Clack

Herrenlose Gesellschaft

Der geringe Anteil von Frauen in Führungsetagen wird immer bemängelt. Schauen Sie sich mal dieses Bild an. Da kann der Schweizer Bundesrat gleich einpacken.

Von Clack-Team

Twittern

1 von 3

Ein Bild, wie es selten zu sehen ist: 17 tonangebende Frauen der Modeindustrie auf einen Blick vereint. Anlass dazu war die japanische «Fashion’s Night Out» in Tokio. Die Damen auf dem Bild sind die «Vogue»-Chefredaktorinnen aus diversen Ländern der Welt und damit die Frauen, die massgebend darüber bestimmen, was die Vermögenden und Modebewussten der Welt tragen. 

Da kann lange beklagt werden, dass die Mode mit Vorliebe von schwulen Männern kreiert wird, dieses Bild macht klar, wer wirklich den Ton angibt und sich in dieser Rolle sehr bewusst und selbstbewusst inszeniert. Oder zumindest als Chef-Verkäuferin des eigenen Titels funktioniert. 

Die Hackordnung ist offensichtlich. In der Mitte thront Anna Wintour, gefürchtete Chefredaktorin der amerikanischen «Vogue». Sie hat das Bild der eiskalten Chefin und Königsmacherin weitgehend geprägt und seit Carine Roitfeld als Chefredaktorin der französischen «Vogue» zurückgetreten ist, ist ihre Vormachtstellung wieder gesichert. Ihr wurden Bücher und Filme gewidmet, sie ist die Ikone – sichtbar. 

Unweigerlich drängen sich da die zahlreichen Bilder von Geschäftsleitungen, G-20 Treffen oder EU-Gipfeln in den Sinn. Da dominiert grau und männlich – nach wie vor. Modisch angereichert durch Frauen wie der argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner, insgesamt aber praktisch und eher farb- und formlos wie Angela Merkel. 

Wer dieses Bild anschaut, kann sich plötzlich auch etwas anderes unter Aussage von Joe Ackermann, dass die Geschäftswelt mit mehr Frauen «farbiger und schöner» sein würde. Wie wahr – die Kleiderwahl der Porträtierten zeigt die Vielfalt, farblich und vom Stil her. Vom Abendkleid über den Businessanzug, von den bunten Farben bis zum klassischen Business-Grau. Die Mode ist ein weites Feld und dient der Selbstinszenierung in einem kompetitiven Umfeld. 

Die Herren? Ja, die vermisst man auf dem Bild nicht wirklich. Das Exzentrische und Individuelle würden durch die uniformierten Anzugsträger wohl zu einem grossen Teil verloren gehen. Das hat jedoch nur teilweise mit dem Geschlecht zu tun, wie ein innerhelvetischer Vergleich zeigt: Das Cover der «annabelle» zierten Anfang 2011 die vier Bundesrätinnen. Eine graue Sache war das. Perlenkette, Blazer und von Extravaganz keine Spur. Aber die machen ja auch Politik. Ausserdem scheint es ein Bedürfnis der Chefredaktorinnen zu sein, lieber selber zu glänzen. 

(Visited 60 times, 1 visits today)
Film Frauen Liebe Mode Politik Stil


Kommentare

Lesen Sie auch: