Clack

Mann gönnt sich ja sonst nichts

Männer belohnen ihr Geschäfts-Gefolge regelmässig mit Sex wie der Incentive-Skandal zeigt. Damit solche Corporate Machismen aufhören, müssen Frauen in die Führung.

Von Annett Altvater

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So dürften sich einige Herren das Paradies vorstellen: Ein Schwimmbad für den Privatgebrauch, Himmelbetten zum Herumlümmeln, 20 verfügbare Frauen, Champagner – und alles auf Firmenkosten. In den Genuss eines solchen Freiluftbordells kamen nicht etwa arabische Scheichs, sondern besonders tüchtige Vertreter der Versicherung Hamburg-Mannheimer, einer Tochter des Ergo-Konzerns. 83’000 Euro liessen sich die Verantwortlichen die Veranstaltung kosten.

Die Männer mussten sich die gebratenen Täubchen, sprich: Frauen, nur noch in den Mund fliegen lassen. Ein Schlaraffenland, das im 2007 für kurze Zeit zugänglich war und nun für rote Köpfe in den Vorstandsetagen der Versicherung sorgt. Doch so erstaunt müssen die Herren auch wieder nicht tun: Auch an Tagungen von Ergo-Führungskräften sollen Prostituierte zu den Stammgästen gezählt haben. Sexreisen auf Firmenkosten sind in der Geschäftswelt ein bewährtes Anreizmittel.

Wo bleiben die Weiber?!

Erinnern wir uns beispielsweise an den Volkswagen-Skandal, der 2007 vor Gericht endete: Der oberste Arbeitnehmervertreter hatte sich privaten Luxus auf Firmenkosten genehmigt, der Personalmanager hatte Prostituierte für den Personalvorstand, Manager und Betriebsräte besorgt und über Spesen abgerechnet. Reisen ohne zum Sex bereite Frauen seien kaum mehr denkbar gewesen, sagte damals der Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer. «Gebauer, wo bleiben die Weiber?», habe es geheissen. Wenn ein Kollege mit einem Mädchen unzufrieden war, sorgte Gebauer für Ersatz.

Auch in anderen Unternehmen scheint man sich mit Sexreisen auzukennen. So gab die Deutsche Bank 2008 eine Spesenrichtlinie heraus, dass sie Erwachsenenvergnügen weder billige noch zahle. Die Mitarbeiter wurden angehalten, die Firmenkreditkarte nicht für solcherlei Ausgaben zu nutzen. Offenbar gehörten moralisch fragwürdige Belohnungen für Geschäftspartner durchaus zu den üblichen Geschenken.

Die Liste liesse sich noch verlängern mit einem machtbewussten Dominique Strauss-Kahn, der nicht in der Lage ist, realistisch einzuschätzen, wo die Grenzen seines Zugriffsbereichs liegen.

Oder mit einem Internetkongress in Wien, bei dem auf der Teilnehmerliste nur die Vornamen von Frauen auftauchten, mit dem Hinweis, dass die Damen gebucht werden könnten.

Selbst bei KMU tauchen Bordellrechnungen auf Spesenabrechnungen auf.

Rehe und Jäger

Obwohl viele Unternehmen so tun, als ende ihre Kundenbeziehungspflege beim Abendessen, sagen Bordells, dass Topmanager ihre Verhandlungen häufig unter der Rotlichtlampe abschliessen. Schliesslich können die Rechnungen ebenso gut als Abendessen abgrechnet werden.

Mit neuen Verhaltensregeln will man dem Machismo in der Wirtschaft einen Riegel schieben. Doch die Fälle zeigen einmal mehr, dass Frauen sich in der Wirtschaft noch nicht ausreichend durchgesetzt haben. Um althergebrachte Männerregeln umzustossen, braucht es aber starke Frauen in den Führungsetagen, die mit dem Klischee aufräumen, dass zu einem geschäftlichen Dankeschön eine willige Frau als Zugabe gehört. Stattdessen müssten sie sich neue Strategien einfallen lassen, um Kundinnen und Geschäftspartner bei Laune zu halten. Gratis-Sex mit von der Firma ausgesuchten Prostituierten darf kein Motivationstreiber sein. Das erinnert zu sehr an greise DDR-Häuptlinge, die jagten, indem sie sich sieches Wld vor die Linse treiben liessen, um es so rasch und so unaufwändig wie möglich abzuknallen.

Geschäftsfrauen fehlen bis anhin auch auf jenen Etagen, denen die Sexparty-Gänger angehören. Wie sonst liesse es sich erklären, dass ganze Abteilungen geschlossen auf Lustreise gehen? Fragt sich nur, ob die Männer nicht wollen, dass Frauen in ihre heiligen Jagdgründe eindringen. Oder ob es den Frauen zu dumm ist, die undankbare Aufgabe zu übernehmen, die Rehe aufzuscheuchen und den Möchtegern-Jäger zu stören.

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Sexreisen Strauss-Kahn


Kommentare

  • Freiherr

    Privat(isiert)e Buden sind in der Gestaltung ihrer Grosskundenverwoehung zwecks Gewinnmaximierung statt Gemeinnutz auch fuer Kleinstkunden weitestgehend frei, solange sie dabei nicht zum Kindesmissbrauch oder zur Zwangsarbeit greifen!

    Skandaloes und inbezug auf die Mittaeterin noch immer nicht aufgearbeitet ist aber der Fall des Weltbaenksters Wolfo Witz, der oeffentliche Gelder zur Honorierung von Sexleistungen zur eigenen Befriedigung in hoher sechsstelliger Hoehe missbrauchte und samt seiner Mittaeterin strafrechtlich ungeschoren davonkam. Es ist – wegen persistierenden Schweigens sogar des Hetz- und Sexprangerblattes – nicht einmal ausgeschlossen, dass die Mittaeterin von Wolfo Witz gar heute noch oeffentliche Lohngelder bezieht!

    Waehrend maennliche Aussenminister fast aller europaeischen Staaten lauthals gegen den Missbrauch oeffentlicher Gelder zur amtsinternen Prostitution protestierten und die sofortige Schassung Wolfo Witzens forderten, schwieg unsere sonst jeden in China umfallenden Sack Reis bejammernde Aussenclownin zu diesem krassen Fall illegaler Befriedigung und dito Bereicherung der Mittaeterin. Und auch das Hetz- und Sexprangerblatt verzichtete auf die sonst uebliche Hetzserie gegen private Hormonpflege von Politikern und Beamten auf eigene Rechnung mit detaillierter Auflistung und Beschreibung der fuer die missbrauchten oeffentlichen Gelder erbrachten sexuellen Dienstleistungen….

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