Clack

Guten Morgen, Sex!

Eine Frisur wie Pumuckl, Augen wie Rosinen, eine Mundhöhle wie die Atacamawüste. Kein Grund, Sex am Morgen auf der Latte zu haben, findet Clack-Autorin Daniela Dambach. Eine kalte Dusche für Morgensexmuffel!

Von Daniela Dambach

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Der Tag zieht jungfräulich ins Land, das sich in Schlummer und Stille wiegt. Von der schweren Decke eingesponnen wie in einem Kokon, verhaken sich Zehen, ruhig atmende «Heizkörper» drücken sich aneinander. Neugierig tasten sich reife Fingerbeeren unter das Pyjama. Das Testosteron tanzt.

Vor ein paar Stunden noch Schäfchen gezählt, springt der Zeiger auf das Schäferstündchen. Die Wollust kommt im Seidenachthemd. Die Grenzen zwischen Traum und Tagwacht transzendieren wie jene zwischen dem «Ich» und dem «Wir».

Gerade wenn der Himmel uns mit jedem seiner Tropfen schmerzlich daran erinnert, das eigentlich Sommer wäre, scheint die Bettdecke unsere einzig wahre Verbündete zu sein.
Es gibt wohl kein wohliger prickelndes Gefühl, als sich dann den weichen Wogen des Duvets  zu ergeben und in Trance etwas Hartes zu ertasten.

Wer sagt denn, Sex gehöre ins Abendprogramm? Heute Morgen gilt: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Der wütende Wecker kann warten, bis er rostig wird. Genauso wie das Frühstück. Wer denkt bei Ejakulieren schon ans Frühstücksei? Es ist doch kein Problem, zugunsten der einen, auf die andere «Schnitte» zu verzichten. Und wahrscheinlich kriegt man das Croissant beim Bäcker nach dem morgendlichen Lustgipfel sowieso geschenkt – bei diesem Grinsen im Gesicht. Jedenfalls gaukelt die Euphorie nach einem solch energetischen Start in den Tag vor, es könnte sich so zutragen.

Nichts ist authentischer als Morgensex. Das Deo hat sich in der zweiten Traumphase unter tosendem Applaus der Bakterien verabschiedet. Das Kissen hinterlässt Spuren auf den Wangen, als möchte es einem Fährtenleser eine Botschaft übermitteln. Die Haarsträhnen stehen ab, wie die Tüllröcke von Ballerinas. Kann all das der gegenseitigen Anziehung nichts anhaben? Dann ist es wahre Innigkeit und Vertrautheit, die weit über Äusserlichkeiten hinausgeht. Echte Liebe kennt keinen Ekel. Wer ein Problem hat, seinem Partner das struwwelpetrige, kajalkrümelige, bleizüngige Morgen-Ich zu offenbaren, muss sich keine Gedanken über Morgensex machen. Sondern über sich selbst.

Der Eigenduft entfaltet sich nach dem Ausflug ins Schlummerland besonders intensiv. Aus der Forschung ist bekannt, dass sich Frauen und Männer nur (ver)lieben, wenn sie sich riechen mögen. Unser feines Rezeptorsystem prüft, ob die Chemie stimmt. Eine Art Liebestest also, ob man seinen Partner noch riechen kann, wenn sich Davidoff-Duftwolken und Aftershave-Nebel verziehen.   

Die frühmorgens ausgeschütteten Glückshormone reichen für den ganzen Tag. Sogar der bittere Filterkaffee in der Kantine schmeckt nach einem solch sexy Start etwas süsser. Nicht einmal der Chef, der an einer unheilbaren «Schikanitis» leidet und noch weissere Socken trägt als sonst, vermag das Schmunzeln aus dem Gesicht zu schieben. Wer sich wundert, warum Sie beim morgendlichen Team-Meeting voller spritziger Ideen sind, ahnt wohl nicht, warum heute Ihr Hirn so gut durchblutet ist …

Daniela Dambach ist freie Autorin und Chefredaktorin der Zeitschrift «Mis Magazin». Als Clack-Co-Chefredaktorin wird sie für Sie die schönen und die unschönen Dinge des Alltags mit spitzer Feder und rothaarigem Temperament beschreiben.

Sexualität


Kommentare

  • Zappa

    Hmm.. der Quotenwettbewerb zwischen clack, watson und 20min scheint seltsam schwülstige Blüten der schlüpfrigen Sprache zu treiben, wie es nur in einer verklemmt Gleitmittel-sexualisierten Werbewüste wie Helvetien möglich ist.

    Natürlich kennt Liebe Ekel. So etwa der ernüchternde Anblick nach durchzechter (‘eine Mundhöhle wie die Atacamawüste’) Nacht und was da neben frau liegt. Jemand, der sich nicht einmal die Mühe machte, das Make-up für die beschissene Trance Party von letzter Nacht abzuschminken, anscheinend auch kein Wissen über toxische Substanzen hat (Kajal ist im wesentlichen Bleisulfat) und die simple Höflichkeit einer Dusche vor dem Zubettgehen auch nicht kennt. Ein stinkendes Egoman, das den Unterschied zwischen der Kunst natürlicher Essenzen, die die eigene Duftchemie unterstützen, nicht von künstlichen Übertönern wie Davidoffs ‚Cool’water unterscheiden kann, Naja, wenigstens war’s nicht Axe.

    Richtig, ein solch stinkendes Egoman muss sich über sich selbst Gedanken machen, wenn es vor der Frühstücksschnitte sich auf der Trottoirdusche wiederfindet. Oder wie Sie schrieben: Selber schuld.

  • Bobo

    Der letzte Artikel von der Autorin wurde glaube ich kein einziges Mal kommentiert.  Nicht gut im Clack-internen Wettbewerb. Da ist der Griff in die Sexkiste ein probates Mittel für mehr Clicks.

  • Irene

    Formidable…..smile danke!!!

  • simu

    …..Es ist doch kein Problem, zugunsten der einen, auf die andere «Schnitte» zu verzichten…..

    Wunderbar , herzhaft gelacht 😀 !

  • Toerpe Zwerg

    Irgendwie schwierig machbar, wenn die Kinder Hüpfburg spielen am Morgen auf dem Elternbett …

  • The Greener

    Sehr geil(sorry, fiel mir kein originelleres Wort ein) geschrieben. Made my day.

  • daniela p.

    so langsam verstehe ich, wie man daniela dambachs texte lesen muss. das ist poetry slam. der satz mit den bakterien ist hammer!

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