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Hausfrau aus Frust

Frauen wollen gar nicht Karriere machen, behauptet eine neue Studie. Wahrscheinlich fügen sich viele aber schlicht und einfach der Realität.

Von Michaela Kozelka

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Reich heiraten, Kinder kriegen und dann Hausfrau werden: Das ist für mehr als jede dritte Frau in Grossbritannien immer noch ein erstrebenswertes Ziel. Behauptet jedenfalls eine neue Studie der London School of Economics.

Nun, Geld zu haben war noch nie schlecht. So ist es durchaus verständlich, dass Frauen lieber mit einem reichen Mann als mit einem armen Schlucker vor den Traualter treten wollen.

Interessant, gar abenteuerlich sind allerdings die Schlüsse, die Studien-Autorin und Soziologin Catherine Hakim aus den Resultaten der Untersuchung zieht: Dass nämlich viele Frauen gar nicht finanziell unabhängig sein wollen. Und dass die Führungsetagen schlicht deshalb voll von Männern sind, weil Frauen gar keine Lust auf Karriere haben.

Tönt, als hätten Frauen so etwas wie ein alles-dominierendes Heimchen-Gen. Und dass deshalb die meisten Frauen bereits auf den untersten Stufen der Karriere-Leiter schlapp machen. Die gläserne Decke wäre damit bloss eine Erfindung der Medien oder der Feministinnen oder von sonst wem.

Doch so einfach ist es – leider? – kaum.  Denn zugleich beklagen sich weibliche Angestellte seit Jahrzehnten über mangelnde Karrierechancen sowie über undurchsichtige und fragwürdige Bevorzugung von männlichen Kollegen bei Beförderungen. 

Auf der anderen Seite wiederum gibt es durchaus Unternehmen, die sich vorgenommen haben, mehr Frauen in Führungspositionen einzusetzen. Und diese beklagen sich wiederum, keine Top-Frauen zu finden.

Schlechte Work-Life-Balance, Präsenzkult, schlechter Einklang von Arbeits- und Krippenwelt: Die Berufswelt bietet eben viele und viel diskutierte Hindernisse. So ist es nicht etwa das Resultat der britischen Studie, das grosse Fragezeichen aufwirft – sondern deren Interpretation.

Könnte es nicht etwa sein, dass schlicht Müdigkeit und Resignation einen Drittel der Frauen mit der Hausfrauenrolle flirten lassen? Der mühselige Kampf hat Frauen beruflich bisher nur wenig weiter gebracht, viele Hoffnungen wurden trotz guter Schul- und Universitätsabschlüsse begraben. Erst recht, wenn Kinder da sind. Zu kräftezehrend ist der ständige Kampf, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.

Dass das alte Modell – ein Mann, der gut verdient und allen eine Dolce Vita bieten kann – immer noch attraktiv wirkt, ist da irgendwie sogar verständlich.

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Kommentare

  • Ferdinand Gschtorbe

    Denn zugleich beklagen sich weibliche Angestellte seit Jahrzehnten über mangelnde Karrierechancen sowie über undurchsichtige und fragwürdige Bevorzugung von männlichen Kollegen bei Beförderungen.
    Ich kenne diverse Männer, die dasselbe Lied singen – mit dem Unterschied, dass diese das Arschkriecherische Verhalten der Bevorzugten beanstanden und nicht deren Geschlecht.
    Die gesellschaftlich akzeptierte “Fluchtmöglichkeit Haushalt” steht ihnen allerdings nicht offen..

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