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Halt die Klappe!

Gibt es Sexismus online? Oder sind frauenfeindliche Kommentare bloss Cyber-Bulling? Auf dem «Guardian» streiten sich Frauen und Männer seit Tagen, ob man Bloggerinnen verbal an die Wäsche darf.

Von Clack-Team

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Eine Warnung der Clack-Redaktion vorab: Dieser Eintrag enthält Beschimpfungen, Drohungen und einen nicht jugendfreien Wortschatz!

Cyber Bulling ist nichts neues. Blogger rund um die Welt geben immer wieder zu Protokoll, dass sie in Kommentaren beschimpft und beleidigt werden. Was Print-Journalisten früher selten via Leserbriefe erreichte, geht via Internet schnell, anonym und deshalb noch ein Stück obszöner: Hohn und Spott, selten sachliche Kritik. Das gilt auch für Bloggerinnen – mit dem Unterschied, dass Kommentare häufig auf das Äussere zielen und unter die Gürtellinie: Frauen müssen auch im Jahr 2011 damit rechnen, verbal vergewaltigt zu werden.

Darf man das öffentlich ankreiden und debattieren? Oder sind Bloggerinnen einfach nur empfindlich und gefährden mit ihrem Gejammer die Pressefreiheit, wie das Brendan O’Neill auf dem Telegraph behauptet?

Auf dem «Guardian» läuft sein Tagen eine Debatte zum Thema. Ein paar Kostproben daraus und einige Perlen aus der hiesigen Szene:

  • Du dumme Fotze – alles, was Du brauchst, ist mal wieder so richtig durchgefickt zu werden (tigerbeaddown.com)
  • Wer so aussieht, sollte sich nicht auch noch zeigen (huffingtonpost.com)
  • Feminazi (mamablog.ch)
  • Da will eine Mutter alle Mütter aus dem Kinderzimmer locken. Die Kinder wegnehmen sollte man ihr. Oder besser: Ruhigstellen und durchficken – das einzige Rezept für Frauen mit einer solchen Klappe (Leserbrief an das Schweizer Elternmagazin «wir eltern»)
  • Sie sieht sowieso wie eine lesbische Hure aus (cruella-blog)
  • Du bist eine Frau nicht wahr? Das allein ist Grund genug, das Du schweigen solltest (motherlode.com)
  • Diese Schlampe muss endlich mal an die Wand gestellt werden: Gang-rape!  (the guardian – Kommentar zum Bullying-Thema)

Mehr als 1000 Bloggerinnen haben Beispiele von verbalen Angriffen hinterlassen – und damit das Feuer erst recht geschürt: Prompt beklagten sich Männer en masse, dass da ein altes feministisches Dauerthema in Variation wieder durchgespielt werde: Dass Frauen Worte für bare Münzen nähmen. Dass Frauen, die mitreden wollen, sich eben eine dickere Haut zulegen müssten. Und Redefreiheit noch immer das höchste Gut einer Demokratie darstelle.  Auch eine Lesart, klar doch. Eine Bloggerin antwortete darauf mit einem einzigen Satz. Einen Satz, den sie, wie sie schreibt, standardmässig immer unter anonyme verbale Vergewatigungsphantasien setze: «Warum hassen Sie eigentlich weisse Männer nicht?»

Was glauben Sie? Ist Cyber-Vergewaltigung nur eine kreative Spielart des Cyber Bulling? Oder einfach der neue Tummelplatz nichtzensurierten Frauenhasses?

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