gestemmt. Und das, um zu stützen, dass, ja klar, man das Kapital einsetzen sollte, um weiterzukommen.

Die Soziologin meint mit erotischem Kapital nicht nur Schönheit, sondern auch die Fähigkeit, sich zu präsentieren, Leichtigkeit im sozialen Umgang, also physische und soziale Attraktivität. Als Beispiel nennt sie in einem Interview mit «Slate.com» IWF-Chefin Christine Lagarde: Eine Frau, «die ihre Intelligenz, ihre Qualifikationen und ihr erotisches Kapial ausnutzt».

Eine Debatte ist da programmiert. Im Interview sagt die Forscherin bedenkenswerte Dinge, etwa dass Frauen (anders als Männer) sich scheuten, zuzugeben, dass sie Aussehen einsetzen. Oder: «Eine ‚müssige’ Vollzeit-Hausfrau zu werden, ist eine moderne Utopie für die meisten Frauen.» Wie auch immer Hakim dazu kommt.

Mehr Diskussionsstoff (allem voran: spulen wir tatsächlich zurück in «Mad-Men»-Zeiten?) wird sich sicher finden, zunächst aber noch eines, bevor wir die Dinge in ihrem Zusammenhang lesen können: Männer können auch das besser. Hakim sagt: Vielen sei es nicht bewusst, dass es einen «Geschlechterunterschied darin gibt», was man aus dem erotischen Kapital schlägt. Und, obschon noch etwas unklar ist, wie das geht, aber «Männer machen mehr Geld damit als Frauen».

Tatsächlich? Stilsicherer modischer Auftritt, sattelfest in den social skills, exakter Haarschnitt, sanft gepeelte Wangen, Messieurs? Wie wunderbar, wir sind gespannt.


Twittern
Diskriminierung Karriere News Schönheit Studie