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Gleichberechtigt gestresst

In einem Punkt ist Gleichstellung erreicht: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stresst Väter und Mütter gleichermassen. Ist das ein Fortschritt?

Von Clack-Team

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Es wird viel geschrieben zu Geschlechterrollen, Frauenkarrieren, der Rolle der Männer und der Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Vereinbarkeit eines entspannten Familienlebens mit beruflichen Ambitionen. Fazit in Kürze: Frauen müssen entschlossener sein, Männer in die Diskussion involviert werden und Arbeitgeber offener werden für verschiedenste Arbeits- und Lebensentwürfe.

Sie sind der Diskussionen überdrüssig und der Kämpfe müde?

Dann sind Sie genau an dem Punkt, der Frauen und Männer vereint. Sie sind erschöpft. Für mehr als die Hälfte der berufstätigen Väter und Mütter ist die Balance zwischen Familien- und Berufsleben mehr oder weniger schwierig zu finden. Das zeigt eine aktuelle Studie des Pew Research Center zu moderner Elternschaft.

  • Sich gehetzt zu fühlen, gehört bei 40 Prozent der Mütter und 34 Prozent der Väter zum Alltag.
  • Väter leiden deutlich häufiger unter dem Gefühl, zu wenig Zeit mit den Kindern zu verbringen (46 Prozent, Mütter 23 Prozent).

Kein Wunder, denn die Doppelbelastung bei Männern hat in den letzten Jahren klar zugenommen. Sie engagieren sich deutlich stärker in der Haus- und Familienarbeit als in den letzten 50 Jahren, die Zeit, die sie der bezahlten Arbeit widmen, ist dagegen nur geringfügig gesunken.

Zu Hause arbeiten und die Arbeit zu Hause

Ein Homeoffice-Tag gehört heute schon fast zum modernen Vater. Viele Firmen in der Schweiz ermöglichen es, gerade weil sie ihre Arbeitstätigen mit Familie bei Arbeitslaune halten wollen. Arbeiten zu Hause heisst aber nicht, dass die Arbeit zu Hause dann erledigt ist. Da machen sich viele Paare etwas vor. Für die Beziehung zu den Kindern ist es wunderbar, wenn (in der Regel) der Vater einen Homeoffice-Tag einlegt, sie am Morgen verabschiedet, am Mittag kocht und am Nachmittag bei den Hausaufgaben hilft. Die Erwartungen, dass dann aber noch die Wäsche gemacht, der Grosseinkauf getätigt und das Sozialleben organisiert wird, ist masslos überzogen. Wieso soll es mit Supermann klappen, wenn schon das Modell Superfrau nur bei einigen wenigen und mithilfe von bezahlten und unbezahlten Angestellten funktioniert? (Lesen Sie auch: «Das Pausenplatz-Domina-Syndrom»)

Vom Ernährer zum Provider?

Die Ernährerrolle ist für viele Männer Bürde und Ideal zugleich, wie etwa die deutsche Studie zu modernen Vätern bestätigte. Und in einer Befragung bei Schweizer Männern durch das Zentrum für Gender Studies in Basel wurde das derzeit vorherrschende Ideal von Vaterschaft als «emotional involvierter, präsenter Ernährervater» beschrieben. Männer haben einen Vorsprung darin, ihre Arbeit als wichtig zu positionieren. Und genau dies könnte sich für die Familienarbeit als Glücksfall erweisen. Denn es gibt die Männer, die Familien- und Hausarbeit systematisch aufwerten. Frauen sollten sie dafür nicht belächeln, sondern bewundern.

Bekanntester Vertreter dieser Spezies ist der Kolumnist Bänz Friedli, der nicht müde wird, die vielfältigen Aufgaben, die in der Hausarbeit anfallen, zu benennen. (Lesen Sie auch: «Der Tarnkappen-Chauvinist») In einer Befragung der Soziologin und Geschlechterforscherin Tomke König bezeichnete sich ein Hausmann als Provider, der den Haushalt in Schwung hält, für die Gesundheit sorgt und schaut, dass alle glücklich sind. Wahrlich eine grosse und verdienstvolle Aufgabe.

Familie heisst Arbeit teilen

Arbeitsteilung ist heute Gegenstand von Verhandlungen, das Spektrum ist breit, die Diskussionen anstrengend. Dies auch das Resultat und der Titel der Habilitation von König. Für viele Paare stellt sich verschärft die Frage, wer sich wann erholen kann. Denn die Doppelbelastung trifft Frauen und Männer. Nach der Erwerbstätigkeit beginnt die «zweite Arbeitsschicht», wie sie die Forscherin bezeichnet: einkaufen, waschen, kochen, aufräumen, putzen und Hausaufgaben machen. Da bleibt kaum Zeit für die Beziehung und Gespräche, die über das Organisatorische hinausgehen, oder Musse für gemeinsame Vergnügen und Unternehmungen.

Zeit für die Kinder, aber nicht für sich

Eine erstaunliche Erkenntnis aus der Pew-Studie. Die Zeit, die mit den Kindern verbracht wird, ist seit den 60er-Jahren markant gestiegen. Bei den Männern hat sie sich verdreifacht, aber auch bei den Frauen ist sie gestiegen, obwohl die Vollzeit-Hausfrau zum Auslaufmodell wird. Auf der Strecke bleiben die gemeinsamen Erlebnisse, und so graut es dem einen oder anderen Paar vor zu viel Zeit, denn sie haben schlicht verlernt, sich jenseits des Arbeits- und Familienalltags miteinander zu beschäftigen. Die Hoffnung liegt auf der nächsten Generation, der sogenannten Generation Y. Die legen schon bei der Einstellung grössten Wert auf eine gute Verknüpfung der Work-Life-Balance. Die demografischen Vorteile sind auf ihrer Seite, Vorbilder entwickeln sich gerade, und die abschreckende Wirkung einer ausgelaugten Generation dürfte auch wirken. Ein kleiner Trost für alle erschöpften Eltern – ihr tut es für eure Kinder, damit die es mal besser machen.

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