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Widerwillig zurück ins Büro

Clack-Job-Coach Christina Kuenzle über die grosse Unlust, nach einer längeren Pause wieder in die Arbeit einzusteigen – und was Sie dagegen tun können.

Von Christina Kuenzle

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Kennen Sie den «Post-Holiday-Blues»? Oder die Motivationsdepression nach langen Ferien? Wenn die Arbeit ruft und Sie sich am liebsten die Ohren zuhalten würden? Auch nach einem verlängerten Wochenende lässt die Aussage «Morgen muss ich wieder…» nicht gerade darauf schliessen, dass Ihnen die Arbeit wirklich Freude macht.

Dabei sollte der Job nicht nur Geld in die Kasse bringen, sondern auch Kontakte, Beziehungen, Erfolgserlebnisse, Know-how, Anerkennung – und Abenteuer. Und nicht zuletzt arbeiten wir doch, um geistig, seelisch und körperlich an unseren Herausforderungen zu wachsen. Woher kommt dann bloss plötzlich dieser Widerwille?

Zu viel oder zu wenig

Wenn das Verhältnis zwischen den beruflichen Herausforderungen und den eigenen Ressourcen (Zeit, Geld, Hilfe, Energie) nicht stimmt, dann kann das zu «boreout», dem Stress aus Unterforderung, oder zu «burnout», dem Stress durch Überforderung führen. Beides schlägt massiv auf die Lust an der Arbeit und kann längerfristig sogar krank machen. Fragen Sie sich deshalb regelmässig ernsthaft, ob Sie mehr tun könnten oder weniger tun sollten. Und besprechen Sie den Missstand – wenn er länger anhält – mit der Chefin, um Abhilfe zu schaffen.

Konflikte klären

Vielleicht haben Sie aber auch seelisch nicht aufgeräumt. Schlechte Beziehungen und ungelöste Differenzen am Arbeitsplatz vermiesen das Betriebsklima. Packen Sie die Konflikte an. Lösen Sie die Krise aktiv, geben Sie Feedback und holen Sie Meinungen ein. Eine gesunde, konstruktive Streitkultur ist wertvoll, braucht aber auch Mut und Zivilcourage.

Privatleben aufräumen

Möglicherweise ist Ihre Work-Life-Balance unausgeglichen. Dann signalisiert der Widerstand gegen die Arbeit, dass es im Privaten Einiges gäbe, das eigentlich Priorität hätte. Hier gilt das alte Sprichwort «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein». Um glücklich zu sein brauchen wir einen gesunden Körper, eine zufriedene Seele, einen wachen Geist und Sinn im Leben. Wir wissen, dass wir genügend schlafen, uns viel bewegen und gesund essen sollten. Dass wir auf ein gutes Selbstmanagement achten und die Beziehungen zu unserem Partner, der Familie, dem Freundeskreis und in der Gesellschaft pflegen sollten. Aber Druck und Zeitmangel halten uns immer wieder von diesen Zielen ab. Ganz zu schweigen von der lang geplanten Weiterbildung oder der Suche nach dem Sinn des Lebens…

Die Arbeits-Unlust nach der Pause gibt uns also wertvolle Hinweise, was wir in unserem Leben genauer ansehen und ändern können – oder sollen.

Executive und Business Coach Christina Kuenzle ist Gründerin der Choice Ltd., Zürich, Präsidentin des Zürcher Collegium Novum und Mitglied des INSEAD Global Leadership Centre, Fontainebleau. Die Betriebswirtschafterin hat ein MBA, ein M.S. in Veränderungspsychologie und ein Diplom als Neurofeedbacktherapeutin. Sie ist Gastdozentin an der Universität Zürich sowie Coach und Mentorin am INSEAD und an der Universität St. Gallen. http://www.choice-ltd.com

Haben Sie eine Frage an unseren Job-Coach? Dann schreiben Sie uns. Die Redaktion wird die Themen sichten, auswählen und die Antworten publizieren. Mailen Sie Ihre Frage mit dem Betreff «Ihr Job» an redaktion@clack.ch.

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Kommentare

  • gnarly

    Missstände mit Chefin ansprechen und Lösungsvorschläge bringen?

    Was tun wenn Chef damit überfordert ist und selber mit der Situation nicht umgehen kann?

    Heute scheinen leider viele Chefs selber nicht mehr in der Lage zu sein ihre Leute zu führen und konstruktiv mit der Kritik (ist ja dann eine Führungsstil Schwäche wenn der Mitarbeiter überfordert / überlastet ist) umzugehen.
    Alsbald meine „Schwäche der Überforderung“ zu Tage kam, wurde ich von einem zum anderen Tag radikal ausgeschlossen. Von 150 % Verantwortung und Arbeitspensum aufs Abstellgleis.
    Abhilfe schaffen? In meinem Falle ging das nur mit Kündigung und einer Auszeit (welche ich ungemein genossen habe). Ich musste lernen wie ich mich distanzieren kann, so dass ich nicht mehr in die 150% Verantwortung und Überforderung reinrutschen werde.

    Die jetzige Selbständigkeit macht Spass und ich nehme mir die Zeit für die Dinge die für mich wichtig sind und ich brauche:

    Regelmässige Bewegung, das lüftet den Kopf und mehr Freizeit geniessen

  • sandra

    Wenn man vor dem Chef zugibt, dass man mit der Arbeit überfordert ist, dann kann man doch auch gleich kündigen. In der heutigen Wirtschaftslage muss man funktionieren, sonst geht man unter. Funktioniert man nicht, dann ruft Hartz IV.

  • PJ Cairns

    Es wird immer problematisch sein, geht zurück auf nach den Ferien arbeiten. Mein Vorschlag: pflegen Ihr Haus wie eine Ferienwohnung. Dekorieren Sie ein Teil des Hauses, als ob Sie in einem Hotel waren. Und jeden Tag, wenn Sie bei der Arbeit sind, werden Sie wissen, haben Sie einen Urlaub zu Hause. Ganz wichtig: der richtige Sessel. Erlauben Sie mir, Sie auf diesen fantasievollen Stühle umleiten http://www.brabbu.com/upholstery/

    P.

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