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Elegante Beziehungen

Warum ein Partner das Leben nicht leichter macht, wir uns aber in einer Partnerschft weiter entwickeln und sogar guten Sex entdecken können. Zwei Experten berichten.

Von Clack-Team

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Kürzlich war hier schon die Rede von langen Partnerschaften und den trickreichen Jahren des unperfekten Lebens zu zweit. «Eine feste Partnerschaft ist eine Menschen-Entwicklungsmaschine» sagt nun der amerikanische Sexualtherapeut David Schnarch in einem Interview in der «Zeit». Unter dem Titel «Schlechter Sex ist ein Segen» führt der Psychologe aus, was daran gut sein soll und wie Sex wieder «intimer, erfüllender» werden kann.

Weil sich zwei zu Beginn einer Beziehung «positiv spiegeln», trägt das Begehren sie wie von selbst. Bekanntlich lässt das mit der Zeit nach, und wer weniger oder keine Anerkennung spürt, spürt auch weniger oder kein Verlangen.

Wie man da rauskommt, ist die grosse Frage. Schnarch sagt dazu ziemlich eindrückliche Sätze und gibt auch gleich ein paar Tipps. «Sobald man sich als Paar zusammengefunden hat, geht’s los. Das ist so seit Millionen von Jahren. Sobald man drin ist, kommen die Wände näher. Und man kann sich nirgends verstecken.»

Die klaustrophobische Situation ist ihm aber der Boden für Entwicklung: «Eine Partnerschaft ist etwas Elegantes», sagt er, auch das ein Satz zum merken. Als Ausweg aus den engen Wänden gibt’s nur eines: «Du musst wachsen. Das ist die einzige Möglichkeit, sich sexuell weiterzuentwickeln und die Leidenschaft neu zu entfachen.»

Die Einsicht, dass ein «Partner das Leben nicht leichter macht», stammt von ihm. Aber statt den Partner fürs Glück oder guten Sex verantwortlich zu machen, heisst es vielmehr, unabhängig zu werden von ihm. Vier Punkte schlägt Scharch im Interview dazu vor: Auf eigenen Beinen stehen und eigene Ziele verfolgen; sich selbst beruhigen und Ängste überwinden können; nicht überreagieren oder davonlaufen; Probleme und Unbehagen ertragen oder zumindest bereit sein dazu.

Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit sind auch bei Sexologin Ann-Marelene Henning im «Spiegel»-Interview zentral. Um sich dem anderen mitzuteilen, muss erst klar sein, wer man selber ist, sagt sie. Dass es auf dem Weg dahin noch immer sozusagen an den Basics fehlt, erstaunt. Die Neuropsychologin muss ich als Therapeutin mit ihren Klienten oft erst auf ein Wort für weibliche Geschlechtsorgane einigen: «Da gibt es in der Tat kein gutes Wort. Die meisten Bezeichnungen sind entweder zu niedlich, zu kleinmädchenhaft oder zu grob.»

Trotzdem: «Jeder ist für einen Orgasmus selbst verantwortlich», heisst es da. Und: «Orgasmus kann man üben wie Klavierspielen oder Fahrradfahren. Erregung ist angeboren, gute Sexualität nicht. Das bringt sich jeder selber bei – so gut er kann.»

Zwei unabhängige Wesen können sich selbst und sich gegenseitig weiterbringen. Die Einsicht mag nicht neu sein, aber gelegentlich sie etwas unter. Dabei kann sie nicht prominent genug besprochen sein.

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